Interview mit Bernd Perplies

„Ich liebe extravagante Nebencharaktere, die die Leser sofort für sich einnehmen und damit für manche sogar zur heimlichen Hauptfigur werden.“

„Flammen über Arcadion“ heißt der erste Band der Young Adult Dystopie Serie von Bernd Perplies. Der Autor gewährt einmal mehr einen Blick in seine Arbeit und erklärt uns, was ihn daran gereizt hat, eine Dystopie zu schreiben und was das ´Perplies-typische´ an der „Arcadion“-Reihe ist.

Phantastik-Couch.de: Dein neuer Roman ´Flammen über Arcadion´ spielt in einem postapokalyptischen Zukunftsszenario. Als Handlungsschauplatz hast du Rom ausgesucht. Wie bist du darauf gekommen und warst du schon einmal in Rom, um einen Eindruck von der Stadt zu gewinnen? Oder hast du dich auf das Internet, Reiseberichte und Bildbände als Inspirationsquelle verlassen?

Bernd Perplies: Ich glaube, es waren mehrere Dinge, die mich dazu gebracht haben, ein ehemaliges Rom als Schauplatz zu wählen. Zum einen brauchte ich eine große Stadt zu Beginn, möglichst eine europäische, denn in meinen Augen spielen schon genug Geschichten in Amerika. :) London hatte ich bereits in der „Magierdämmerung“ erkundet. Blieben (nach erstem Nachdenken) Paris, Rom oder Berlin.

Von den dreien kannte ich nur Rom wirklich, denn, ja, ich habe dort vor einigen Jahren Urlaub gemacht (und es hilft schon beim Schreiben, wenn man einen Ort mal live gesehen hat). Dabei fand ich schon seinerzeit diese Verbindung von uralter und zugleich moderner Stadt faszinierend. Dieses Nebeneinander von zwei Zeitaltern setzt sich ja in „Flammen über Arcadion“ fort (mit der Gegenwart und der Zeit „vor dem Sternenfall“).

Außerdem hat Rom tatsächlich einst einen festungsartigen Charakter gehabt, als es von der Aurelianischen Mauer umgeben war. Daraus wurde bei mir der Aureuswall, der besagte Mauer vergrößert und ergänzt. Es hat sich natürlich auch angeboten, einen Orden wie den Lux Dei in Rom anzusiedeln. Zu guter Letzt hatte ich das Gefühl: Italien ist als Land exotisch genug, um einen gewissen Reiz auszuüben, aber uns zugleich nah genug, dass wir uns problemlos in die Figuren hineinversetzen können.

Phantastik-Couch.de: Wie war es für Dich aus der Sicht einer weiblichen, noch nicht ganz erwachsenen Person zu schreiben? Wie eignet man sich als männlicher Autor das Wissen und die Erfahrungen einer heranwachsenden jungen Frau an, die man selbst nicht vorweisen kann? Führt man Gespräche mit der Partnerin, der Schwester und Freundinnen über die weibliche Hauptprotagonistin?

Bernd Perplies: Ich muss gestehen, beim Schreiben nicht darüber nachgedacht zu haben, dass ich ein Mann bin und Carya eine Frau und dass das zu Kommunikationsschwierigkeiten führen könnte. Es gehört in meinen Augen zu den Begabungen eines Autors, sich in Figuren unterschiedlichster Art einfühlen zu können, vom hundertjährigen Troll bis zum sechzehnjährigen Mädchen. Man beschwört sie beim Schreiben vor seinem inneren Auge herauf, und dann lässt man sie so agieren, wie es sich einfach richtig anfühlt. Das kann man nun Menschenkenntnis oder Intuition nennen.

Es ist ja auch nicht so, dass Carya die erste Frauenfigur in all meinen Romanen gewesen wäre. Die männlichen Helden mögen in „Tarean“ und der „Magierdämmerung“ überwogen haben, aber auch nur knapp. In „Tarean“ gehörten die Albin Auril und das Irrlicht Moosbeere zum Kernquartett der Hauptfiguren, in „Magierdämmerung“ spielten die junge Hexe Kendra und die Magieragentin Lionida Diodato eine wichtige Rolle – wobei es witzigerweise schon da vereinzelte Leserinnen gab, die mich gefragt haben, ob deren Romanpassagen von mir stammen oder ob ich Hilfe von einer Frau hatte. Ich kann ehrlich sagen: Nein, hatte ich nicht.

