Feurige Schatten von Gail Carriger

Buchvorstellungund Rezension

Feurige Schatten von Gail Carriger

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Heartless“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 416 Seiten.ISBN 3-442-37928-8.Übersetzung ins Deutsche von Anita Nirschl.

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In Kürze:

Lady Alexia Maccon hat alle Hände voll zu tun. Irgendjemand plant einen Anschlag auf Königin Victoria. Diesmal scheinen nicht die Vampire dahinterzustecken, sondern ein Werwolf. Möglicherweise sogar einer aus dem Rudel ihres Mannes! Lady Alexia weiß sehr wohl, dass sie sich eigentlich schonen sollte. Immerhin ist sie im achten Monat schwanger. Doch während ihrer Nachforschungen stößt sie auf ein düsteres Geheimnis aus der Vergangenheit ihres geliebten Werwolfs. Ein Geheimnis, das ihr Mann um jeden Preis vor ihr verbergen wollte …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Hochschwanger und nicht zu bremsen“74

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Ein kleiner Geniestreich ist der Autorin Gail Carriger mit ihrer Serie um die Seelenlose Alexia, ehemalige Tarabotti, nun Lady Maccon, gelungen. Auch Leser, die um Serienkost sonst eher einen Bogen machen, sind begeistert von diesem Mix aus Steampunk und Persiflage auf das viktorianische Zeitalter, garniert mit phantastischen Nachtvölkern wie Vampiren, Werwölfen und Geistern. Fünf Bände sollen es insgesamt werden, das Finale „Sengendes Zwielicht“ erscheint im November 2012. Gerüchte über eine TV-Verfilmung machen bereits die Runde.

Das ungeborene Ungemach …

..in Lady Alexias Bauch sorgt bereits vor seiner Ankunft für einigen Wirbel, die Vampire haben es gar auf sein Leben abgesehen. Aus ihrer Sicht kann nichts Gutes aus der Verbindung einer Seelenlosen mit einem Werwolf entstehen. Zwar ist auch eine watschelnde Alexia nicht so einfach tot zu kriegen, doch diese andauernden Attacken werden irgendwie lästig. Die einzige Lösung scheint zu sein, dass der schwule Vampirlord Akeldama das Baby unter seine Fittiche nimmt. Die Adoption wird beschlossen, Lord und Lady Maccon ziehen zum Schein in das Nachbarhaus, tatsächlich in eines der Schrankzimmer des Lords. Kaum ist der Umzug bewältigt, klopfen weitere Plagegeister an die Tür, wie Alexias Schwester Felicity und ein wirrer Geist, der die Ermordung der Königin ankündigt. Stecken die Werwölfe dahinter? Zumindest geht in dem Clan, dem Alexias Gatte Conall als Alpha vorsteht, nicht alles mit rechten Dingen zu. Alexia schickt Ivy Tunstell nach Schottland und ermittelt selbst auf dem Woolsey Anwesen. Das Chaos ist komplett, als ein Kampf ums Überleben im Schein des Vollmonds bevorsteht und ein eigensinniges Baby wenig Sinn für Timing beweist.

Kosenamen, Identitätsprobleme und Familiengeheimnisse

Es dauert einige Seiten, bis „Feurige Schatten“ sein Feuer versprüht. Zunächst gilt es die eher häuslichen Probleme zu lösen, wie die Eingliederung des Werwolfs wider Willen Sandalio de Rabiffano, genannt Biffy, der sich nicht mit seiner Verwandlung zum Werwolf abfinden kann. Oder eine Schwester, die sich in Tweed kleidet und einer Gruppe anschließt, die für das Frauenwahlrecht kämpft. Und das obwohl Felicity morgens nicht einmal entscheiden kann, welche Handschuhe sie trägt. All das liest sich amüsant und witzig und wie gewöhnlich trägt Gail Carriger dick auf, zum Beispiel mit Kosenamen, die Lord Akeldama Lady Alexia angedeiht, oder der detaillierten Beschreibung seiner erlesenen Garderobe. Trotzdem wünscht man sich schließlich, dass es mit den Mysterien um die Ermordung der Königin und den Verwicklungen um das Woolsey-Rudel losgeht. Leidet Alexia etwa doch den anderen Umständen entsprechend unter Ermüdungserscheinungen?

„Nein, Weib. Ich möchte damit sagen, dass Du nicht mehr in der Verfassung bist, wie üblich mit zum Schlag erhobenem Sonnenschirm durch London zu toben, nicht wahr?“ [S. 71]

Keine Sorge, noch ein paar Seiten Geduld und dann rollt sie los. Über einen geheimen Oktopus -Orden und eine Gift mischende Köchin, mit Hilfe eines Exorzismus und natürlich des unentbehrlichen Sonnenschirms kommt Alexia dem Geheimnis auf die Spur. Um die schwangere Muhjah knallt, raucht und explodiert es und es kommt schließlich, wie es kommen muss. Dennoch wartet das Finale mit Überraschungen auf, mit denen keiner der Beteiligten und auch die Leser nicht rechnen konnten.

