Alien Earth - Phase 2 von Frank Borsch

Buchvorstellungund Rezension

Alien Earth - Phase 2 von Frank Borsch

Originalausgabe erschienen 2007, 390 Seiten.ISBN 3-453-52251-6.

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In Kürze:

4. März 2058: Astronomen entdecken ein Objekt auf Höhe der Pluto-Bahn. 20. Juni 2058: Das Objekt passiert den Mars, es ist ein Raumschiff. 3. August 2058: Das Raumschiff erreicht die Erde und bezieht Position über dem Pazifik. Das Abenteuer beginnt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Sie sind da!“;84

Science-Fiction-Rezension von S.B. Tenz

Vor sieben Jahren haben sie im Orbit der Erde Position bezogen. Sieben Jahre lang haben sie die Menschheit beobachtet und geprüft. Nun sind sie unter uns. Zwei Millionen Aliens, die sich in Menschen manifestiert haben. Wieso sind sie hier? Was wollen sie auf der Erde? Frank Borschs „;Alien-Earth Phase 1“; war die Ouvertüre. Nun beginnt die Jagd.

September 2065: Der Massen-Seelentransfer ist vollzogen. Innerhalb weniger Sekunden manifestieren sich zwei Millionen Aliens in menschlichen Körpern. Die Überwachungs- und Disziplinierungsapparate der Erde reagieren sofort. Die Jagd auf die Aliens beginnt. Aber auch Sympathisanten der Außerirdischen stehen auf der Abschussliste. Sie gelten als Kollaborateure und werden erbarmungslos beseitigt. Weltweit spaltet sich die Menschheit in zwei Lager. Alien-Gegner, Alien-Freunde. Homeworld-Security stellt dabei das Bollwerk, das die Menschen vor der mutmaßlichen Alien-Invasion schützen soll, und ist zugleich das mächtigste Werkzeug der Alien-Behörde innerhalb eines totalitären Staats. Dem gegenüber steht die Human-Company. Eine Organisation, die mit den Fremden sympathisiert, gewillt ist, von diesen zu lernen und auf eine bessere Zukunft der Menschheit hofft. Die wahren Motive der Außerirdischen bleiben jedoch weiterhin im Verborgenen. Die große Frage, Freund oder Feind, steht weiterhin im Raum. Welche Absichten die Aliens auch verfolgen mögen, eines ist gewiss, ihre Anwesenheit stürzt die Erde in einen bürgerkriegsähnlichen Zustand und in ein immer größer werdendes Chaos.

2066: Ein Jahr nach den Ereignissen am Frankfurter Hbf. Rainer Hegen (Wieselflink) und Blitz konnten dem Gemetzel in Frankfurt entkommen und sich nach Kairo absetzen. Dort lernen sie Mahmut-al-Shalik kennen. Dieser nimmt sich ihrer an und erweist sich fortan als ihr Gönner. Mahmut, einst ein mächtiges Mitglied der ehemaligen Arabischen Liga, vertritt nun die Interessen der USAA, der Vereinigten Staaten von Amerika und Arabien, der mächtigsten Allianz auf der Erde. Unter Mahmuts Obhut scheinen Rainer Hegen und Blitz zunächst einmal in Sicherheit. Rainer hofft insgeheim auf einen Neuanfang. Die Chancen dazu stehen recht gut. Doch er spürt auch, dass Blitz sich verändert hat. Seit dem Massen-Seelentransfer verhält sie sich noch merkwürdiger. Sie verfolgt plötzlich ganz eigene Pläne, denen Rainer Hegen sich schließlich beugen muss.

Weniger Glück hingegen hatten Paul, der Ex-Hunter, und Wolf, Anführer des „;Großen Packs“;. Beide geraten in die Fänge der Hunter Korps bzw. Homeworld Security. In einem Tunnellabyrinth, das als unterirdisches Gefängnis dient, werden beide interniert, gefoltert und verhört. Wolf hat sich verändert. Einst einer der wichtigsten Wegbereiter der Aliens, scheint er plötzlich sein Handeln in Frage zu stellen. Haben die Aliens ihn nur benutzt um ihn dann einfach im Stich zu lassen? Alles deutet darauf hin. Aber auch Paul kommen die ersten Zweifel. Waren er und Wolf nur willenlose Werkzeuge in den Händen der Fremden? Ihre Lage scheint jedenfalls hoffnungslos, bis plötzlich unerwartete Hilfe naht. Paul und Wolf können nicht ahnen, dass sie vom Regen in die Traufe geraten.

Und Rudi, Ex-Flyboy und Co-Pilot der Strawberry Bitch? Indirekt steht er noch immer im Dienst der Human-Company. Allerdings jagt er keinen mysteriösen Artefakten mehr hinterher, sondern rettet verfolgte Aliens. Die Flyboys als solche gibt es nicht mehr. Ihre einstige Aufgabe, die Jagd nach Alien-Artefakten, ist überflüssig geworden.

