Interview Carl A. deWitt

„Sprache ist sowohl Wissenschaft, als auch eine Art Magie!“

Der Fantasy-Roman "Die Krone von Lytar" (Leseprobe) ist nicht nur eine spannende Geschichte über Vergangenheit und Verantwortung. Er ist auch gleichzeitig ein Phönix aus der Asche. Autor Carl A. deWitt sprach mit uns über seine Passion und schöpferische Freiheit.

Phantastik-Couch.de: Herr deWitt, sehen Sie das Schreiben als Job? Gehen Sie wie jeder andere morgens zur Arbeit und abends wieder nach Hause? Wie darf man sich Ihren Arbeitsalltag vorstellen?

Carl A. deWitt: Ich schreibe am liebsten am Stück. Hinsetzen, schreiben bis das Buch fertig ist, der Rest der Welt bleibt außen vor. Ist das Buch fertig, kümmere ich mich erst einmal gar nicht mehr um das Schreiben, bis der nächste Impuls kommt.

Üblicherweise lasse ich das Manuskript dann ein bis vier Wochen liegen und überarbeite es dann noch mal in Ruhe, um ihm sprachlich und inhaltlich den letzten Schliff zu geben. Dafür lasse ich mir in der Regel sogar länger Zeit, als für das Schreiben an sich. Zwischen Büchern mache ich alles andere, was mich interessiert, und warte dabei, dass der nächste Schreibwahn sich einstellt.

Phantastik-Couch: Erzählen Sie unseren Lesern kurz, worum es im Ergebnis Ihres letzten „;Schreibwahns“; geht?

Carl A. deWitt: Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, aus den Lehren der Vergangenheit zu lernen. Es geht um den Gebrauch von Macht. Ob es möglich ist, Macht sinnvoll und richtig zu verwenden, oder ob sie immer korrumpieren wird.

Nach dem Angriff auf das Dorf ziehen die Freunde aus und suchen nach den Relikten der alten Macht des Reiches, dessen Erben sie sind. Was sie finden, wird die Welt verändern, aber vor allem auch die Freunde selbst. Es geht um Entscheidungen, für das einzustehen, was man für richtig hält, also auch darum, herauszufinden, was für einen selbst richtig ist.

Phantastik-Couch.de: Woher kam die Idee zu dieser Geschichte?

Carl A. deWitt: Aus einer ganz anderen Ecke. Im Freundeskreis wurde darüber diskutiert, inwieweit man für die Taten vorangegangener Generationen verantwortlich ist. Ich kam auf die Idee eine Geschichte zu schreiben, die zeigen sollte, dass man dafür verantwortlich ist, wie man mit dem umgeht, was einem hinterlassen wurde.

Phantastik-Couch.de: Was fesselt Sie am Genre Fantasy so?

Carl A. deWitt: Schöpferische Freiheit. Es gibt keine Grenzen, nur die der eigenen Phantasie. Nur fällt es mir schwer, Fantasy-Romane zu finden, die mich wirklich mitreißen. Meist ist es für mich ein Ausflug, nicht mehr. Mich eintauchen zu lassen gelingt nur wenigen Autoren.

Phantastik-Couch.de: Worin unterscheiden sich Fantasy-Computerspiele und Fantasyromane Ihrer Meinung nach?

Carl A. deWitt: Beim Schreiben gebe ich nur den Rahmen vor, der Leser füllt die Leinwand dann mit den Bildern aus der eigenen Phantasie. Hierzu etwas, das mich wirklich fasziniert: Jeder Leser, mit dem ich jemals sprach, ´erlebte’ meine Bücher anders. Jeder schuf für sich eine ihm eigene Welt. Das ist bei Computerspielen nicht gegeben, dort wird mehr konsumiert.

Phantastik-Couch.de: Sie haben bereits mehrere Romane geschrieben. Was unterscheidet die Krone von Lytar von den anderen? Was ist für Sie das besondere an diesem Fantasyroman?

Carl A. deWitt: Das Besondere ist, dass es diesen Roman überhaupt gibt. Denn es gab bereits eine Version, die Opfer eines Brandes wurde. Dass er neu entstand, und dies unter denkbar ungünstigsten, fast schon alptraumhaften persönlichen Umständen, macht ihn für mich zu etwas Einzigartigem. Von der Konzeption vor fast zehn Jahren, bis zur Manuskriptablieferung hat dieser Text mich in ganz besonderer Art und Weise in meinem Leben begleitet. Wenn er die Gunst der Leserschaft findet, wird es eine ganz besondere Bedeutung für mich haben.

