Interview mit Bernd Perplies

„Man findet die tollsten Details, wenn man sich nur lange genug in eine Materie hineingräbt, und fühlt sich dann wie ein Goldwäscher, der plötzlich ein Körnchen Gold in seinem Sieb entdeckt hat.“

Der Autor Bernd Perplies, mit seiner epischen Fantasy-Trilogie „Tarean“ bekannt geworden, bricht auf zu neuen Ufern. Der Gaslight-Fantasy ist seine neue Serie „Magierdämmerung“ zuzuordnen. Der erste Band „Für die Krone“ faszinierte gleich drei Redakteure des Phantastik-Couch-Teams und wurde folgerichtig zum „Buch des Monats“ Oktober. Doch was inspirierte den Autor dazu, ein viktorianisches Setting zu wählen und mit Akteuren zu besetzen, die an literarische Berühmtheiten erinnern? In welche Richtung entwickelt sich die Fantasy und was macht für den Autor und Kollegen ein gutes Buch aus? Über diese und weitere interessante Themen sprachen wir mit Bernd Perplies auf „Rheinlesen“.

Phantastik-Couch.de: Ursprünglich mal über SF schreibend, führte dein Weg dich über die Veröffentlichung der drei „Tarean“-Bände, klassischer, epischer Fantasy nun zu einem Cross-Over der beiden Richtungen, dem Steampunk. Wie kam es dazu?

Bernd Perplies: Schon kurz nach „Tarean – Sohn des Fluchbringers“ fragte mich meine Agentin, ob ich neben der klassischen Fantasy auch gerne andere Subgenres der Phantastik erforschen würde. „Ja, natürlich“, war meine Antwort. Tatsächlich hätte ich nach einer Fantasy-Trilogie ohnehin das Genre wechseln wollen, denn ich mag es nicht, mich in bestimmten Bahnen festzuschreiben. Ich liebe die Abwechslung. Als es an die Ausarbeitung eines Konzepts ging, wählte ich das viktorianische Zeitalter als Setting, denn ich bin ein großer Freund der Geschichten des ausgehenden 19. Jahrhunderts, von „Der Unsichtbare“ über „Robur der Eroberer“ bis „20.000 Meilen unter dem Meer“. Darüber hinaus wollte ich unbedingt mal mit diesen literarischen Stoffen spielen, etwa in der Art, wie es auch Alan Moore in „The League of Extraordinary Gentlemen“ gemacht hat.

Phantastik-Couch.de: Was hast du bei diesem Wechsel des Subgenres als gravierendste Veränderung empfunden?

Bernd Perplies: Den Rechercheaufwand. In einer Fantasy-Welt legt man – gerade im Hinblick auf die Kultur und Geschichte der dort auftretenden Völker – zunächst einmal alles selbst fest. Man muss später dann nur die eigenen Regeln einhalten. Abenteuer, die vor einem realhistorischen Setting angesiedelt sind, wie die „Magierdämmerung“, erfordern dagegen ein Einlesen in diese Zeit, deren „Regeln“ ja bereits existieren. Denn bei allen wundersamen Ereignissen, die im Rahmen der Geschichte geschehen, muss der Leser doch zumindest grundsätzlich daran glauben können, sich in der vom Autor gewählten Epoche zu bewegen. Welche Art von Kleidung wurde getragen, welche Technik gab es und wie war das weltpolitische Klima? Das zu recherchieren hat doch mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich gedacht hätte.

Phantastik-Couch.de: Apropos „Steampunk“ – bist du mit dieser Genrebezeichnung für „Magierdämmerung“ eigentlich einverstanden? Man hat z.B. für die „Dark Materials“-Reihe von Philip Pullman den Begriff „Steamfantasy“ verwendet, der auch hier auch passen könnte.

Bernd Perplies: Über Genre-Labels mache ich mir eigentlich keine besonderen Gedanken. Ich weiß, dass ein Verlag sie braucht, um ein Marketingkonzept aufzubauen, und dass viele Leser sie sich wünschen, um eine Ahnung davon zu bekommen, was für eine Art von Roman sie erwartet. Steampunk, Steamfantasy, Gaslight Fantasy …im Augenblick gehen diese Begriffe auf dem Buchmarkt und in den Vorstellungen aller Beteiligten (von Literaturwissenschaftlern und Puristen vielleicht abgesehen) doch ziemlich durcheinander, wie mir scheint.

