Leseprobe

Die Stadt am Ende der Zeit von Greg Bear

Buchvorstellung und Rezension

  • Fantasy
  • Science-Fiction
  • Horror
  • Mystery

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel City at the End of Time, deutsche Ausgabe erstmals 2009 , 800 Seiten. ISBN 3-453-52341-5. Übersetzung ins Deutsche von Ursula Kiausch.

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In Kürze:

»Es gibt sie, die Stadt am Ende der Zeit ...«
 …zumindest behauptet das eine skurrile Kleinanzeige in einer Seattler Zeitung, die auch nur von leicht skurrilen Menschen gelesen wird. Doch als drei dieser Leser auf die Anzeige antworten, beginnt eines der fantastischsten Abenteuer, das je erzählt wurde. Denn es gibt sie wirklich: die Stadt am Ende der Zeit. Eine Stadt, deren Technologie so weit fortgeschritten ist, dass man sie von Magie kaum mehr unterscheiden kann. Eine Stadt, in die sich die letzten Lebewesen eines sterbenden Universums geflüchtet haben. Eine Stadt, die nun Kontakt mit der Gegenwart aufnimmt – um zu retten, was wir als »Mensch« bezeichnen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mutiges Meisterwerk“ 90

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

Greg Bears neuer Roman behandelt ein zeitloses Thema. Dabei hat sich der Autor viel vorgenommen: „Die Stadt am Ende der Zeit“ ist eine virtuose Endzeitsaga, die die Schicksale ihrer fantastischen Helden aus Gegenwart und fernster Zukunft meisterhaft miteinander verknüpft.

Die Gegenwart

In Seattle kreuzen sich die Wege dreier junger Menschen. Sowohl die junge Ginny als auch Jack und Daniel besitzen einen Integralläufer. Was oberflächlich wie ein Halbedelstein aussieht, könnte über den Ausgang der letzten Schlacht allen Lebens gegen die Auslöschung entscheiden. Davon ahnen die jungen Leute zunächst jedoch nichts. Wenn es für sie brenzlig wird, wechseln sie den Körper. Die außergewöhnliche Gabe, ihr Bewusstsein in einen anderen Wirt zu verpflanzen zu können, macht sie zu Schicksalswandlern, immer auf der Flucht vor gnadenlosen Jägern. Als jedoch eine Sturmfront der Zeit aus Vergangenheit und Zukunft auf Seattle zurollt, können die jungen Menschen sich zum ersten Mal nicht selbst retten. Nur der geheimnisvolle Bibliothekar Bidewell kann ihnen jetzt noch helfen.

Die ferne Zukunft

Billionen Jahre lang haben die Menschen und andere intelligente Lebensformen das All erforscht. Sie haben sich entwickelt und verändert, doch der unvermeidlichen Entropie, dem Niedergang allen Lebens, haben auch diese übermenschlichen Wesen nichts entgegenzusetzen. Längst sind die Sterne verloschen und haben sich die letzten Menschen wieder auf ihren Heimatplaneten zurückgezogen. Von den ehemals zwölf Städten, die sie bewohnten, ist nur die Kalpa geblieben. Ringsherum breitet sich das Chaos aus.

Als Nachgezüchtete ähneln Tiadba und Jebrassy ihren Vorfahren, den Menschen, mehr als die sogenannten Hochgewachsenen. Und sie fühlen sich zueinander hingezogen, haben das Gefühl, sich schon lange zu kennen. Was zuerst wie eine hoffnungslose Romanze zwischen zwei Jugendlichen aussieht, entwickelt sich schnell zu mehr. Als die beiden voneinander getrennt auf verschiedene wichtige Missionen geführt werden, beginnt das Abenteuer ihres Lebens, das sie schließlich bis ans Ende der Zeit führen soll.

Meisterhaftes Verwirrspiel

Ohne große Erklärungen wirft Greg Bear den Leser in eine actiongeladene Handlung. In kurzen Kapiteln springt er in zwei verschiedenen Zeitebenen von Person zu Person und beschreibt die Ereignisse meist aus Sicht ahnungsloser junger Menschen. Der Leser hat dabei alle Mühe, den Geschehnissen zu folgen und kann sich lange Zeit keinen Reim darauf machen. Erst gegen Mitte des beinahe neunhundert Seiten starken Romans bringt der Autor etwas Licht ins Dunkel. Die haarsträubend fantastischen Ereignisse sind beileibe kein leichter Lesestoff. Natürlich ist das die Absicht des Autors. Für die Handlungsebene in ferner Zukunft ist das auch durchaus nachvollziehbar. Immerhin kann man nicht erwarten, das Denken und Handeln von Lebewesen in Billionen von Jahren vollkommen verstehen zu können.