In der Tiefe des Marianengrabens haben die Aliens mittlerweile einen Zufluchtsort errichtet. Eine Unterwasserstadt; jedem menschlichen Zugriff entzogen. Niemand weiß, was die Aliens dort planen. Dann steigt Pasong, der Alien-Anführer, aus den Tiefen des Meeres empor und begibt sich auf eine missionarische Reise rund um den Erdball. Er will den Menschen die Antworten geben, auf die sie schon so lange warten. Einem Messias gleich besucht er die verschiedenen Länder der Erde, passt sich den Gegebenheiten an, und macht sich geschickt die Schwächen der Menschen zunutze. Er bringt ihnen Hoffnung – aber in seiner Wahrheit steckt zugleich die große Lüge. Dann überschlagen sich plötzlich die Ereignisse und eine ganz neue Situation entsteht. Alle Fäden scheinen bei „;Project Sunfire“; zusammenzulaufen. „;Sunfire“; soll dazu dienen, die Aliens endgültig von der Erde zu vertreiben.

Phase 1 vs. Phase 2

Mit etwas gemischten Gefühlen lege ich nach 460 Seiten den Roman zur Seite. Nach dem durchaus gelungenen und spannenden Auftakt der Alien-Earth-Trilogie wurden meine hohen Erwartungen betreffend „;Phase 2“; leider nur zum Teil erfüllt. Zwar überwiegt letzten Endes der positive Eindruck, über einige Schwächen lässt sich jedoch nicht hinwegsehen. Stellt man einen direkten Vergleich zwischen „;Phase 1“; und „;Phase 2“; an, so überzeugt der zweite Band der Trilogie eindeutig durch einen wesentlich professionelleren und anspruchsvolleren Schreibstil. Dieser spiegelt sich nicht zuletzt in den nun auch hervorragenden Dialogen wieder. Das war in „;Phase 1“; noch ganz anders. Nachdem man die ersten Seiten gelesen hatte, lag die Vermutung nahe, mehr als besseres Heftroman-Niveau erwartet den Leser hier nicht. Diese Befürchtung sollte sich jedoch als falsch erweisen. Der Autor konnte sich nach knapp hundert Seiten in allen Belangen immens steigern. Aber, wie schon erwähnt, „;Phase 2“; ist der stilistisch wesentlich bessere Roman und so geht dieser Punkt eindeutig an „;Phase 2“;.

Ganz anders verhält es sich jedoch, was Spannung, Action und auch Abwechslungsreichtum angeht. Da punktet ganz klar „;Phase 1“;. Eindeutig der spannendere, temporeichere und unterhaltsamere Roman. „;Phase 2“; dümpelt hingegen ein wenig vor sich hin, weist einige Längen auf und geizt mit Action-Einlagen. Dafür bekommt der Leser jedoch einige wichtige Antworten auf die Fragen, die der erste Teil offen lies. Etwas gestört hat mich auch die zeitliche Lücke, die zwischen den beiden Romane liegt. Einen nahtlosen Übergang gibt es nicht. Nach der Flucht aus dem Frankfurter Hbf. (Ende Band 1) finden sich Rainer Hegen und Blitz in Band 2 unmittelbar in Ägypten wieder. Wie genau sie dorthin gelangt sind und wie es ihnen gelang, den Hunter-Korps zu entgehen, wird gerade mal am Rande erwähnt. Oder die Besatzung der „;Strawberry Bitch“;. Als Flyboys noch ein schier unzertrennliches und aufeinander eingeschworenes Team, haben sie sich innerhalb eines Jahres völlig verändert und sind kaum wiederzuerkennen. Kurz: Die Protagonisten wirken etwas entfremdet und es dauert seine Zeit, bis der Leser sich an diesen Mentalitätswandel gewöhnt hat. Das trifft ganz besonders auf die Figur Rainer Hegen zu. In Band 1 als „;Wieselflink“; noch der vielleicht imposanteste Charakter, wirkt er in „;Phase 2“; ziemlich ausgebrannt und altersschwach. „;Wieselflink“; verwandelt sich in einen trägen „;Schneckenpaule“;. Ähnlich verhält es sich auch mit der Figur des GenMods „;Wolf“;. Einzig Paul, der Ex-Hunter, gewinnt an Profil und wird zur tragenden und glaubwürdigsten Figur des Romans. Wie auch immer. Sollte es dem Autor im letzten Band der Trilogie gelingen, alle positiven Aspekte der Vorgänger unter einen Hut zu bringen und eventuell noch eines draufzusetzen, dann könnte „;Alien Earth“; durchaus zu einem Meilenstein Deutscher Science-Fiction werden. Ich persönlich bin jedenfalls davon überzeugt, dass Frank Borsch seine Leser nicht enttäuschen wird.