Bernd Perplies

Phantastik-Couch.de: So eine Welt wie Arcadion erfordert ja einen durchdachten Weltenbau. Wie wichtig sind Dir die Details? Warum setzt z.B. der Lux Dei Brieftauben als Kommunikationsmittel ein? Obwohl sie den Funk und einige andere Techniken zur Verfügung haben. Warum haben sie so eine wichtige Funktion wie die Nachrichtenübermittlung vergleichsweise „mittelalterlich“ gelöst?

Bernd Perplies: Das mit dem Lux Dei und den Brieftauben ist ein Missverständnis. Im Roman steht: „Vereinzelt erhoben sich gewaltige Metallgerippe in den Himmel, die mitten in der Landschaft standen. Carya hatte keine Ahnung, welchem Zweck sie einst gedient haben mochten. Vielleicht hatten die Menschen auf diese Weise früher von einer Stadt zur anderen Kontakt gehalten. Heute bedurfte es dazu Motorradboten oder Brieftauben.“ Hierbei sind zwei Dinge wichtig: 1. Die Szene spiegelt Caryas Wissensstand wider. 2. Wir sprechen von der Kommunikation von Stadt zu Stadt. Der einzige Funk, den ich im Zusammenhang mit dem Lux Dei erwähne, sind die Kurzstreckensender in den Templerrüstungen – und das sind Artefakte aus der Zeit vor dem Sternenfall. Möglicherweise verfügt der Lux Dei tatsächlich noch über weitere Funkanlagen, die aus dieser Zeit gerettet wurden. Der normale Bürger allerdings muss seine Post (oder kurze Nachrichten) auf altmodische Art und Weise befördern.

Um damit gleich die Frage zu beantworten: Solche Details waren mir schon wichtig. Diese Art von Worldbuilding macht mir Spaß. Ich habe mir anfangs ein Set an Regeln gesetzt, die in dieser Welt gelten. Der Sternenfall und die Dunklen Jahre hatten beispielsweise einen Zusammenbruch aller globalen Kommunikation, aller Warenströme und so gut wie aller modernen Technik zur Folge. Italien besitzt keine eigenen Erdölquellen, also existiert auch keine Petrochemie und das verbietet praktisch alle neueren Errungenschaften unserer Zeit – auch Jahre später noch!

Wenn man sich das vor Augen führt, ist der Rest nur noch sorgfältiges Ableiten von Folgen. Wie beispielsweise, dass die meisten Leute mit einer Kutsche oder einem Fahrrad fahren, weil Treibstoff enorm knapp ist. Wie beispielsweise, dass Kleidung aus Wolle, Leinen und Leder besteht. Dass Holz, Glas, Metall und Stein wieder zu primären Baustoffen werden. Dass Kinder nicht mehr wissen, was ein Fahrstuhl und eine Autobahn sind. Natürlich existieren zu all dem Beschriebenen Ausnahmen, weil überall in der Welt noch Relikte der Zeit vor dem Krieg herumliegen. Einige von ihnen funktionieren auch noch und werden vom Besitzer sorgsam gehütet und gepflegt. So kann es kommen, dass Großinquisitor Aidalon eben doch ein Auto fährt (das ihm enorm wertvoll ist) und dass ein paar Elitesoldaten der Templer futuristische Kampfanzüge tragen.

Phantastik-Couch.de: Die Vorstellungen des heutigen Lesers sind durch TV- und Kinobilder geprägt. Gibt es filmische Vorbilder z.B. für die Kampfanzüge? Wie genau habe ich mir diese Anzüge vorzustellen, mehr in Richtung wie die Star Wars Stormtroopers oder eher wie in Transformers?

Bernd Perplies: Gab es Kampfanzüge in „Transformers“? Weiß ich gar nicht mehr. Also, die Templer sind jedenfalls keine Roboter, die sich in Autos verwandeln können. ;) Ich habe mir die Kampfanzüge als eine Mischung aus schweren Rüstungen, die man im Videospiel „Fallout“ findet, und den klobigen Ungetümen, die Soldaten in dem Tabletop-Spiel „Warhammer 40.000“ tragen, vorgestellt. Es gibt allerdings kein konkretes Bild davon, wie Templerrüstungen aussehen. Nur ein Gefühl, dass sie massiv und eindrucksvoll sind und aus einer anderen Zeit stammen.

