Die Landkarte der Zeit von

Buchvorstellungund Rezension

Die Landkarte der Zeit von

Originalausgabe erschienen 2008unter dem Titel „El mapa del tiempo“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 720 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Eine Reise durch Jahrhunderte. Eine Liebe ohne Grenzen. Eine Geschichte voller Phantasie. London, 1896: Andrew, ein wohlhabender Fabrikantensohn, reist in die Vergangenheit, um seine große Liebe wiederzugewinnen. Die junge Claire macht eine Zeitreise aus dem viktorianischen London ins Jahr 2000 und trifft den Mann, den sie in der Zukunft lieben lernte, in ihrer Zeit wieder. Inspektor Garrett jagt einen Mörder, der seine Opfer mit Waffen tötet, die noch gar nicht erfunden wurden. Alle Fäden laufen bei einem dämonischen Bibliothekar zusammen. Nur er kennt das Geheimnis der Landkarte der Zeit. Ein Fest der Phantasie, in dem der Leser Jack the Ripper begegnet und H.G. Wells, den Erfinder der Zeitmaschine, in einer völlig überraschenden Rolle kennenlernt.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Ein Potpourri als Schmöker“78

Science-Fiction-Rezension von Almut Oetjen

Während Jack the Ripper in Whitechapel aktiv ist, verliebt sich der Adelsspross Andrew Harrington in die Prostituierte Marie Kelly. Von seinem Vater wird er verstoßen, als er ihm diese Liebe gesteht. Er geht zu Marie, die gerade Jacks Opfer geworden ist. Acht Jahre später will Andrew sich erschießen. Dies kann sein Cousin Charles Winslow verhindern, der Andrew erzählt, Marie könne gerettet werden: durch eine Reise in die Vergangenheit, durchgeführt mit einer neuen Maschine der Firma „Zeitreisen Murray“.

Claire Haggerty, eine Vertreterin der reichen Oberschicht, will sich mit einer Zeitreise die Langeweile vertreiben. Im London des Jahres 2000 verliebt sie sich in Hauptmann Derek Shackleton, dessen Standbild sie vor der Reise bei Murrays gesehen hat.

Inspector Colin Garrett von Scotland Yard ist auf der Jagd nach einem Mörder aus der Zukunft, der mit Waffen tötet, die es noch gar nicht gibt. Er bedient sich im Zuge seiner Arbeit der Zeitmaschine Murrays und lernt Lucy Nelson kennen.

Palmas Erzähler ist allwissend und wendet sich zwischendurch direkt an die Leser und Leserinnen, so, als er den Erzählfluss unterbricht, um uns Auszüge aus Murrays Biografie in Form einer wilden Abenteuergeschichte zu erzählen. Er schafft zudem Überleitungen zwischen Handlungselementen und erklärt sein Vorgehen als Erzähler.

Palmas Buch verbindet (wenigstens) sechs Genres miteinander: Liebesgeschichte, historischen Roman, Kriminalroman, Science Fiction, Abenteuergeschichte und (fiktionale) Biografie. Das alte Thema von der Reise in die Vergangenheit, in der ein Ereignis verändert werden soll, steht neben der Reise in die Zukunft, in der man heute schon die angekündigte Apokalypse erleben will. Schon früh wissen wir, oder vermuten wir richtig, dass sich in diesem weitmaschigen Netz aus Kolportageelementen ein Illusionskünstler bewegt, der seine Gäste manipuliert. Eine wichtige Rolle in der Erzählung spielt der Schriftsteller Herbert George Wells, der Erfinder der Zeitmaschine, auf den verschiedene der Romanfiguren mit ihren Anliegen treffen. Es werden weitere Bezüge hergestellt, so zu Carlos Ruiz Zafons „Der Schatten des Windes“, oder es treten neben Wells die bekannten Schriftsteller Bram Stoker und Henry James auf. Bereits 1979 spielen in Karl Alexanders „Flucht ins Heute“ (und dessen Verfilmung „Flucht in die Zukunft“ von Nicholas Meyer), Wells und Jack the Ripper, der während seiner Zeitreisen mordet, mit.