In „Die Stadt am Ende der Zeit“ kommt Büchern eine besondere Bedeutung zu: Auch in ferner Zukunft sind sie das Nonplusultra der Wissensspeicherung. Kein Wort verliert der Autor über Informationsnetzwerke oder futuristische Datenspeicher. Der Leser trifft auf Buchstabenkäfer, die, wie durch Zauberei, Wörter zusammensetzen, Regale voller Buchattrappen, unter denen unnachgiebige Glücksjäger echte Bücher finden können, einen geheimnisvollen Bibliothekar und vieles mehr. Bears Roman ist nicht weniger als eine Liebeserklärung an die Literatur selbst.

Als versierter Hard-SF-Autor verknüpft Bear die Liebe zur Literatur mit quantenphysikalischen Themen; Bücher, Texte, die Sprache an sich wird als die einzige Möglichkeit für Lebensformen dargestellt, sich ihre Umgebung begreifbar zu machen. Hintergrund ist die Idee, dass Dinge nur real werden, wenn es einen intelligenten Beobachter gibt. Dann kommen sie aus ihrem verschwommenen Quantenzustand heraus und werden zur Realität. Auf diese Weise können viel gelesene Bestseller der Entropie trotzen, während kaum beachtete Kleinode plötzlich leere Seiten aufweisen. Die Helden des Romans befinden sich in einem Kampf gegen das Vergessen und damit gegen den Untergang allen Lebens.

Literatur mit hohem Nährwert

Wie erwähnt, ist dies sicher kein einfach zu lesender Roman. Eine weitere kleine Schwäche ist die abstrakte Darstellung der Schurken. Während der Autor anfangs noch den Feinden der Romanhelden in Gestalt von menschlichen „Jägern“ Form gibt, werden diese im weiteren Verlauf eher zur Nebensache. Der große Feind, die Entropie, bleibt selbstverständlich ein nicht greifbarer Gegner. Auch die Mission der Helden wirkt lange etwas schwammig und undefiniert, was ein wenig von der Spannung nimmt.

Dem Versprechen, den Leser auf eine „Reise ans Ende von Raum und Zeit“ mitzunehmen, wird dieses Buch vollkommen gerecht. Schnell stößt man dabei auch an die Grenzen der eigenen Vorstellungskraft: Bear reizt den Leser, fordert ihn heraus. Die komplexen Ideen und die verschachtelte Erzählweise des Romans verlangen weitere Reflexionen, die über das Lesen des Buches hinaus gehen. Und das gelingt nur wenigen populären Romanen. Bear hat mit diesem Buch wirklich ein Meiserwerk abgeliefert, an dem man noch lange zu knabbern hat. Und da hilft nur eines: das Buch irgendwann noch einmal lesen – bevor sich die Wörter auflösen. Es lohnt sich!

Ihre Meinung zu »Greg Bear: Die Stadt am Ende der Zeit«

Samuel Lehnert zu »Greg Bear: Die Stadt am Ende der Zeit« 08.01.2010
Herrvorragende Rezension!
Kann mich Herrn Schmidt nur anschließen. Ein wirklich schwer zu lesender aber dafür großartiger und vor allem einzigartiger Roman den uns Greg Bear hier beschert hat. Insbesondere der Anhang macht Spaß zu lesen und läd dazu ein über die Handlung noch lange nachzudenken. Ich musste mich zwar im zweiten Drittel doch etwas quälen weiterzulesen aber ich bereue es nicht.
Unterm Strich hat er mir sehr gut gefallen und besticht insbesondere durch seine Einzigartigkeit, fernab von herkömmlicher SF.
Zudem wird der Begriff "Epik" hier wirklich neu definiert und auf die Spitze getrieben. Ohne zuviel zu verraten, wenn einem am Ende gewahr wird was mit Zyklen gemeint ist läuft einem ein Gänshautschauer über den Rücken.
Rusch zu »Greg Bear: Die Stadt am Ende der Zeit« 03.07.2009
Ich kann diese Rezension nicht nachvollziehen. Weder ist die Geschichte sonderlich Originell - ist alles schon mal da gewesen - noch sonderlich gut erzählt. Die Protagonisten bleiben auf Distanz und das Buch zieht sich ewig. Wenn das ganze auf den halben Umfang reduziert worden wäre, wäre wohl eine halbwegs annehmbarer Roman herausgekommen. Ich hatte mich nach Blutmusik auf den neuen Bear gefreut, aber das hier war eine herbe Enttäuschung
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