Ready Player One von Ernest Cline

Buchvorstellungund Rezension

Ready Player One von Ernest Cline

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Ready Player One“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 512 Seiten.ISBN 3-7645-3090-1.Übersetzung ins Deutsche von Hannes Riffel.

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In Kürze:

Im Jahr 2044 hat die reale Welt für Wade Watts nicht mehr viel zu bieten. Daher flieht er – wie die meisten Menschen – in das virtuelle Utopia von OASIS. Hier kann man leben, spielen und sich verlieben, ohne von der bedrückenden Realität abgelenkt zu werden. Da entdeckt Wade in einem Online-Game den ersten Hinweis auf einen unsagbar wertvollen Schatz, den der verstorbene Schöpfer von OASIS in seiner Cyber-Welt versteckt hat. Plötzlich ist Wade eine Berühmtheit, aber er gerät auch in das Visier eines Killerkommandos – in OASIS und in der Realität. Wade weiß, dass er diese mörderische Hetzjagd nur überleben kann, wenn er das Spiel bis zu seinem ungewissen Ende spielt!

Das meint Phantastik-Couch.de: „Spielesucht ist böse – oder?“72

Science-Fiction-Rezension von Michael Scheck

Im Jahr 2044 bewegen sich die meisten Menschen in einer virtuellen Realität. Die Erde ist zu einem deprimierenden, unmenschlichen Ort verkommen, die Arbeiter werden von geschichtslosen Grosskonzernen wie Käfigtiere gehalten. In dieser entmenschten Ödnis bietet die Oasis Ablenkung und Erlösung. In der vom verstorbenen James Halliday programmierten, scheinbar end- und uferlosen virtuellen Welt gibt es alles, was das Herz begehrt. Sie ist ein positiver Gegenentwurf zur Realität, in dem man sogar zur Schule gehen kann. Man legt sich einfach einen Avatar zu und lebt sein zweites Leben.

Nerd-Roman

Ernest Clines erster Roman wird allenthalben als eines der besten Science-Fiction-Bücher des letzten Jahres gefeiert. Es spinnt den Themenkomplex Computerspiel – Realitätsflucht in eine nicht allzuferne Zukunft weiter und vermischt das Ganze – und das ist das wirklich Ungewöhnliche daran – mit einer Hymne an die Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts. „Ready Player One“ ist ein Fest für Computerspielefreaks und Achtzigerjahre-Fans. Trotzdem hat es auch für „Uneingeweihte“ etwas zu bieten und wird selten langweilig. Das ist das wahrscheinlich grösste Verdienst Clines: Ein interessantes Buch über Nerd-Themen verfasst zu haben.

Multimilliardär James Halliday, der kreative Kopf hinter der Oasis und ein großer Fan der Achtzigerjahre, ist verstorben. Sein Vermögen stellt er als Hauptgewinn demjenigen zur Verfügung, der das versteckte „easter egg“ findet, das er irgendwo in den Tiefen seiner Oasis versteckt hat.

Weltweit geht ein Wettrennen um Hallidays Vermögen los, Nerds aller Couleur und Klassen machen sich Hoffnungen und träumen vom großen Reichtum. Doch so einfach hat es Halliday seinen Jüngern nicht gemacht: Jahrelang findet keiner auch nur den geringsten Hinweis. Das „Eierfieber“ flacht wieder ab – bis ein unscheinbarer Junge namens Wade zufällig den ersten Hinweis entdeckt. Sofort ruft er damit auch die „Neuner“ auf den Plan, Mitarbeiter eines bösen Konzerns, der die Oasis am liebsten übernehmen und deren Access für Vermögende kostenpflichtig verhökern möchte. Wade steht plötzlich im Mittelpunkt des öffentlichen Interesse – und auf der Abschussliste der skrupellosen „Neuner“. Mit seinem schier unerschöpflichen Wissen über Hallidays Leben und die Kultur der Achtzigerjahre muss Wade versuchen, den anderen immer einen Nasenlänge vorauszusein.

Aussperrung der Realität

Die Crux des Buches liegt in seiner Thematik. Die Realitätsflucht wird bisweilen derart verlockend und begeistert beschrieben, dass die Intention des Autors verwischt. Was will er uns eigentlich sagen? Am Ende steht ganz klar die Empfehlung, sich doch bitte mit der Realität zu befassen, im Hier und Jetzt zu leben, statt ins Computerspiel zu flüchten. Doch der Rest des Buches lässt diese Passage wie ein aufgepfropftes Pflichtstück erscheinen. Da werden virtuelle Spiele-Realitäten und die Abenteuer, welche die Helden darin erleben, derart lustvoll und detailliert geschildert, die (real existierenden) Spiele derart detailliert und liebevoll beschrieben, dass man während des Lesens direkt Lust kriegt, eines davon einmal selbst auszuprobieren.