Klassen übergreifende Romanzen und ein Vernichtungskrieg

Die Reise in die Vergangenheit dient der Veränderung eines Ereignisses. Leser werden argwöhnisch, weil die Vergangenheit zwar verändert werden kann, nicht jedoch so, dass das gewünschte Ereignis eintritt. Das Vorhaben Andrews, Marie zu retten, bewegt die Frau des Schriftstellers Wells tief in seiner romantischen Qualität.

Die Reise in die Zukunft führt in das Jahr 2000, die Apokalypse, in der die ruchlosen Maschinen einen Vernichtungskrieg gegen die Menschheit führen. Palma greift hier Motive aus der Terminator-Filmreihe auf – Bestandteil des Abenteuerpakets ist ein Kurzabriss der Geschichte der Maschinen bis zu deren Rebellion, der diese Verwandtschaft besonders deutlich macht – und vermischt sie mit dem Pygmalionmythos, indem die weibliche Hauptfigur Claire sich in das Standbild des Hauptmanns Shackleton verliebt, dessen lebendes Pendant sie im Zuge einer Panne als heldenhaften Soldaten im Kampf gegen die Maschinen sieht. Claires Romanze mit dem Zeitreisenden, der ihr in ihrer Gegenwart begegnet, verweist in der Prämisse und im weiblichen Vornamen auf Audrey Niffeneggers „Die Frau des Zeitreisenden“. Auslöser für Claires Sehnsucht und die von ihr angestrebte Romanze ist ihre Lektüre von Wollstonecrafts „Plädoyer für die Rechte der Frau“. Ein liebevoll-böser Seitenhieb Palmas? Er zeigt sehr schön, wie aus einem Bedürfnis heraus Liebe konstruiert werden kann.

Palma stellt in seinem Buch ein paar interessante Fragen:

 – Wieso kann die Vergangenheit zwar verändert, nicht jedoch das gewünschte Ergebnis realisiert werden?
 – Wieso findet die immergleiche Expedition unter den jeweils gleichen Bedingungen ins Jahr 2000 statt, aber die aktuelle Reisegruppe sieht die vorhergehende Reisegruppe nicht?
 – Darf man in der Gegenwart einen Mann festnehmen, der aus der Zukunft kommt, einen Mord begeht, aber in der Gegenwart noch nicht einmal geboren ist?

Die Antworten, die im Buch zu lesen sind, dürfen hinterfragt werden.

Die drei Teile des Romans lassen viele Fragen bis zum Ende offen. Antworten und eine Aufklärung über Zusammenhänge liefert ein fast vierzig Seiten langer, kursiv gesetzter Brief am Ende, den jemand (wer, wird nicht verraten) an sich selbst aus der Zukunft in die Gegenwart geschickt hat.

Palma hat mit „Die Landkarte der Zeit“ einen Roman vorgelegt, der altmodisch erzählt und moderne textübergreifende Verknüpfungen herstellt; der vom Reiz und der Macht des Erzählens und der Phantasie handelt. Manche Leser werden ihn als Füllhorn bezeichnen, für andere mag Palma von allem zu viel gewollt haben. Wie auch immer, insoweit die Landkarte Palmas ein Verwandter der Schatten Zafons ist, handelt es sich, um eine bekannte Leserin aus TV und Rundfunk zu zitieren, um einen Schmöker im besten Sinne des Wortes.