Schmutzige Politik

Sehr gut gefällt mir nach wie vor der politische Aspekt des Romans bzw. beider Romane. Das erinnert ein wenig an Ken McLeods „;Sternenprogramm“; oder „;Die Mars-Stadt“;. Kritisch, unverblümt ohne Klischees und mahnend. Das Ganze verpackt in ein düsteres Szenario hinterlässt auch einen Hauch von Cyberspace. Amerikaner und Araber vereint als Großmacht und die politische Weltbühne beherrschend; das mag vielleicht manchem Leser etwas zu weit gehen, aber die Konsequenzen, die zu dieser bizarren Konstellation führen, sind durchaus vorstellbar. Der Kampf um die letzten Ressourcen der Erde hat begonnen und das ist schon Grund genug. Die USAA annektieren so ziemlich alle Länder, die ihnen einen wirtschaftlichen oder strategischen Vorteil versprechen und machen selbst vor Israel nicht halt. Als Gegenmaßnahme lädt das israelische Verteidigungsministerium die Baupläne des Sturmgewehrs TAR-21 ins Netz und macht sie so den Gegnern der USAA zugänglich. Eine äußerst gefährliche und effektive Waffe, mit der auch die Aliens liebäugeln.

Und in Deutschland? Dort werden weiterhin fleißig GenMods gezüchtet und sogenannte „;Überschussmenschen“; – von der Gesellschaft Ausgestoßene – in Züge verfrachtet und über das Schienennetz so lange hin und her transportiert, bis sie schließlich wegsterben.

„;Alien ick hör Dir trapsen“;

Bis auf den Anführer Pasong mag man die Aliens zunächst nicht so richtig ernst nehmen. Der erste Eindruck, den diese in ihren neuen Körpern beim Leser hinterlassen, ist dann auch eher ein belustigender. Etwas holprig und unbeholfen traben sie in Gruppen pausen- und ziellos durch die Pampa. Dass der gesamte menschliche Metabolismus bei extremer Überanstrengung zusammenbricht, ist ihnen dabei (noch) nicht bewusst. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Nahrungsaufnahme – und vor allen Dingen deren Ausscheidung – einer gewissen Regelmäßigkeit bedürfen. So bleibt es schließlich nicht aus, dass es unsere außerirdischen Freunde irgendwann buchstäblich aus den Socken haut. Dagegen sind andere ihrer Art wiederum einfach nur lethargisch, zeigen keinerlei Reaktion und wirken wie gemäßigte Zombies. Doch der Schein trügt. Schon bald zeigen die Aliens ihr wahres Gesicht. Hinter ihrem obskuren Verhalten steckt System und eiskaltes Kalkül. Radikal und gnadenlos gehen sie dabei vor. Wer ihnen in die Quere kommt oder auch nur zufällig über den Weg läuft wird kurzerhand aus selbigen geräumt. Diese brutale Vorgehensweise rechtfertigen die Aliens als Mittel zum Zweck, um einer höheren Sache dienlich zu sein. Um was es dabei geht, bleibt weiterhin einigermaßen unklar. Der Spannungsbogen steigt an und das Rätselraten um die eigentlichen Motive der Aliens zehrt an den Nerven. Dem Autor gelingt es, ein zunächst harmlos wirkendes Alien-Kollektiv in eine Grusel-Truppe zu verwandeln. Zu diesem Zeitpunkt gewinnt auch die Figur des Ex-Hunters Paul enorm an Format; wird zum eindruckvollsten Protagonisten der Erzählung.

Fazit

Gelungene Fortsetzung wenn auch etwas langatmig und ohne den großen Showdown wie in Band Eins. Dafür jedoch bietet „;Phase 2“; den höheren Anspruch und zum Ende hin gibt es einige überraschende Wendungen. Die sehr guten Dialoge und die glaubwürdigen Protagonisten entschädigen für die fehlenden Action-Einlagen. Darüber hinaus bietet sich die „;Alien Earth“;-Trilogie geradezu als Einstieg in die Science-Fiction an. So mancher Leser dürfte nach der Lektüre Geschmack an dem Genre finden. Mit „;Phase 2“; gelingt Frank Borsch endgültig der Aufstieg in die erste Liga der Science Fiction-Autoren und es sieht so aus, als wäre die Qualifikation zur „;Championsleague“; nur noch eine Frage der Zeit. Ein Autor, der sich stetig weiterentwickelt. Ein großer Gewinn für die Deutsche Science-Fiction und damit auch für den interessierten Leser.

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