Auch im vierten Band „Feurige Schatten“ trägt Gail Carrigers Konzept eines Genre-Mixes aus Steampunk und humorvoller Darkfantasy. Es lebt vom intelligenten Wortwitz und den vielen skurrilen Figuren, die mehr in petto haben, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Überzeichnet werden in der „Parasol Protectorate“ Serie nicht nur die Charaktere, sondern oft auch die Motive und Aktionen der Handlung. Doch wen stören kleine Ungereimtheiten, wenn eine pragmatische Lady auch unter den widrigsten Umständen unverwechselbare Situationsanalysen vornimmt, wie:

„[..] das ist nur ein Werwolf. Wirklich, man könnte meinen, die Leute hätten nie irgendwelche Monster in ihren Kellern.“ [S. 258]

(Eva Bergschneider, August 2012)

Ihre Meinung zu »Gail Carriger: Feurige Schatten«

tassieteufel zu »Gail Carriger: Feurige Schatten«21.04.2012
Lady Alexia ist inzwischen im achten Monat schwanger und bewegt sich nur noch watschelnd vorwärts, ein äußerst unwürdiger Zustand und auch so verurascht das ungeborene Ungemach nichts als Ärger, denn die Vampire wollen das Kind unter allen Umständen tot sehen und so sind Alexia und Conall gezwungen, einem ungewöhnlichem Arrangement zuzustimmen. Und auch sonst ist der Hochschwangeren keine Ruhe vergönnt, denn in ihrer Funktion als Muhjah erfährt sie von einem Attentat auf die Königin das natürlich unter allen Umständen verhindert werden muß. Alexias Nachforschungen führen zunächst in die Vergangenheit und rühren mal wieder an Geheimnissen des Woolsey Rudels.

Der langersehnte vierte Teil der Lady Alexia Reihe hat bei mir die hohen Erwartungen erfüllt und mir wieder einmal amüsante und vergnügliche Lesestunden beschert!
Eine hochschwangere Heldin, die sich trotz ihres Zustandes von nichts abhalten läßt und sich von einer skurilen Situation in die nächste manövriert, ist durchaus mal etwas anderes und durch Alexias stets recht trockene Sicht auf die Dinge, wird das Ganze in höcht amüsanter Form erzählt.
Die Story ist wendungsreich und spannend inszeniert und die Autorin entwickelt hier ihre Welt und die sie bevölkernden Figuren weiter. Das ist ein großer Pluspunkt der Reihe, denn so wird dieser Weltentwurf einfach glaubwürdig. Man erfährt eine ganze Menge über die Vergangenheit des Woolsey Rudels, ein paar Geheimnisse werden gelüftet und man trifft viele Figuren aus den vorherigen Bänden, wie z.B. Madam Lefoux die einen Oktomanten baut oder Biffy, der sich immer noch nicht mit seinem neuen Werwolfdasein anfreunden kann und auch Alexias nervige Schwester Filicity wartet mit einer ziemlich unerwarteten Eröffnung auf.
Wie immer verknüpft die Autorin hier die steifen Konventionen des 19. Jahrhunderts mit den magischen Komponenten und draus entsteht eine einfach unwiderstehliche Mischung! Langeweile kommt also hier wahrlich keine auf und das Buch steuert spannend und wendungsreich auf ein fulminates Finale zu, bei dem es dann noch die ein oder andere unerwartete Überraschung gibt.
Der Schreibstil des Buches ich locker und leicht und trotzdem sprachlich an das 19. Jh. angepaßt, bei vielen Szenen muß man einfach schmunzeln und so läßt sich das Buch wirklich flott lesen, das hat leider zur Folge, das man viel zu schnell damit fertig ist und wieder lange auf einen weiteren Teil warten muß!

Die Aufmachung des Buches ist wieder sehr gelungen und paßt optisch zu den 3 Vorgängern, sowas ist für mich immer recht wichtig. Aber auch diesmal muß ich am Lektorat rummeckern, es gibt viele Schreibfehler, so wird Alexia einmal als Außerirdische statt Außernatürliche bezeichnet manchmal fehlen Buchstaben oder ganze Worte, sowas sollte bei einem Verlag wie Blanvalet einfach nicht passieren und ist für den Leser mehr als ärgerlich!

FaziT: auch der vierte Teil hat mich wieder richtig begeistert! Ein äußerst launiger Mix aus Histo, Fantsay und einem Schuß Romantik, da bleiben kaum Wünsche offen.
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