Ihre Meinung zu »Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit«

jenvo82 zu »Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit«18.02.2014
Vor dem Hintergrund einer Zeit, in der die Menschen an jedes Wunder der Wissenschaft glauben wollten, verflechten sich die Schicksale historisch bedeutender und unbedeutender Personen auf sonderbare Art und Weise. Da gibt es den jungen Mann, der den Mord an seiner Freundin verhindern will. Oder das Mädchen aus gutem Hause, die ihre große Liebe in der fernen Zukunft findet. Mit viel Phantasie und einer blumigen Sprache vermag es der Autor die Chancen und Grenzen derer aufzuzeigen, die sich auf Zeitreisen begeben. Doch stellt sich die Frage, ob wir wirklich die Vergangenheit ungeschehen machen wollen und die Zukunft zu unseren Gunsten beeinflussen möchten. Letztlich sind es diese philosophischen Fragen, die sich der Leser selbst beantworten muss – alles andere ist ein phantastisches Konstrukt.
Draven zu »Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit«17.01.2013
Eines der Bücher die mich die letzen Jahre am besten unterhalten haben.
Spannend mitreissend.
Man kann schön in eine surreale (oder doch nicht?) Geschichte eintauchen und 3 verschiedene Handlungsstränge miterleben die zwar in sich geschlossen aber doch miteinander fest verwurzelt sind.
Nicht nur für Leute die etwas mit dem Thema Zeitreisen anfangen können, sondern auch Skeptiker der Zeitreise Thematik kommen hier auf ihre Kosten.
Schön vorbereite Geschichten die spannend verlaufen und doch anders enden als gedacht.
Ein erfrischend anderes Lesevergnügen.
anyways zu »Félix J. Palma: Die Landkarte der Zeit«22.08.2011
In London des ausgehenden 19. Jahrhunderts unterhält der junge Fabriksohn Andrew Harrington eine nicht standesgemäße Liaison zu der jungen Prostituierten Marie Kelly, die im düsteren und berühmt, berüchtigten heruntergekommenen Whitechapel ihre Dienste anbietet. Diese unglückliche Affäre wird auf brutale Weise von Jack the Ripper ausgelöscht. Andrew ist am Boden zerstört und trägt sich viele Jahre mit Selbstmordgedanken, nur sein Cousin vermag es ihn von diesen düsteren Stimmungen mit einer bahn brechenden Idee abzulenken.

Zur selben Zeit, in der gleichen Stadt träumt die junge Claire Haggerty von einem emanzipierten Leben, frei vom starren Korsett aus Moralvorstellungen, Lügen und weiblicher Unterdrückung. Auch sie glaubt sich am Ziel ihrer Träume, als sie von der neuen Erfindung hört, die auch Andrew das Leben zu retten verspricht.

Mit den Auswirkungen dieser so wahnwitzigen, unvorstellbaren und eher fantastischen Erfindung, hat auch indirekt Inspektor Garret von Scotland Yard alle Hände voll zu tun.

Doch was verbindet diese drei Personen? Nichts Geringeres als Zeitreisen!

Basierend auf dem utopischen Roman des englischen Schriftstellers H.G. Wells „Die Zeitmaschine“ bietet der exzentrische Unternehmer Gillian Murray die Zeitreise ins Jahr 2000 an. Der berühmte Schriftsteller ist von nun an auf die eine oder andere Weise mit allen vier Personen verbunden. Da stellt er sich doch berechtigter Weise die Frage, ob Zeitreisen, die lediglich seiner Fantasie entsprangen, nicht doch wirklich wären……..?





Ich habe, seit ich lesen kann, viele sehr gute Bücher und fast ebenso viele hervorragende Bücher in der Hand, selten so ein Kleinod wie dieses von einem großartigen Autor.

Felix J. Palma erzählt eine so großartige, phantastische Geschichte, die den Romanen von Mark Twain, Charles Dickens, Jules Verne oder Sir Arthur Conan Doyle das Wasser reichen kann.



Fast virtuos vollzieht er die Abstimmungen zwischen Erzähler, Protagonist und Selbstdarsteller und komponiert so ein großartiges Buch, das man nicht müde wird zu lesen. Eher im Gegenteil habe ich mich diesmal dazu gezwungen bewusst langsam zu lesen um möglichst lange etwas davon zu haben. Mit großer Erzählkraft schildert Palma uns nicht nur von den tragischen Geschichten der Protagonisten, sondern brilliert auch mit geschickten Platzierungen von ebenso großartigen Schriftstellern dieser Epoche. Interessanterweise bietet es zum Beispiel die Möglichkeit, das Jack the Ripper nicht nur gefasst und hingerichtet wird, nein, der Autor präsentiert fast versteckt sämtliche Verdächtige die im Laufe der Jahre für den Ripper gehalten wurden.

Mit dem geneigten Leser spielt der Autor ,verbindet Wirklichkeit mit Fiktion und verwirrt ihn so. Er zeigt uns das viktorianische London, an dem man am gesellschaftlichen Leben und den damaligen Wertevorstellungen teilnimmt. Eine phantastische Reise die man unternimmt und hofft dass sie so schnell nicht zu Ende geht.

Ein Buch so hoffe ich, das nicht nur in meiner Bibliothek einen Ehrenplatz erhält, sondern in vielen anderen weil es nicht nur eine großartige Hommage an den Erfinder „der Zeitmaschine“ ist, sondern des Sience Fiktion Romans an sich.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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