Ernest Cline, selbst ein erklärter Fan der „Eighties“, kann seine Begeisterung für die Objekte der Kritik schlecht verbergen. Sporadisch streut er Beschreibungen der Realität von 2044 ein – diese wenigen Passagen sind die eindringlichsten des Romans. Sie zeugen von großer Imaginationskraft und schließen in ihrer Düsterkeit an die gesellschaftskritischen Klassiker der Science-Fiction-Literatur an, welche zeitgenössische Entwicklungen in eine nicht allzu ferne Vergangenheit projizieren und deren mögliche Konsequenzen aufzeigen.

Die Nerd-Komponente des Romanes, die Eighties-Obsession und Clines Zitatewut drängen die ernsthafte Komponente allerdings in den Hintergrund. Das ist in sich durchaus stimmig, denn um nichts anderes als um die Aussperrung der Realität dreht sich der Roman ja. Wer allerdings mit Computerspielen, den Achtzigerjahren und computergenerierter Schatzsuche wenig anfangen kann, der sehnt sich mit der Zeit nach etwas „Fleisch am Knochen“. So unterhaltsam Clines Geschichte ist, sie bleibt am Ende im luftleeren Raum des Selbstzweckhaften hängen.

Einmal mehr bleibt also festzuhalten: Ein talentierter Newcomer – zumindest auf dem Romansektor, ein Drehbuch („Fanboys“) hat Cline ja bereits verfasst – den es im Auge zu behalten gilt. „Ready Player One“ ist gut, der nächste Roman könnte besser werden.

(Michael Scheck, April 2012)

Ihre Meinung zu »Ernest Cline: Ready Player One«

Karl Meindl zu »Ernest Cline: Ready Player One«15.09.2014
Habe gerade erst angefangen, das Buch zu lesen. Auch ich bin einer der Zielgruppe. Ich habe auch Fanboys geguckt. Mir gefällt es, dass der Author ein wenig sich selbst in das Buch einbringt. Eine utopische Geschichte keineswegs. Genau wie Fanboys eine unterhaltsame Geschichte für uns 80'er Veteranen. Und höchst aktuell noch dazu, da die Technik dank Oculus Rift und Internet Bandbreite eine virtuelle Welt wie die OASIS, wenn nicht jetzt schon, dann bald zulässt! Ernest lässt seine Fantasie und sein Wissen über Nerd Stuff der 80'er freien Lauf und mischt die Geschichte mit einer realitätsnahen Zukunfts Vision. Wenn wir es auch nicht wahr haben wollen - Die guten Zeiten sind vorbei. Und Er weis es genauso wie viele von Uns. Darum finde ich seine liebevolle Behandlung mit dem Thema Realitätsflucht total nachvollziehbar. Ich persönlich wünsche Cline einen riesen Erfolg, auch in Zukunft!
Martok zu »Ernest Cline: Ready Player One«29.07.2014
Ein sensationelles Buch, das ich nur schwer aus der Hand legen konnte und in Rekordzeit durch hatte. Für ein "Kind der 80'ziger" genau das Richtige, auch wenn ich nicht alle erwähnten Spiele oder Musikalben kenne. Die düstere Zukunft, welche der Autor entwirft, ist glaubwürdig dargestellt und so vorstellbar. Das es irgendwann eine virtuelle Welt wie die OASIS geben könnte, halte ich für durchaus möglich. Die Jagd auf das Easter Egg ist mit all ihren Wendungen spannend bis zum spektakulären Showdown.
MaSc zu »Ernest Cline: Ready Player One«04.05.2012
"Ready Player One" ist für mich eines der besten Bücher des Jahres. Es vereint Nerdtum mit einer absolut düsteren Zukunftsvision, die eine Fortschreibung der derzeitigen Wirtschafts- und Gesellschaftskrise ist.
Dabei wurde ich die ganze Zeit hervorragend unterhalten. Natürlich gehöre ich auch zu der Zielgruppe: In den Achtzigern aufgewachsen, Rollenspieler, Computerspieler und Filmfan.
Mein Tipp: Das englische Hörbuch wird von Will Wheaton gelesen.
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