Ob die „Magierdämmerung“-Romane dem Subgenre Steampunk zuzuordnen sind, hängt davon ab, wie der Begriff definiert wird. Der engen, ursprünglichen Definition als Variante der Science-Fiction, in der es um fantastische Technik in einer pseudoviktorianischen Zeit geht, werden die Romane wohl nicht gerecht. Im Laufe der letzten Jahre wurde dieser Begriff jedoch meines Erachtens durchlässig und öffnete sich auch Dingen wie der Magie und wundersamen Wesen. In diesen neuen „modernen Steampunk“ ordnet sich die „Magierdämmerung“ recht gut ein, wobei Gaslight Fantasy vielleicht noch korrekter wäre, denn der Fokus der Geschichte liegt auf der Magie und nicht auf Technik. (Steamfantasy, so las ich, sei Steampunk in Alternativ-Welten – das wiederum ist die „Magierdämmerung“ definitiv nicht.)

Phantastik-Couch.de: Hast du (so wie ich) das Gefühl, das diese Genrerichtung Steampunk, Steam- oder Gaslight-Fantasy ein Trend in der Phantastik werden könnte?

Bernd Perplies: Ich bin mir unsicher, ob wir hier wirklich einen aufkeimenden Steampunk-Trend beobachten. Denn machen wir uns nichts vor: Vieles, was im Moment dieses Label trägt, entspricht einer strengen Definition des Steampunk nicht. Ein Problem ist sicher auch, dass es hier ja neben den genannten noch zahlreiche andere Subgenre gibt: Dieselpunk, Clockpunk, Gaslight Romance, Weird West usw. Für jedes Grüppchen gleichartig wirkender Romane wurde in den letzten Jahren eine Schublade gezimmert.

Was – neben Tolkinesker High Fantasy, All-Age-Helden und romantischer bis düsterer Urban Fantasy – sicher im Augenblick einen Aufschwung erlebt, sind historische Fantasy-Romane, also Abenteuergeschichten, die sich hier auf der Erde irgendwo zwischen der Renaissance und dem Ersten Weltkrieg bewegen und bekannte Zeitgeschichte mit phantastischen Elementen würzen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass hier auch noch einiges kommen wird, denn die Erdgeschichte (diesseits des Mittelalters) ist lang und spannend und bietet viel Raum für Autoren, um sich kreativ auszutoben und Geschichten in historischen Nischen zu erschaffen, die sich innerhalb der Phantastik noch frisch und unverbraucht anfühlen (etwas, wonach alle Verlage nach dem Völker-Fantasy- und Vampirhype zu suchen scheinen).

Phantastik-Couch.de: Die Kapitel werden in „Magierdämmerung-Für die Krone“ von Zitaten aus Zeitungsartikeln eingeleitet, die mal mehr, mal weniger mit der Handlung zu tun haben. Was hat es damit, aus deiner Sicht, auf sich? Warum hast du solche Einleitungen geschrieben?

Bernd Perplies: Die Zeitungsausschnitte erfüllen drei Zwecke. Zum einen will ich den Lesern einen Blick über den Tellerrand von London bieten und ein gewisses Gefühl für die aktuellen Themen der damaligen Zeit liefern, um den realhistorischen Aspekt zu stärken und den Magierplot noch mehr in der Wirklichkeit zu verankern. Zum zweiten begegne ich damit dem Problem, dass das Auftauchen der Wahren Quelle im Grunde eine globale Krise erzeugt, die ich aber nur sehr lokal – nämlich aus der Sicht Londoner Magier – betrachte. Um zu zeigen, dass der Anstieg des Magieniveaus überall auf der Welt Folgen hat, habe ich nach und nach wundersame Ereignisse ins Tagesgeschehen (das übrigens auf echten zeitgenössischen Zeitungsmeldungen basiert) einfließen lassen. Und zum dritten haben die Artikel im Einzelfall tatsächlich Kommentarfunktion – das gilt vor allem für den, der vor dem letzten Kapitel steht. Während die Welt der Charaktere aus den Fugen gerät, erfreut sich Queen Victoria an einem Feuerwerk zu ihren Ehren.

