Interview mit Ally Condie

„Lass dich nicht überfordern, atme tief ein, finde heraus, was dir am wichtigsten ist und halte dich an diese Dinge.“

In unserer letzten Ausgabe stellten wir Ally Condies aktuellen Roman „Die Auswahl“ vor. Wir sprachen mit der Autorin über ihre Pläne, wie sie es schafft, das Schreiben mit dem Familienleben mit drei Kindern unter einen Hut zu bringen und was Schreiben und Marathon laufen gemeinsam habe.

Phantastik-Couch.de: Liebe Ally, magst Du Dich unseren Lesern kurz vorstellen? Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Was hast Du zuvor gemacht?

Ally Condie: Hallo! Ich freu mich, dass ich mich Euren Lesern vorstellen darf. Danke für die Anfrage für das Interview. Ich heiße Ally Condie und ich bin Autorin und Mutter dreier kleiner Jungs. Bevor ich hauptberuflich Autorin wurde, habe ich als Englischlehrerin an einer Highschool in Utah und im Staat New York unterrichtet. Ich unterrichte sehr gern und ich schreibe sehr gern – vielleicht werde ich eines Tages beides hin bekommen. Aber am liebsten bin ich natürlich Mutter.

Phantastik-Couch.de: „Die Auswahl“ (orig. Titel: Matched„) ist in Amerika im November 2010 erschienen und als deutschsprachige Ausgabe – unglaublich schnell – Ende Januar 2011. Viele deutsche Leser haben das Buch in Englisch gelesen und vergleichen die Geschichte um “Cassia und Ky„ mit der “Panem„ – Reihe von Suzanne Collins, mit den “Biss„-Büchern von Stephenie Meyer oder auch mit “Brave New World" von Aldous Huxley. Wie würdest Du selber den Roman beschreiben und einordnen?

Ally Condie: Ich würde das Buch als eine Geschichte beschreiben, in der ein Mädchen lernt, sich zu entscheiden. In „Die Auswahl“ wird eine Dreiecksgeschichte erzählt und Cassia muss sich zwischen zwei Jungen entscheiden, aber eigentlich geht es auf einer höheren Ebene darum, dass ein Mädchen lernen muss, was es bedeutet, seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Phantastik-Couch.de: Zwei junge Männer gehören neben Cassia zu den Hauptfiguren in „Die Auswahl“. Und Du hast drei Söhne. Haben Xander und Ky Charakterzüge Deiner Jungs abbekommen?

Ally Condie: Nein, ehrlich gesagt haben sie mehr von meinem Mann! Die eine Hälfte seiner Charakterzüge hat Xander bekommen, die andere Hälfte Ky. Vielleicht mag ich darum die beiden Figuren so sehr!

Phantastik-Couch.de: Gab es Vorbilder für die Hauptprotagonistin? Wieviel von Dir steckt in Cassia?

Ally Condie: Cassia hat ihren ganz eigenen Charakter – sie basiert auf niemandem, den ich kenne. Sie ist weit tapferer – und schlauer! – als ich bin. Aber ich laufe auch gern und habe eine Schwäche für Nachtisch, da sind wir uns also doch ähnlich.

Phantastik-Couch.de: Es geht in „Die Auswahl“ generell um Selbstbestimmung. Die Handlung spielt in einer Gesellschaft, in der Menschen fremdbestimmt leben, tun was ihnen vorgegeben wird im Vertrauen darauf, das es das Beste für sie ist. Glaubst Du, dass es auch Menschen geben könnte, die sich von unserer schnelllebigen modernen Welt überfordert fühlen und wünschten, dass ihnen Entscheidungen abgenommen würden? Was würdest Du diesen Menschen sagen wollen?

Ally Condie

Ally Condie: Ja, da hast du absolut recht. Eins der Hauptthemen in „Die Auswahl“ ist Selbstbestimmung. Und ich bin sicher, dass es genug Leute gibt, die wünschen, jemand könnte ihnen alle Entscheidungen abnehmen. Manchmal bin ich auch so. Es kann einen schon überfordern, so viele Möglichkeiten zu haben und die Informationsüberflutung …Aber natürlich ist es ein Geschenk, frei wählen zu können. Darum würde ich ihnen dasselbe sagen, was ich auch mir sage – lass dich nicht überfordern, atme tief ein, finde heraus, was dir am wichtigsten ist und halte dich an diese Dinge.

Phantastik-Couch.de: Du schreibst vorwiegend Jugendbücher. Was ist reizvoll für Dich daran? Was könnten junge Menschen aus „Die Auswahl“ für ihr Leben lernen?

Ally Condie: Ich schreibe Jugendbücher außerordentlich gern, ich finde es interessant, über diese Zeit des Lebens zu lesen und zu schreiben. Jugendliche werden gerade erwachsen, sie sind klug, haben so viele Fähigkeiten und erleben so viele Dinge zum ersten Mal. Da ist eine Spannung im Leben, die später oft fehlt. Ich hoffe, die Jugendlichen lesen „Die Auswahl“ gern, dass sie das Buch mögen. Und falls sie dadurch über ihre eigenen Entscheidungen nachdenken und mehr Gedichte lesen, wäre das auch toll.