Phantastik-Couch.de: „Flammen über Arcadion“ wird auf der LYX Verlagsseite als Urban Fantasy aufgeführt. Dystopische Romane sind zurzeit sehr erfolgreich. Dystopie bedeutet eine fiktionale, in der Zukunft spielende Erzählung, in einer Gesellschaft, die sich negativ entwickelt hat. Warum, glaubst Du, läuft das nicht einfach unter Science-Fiction?

Bernd Perplies: Weil Frauen keine Science-Fiction mögen. Weil die meisten Leser Frauen sind. Weil die meisten Buchhändler Frauen sind. Weil die meisten Publikumsverlagsmenschen Frauen sind. – Natürlich sind all diese Sätze plakativ und sträflich verallgemeinernd und ich will mich gleich wieder dafür entschuldigen. Aber ein gutes Fünkchen Wahrheit steckt in ihnen schon, ansonsten gäbe es nicht so viele Genre-Bestseller aus dem Bereich Vampire, Elfen, Engel und eben der Dystopie (genauer: der Jugend-Dystopie in ihrer Erzählform, die seit „Die Tribute von Panem“ vorherrscht). Schaut euch die aktuellen Bestseller- und Verkaufshitlisten an. Sehen wir irgendwo Iain Banks? David Brin? Stephen Baxter? Andreas Brandhorst? Abgesehen davon, dass ich mich gerade frage, ob mein Nachname mit B beginnen müsste, damit ich erfolgreicher Science-Fiction-Autor werde, lautet die Antwort: Nein, sehen wir nicht. Und weil das so ist, werden sich Verlage hüten, Dystopien Science-Fiction zu nennen. Und sie werden auch stets darauf achten, dass sich die Bücher für die Leserinnen nicht wie Science-Fiction anfühlen. Denn Frauen …ihr wisst worauf ich hinaus will.

Phantastik-Couch.de: Du wurdest mit der klassischen Fantasy-Trilogie „Tarean“ als Autor bekannt, hast dann die Steamfantasy-Trilogie „Magierdämmerung“ geschrieben und eroberst nun die „Young adult Dystopien“. Ist es eine Herausforderung für Dich, Dich in Subgenres zu beweisen, die gerade angesagt sind?

Bernd Perplies: Ja und nein. Als ich „Tarean“ ursprünglich entwickelte (im Jahr 1997) war von All-Age-Fantasy noch keine Rede. Der Roman, als er dann 2006 Form annahm, hieß auch anfangs noch schlicht „Der Sohn des Fluchbringers“. Ich schrieb ihn in Erinnerung an Geschichten, die ich als Jugendlicher mochte und die immer irgendwie einen jungen Helden im Zentrum hatten, der tolle Abenteuer erlebte. Da ich privat eher Science-Fiction lese, war mir der von „Eragon“ ausgelöste Boom der All-Age-Fantasy gar nicht bewusst. Wo man „Tarean“ am besten einordnet, habe ich erst erkannt, als mir vom Verlag der endgültige Titel präsentiert wurde. (Und ganz ehrlich: Auch wenn ich die Titel-Typo mit dem Schwert-T bis heute super finde, war ich damals nicht ganz glücklich, dass man denken könnte, ich hätte „Eragon“ hinterhergeschrieben.)

Ähnlich verhielt es sich bei der „Magierdämmerung“. Steampunk war für mich 2008, beim Entwickeln des ersten Romans, nur ein fernes Wort, das mir rund um den Roman „Die Differenzmaschine“ und das Rollenspiel „Castle Falkenstein“ (das ich leider nie gespielt habe) mal begegnet war. Dass sich Ende 2009/Anfang 2010 im Umfeld des „Sherlock Holmes“-Films plötzlich eine kleine Welle entwickelte, war ein günstiger Zusammenfall der Ereignisse, den die Marketingabteilung von LYX natürlich zu nutzen wusste. So wurde „Magierdämmerung“ einer der ersten deutschen Steampunk-Romane (dieser Welle).

