Der Veteran von Gavin Smith

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Veteran“,deutsche Ausgabe erstmals 2010, 656 Seiten.ISBN 3-442-26769-2.Übersetzung ins Deutsche von Bernhard Kempen.

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In Kürze:

Vor sechzig Jahren tauchten SIE wie aus dem Nichts auf und fielen über das expandierende Sternenreich der Menschen her. Seither herrscht Krieg. Jakob Douglas ist ein Veteran unzähliger Schlachten, und er dachte, er hätte seinen Teil getan, die Erde zu verteidigen. Da landet einer von IHNEN auf der Erde, und Jakob wird zurück in den aktiven Dienst gezwungen, um den Eindringling zu vernichten. Aber was, wenn es sich bei dieser ultimativen Killermaschine tatsächlich um einen Botschafter des Friedens handelt ...?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der mit Gewissen über Leichen geht“75

Science-Fiction-Rezension von Amandara M. Schulzke

Jakob Douglas, der Veteran im Krieg gegen SIE, eine undefinierbare außerirdische Spezies, will nur noch seine Ruhe haben, genug Geld für gepanschten Whiskey, Zigaretten, Drogen und für den Aufenthalt in einer Senso-Kabine, in der ihm sein persönliches Glück vorgaukelt wird. Da reißt es ihn aus seiner mit dem letzten Geld gekauften Sitzung heraus. Major Rollestone, sein ehemaliger skrupelloser Chef, holt den Soldaten der Spezialeinheit aus dem Ruhestand und aktiviert seine technische Aufrüstung wieder. Eine Kapsel mit einem Alien an Bord ist auf die Erde gestürzt, und Jakob soll ES finden und unschädlich machen. Doch jemand ist ihm zuvor gekommen. Seine Recherche führt ihn zu einem Parkranger, der das Alien schon an einen Bordellbesitzer verkauft hat. Im durch aufgerüstete Wachmänner geschützten Etablissement begegnet ihm die 17-jährige Prostituierte Morag, die ihm erklärt, dass das Alien ein Botschafter des Friedens ist. Mit ihr gemeinsam und dem Alien ist er zuerst auf der Flucht und später auf der Suche nach Wahrheit. Auf ihrem Weg zur Rettung der Menschheit sammeln sie alte und neue Verbündete.

Wieder einmal Military-Sci-Fi. Der Grundplot ist nicht wirklich neu oder ausgefallen. Der Brite Gavin Smith bedient in seinem Erstlingswerk die Anforderungen dieses Genres. Der Fan dieser Literatur bekommt reichlich phantastischen Stoff über technische Raffinessen einer möglichen Aufrüstung des menschlichen Körpers bzw. über den Ersatz von Organen und Sinnesorganen durch ausgefeilte Technik. Das gilt selbstverständlich auch für sämtliche Kriegsmaschinerie. Dieser Leserkreis bekommt also satte Kost, wenn er denn auch die immer wieder moralischen, politischen, philosophischen und besonders religiösen Ergüsse mag.

Statt findet diese Geschichte nach dem finalen Menschheitskonflikt, in dem die Supermächte reichlich Atombomben auf der Erde verstreut hatten. Jeder versucht, irgendwo einen gering verstrahlten Platz zum Leben zu finden. Unterschiede zwischen Arm und Reich hat er auf die Spitze getrieben. Da Jakob trotz seiner privilegierten Vergangenheit zu den Verlierern des Systems zählt, spielt die Story im Schmutz. Zerstörte Häuser, Industrieanlagen, an die Küsten gespülte Bohrinseln bieten Rückzugsmöglichkeiten für Menschen. Dieses Ambiente und seine Erinnerungen an Schlachten mit IHNEN könnte in das Schubfach „Horror-SciFi“ passen.

Moderne Schnitzeljagd im Dreck

In diesem ganzen Schlamm und Dreck kämpft Douglas mit seiner Crew um Menschlichkeit, um Solidarität, um Ehrlichkeit und den Sinn des Lebens. Auf jeden Fall erzählt Smith unwahrscheinlich spannend und sprachgewandt. Der Leser wird von einem Ereignis zum nächsten gejagt. Doch bei genauerem Nachdenken drängt sich die Erkenntnis auf, dass das Buch auch nichts anderes ist als ein Actionfilm, in dem der Held ab und zu einmal anhält, um darüber zu reflektieren, was die Welt zusammen hält und was er damit eigentlich zu schaffen hat. Jakob erscheint in seinem Handeln teilweise schizophren, er will das Gute, setzt aber seine Interessen außerordentlich gewalttätig durch. Diesen Zwiespalt setzt Smith gekonnt in Szene.