Phantastik-Couch.de: In „Magierdämmerung-Für die Krone“ führst du eine ganze Reihe von Protagonisten ein, die glücklicherweise alle in der „Dramatis Personae“-Liste kurz genannt und erklärt werden. Trotzdem die Frage: Warum so viele? Auch um einige opfern zu können?

Bernd Perplies: Naja, die Handlung spielt nun mal nicht in der Wüste, sondern in einer europäischen Großstadt. So bleibt es nicht aus, dass viele Figuren auftreten. Allerdings kann ich alle Leser beruhigen: Es muss sich niemand die Namen aller Kollegen von Jonathan beim Strand Magazine merken. Ich habe der Sekretärin und dem unsympathischen Politredakteur nur deshalb Namen gegeben, weil ich sie schlecht nur als „die Sekretärin“ oder „der unsympathische Politredakteur“ bezeichnen konnte. Und die Menge an Magiern erklärt sich natürlich aus dem Umstand, dass im Orden des Silbernen Kreises nach dem Tod des Ersten Lordmagiers Albert Dunholm einiges an Unruhe herrscht – und diese Unruhe konnte ich nicht einfach übergehen (wie in einem frühen Exposé mal gedacht).

Im Kern gibt es aber meines Erachtens nicht mehr Hauptpersonen, als in anderen Genre-Romanen auch. Wir haben im London-Handlungsstrang Jonathan Kentham, der den Leser als Identifikationsfigur an die Hand nimmt und in die Welt der Magie einführt. Um ihn herum gruppieren sich der brummige Tatmensch Randolph, der Exzentriker Jupiter Holmes und dann vielleicht noch das Akademiker-Duo Cutler und Sedgewick. Der Schottland-Handlungsstrang kommt dagegen mit der jungen Hexe Kendra McKellen und ihrem Großvater Giles aus. Alle anderen sind eigentlich Nebenfiguren – aber wenn sie nicht so wirken, umso besser! (Und, ja, es wird Tote geben – und das nicht nur im Trilogie-Finale.)

Phantastik-Couch.de: Unübersehbar sind einige der Figuren an literarische Berühmtheiten angelehnt, z.B Jupiter Holmes. Was war der Reiz daran, eher die Hommage an ihre Persönlichkeit, oder die Verfremdung/Neuausrichtung derselben?

Bernd Perplies: Der Reiz lag für mich darin, Dinge oder Personen zu nehmen, und diese so in Bezug zu ihren bekannten literarischen Pendants zu setzen, dass eine „Kopie“ legitim, weil innerhalb der Handlung begründet ist. So erinnert Jupiter Holmes natürlich an Sherlock Holmes – zumindest äußerlich -, aber eben nur deshalb, weil der exzentrische Magierdandy eine Weile im gleichen Herrenclub wie Arthur Conan Doyle verkehrte und dieser, so behauptet es zumindest der Magier, dessen Vorlieben für Pfeife rauchen und Geige spielen in der Gestalt seines literarischen Detektivs verarbeitet hat. Im Gegenzug nutzt Jupiter Holmes die Popularität der Romanfigur Sherlock Holmes, um sich selbst Vorteile zu verschaffen, indem er seine Umwelt täuscht, wie etwa den Hutmacher am Fish Street Hill, dem er suggeriert (wenngleich niemals explizit sagt), er sei besagter Detektiv (was übrigens eine kleine Hommage an den Film „Der Mann, der Sherlock Holmes war“ mit Hans Albers und Heinz Rühmann ist). Letzten Endes beeinflussen sich der echte und der falsche Holmes gegenseitig, und dieses Spiel hat mir viel Vergnügen bereitet (eine schlichtere Variante wäre das Tauchboot des Multimillionärs Charles Gordon Bennett, der ein Liebhaber von Jules Vernes „20.000 Meilen unter dem Meer“ ist und aus dieser Liebe zu einem phantastischen Roman heraus selbst phantastischen Gefährt geschaffen hat).

Phantastik-Couch.de: Du reaktivierst in deinem Buch den „Atlantis“-Mythos. Fasziniert der dich als solcher, oder eher der Schauplatz Meer und die Möglichkeit, fantastische Wasserfahrzeuge zu entwickeln?

