Amabilia - Das vergiftete Erbe von Fabia Morger

Buchvorstellungund Rezension

Amabilia - Das vergiftete Erbe von Fabia Morger

Originalausgabe erschienen 2011, 343 Seiten.ISBN 3905801442.

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In Kürze:

„Amabilia“ ist das Debüt der neunzehnjährigen Fabia Morger. Der epische und originelle Science-Fiction-Roman zeigt das große Talent der jungen Autorin. „Amabilia“ ist in seiner Spannung, Dramatik und Vielschichtigkeit ein großer Wurf und gleichzeitig eine dringend nötige Neubelebung der deutschsprachigen Science Fiction. Das Universum im 28. Jahrhundert. Die siebzehnjährige Somylea, in einem Waisenhaus aufgewachsen, führt ein ereignisloses Dasein als Bankangestellte in einem fernen Sonnensystem. Bis ihr beschauliches Leben kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag schlagartig aus den Fugen gerät. In allerletzter Sekunde wird sie von Unbekannten gerettet, bevor ihre Wohnung von bewaffneten Männern gestürmt wird. Nach und nach erfährt sie, wer es auf sie abgesehen hat und weshalb. Eine mächtige kriminelle Organisation ist im Spiel, dann Somyleas leibliche Eltern, die den Wüstenplaneten Amabilia entdeckt, diese Entdeckung aber geheim gehalten hatten. Und es geht um das wertvollste Gift der vereinigten Sonnensysteme, das auf Amabilia in bisher ungekannten Mengen vorhanden ist. Als ob das alles nicht gefährlich genug wäre, bahnt sich eine unmögliche Liebesgeschichte an.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Schweizer im Weltall“60

Science-Fiction-Rezension von Michael Scheck

Wahrscheinlich hat fast jedes Land der Welt seine mehr oder weniger hoch stehende Science-Fiction-Literatur – nicht so die Schweiz! Hier herrscht seit jeher Nüchternheit, Kompromiss und das richtige Maß. Auch in den Gefilden der Fantasie. Der Blick der Literaten darf bis zum eigenen Bauchnabel reichen, weiter lieber nicht – schon gar nicht in die unendlichen Weiten des Weltalls! Dieses ist einfach zu groß für die Enge der schweizerischen Horizonte.

Kleine Sensation

Und jetzt? Kommt eine Frau (ausgerechnet eine Frau!) einfach daher und schreibt einen schweizerischen Science-Fiction-Roman. Kein Kochbuch, keinen Ratgeber für Businesswomen, keine Gedichtesammlung. Science-Fiction – pfui, wie unseriös! In den schweizerischen Feuilletons ist interessanterweise kein Wort darüber zu lesen. Soll das Buch totgeschwiegen werden?

Fabia Morger ist zwanzig Jahre alt. Im schweizerischen Salis-Verlag erschien vor kurzem ihr erster Roman: Amabilia – Das vergiftete Erbe. Science-Fiction steht da auf dem Einband. Es dürfte sich hierbei um den ersten Science-Fiction-Roman einer Schweizerin handeln. Eine kleine Sensation! Die Tatsache, nicht das Buch. Letzteres ist bestenfalls interessant und gut lesbar – mehr nicht.

Im Visier zweier Mächte

Somylea, die Protagonistin des Romans, entdeckt eines schönen Tages im 28. Jahrhundert auf ziemlich unsanfte Weise, dass sie „Erbin“ eines Planeten ist, der aufgrund seiner „Bodenschätze“ (ein wertvolles Heilgift) von einer mafiaähnlichen Gruppe heiß begehrt wird. Da aber nur Somylea weiß, wo sich der Planet befindet, gerät sie ins Visier zweier Gruppierungen: Der bösen Kyprolo und dem guten GDK, dem „Geheimdienst zur Destruktion der Kyprolo“. Letzterem tritt sie bei und findet mit Hilfe ihrer neuen Freunde und der von ihren verstorbenen Eltern angefertigten Sternkarte den von Nomaden bewohnten Planeten.

Dass sie sich in einen Kyprolo-Schergen verliebt, dass ihre Hauskatze in Wirklichkeit der Anführer der GDK ist und dass sie von einem Spion in den eigenen Reihen verraten wird, macht die Sache nicht einfacher. Aber interessanter.

Das Buch ist durchwachsen. Es gibt viele sehr gelungene Stellen, aber auch viel Irritierendes. Zum Beispiel, dass die Protagonisten in Helvetismen parlieren. „Ehrlich?“ sagt eine Figur und meint eigentlich ein ungläubiges „Wirklich?“ Schweizerisch-schwerfällige Satzungetüme wie „Das da hinten ist jetzt ein richtiger Hindenk-Automat“ sind keine Seltenheit. Schweizer im Weltall? Wird sich das helvetische Idiom dereinst bis in andere Galaxien verbreitet haben? Leider erfährt man im Buch darüber nichts Genaueres.

Sympathischer Erstling

Solche Ausrutscher und eine bisweilen wenig sorgfältige Handlungsführung irritieren bisweilen und legen die Vermutung nahe, das Buch sei in Eile entstanden. Und doch ist Fabia Morgers Erstling insgesamt sympathisch. Da wird derart unbekümmert, ja, für schweizerische Verhältnisse gar schamlos drauflos fabuliert, dass es eine Freude ist. Technische Neuerungen wie die bereits erwähnten „Hindenk-Automaten“ oder zauberstabähnliche „Speichersticks“ werden ohne jeglichen technischen Erläuterungszwang einfach und sorglos in die Geschichte eingebaut. Zudem enthält das Ganze eine beträchtliche Portion Humor, welche unter anderem von den karikaturhaften Nebenfiguren herrührt.

Fabia Morger kümmert sich keinen Deut um die grüblerische Tradition der schweizer Literatur, ja, sie scheint dieser mit ihrem Buch sogar eine lange Nase zu drehen, und das ist gut so.

Amabilia ist ein Roman, der sich im Allgemeinen flüssig liest, der nie langweilig wird – höchstens bisweilen etwas wirr – und der Lust auf die angekündigte Fortsetzung macht. Insgesamt wirkt er unfertig, deutlich so, als wäre hier einfach mal das Setting aufgestellt worden für weitere GDK-Abenteuer im helvetischen Teil des Weltraums. Das Beste kommt noch. Hoffentlich.

(Michael Scheck, gebürtiger Schweizer, wohnhaft im Kanton Aargau, Januar 2012)

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