Die einzelnen Kämpfer, die sich Jakob und der Prostituierten Morag auf dem Weg zur Beendigung des Krieges anschließen, sind farbenfrohe Individualisten. Ein religiöser Hacker, ein Journalist, ein Ex-Gurkha, ein Fisch-Cyborg, zwei durchgeknallte Piloten und letztendlich sein ehemals bester Freund aus der Spezialeinheit. Jeder hat sein ganz eigenes Motiv, um bei dieser modernen Schnitzeljagd zu sein.

Die Story ist grausam, brutal, teilweise eklig – doch fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Auf dem Buchrücken wird Smith als neuer Superstar der britischen SF angekündigt – das ist eindeutig zu hoch gegriffen. Gute Mittelklasse trifft es eher.

(Amandara M. Schulzke, Dezember 2012)

Ihre Meinung zu »Gavin Smith: Der Veteran«

Maxim zu »Gavin Smith: Der Veteran«06.03.2015
In schöner Regelmäßigkeit kommen aus Großbritannien immer wieder gute SF/Fantasy Autoren. Mit Gavin Smith ist ein weiteres Talent hinzugekommen. Mit seinem Debüt Roman "Der Veteran" beweist er allen, welche Sience Fiction schon abgeschrieben hatten das Gegenteil.

Der Roman wird aus der Perspektive des Ex-Spezial-Agenten Jakob Douglas erzählt. Dieser kämpfte viele Jahre gegen die Außerirdischen und erlebte dabei grauenhafte Dinge. Irgendwann hat jeder genug und der Ex Agent will nichts mehr damit zutun haben. Er verbringt seine Zeit mit Trinken oder in Senso-Kabinen, nur so kann er seine Erinnerungen verdrängen. Doch man hat andere Pläne mit dem Ruheständler. Ein neuer Job wartet auf ihn. Mehr gezwungen als freiwillig übernimmt er diesen und so beginnt für ihn ein Kampf ums Überleben. Trotz aller Brutalität des Krieges hat sich der Protagonist einen schrägen schwarzen Humor erhalten.
Der Roman ist flüssig und übersichtlich geschrieben. Hier wird eine Actionreiche Verfolgungsjagd mit verschiedenen Elementen von Cyberpunk bis Military SF gemischt. Viele Menschen sind Kybernetisch aufgerüstet, manche von ihnen sind mehr Metall und Plastik als lebendes Fleisch.
Bei den Auseinandersetzungen geht es ordentlich zur Sache, was eine Temporeiche Handlung garantiert.
Bevor der Krieg mit den Aliens begann, hat der Finale Menschheitskonflikt seine Spuren hinterlassen.
Verelendung, Atomare Verseuchung, gestiegener Meeresspiegel u.s.w.
Gavin Smith beschreibt eine Zukunft wie sie durchaus vorstellbar ist, die aber keiner wirklich herbeisehnt.
Der Autor hat inzwischen eine Fortsetzung geschrieben, die Geschichte geht also definitiv weiter.

Bei diesem Buch stimmt eigentlich alles, eine Interessante Geschichte, ansprechende Aufmachung, gutes Preis - Leistungsverhältnis, daher gibt es von mir 100 Punkte.
Eruntalon zu »Gavin Smith: Der Veteran«18.08.2014
passbild zu »Gavin Smith: Der Veteran«28.05.2014
Naja. Der erste Teil ist unterhaltsam, zieht sich aber teils pseudo-klug in meta-philosophischen Diskussionen, ohne Antworten zu liefern (wär auch zuviel verlangt, ehrlich).

Gute Action, gut geschrieben (bis auf die zu hohen Diskussionen, die den Rahmen und die Fähigkeiten des Autors übersteigen). Der zweite Teil lohnt aber gar nicht. Auf gar keinen Fall lesen. Nervt nur.
Hannes zu »Gavin Smith: Der Veteran«23.08.2012
Der Veteran ist eines der besten Bücher was ich je gelesen habe. Der Stil und die Detailliertheit mit der der Autor die Personen durch das Buch peitscht ist einfach unglaublich. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen und habe es in kürzester Zeit verschlungen . Freue mich schon wenn am 17. Dezember der zweite Teil rauskommt.
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