Henry Rider Haggard

Henry Rider Haggard wurde 1856 in West Bradenham Hall (Norfolk) als achter Sohn eines Juristen geboren. Die Familie hielt Henry für geistig träge, in seine Erziehung wurde nicht viel investiert. Glücklicherweise gab es das britische Kolonialreich; in der Ferne konnte jeder entschlossene junge Mann sein Glück (oder einen raschen Fiebertod) finden. Haggard ging 1875 nach Natal (Südafrika), wo er als Sekretär für Sir Henry Bulwer, Gouverneur dieser Kolonie, arbeitete. Zwei Jahre später wechselte er in die Kolonialverwaltung nach Transvaal. In dieser Zeit reiste er viel, was später seinen Romanen zugute kam, und lernte Land und Leute kennen. Sein Leben lang befürwortete Haggard die koloniale Vorherrschaft des „;weißen Mannes“;, ohne indes deren negativen Aspekte zu ignorieren.

Haggard erwarb eine Farm in Transvaal, die er mit seiner 1880 in England geheirateten Gattin Mariana bewirtschaftete. Der Burenkrieg vertrieb das Paar aus Afrika. Nur halbherzig schlug Haggard in England eine juristische Laufbahn ein; er hatte beschlossen als Schriftsteller tätig zu werden. Seine ersten beiden Werke („;Dawn“; und „;The Witch’s Tale“;, beide 1884) konnten freilich kein Aufsehen erregen; Haggard hatte ´sein’ Genre noch nicht gefunden.

1883 erschien „;Die Schatzinsel“; von Robert Louis Stevenson. Haggard hielt nicht viel von diesem Buch, war aber von seinem Erfolg beeindruckt. Mit seinem Bruder wettete er, eine bessere Geschichte zu Stande zu bringen. Binnen sechs Wochen entstand „;King Solomon’s Mines“; – Haggard war 1885 sein erster Bestseller gelungen. Mit „;She – A History of Adventure“; (1886, dt. „;Sie“;) und „;Allan Quatermain“; (1887), die den Helden aus „;King Solomon’s Mines“; zurückkehren lässt, konnte er seinen Triumph wiederholen.

In den nächsten vier Jahrzehnten verfasste Haggard zahlreiche Romane, deren abenteuerliche Handlung er in abgelegene Regionen der Erde verlegte. Hier siedelte er „;lost races“; an, für die die Zeit stehen geblieben war, und konfrontierte sie mit „;weißen“; Abenteurern, die wiederum oft Zeugen übernatürlicher Geschehnisse wurden. Als die „;weißen Flecken“; auf der Weltkarte noch zu seinen Lebzeiten kleiner wurden, griff Haggard auf die Vergangenheit zurück, wobei er die historische Realität in den Dienst seiner oft auch hier durch fantastische Elemente bereicherten Geschichten stellte.

Als Autor war Haggard ein Vollprofi, der gern auf bewährte Schauplätze und Personen zurückgriff. Zwar ließ er in „;Allan Quatermain“; seinen Helden unbedacht vorzeitig sterben, holte ihn aber später immer wieder für weitere Abenteuer zurück. (In „;Allan and the Ice-Gods“; erlebt er mit Hilfe einer Droge sogar eine frühere Existenz als prähistorischer Höhlenmensch.) Haggard brachte mindestens ein neues Abenteuergarn pro Jahr auf den Buchmarkt und bediente auch andere Genres. Sogar vor einer ´Fortsetzung’ von Homers „;Odyssee“; schreckte er nicht zurück („;The World’s Desire“;, 1890). Vor allem die späteren Werke erreichen nicht die Qualität der frühen Klassiker, was der Verfasser durch handwerkliches Geschick und Routine in gewisser Weise ausgleichen konnte.

Trotz seines bemerkenswerten Arbeitspensums etablierte sich Haggard als Experte für landwirtschaftliche und soziale Aufgaben in England sowie als Fachmann für koloniale Fragen. Für seine Dienste wurde er 1912 geadelt und 1919 zum „;Knight Commander of the British Empire“; erhoben. Am 14. Mai 1925 ist Sir Henry Rider Haggard gestorben.

mehr über Henry Rider Haggard:

Phantastisches von Henry Rider Haggard

  • Storysammlungen
    • (1979) The Works of H. Rider Haggard – Selected Works. A Collection of Short Stories by H. Rider Haggard
    • (1983) The Best Short Stories of Rider Haggard, 1983 (hg. v. Peter Haining)
    • (1987) Allan Quatermain der Jäger [dt. Originalausgabe]
    • (2002) Tales of Allan Quatermain
    • (2004) Hunter Quatermain’s Story: The Uncollected Adventures of Allan Quatermain
  • andere Bücher
    • (1887) Eine neue Judith
      Jess
    • (1888) Mr. Meesons Testament
      Mr. Meeson’s Will
    • (1888) Oberst Quaritch. Eine Erzählung aus dem Landleben
      Colonel Quaritch, V.C.
    • (1901) A Winter Pilgrimage
    • (1906) Benita. An African Romance
    • (1920) Smith and the Pharaohs
  • Autobiografie
    • (1926) The Days of My Life: An Autobiography by Sir H. Rider Haggard
  • Über H. R. Haggard (Auswahl)
    • (1976) Lilias Rider Haggard: The Cloak That I Left: A biography of the author Henry Rider Haggard, K. B. E
    • (1978) Peter Beresford Ellis: H. Rider Haggard: A Voice from the Infinite.
    • (1980) The Private Diaries of Sir H. Rider Haggard (hg. v. D. S. Higgins)
    • (1981) D. S. Higgins: Rider Haggard. A Biography / Rider Haggard: The Great Storyteller
    • (1991) Lloyd Siemens: The Critical Reception of Sir Henry Rider Haggard: An Annotated Bibliography, 1882-1991
    • (1999) Philip Leibfried: Rudyard Kipling and Sir Henry Rider Haggard on Screen, Stage, Radio and Television
    • (2001) Lindy Stiebel: Imagining Africa: Landscape in H. Rider Haggard’s African Romances
    • (2004) Detlef Münch: Bibliographie und Rezension der deutschsprachigen Erstausgaben von Henry Rider Haggard 1887-2004