Bei „Flammen über Arcadion“ habe ich dagegen tatsächlich ein Konzept in einem Genre eingereicht, das mir, weil Dystopien zu dem Zeitpunkt schon gut liefen, explizit empfohlen wurde. Wobei ich auch in dem Fall LYX drei verschiedene Romankonzepte angeboten habe – nein sogar vier. Aber verständlicherweise interessierte LYX die Dystopie am meisten. Hier habe ich es in der Tat als Herausforderung betrachtet, eine Geschichte in einem Bereich zu verfassen, den schon etliche Autorinnen vor mir beackert hatten. Einerseits existieren bei einer Dystopie gewisse Regeln, an die ich mich irgendwie halten musste, andererseits wollte ich einen Roman schreiben, der sich durch seine in vielen Teilen explizit realistisch angelegte Zukunftsvision ein wenig von den übrigen Werken abhebt. Ich habe jüngst erst „Die Tribute von Panem“ gesehen (nicht gelesen), und so unterhaltsam der Film sein mag, er war für mich bloß ein Märchen. Ich glaube, „Flammen über Arcadion“ ist in seinem Tonfall anders.

Phantastik-Couch.de: Warum, glaubst Du, ist momentan diese spezielle Mischung Dystopie und Liebesgeschichte so erfolgreich? War es etwas Neues für Dich, eine Liebesgeschichte als zentralen Bestandteil in deine Geschichte einzubauen?

Bernd Perplies: Ich denke, dass viele junge Leserinnen (die Kernzielgruppe für diese Jugend-Dystopien) gerne Geschichten lesen, in denen es um junge Außenseiter geht, die mit einer restriktiven, unfairen Gesellschaftsordnung kämpfen und sie durch die Liebe zueinander überwinden. Diese Themen – Außenseitertum, sich eingeengt und unverstanden fühlen, herausfinden, wer man wirklich ist und die erste, natürlich total romantische Liebe – sind genau das, was diese Leserinnen auch selbst beschäftigen. Und darum leiden und lieben sie so gerne mit den Protagonisten mit.

Natürlich könnte man so etwas auch als Sozialdrama erzählen: ein Schulmädchen und ein halbstarker Mopedrocker brechen aus. In den 1980ern wäre das vermutlich auch gemacht worden. Aber heute kommt zum oben Genannten noch eine verstärkte Tendenz zur Flucht aus der Realität dazu. Deshalb sind feurige Liebhaber nicht mehr Schotten oder Piraten, sondern Vampire und Werwölfe. Deshalb boomt Fantasy. Deshalb werden Geschichten von Liebenden, die gegen gesellschaftliche Normen ankämpfen müssen, in mehr oder minder glaubwürdige Zukunftswelten gepackt. Wir wollen die gleichen Geschichten wie früher auch – nur mit einer Portion Extrawürze.

Was die Liebesgeschichte in „Flammen über Arcadion“ angeht, so war das nur bedingt etwas Neues für mich. Auch in „Tarean“ wurde schon eifrig geliebt (sogar noch mehr als in „Arcadion“). Selbst in „Magierdämmerung“ finden sich ein paar verhaltene Liebeswirren. Ich habe kein Problem mit der Liebe zwischen Figuren in Romanen. Das sorgt für eine charmante Spannung neben der Haupthandlung. Aber das sollte nie in seitenlangen Schmachtorgien enden. Und das tut sie in „Flammen über Arcadion“ auch nicht. Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Carya und Jonan extrem zaghaft und muss sich immer wieder der Handlung, dem Kampf gegen den Lux Dei, unterordnen.

Phantastik-Couch.de: In der „Magierdämmerung“-Trilogie hast Du mit einer eigenwilligen Magie-Grundlage eigene Akzente in das Steam-Fantasy Konzept eingearbeitet. Was ist das „Bernd Perplies Typische“ in Deinem Dystopie-Roman „Flammen über Arcadion“?

Bernd Perplies: Der Umstand, dass ich unglaublich viel Recherchearbeit in völlig mickrige Details investiert habe, die vermutlich nur ein Bruchteil der Leser wirklich wahrnehmen wird – etwa Beschreibungen von Straßen, Häusern und Landstrichen, die auf tatsächlichen Bildern vor Ort basieren, oder die ständige Berechnung von Reisedauern von Punkt A zu Punkt B. Deutlicher wird das „Bernd Perplies Typische“ aber vermutlich in der Figur des Straßenjungen Pitlit. Ich liebe extravagante Nebencharaktere, die die Leser sofort für sich einnehmen und damit für manche sogar zur heimlichen Hauptfigur werden. Somit steht der freche Bursche in einer Linie mit Moosbeere und Bromm oder Holmes und Randolph.

