Eric Frank Russell

Der ´freundliche Anarchist´ der Science Fiction entstammt einer Soldaten-Familie: Unter anderem hier liegen die Wurzeln für Eric Frank Russells lebenslange Antipathie gegen kritikfreies Obrigkeitsdenken, das er in zahlreichen Kurzgeschichten und Romanen humorvoll aber deutlich karikierte.

Geboren wurde Russell am 6. Januar 1905 quasi im Schatten der „Royal Military Academy“ in Sandhurst, der Schmiede englischer Berufsoffiziere, zu denen auch der Vater gehörte. Dieser wurde dienstlich oft versetzt, was die Familie an ferne Orte des Empires führte; so lebte man lange in Ägypten und im Sudan. Zwar strebte Russell zunächst eine Laufbahn als Ingenieur an, doch als der II. Weltkrieg ausbrach, ging er zur Royal Air Force.

Schon 1937 hatte Russell eine erste Science-Fiction-Geschichte, „The Saga of Pelican West“, in „Astounding Stories“, einem der besseren der zahllosen Pulp-Magazine dieser Ära veröffentlicht, die als „Golden Age“ der SF gilt. Ein erster Roman erschien 1939. „Sinister Barrier“ (dt. „Gedanken-Vampire“) dokumentiert Russells Überzeugung, dass unsichtbare Entitäten die Menschen im Denken und Handeln manipulierten – eine Theorie, die Russell von Charles Fort (1874-1932) adaptierte, der sich der Sammlung unerklärlicher Phänomene verschrieben hatte.

Noch während des Krieges begann Russell eine Serie von Storys um den Roboter Jay Score, der nicht nur Menschengestalt besitzt, sondern sich bemüht, ein echter Mensch zu werden. (Diese Geschichten wurden später in „Men, Martians and Machines“, dt. „Menschen, Marsianer und Maschinen“, gesammelt.) Nach dem II. Weltkrieg und einem kurzen beruflichen Zwischenspiel als Ingenieur wurde Russell zum Vollzeit-Schriftsteller. Vor allem in „Astounding“ erschienen seine Kurzgeschichten so oft, dass der Autor sich der Pseudonyme Duncan H. Munro und Webster Craig bediente, um diese Dominanz zu bemänteln.

Was Russell in seiner Zeit bei der Royal Air Force in Sachen Militär-Logik und Bürokratie erlebt hatte, diente ihm als unerschöpflicher Fundus für bissige aber nie bösartige Satire. Zu Klassikern der Science Fiction wurden die Novelle „ …And Then There Were None“ (dt. „ …dann war’n sie alle futsch“) oder die 1956 mit einem „Hugo Gernsback Award“ als beste Kurzgeschichte des Jahres ausgezeichnete Story „Allamagoosa“ (dt. „Technischer Bluff“).

Obwohl Russell als Autor beliebt und erfolgreich war, gab er die Schriftstellerei 1964 auf. Er starb am 28. Februar 1978 im Alter von 73 Jahren. Posthum wurde Eric Frank Russell 2000 in die „Science Fiction and Fantasy Hall of Fame“ aufgenommen. [Michael Drewniok]

Phantastisches von Eric Frank Russell:

  • Sachbücher
    • (1957) Great World Mysteries
    • (1963) The Rabble Rousers: Times of Unthinking Fury
  • Über Eric Frank Russell
    • (1986) Eric Frank Russell: A Working Bibliography (von Phil Stephensen-Payne)
    • (1999) Eric Frank Russell: Our Sentinel in Space (von Phil Stephensen-Payne/Sean Wallace)