Bernd Perplies: Es ging mir in der Tat zunächst um das Eingangsbild einer im Meer versunkenen Zivilisation, durch deren Ruinen ein Mann in einem klobigen Taucheranzug stapft, während hinter ihm der Schatten eines bizarren Tauchboots im Wasser hängt. Das war der Ausgangspunkt. Darüber hinaus teilen der Quell-Mythos und der Atlantis-Mythos einige Parallelen: Beide handeln von einer einflussreichen Insel(nation), mehr oder minder weit vor den Säulen des Herakles im Ozean liegend, die irgendwann unterging und von der sich jeder Suchende unglaubliche Wunder verspricht, wenn er sie wiederfindet. Doch auch wenn die Figuren die Insel der Einfachheit halber Atlantis nennen, entspricht dieses Atlantis wiederum nicht dem Original. Genauso wenig wie Holmes Arthur Conan Doyles Detektiv oder die Nautilus Jules Vernes Tauchboot ist, ist die Insel der Wahren Quelle Platons Atlantis (was übrigens auch der Antagonist Victor Wellington zu Beginn des Romans deutlich sagt).

Phantastik-Couch.de: Kannst du schon ein wenig erzählen, wie es im Folgeband „Gegen die Zeit“ weiter geht? Werden wir mehr über Atlantis erfahren? Werden die Figuren und Kulissen noch fremdartiger?

Bernd Perplies: Atlantis wird wohl vor allem im dritten Band ins Zentrum rücken. Der zweite Band „Gegen die Zeit“ handelt von den Bemühungen von Jonathan und seinen Gefährten, irgendeine Möglichkeit zu finden, das drohende Chaos, das die Wahre Quelle der Magie über die Erde bringt, abzuwenden. Dazu werden sie natürlich den Schauplatz London irgendwann verlassen, aber es wird keine Reisen in andere Dimensionen oder Welten geben, wenn du das mit „fremdartigen Kulissen“ meinst. Wir bleiben auf der Erde. In der Tat werden allerdings noch einige eigenwillige Figuren auftreten (ja, das Ensemble wird noch größer), und ich verrate wohl nicht zu viel, wenn die Reise zum Teil unters Meer und über die Wolken führt.

Phantastik-Couch.de: Du bist bekennender Cineast und beschreibst deine Schauplätze und Szenen entsprechend detailgetreu. Wie gehst du da vor? Fotografierst du Plätze und gestaltest sie um, machst du Skizzen von Orten und Szenen oder visualisierst du alles in deinem Kopf?

Bernd Perplies: Das ist sehr unterschiedlich. Gerade im Fall der „Magierdämmerung“ habe ich sehr viel recherchiert – mithilfe alter Stadtkarten und Google Street View „vor Ort“ -, um die Schauplätze so realistisch wie möglich zu gestalten. So kann man viele der beschriebenen Gebäude, vom Fleischmarkt am Smithfield über die Polizeiwache am Snow Hill bis hin zu Holmes’ Domizil am Regent's Park wirklich in London vorfinden. Die Actionsequenz am Schluss musste ich mir aufzeichnen, um nicht den Überblick zu verlieren. Aber Stellen, an denen es nicht ganz so relevant ist, etwa die Inneneinrichtung von Holmes Studierzimmer oder Whitbys Wohnung, entwickle ich auch – aus Versatzstücken, die mir im Laufe meiner langen Zeit als Konsument untergekommen sind, zusammengesetzt – ganz aus dem Kopf.

Phantastik-Couch.de: Was hat dir an der Entwicklung dieser Geschichte am meisten Spaß gemacht? Die Recherche nach den historischen Schauplätzen, die Konstruktion der fantastischen Fahrzeuge, die Entwicklung des Magiekonzepts oder die der Figuren?

Bernd Perplies: Zweifellos das Zusammenstellen des neuen Figurenensembles. Ich bin ein Freund eigenwilliger, aber liebenswerter Gestalten, und sie zu Beginn zu entwickeln und dann im Laufe der Zeit kennenzulernen, gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen beim Schreiben. Wobei ich zugeben muss, dass auch die Recherche, so zeitraubend sie gelegentlich war, ihren Reiz hatte. Man findet die tollsten Details, wenn man sich nur lange genug in eine Materie hineingräbt, und fühlt sich dann wie ein Goldwäscher, der plötzlich ein Körnchen Gold in seinem Sieb entdeckt hat.