Phantastik-Couch.de: Wie würden Sie Ihren Schreibstil beschreiben?

Carl A. deWitt: Das ist schwierig. Sprache ist sowohl Wissenschaft, als auch eine Art Magie. Man kann das Denken und die Gefühle anderer mit dem Worten erreichen und verändern. Die große Überraschung ist für mich, dass die deutsche Sprache eine schöne Sprache sein kann. Ich habe meinen Stil noch nicht endgültig gefunden, aber ich bewege mich darauf zu.

Phantastik-Couch.de: Abgesehen vom Schreiben: Was sind Ihre Hobbys?

Carl A. deWitt: Schreiben ist kein Hobby mehr für mich, es ist eine Passion. Fast alles andere, was ich so unternehme, dient dazu, mir die innere Ruhe und den Freiraum zu geben, mich wieder dem nächsten Buch zu widmen. Es sind Ablenkungen, weniger wirkliche Hobbys, als zum Beispiel die Pflege meines Freundeskreises und ein allgemeines Interesse an den Menschen und ihren Handlungen.

Phantastik-Couch.de: Sie restaurieren alte Autos und Motorräder – wie kamen Sie zu diesem Hobby?

Carl A. deWitt: Es fing damit an, dass ich die Wahl hatte, einen neuen Wagen zu erstehen, oder eine schrottreife Schönheit, die viel Arbeit und Zuwendung brauchte …Sie können sich denken, wie meine Entscheidung ausfiel. In alten Maschinen, vor allem solchen, in denen noch handwerkliche Arbeit zu finden ist, liegt für mich eine besondere Faszination. Ein altes, zerstörtes Fahrzeug wieder zu restaurieren, ist eine Form der Wertschätzung gegenüber der Leistung, die einst erbracht wurde, damit dieses Fahrzeug entstand. Manche empfinde ich schlichtweg als schön, und es ist schade, sie zerstört zu sehen. Außerdem komme ich dabei zur Ruhe

Phantastik-Couch.de: Tauchen Sie auch in anderen Zusammenhängen in Fantasywelten ab?

Carl A. deWitt: Ich leite noch immer Rollenspielrunden, wobei ich hier bei einem unangenehmen Blick über den Tellerrand hinweg feststellen musste, dass dies von Außenstehenden als negativ gewertet wird. Vielleicht wird hier ein Klischee gesehen, dieses ist für unsere Runden jedoch nie gültig gewesen.

Phantastik-Couch.de: Welche Rollen verkörpern Sie dabei am liebsten?

Carl A. deWitt: In einem Rollenspiel hat man die Möglichkeit, sich selbst zurückzulassen und ein Alter Ego aufzusuchen, ein anderes, als das eigene Leben zu erfahren. Andere Blickwinkel zu sehen, die Schuhe eines anderen anzuziehen. Es gibt Rollenspiele in der Psychologie und in der Wirtschaft, dort setzt man sie für Therapien und Training ein. Für mich speziell ist es ein Gesellschaftsspiel, in dessen Verlauf man eben mit seinen Freunden interagiert. Und wie bei jedem Gesellschaftsspiel steht der Spaß, den man miteinander hat, im Vordergrund

Ich selbst verkörpere dabei aber keine Rollen. Ich erzähle eine interaktive Geschichte, in der die anderen Spieler sich bewegen können. Wenn ich Rollen übernehme, dann die der Menschen, die dieses fiktive Universum bevölkern.

Phantastik-Couch.de: Hätten Sie gerne in einer anderen Zeit oder vielleicht sogar Welt gelebt?

Carl A. deWitt: Mit meinem aktuellen Wissen und meinen Fähigkeiten? Wenn ich es aussuchen könnte, wohin es geht? Ja, vielleicht. Eine andere Zeit, aber keine andere Welt. Das frühe 19. Jahrhundert...Ansonsten, nein. Diese Welt ist meine.

Phantastik-Couch.de: Haben Sie bereits Ideen bzw. Stoff für einen neuen Roman? Gibt es Geschichten, die Ihnen gar auf der Seele brennen?

Carl A. deWitt: Ja, beides. Lesergunst vorausgesetzt, würde ich gerne erzählen, wie es mit den Freunden aus Lytar weiter geht. Es gibt aber auch andere Projekte. Manche sind jedoch noch jenseits meiner Fähigkeit, zu transportieren, was ich sagen und zeigen will. Aber ich arbeite daran. Mehr möchte ich nicht verraten!

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank für das Gespräch, Herr deWitt!

Dieses Interview führte Frank Dudley.