Phantastik-Couch.de: Im März nächsten Jahres erscheint der zweite Band mit dem Titel ´Im Schatten des Mondkaisers´. Ist das der Abschluss um Carya und Jonan, oder wird es wieder einen dritten Band geben?

Bernd Perplies: Es gibt doch immer drei Bände. :) Insofern: Nein, es ist nicht der Abschluss, und, ja, es gibt einen dritten Band. Er heißt ´Das geraubte Paradies´ und erscheint im September 2013.

Phantastik-Couch.de: Was können wir in Zukunft von Dir erwarten? Wirst du vielleicht auch einmal die humoreske Fantasy erobern, oder die Space-Fiction? Oder kehrst Du in der Zeit der Hobbit – Filme vielleicht wieder zur klassischen High Fantasy zurück?

Bernd Perplies: Alles ist möglich. Humoreske Fantasy würde mich durchaus mal reizen. Aber da läuft man schnell Gefahr, mit Terry Pratchett verglichen zu werden. Und den Vergleich kann man gar nicht gewinnen. Außerdem läuft launige Fantasy gar nicht so gut am Markt, glaube ich. Wenn man nicht Terry Pratchett heißt. Ansonsten ist im Moment noch alles möglich. Diverse Projekte sind in Planung, aber es ist noch nichts spruchreif. Daher kann ich gar nicht konkret sagen, was ich in der zweiten Jahreshälfte 2013 schreibe.

Phantastik-Couch.de: Welche Deiner Buchreihen würde sich aus Deiner Sicht am ehesten für eine Verfilmung anbieten? Gibt es bereits entsprechende Überlegungen?

Bernd Perplies: Ich fand immer die Reihe, die ich akut geschrieben habe, „am besten verfilmbar“. Ich komme aus der Filmecke (als Filmwissenschaftler und Filmfan) und schreibe auch stets so, dass bei mir im Kopf die Bilder auf der großen Leinwand ablaufen. „Tarean“ hätte spektakuläre Szenen für einen Fantasy-Blockbuster. Und die „Magierdämmerung“ ließe sicher wunderbar das viktorianische Zeitalter erwachen. Tatsächlich glaube ich aber aktuell, dass sich „Flammen über Arcadion“ am ehesten eignen würde, und zwar aus zwei sehr pragmatischen Gründen. Der Roman spielt auf der Erde und in Europa, zwar zerstört, aber noch gut erkennbar. Es gibt keine Magie, keine Fantasygeschöpfe und eine überschaubare Menge an Technik. Das ist 1. finanziell am besten zu stemmen (ganz im Gegensatz zu „Tarean“, der absurd teuer wäre, wenn die Effekte gut sein sollen) und 2. für europäische Filmförderungen und Sender sicher interessanter als eine fiktive („Tarean“) oder völlig pulpige („Magierdämmerung“) Welt. Und ohne diese beiden Geldgeber läuft bei uns doch kaum etwas. Dennoch existieren keine konkreten Pläne, nein. Filme zu drehen, ist teuer. Phantastikromane zu verfilmen, sogar noch teurer. Deshalb haben die Produzenten gerne ein „eingebautes Publikum“ bei solchen Projekten und widmen sich bevorzugt Bestsellerautoren wie Cornelia Funke, Wolfgang Hohlbein oder aktuell Kerstin Gier. Da ich zu dieser Riege noch nicht zähle, muss ich mich wohl noch ein wenig gedulden mit dem ersten Film „based on a novel by Bernd Perplies“. :)

Phantastik-Couch.de: Freust Du Dich auf den „Hobbit“-Film? Was erwartest Du von Peter Jacksons Kinoversion des Tolkien-Klassikers?

Bernd Perplies: Klar freue ich mich. Ich erwarte zwar nicht, dass der Film noch viel Ähnlichkeit mit dem Kinderbuch von Tolkien haben wird, aber damit kann ich gut leben. „Der Herr der Ringe“ war ein großartiges Epos, das uns einen seltenen Fall von waschechter High Fantasy im Kino präsentiert hat. (Wovon es in meinen Augen viel zu wenig gibt!) Wenn „Der Hobbit“ genau so wird, bin ich hochzufrieden.

Phantastik-Couch.de: Bernd, wir bedanken uns herzlich, dass Du Dir Zeit für ein Interview mit uns genommen hast.

Das Interview führten Anja Helmers und Eva Bergschneider
Foto: Eva Bergschneider