Silbermantel von Guy Gavriel Kay

Buchvorstellungund Rezension

Silbermantel von Guy Gavriel Kay

Originalausgabe erschienen 1984unter dem Titel „The Summer Tree“,deutsche Ausgabe erstmals 1989, 410 Seiten.ISBN 0007217242.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Tausend Jahre lang war Rakoth Maugrim, der Entwirker, im Herzen des Berges Rangat angekettet, bevor er sich befreite und das blaue Licht im Palast von Paras Derval erlosch. Jetzt bedroht eine Dürre Brennin, das ehemals fruchtbare Land im Süden Fionavars. In größter Not macht sich der Magier Silbermantel auf, um Hilfe von anderen Welten zu holen. Silbermantel findet fünf Menschen: Kimberly Ford, Kevin Laine, Jenny Lowell, Dave Martyniuk und Paul Schafer. Sie reisen mit ihm nach Fionavar, wo jedem von ihnen bestimmte Aufgaben zukommen, um das Land von der Macht des Entwirkers zu befreien. Doch dann wird Jenny in den Berg des Entwirkers verschleppt, wo sie unaussprechliche Qualen leiden muss – und Paul erwartet eine Prüfung, die die Kraft eines Menschen bei weitem übersteigt …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die erste aller Welten“91

Fantasy-Rezension von Frank A. Dudley

Wer Guy Gavriel Kays erstem Roman unterstellt, sehr deutlich den Mythen Mittelerdes zu ähneln, der hat nicht völlig Unrecht. Immerhin hat der Kanadier Anfang der 1980er Jahre mit Tolkiens Sohn Christopher am „Silmarillion“ gearbeitet. Das ist nicht zu überlesen, aber es gereicht dem atmosphärisch dichten High-Fantasy-Werk nicht zum Nachteil: Hier geht es um den klassischen Kampf Gut gegen Böse, um heldenhafte Taten, um Betrug, aber auch um Schmerz, Opfer und Gewalt. Kay spinnt seine Geschichte nicht mit leichtem Garn, er verwendet schwere Taue.

Das Buch beginnt in Toronto, wo fünf befreundete Studenten eine Vorlesung des bekannten Professors Lorenzo Marcus hören. In einem Gespräch mit ihm offenbart er den jungen Leuten, dass er in Wirklichkeit Loren Silvercloak heißt, ein Magier ist und aus Fionavar kommt, der Ersten Welt. Was erstaunlich genug ist, doch Silvercloak lädt sie außerdem ein, mit an den Hof des Königs Ailell von Brennin zu kommen, um dessen fünfzigjähriges Thronjubiläum zu feiern. Die Studenten sagen zu, doch während des Transfers bekommt einer von ihnen, Dave, Zweifel und koppelt sich von den anderen ab. Die restlichen vier kommen wohlbehalten in Fionavar an, vom dem anderen fehlt vorerst jede Spur.

Doch auch die Situation in Brennin ist nicht ganz so, wie es Kim, Paul, Jennifer und Kevin versprochen wurde. Das Land stöhnt schon Jahren unter einer Dürreperiode, denn König Ailell weigert sich, am Summer Tree dem Gott Mörnir geopfert zu werden, wie es die Tradition eigentlich verlangt. Doch noch bevor die Studenten völlig mit der Situation klarkommen, drehen andere für sie am Rad der Geschehnisse: Die Seherin Ysanne erkennt in Kim ihre Nachfolgerin und initiiert sie in die Macht des Sehens, Königssohn Prinz Diarmuid verpflichtet Kevin und Paul zu einem gefährlichen Kommandoeinsatz mit amourösem Hintergrund, die missgünstige Hohepriesterin Jaelle will Jennifer auf ihre Seite ziehen.

Ein Autor zum wiederentdecken

Kaum zu glauben, dass „The Summer Tree“ ein Erstling ist. Selbst die große Nähe zu Übervater Tolkiens Werk trübt nicht das klare Bild von Kays komplexem Setting, der farbig beschriebenen Welt Fionavar mit ihrer Geschichte und ihren Mythen, dem fesselnden Plot und den fein gearbeiteten Charakteren bis ins hinterste Glied. Zumal sich der kanadische Autor auch bei der Artussage sowie der Bibel bedient, und das ganze auf ambitionierte Weise verdichtet.

Bereits hier ist Kays ausgezeichnetes Sprachgefühl erkennbar, er schreibt einfühlsam, beinahe lyrisch, auf hohem literarischem Niveau. Über allem steht in ganz großen Buchstaben „Schicksal“ geschrieben, und wo die Handlung schwer davon wird, fühlt man beinahe das Gewicht, das auf den Seelen der Hauptfiguren lastet. Doch es gibt auch leichtfüßigere Passagen, mit subtilem Humor und geistreichen Dialogen.

Was das Buch außerdem von handelsüblicher High Fantasy der 1980er Jahre bis auf wenige Ausnahmen abhebt, ist die Rollenverteilung. Kay lässt nicht nur Männer handeln, sondern entwickelt auch glaubwürdige weibliche Charaktere und macht sie Hauptakteuren. Guy Gavriel Kay ist ein Autor, den es wiederzuentdecken gilt, seine Bücher sind eine qualitative Bereicherung jeder Fantasy-Leseliste.

Ihre Meinung zu »Guy Gavriel Kay: Silbermantel«

Tina L. zu »Guy Gavriel Kay: Silbermantel«27.02.2014
Es ist viele Jahre her, seit ich die Trilogie gelesen habe. Unglaublich gut geschrieben, man wird mitgenommen, nein eigentlich eingesogen in diese Geschichten, in denen der Große Weber die Fäden auf so wunderbare Art verbindet - oder auch trennt...

Bilder, die man nicht nur sehen, sondern auch fühlen kann, Charaktere, deren Motivation und Vielschichtigkeit den Leser immer fesseln und im Innersten berühren, diese dichte Erzählung läßt einen nicht los.

Zuvor hatte ich allenfalls mit Märchen zu tun, und danach mußte ich alles andere, das ich an Fantasy in die Hände bekommen habe an diesem Werk messen. Die allermeisten sahen sehr blaß aus.

Ich werde morgen auf dem Dachboden danach suchen und sie nach zwanzig Jahren nochmal lesen, bin gespannt, ob sie diese Faszination noch haben, aber eigentlich habe ich keinen Zweifel...
Heinrich Keipert zu »Guy Gavriel Kay: Silbermantel«03.03.2007
Ich habe dieses Buch schon vor Jahren gelesen, und nimm es auch heute immer wieder zur Hand. Ein Buch das man immer wieder lesen kann. Ich würde es durchaus mit Tolkiens Herr der Ringe gleichsetzen.
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