Sturm der Zeit von Gordon R. Dickson

Buchvorstellung

Sturm der Zeit von Gordon R. Dickson

Originalausgabe erschienen 1977unter dem Titel „Time Storm“,deutsche Ausgabe erstmals 1982, 460 Seiten.ISBN 3-453-30757-7.Übersetzung ins Deutsche von Irene Holicki.

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Ihre Meinung zu »Gordon R. Dickson: Sturm der Zeit«

Beverly zu »Gordon R. Dickson: Sturm der Zeit«01.07.2012
Ein Buch mit einem wunderbaren Cover, einer spannenden Idee und einem verführerischem Klappentext, der mit den Worten endet: "Und er entdeckt auch, dass er die Lösung des Problems in sich trägt, denn genau so, wie er Teil des Universums ist, sind das Universum und seine gewaltigen Kräfte ein Teil von ihm." Wenn sich das Universum in dem Helden des Romans widerspiegelt, weil alles Reden über die Welt ohne über sie redende vernunftbegabte Wesen keine Grundlage hat, muss das für alle intelligenten Bewohner des Kosmos gelten (es sei denn, sie verweigern sich beharrlich der Erkenntnis der Welt und stecken ihre Köpfe in mit dem Sand fundamanetalistischer Ideologien gefüllte metaphorische Eimer).
Sorry für den philosophischen Exkurs, aber viel ist mir von "Sturm der Zeit" nicht in Erinnerung geblieben. Außer dem Gefühl, dass da eine großartige Idee nicht so umgesetzt wurde, wie es hätte sein müssen. Über Einzelheiten der Handlung will ich mich nicht äußern - ich habe den Roman vor sehr langer Zeit gelesen und fürchte, Details mit anderen Odysseen durch Zeitrissen durcheinander zu bringen. Mir persönlich fällt zum Thema "Zeitriss" ein, dass es für viele Menschen auch eine Chance wäre - für diejenigen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, deren Leben schon vor dem Universum kollabiert war. Sie könnten in einer anderen Epoche einen Neuanfang versuchen, sich das Wissen anderer Epochen zunutze machen oder sich die Hände reiben, wenn ihre großen und kleinen Tyrannen im Zeitriss verschwinden. Ein "Messias", der den status quo ante wiederherstellen wollte, liefe dann allerdings Gefahr, von ihnen ans Kreuz genagelt zu werden.
Zeitreisefan zu »Gordon R. Dickson: Sturm der Zeit«20.04.2010
Klappentext:
Im Universum sind seit Jahrmillionen tiefgreifende Veränderungen im Gange. Die Ausdehnung seit dem Big Bang kommt allmählich zum Stillstand; einzelne Galaxien beginnen zum Mittelpunkt des Kosmos zurückzustürzen.
Doch dieser Vorgang geschieht nicht einheitlich. Es kommt zu Brüchen in der raumzeitlichen Struktur. Die Folge davon sind Zeitstürme, die schließlich auch unser Sonnensystem und mit ihm die Erde erfassen.
Diese Stürme sind gewaltige Nebelwände, die über Meere und Kontinente ziehen. Ihre Spur ist von Tod und Chaos gekennzeichnet: ganze Städte samt ihren Bewohnern sind verschwunden, Teile der Landschaft in die Zukunft oder die Vergangenheit gerissen und durch Landschaften aus der Zukunft oder der Vergangenheit ersetzt.
Marc Despard, mit seinem Kombiwagen, einem Leoparden, der ihm zugelaufen ist, und einem halbwüchsigen Mädchen, das er aus einem Sturm gerettet hat, unterwegs auf der Flucht vor den Nebelwänden, weiß ganz genau, dass er in diesem verrückten Fleckerlteppich der Zeit einen Abschnitt finden muss, der aus fernster Zukunft stammt, weil nur der ihm möglicherweise das Mittel liefern kann, den Stürmen Einhalt zu gebieten.
Er entdeckt, dass nicht nur die menschliche Rasse gegen das Chaos ums Überleben kämpft, sondern alle intelligenten Rassen der Galaxis. Und er entdeckt auch, dass er die Lösung des Problems in sich trägt, denn genau so, wie er Teil des Universums ist, sind das Universum und seine gewaltigen Kräfte ein Teil von ihm.


Kommentar:
Die Idee, Risse im Raum-Zeit-Kontinuum führen zu Kontakten unterschiedlicher Epochen, wird ebenso von Stephen Baxter und Arthur C. Clarke in „Die Zeit-Odyssee“ und auch von Gheorghe Sasarman in „Die Enklaven der Zeit“ aufgegriffen.
Im Ansatz scheint es Baxter/Clarke am Besten zu gelingen, dieses Phänomen in einen spannenden Roman zu packen. Aber selbst diese Autoren spielen am Ende nur halbherzig mit den Möglichkeiten, die ein solches Phänomen für einen SciFi-Autor zu bieten hat.

Gordon R. Dickson fängt mitten im Geschehen an: Marc Despard auf der Flucht vor den Zeitnebeln, die sich wie eine Wand durch die Lande bewegen und dabei die meisten Bewohner verschwinden lassen.
Ausschweifende Rückblenden bleiben dem Leser erspart. Man erfährt, wie Marc, der anfangs nur von dem stummen Mädchen und dem ihm hörigen Leoparden begleitet wird, mit der Zeit eine immer größere Zahl von Anhängern um sich schart. Wie er schließlich mit Hilfe eines aus einer näheren Zukunft entstammenden künstlich erschaffenen Wesens seine besonderen Fähigkeiten entdeckt und weiterentwickelt, die ihn in die Lage versetzen, gegen das Zeitsturmphänomen anzugehen. Schliesslich vermögen diese Fähigkeiten Marc Despard mitsamt seiner Anhängerschaft in die ferne Zukunft zu versetzen, wo er auf verschiedene Rassen von Menschen und Ausserirdischen trifft, die bereits gemeinsam versuchen, gegen die Zeitstürme vorzugehen. Aber nur Marc alleine ist der Auserwählte, der es schliesslich schaffen soll, dieses Phänomen ein für alle Mal zu bekämpfen.

Mir gleitet dieses Buch irgendwann zu sehr ins Esoterische ab. Der Hauptakteur Marc wandelt sich schnell zum Messias der wenigen verbliebenen Menschen, wird im Verlauf immer mehr zum allmächtigen Energiewesen, und gebietet– gottgleich – über Raum und Zeit um am Ende mit Hilfe seiner dubiosen Fähigkeiten den Zeitstürmen entgegenzutreten. Was dabei an Licht- und Energiegeschwurbel in einer furchtbar spannungsarmen Monotonie erzählt wird, passt genau ins Konzept irgendwelcher Esoterikfuzzis. Wer also an die seltsame Kraft hinter Heilsteinen und ähnlichem Unsinn glaubt, der wird wohl auch mit diesem Buch gut zurecht kommen. Für mich war es gegen Ende leider nur ein sehr zweifelhaftes Lesevergnügen.
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