Phantastik-Couch.de: Wie lange hast Du denn an dem ersten Band „Die Auswahl“ geschrieben? Arbeitest Du nach einer bestimmten Reihenfolge, zuerst Recherche und Konzepterstellung, dann Schreiben, oder fließen verschiedene Prozesse ineinander?

Ally Condie: Ich brauchte ungefähr neun Monate, „Die Auswahl“ zu schreiben – aber danach korrigierte ich noch eine ganze Menge bevor das Buch wirklich fertig war. Ich plane nicht viel vor beim Schreiben. Ich entdecke gern die Geschichte, während ich sie schreibe. Es macht mehr Spaß auf die Art.

Phantastik-Couch.de: Was ist für Dich die perfekte Umgebung zum Schreiben?

Ally Condie: Ich würde gern in einem Häuschen auf dem Land schreiben! Aber im Moment schreibe ich in einer Ecke im Keller. Ist ganz schön kalt da! Aber ganz ehrlich ich schreibe sehr gern, ganz egal, wo und wann, solange ich in irgendeiner Ecke vor mich hin tippen kann.

Phantastik-Couch.de: Wie bringst Du Dein Familienleben mit Ehemann und drei Kindern und das Schreiben unter einen Hut? Schreibst Du nachts?

Ally Condie: Ich schreibe meistens, wenn meine Kinder noch schlafen. Sie sind klein und brauchen tagsüber meine ganze Aufmerksamkeit. Es ist immer schwierig, die Balance hin zu kriegen, aber beides mache ich gern und ich gebe mein Bestes. Allerdings komme ich so selbst nicht viel zum Schlafen, das stimmt schon.

Phantastik-Couch.de: Man liest über Dich, dass Du auch an Marathon-Läufen teilnimmst. Was erfordert Deiner Meinung nach mehr Disziplin? Die Strecke über 42 Kilometer, oder einen Roman über 400 Seiten zu schreiben?

Ally Condie: Ich glaube, dafür benötigt man unterschiedliche Arten der Disziplin. Und jedes Rennen, jedes Buch ist wieder anders. Ich bin schon Marathons gelaufen, bei denen ich mich fast die gesamte Strecke wirklich gut fühlte und einen, bei dem ich sehr schnell erschöpft war und der Marathon war die Hölle. Bücher sind auch so, es kann sein, dass eins viel einfacher zu schreiben ist als das nächste. Aber in beiden Fällen willst du es durchziehen und dein Bestes geben für dich selbst, damit du später nichts bereust.

Phantastik-Couch.de: In Deinem Blog zeigst Du Fotos aus dem Allgäu in Deutschland, das Du mit Deinen Schwiegereltern besucht hast. Gefällt Dir Deutschland? Könntest Du Dir vorstellen, eine Weile hier zu leben?

Ally Condie: Deutschland hat mir sehr gut gefallen! Die Landschaft war beeindruckend und ich bin kreuz und quer durch Frankfurt gelaufen, das war toll und alle, die ich traf, waren sehr nett. Bei meinem Besuch im Oktober war ich zum ersten Mal in Deutschland, aber ich hoffe, ich komm noch einmal hin. Ich wollte, seitdem ich in der Highschool und im College deutsch lernte, mal nach Deutschland. Allerdings muss ich zugeben, mein Deutsch ist furchtbar. Ich habe immer gehofft, mich einmal auf deutsch richtig zu unterhalten, aber mein Deutsch war immer so schlecht, dass meine Gesprächspartner sofort auf Englisch antworteten. Schon ein bisschen peinlich.

Phantastik-Couch.de: Vermutlich schreibst Du momentan am zweiten Teil der „Cassia und Ky“-Trilogie. Kannst Du schon einen kleinen Ausblick geben? Wird der Roman insgesamt düsterer?

Ally Condie: Ja! Das Buch wird im November in den USA raus kommen und hoffentlich kurz danach in Deutschland. In den USA wird der Titel „Crossed“ (in etwa „böse“ / „wütend“, Anmerkung der Übersetzerin). Es ist schon ein wenig düster und es ist ganz anders von der Kulisse her. Fast die gesamte Handlung spielt in einer der äußeren Provincen, die in „Die Auswahl“, was wiederum auf den roten Felsen des südlichen Utah, wo ich aufwuchs, basiert, erwähnt werden. Ich bin schon sehr aufgeregt wegen des Buches.

Phantastik-Couch.de: Danke, dass Du Dir für unsere Fragen die Zeit genommen hast.

Ally Condie: Danke zurück fürs Interview. Es hat mir viel Spaß gemacht.

Das Interview mit Ally Condie führte Eva Bergschneider
Übersetzung: Verena Wolf