H. R. Wakefield

Herbert Russell Wakefield wurde am 9. Mai 1888 in Kent als Sohn eines Bischofs von Birmingham in das Leben eines typischen britischen Gentlemans geboren. Er studierte Geschichte in Oxford, war dort als begeisterter Sportsmann bekannt und arbeitete nach seinem Abschluss als Privatsekretär für den Viscount Northcliffe. Dieses behagliche Dasein wurde rüde durch I. Weltkrieg unterbrochen, in den Wakefield als Ehrenmann ohne Zaudern einrückte. Er überlebte, aber spurlos gingen diese Jahre nicht an ihm vorüber: „Wenn sie meinen, dass ich nicht einsehe, warum man alles Schöne einem sogenannten Gott zuschreiben sollte, dann haben sie recht. Denn wem wollen sie dann die Verantwortung für die weniger erfreulichen Schauspiele wie Stierkämpfe oder Schlachtfelder zuschreiben?“, fasste er seine Erfahrungen in der Geschichte „Schau doch nach oben!“ zusammen.

Äußerlich recht ereignislose Jahre schlossen sich nach 1918 an. Wakefield wurde erst Sekretär seines Vaters und später Redakteur für einen Buchverlag. In den 1930er Jahren verlegte er sich gänzlich auf die Schriftstellerei. Wakefield war ein überaus fleißiger Autor, der zahlreiche Kurzgeschichten sowie einige Kriminalromane verfasste. Die Kritik (die ansonsten nicht nur in Deutschland recht lieblos mit ihm umsprang) klassifiziert ihn als letzten Vertreter der klassischen englischen (d. h. viktorianischen) Gespenstergeschichte à la M. R. James oder Algernon Blackwood. Daher wird tüchtig gestraft und gesühnt für allerlei Verfehlungen, derer sich entweder das Gespenst (noch zu Lebzeiten, falls kein gebürtiger Naturgeist oder Höllendämon) oder sein Opfer schuldig gemacht haben.

Dass den ruhig und gesetzt wirkenden Wakefield durchaus Dämonen umtrieben, lässt sich nicht nur seinem schriftstellerischen Werk entnehmen: Kurz vor seinem Tod im August 1964 vernichtete er, krebskrank und verbittert, weil ihn seine Leser vergessen hatten, systematisch sämtliche Briefe, Manuskripte und Fotos, die ihn abbildeten. [Michael Drewniok]

Phantastisches von H. R. Wakefield:

  • Storysammlungen
    • (1928) They Return at Evening
    • (1929) Old Man’s Beard. Fifteen Disturbing Tales / Others Who Returned
    • (1931) Imagine a Man in a Box
    • (1932) Ghost Stories
    • (1932) A Ghostly Company: A Book of Ghost Stories
    • (1940) The Clock Strikes Twelve. Tales of the Supernatural
    • (1961) Strayers from Sheol
    • (1978) The Best Ghost Stories of H. Russell Wakefield
    • (2000) Reunion at Dawn. Uncollected Stories
  • Über H. R. Wakefield (Auswahl)
    • (1975) Rein A. Zondergeld: Der Geisterzwang, Nachwort zu: Der Triumph des Todes, S. 280-286
    • (1992) Ben P. Indick: H. Russell Wakefield. The Man Who Believed in Ghosts, in: Darrell Schweitzer (Hg.), Discovering Classic Horror Fiction I, Gilette/New York 1992, S. 73-93

Anmerkung: Diese Auflistung beschränkt sich auf Wakefields phantastisches Werk.