Phantastik-Couch.de: Wir erleben heute Abend deine erste Lesung zu „Magierdämmerung“ hier in Köln bei „R(h)einlesen“. Fällt dir der Schritt vom Schreibjob vor dem PC auf die Bühne vor deine Leser leicht?

Bernd Perplies: Ja und nein. Natürlich präsentiere ich gerne meine Werke, und ich lese auch wirklich gerne vor und kann in der Darstellung einzelner Figuren völlig aufgehen (ein Erbe meiner langen Rollenspieler-Vergangenheit ;-) ), aber ums Lampenfieber komme ich trotzdem nicht herum. Mit jeder Lesung, die ich absolviere, wird es weniger, denn man entwickelt eine Routine in der Vorstellung der jeweiligen Geschichte – allerdings vergehen für gewöhnlich keine vier Lesungen, bevor ich schon den nächsten Roman in der Hand halte (soll nicht heißen, ich schreibe viel, sondern ich lese wenig), sodass ich ständig vor einer neuen Herausforderung stehe.

Phantastik-Couch.de: Nach welchen Kriterien wählst du die Szenen aus, die du liest?

Bernd Perplies: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es am Besten ist, wenn man Szenen vorliest, in denen Figuren miteinander interagieren. Besonders gut ist es, wenn sie sich durch eine gewisse Exzentrik auszeichnen. Denn man kann sich noch so viel Mühe geben, wie man will, es wird einem nie gelingen, das Publikum auf einer Messe oder einem Con, wo immer eine gewisse Grundunruhe herrscht, durch eine Spannungsszene mit düster dräuender Stimme zu bannen. „Spielt“ man hingegen verschiedene Figuren, vielleicht sogar mit etwas übertriebener Geste, hat das vergleichsweise hohen Unterhaltungswert, und es fällt den Leuten leichter, auch mal eine halbe Stunde lang nur zuzuhören.

Lese ich mehrere Szenen, versuche ich meist, das eine mit dem anderen zu kombinieren. Eine Spannungsszene zum Einstieg, und dann etwas Heiteres, um die Zuhörer bei der Stange zu halten. Dabei versuche ich immer, Szenen auszuwählen, die keine bösen Handlungsspoiler enthalten, um potenziellen Lesern nicht den Spaß an der noch kommenden Lektüre zu verderben.

Phantastik-Couch.de: Wir sind Kollegen, denn du bist Chefredakteur des Online-Spielemagazins „Ringbote“, das auch Bücher bespricht. Was macht für dich ein gutes Buch aus und was fällt dir negativ auf?

Bernd Perplies: Es mag banal klingen, aber ein gutes Buch ist für mich ein Buch, das mich gut unterhält, das mich auf seine Weise zu fesseln vermag, sei es durch interessante Figuren, einen staunenswerten Weltenentwurf oder einen kniffligen Plot. Ich möchte mich beim Lesen nicht langweilen müssen, nicht das Buch nehmen und nachschauen wollen, wie viele Seiten es denn noch bis zum Ende sind.

Etwas, das mir diesbezüglich – gerade in den letzten Jahren – negativ auffällt, ist die Tendenz zum Strecken von Geschichten. Früher, so rede ich mir zumindest ein, gab es viel mehr dünne Genre-Bücher, die nach 200 Seiten auch einfach mal vorbei waren. Heute findet sich kaum ein Fantasy- oder Science-Fiction-Roman unter 350 Seiten. Manche Bücher haben 700 und mehr, und am Ende denkt man nicht selten, dass der Inhalt auch in zwei Dritteln des Umfangs hätte erzählt werden können – und das besser, weil straffer. Gleiches gilt für manche Trilogien, die ebenso nach zwei Bänden hätten vorbei sein können, oder Reihen, in deren Einzelbänden fast gar nichts mehr passiert, weil der Bösewicht ja erst am „Staffelende“ in Band 10 besiegt werden darf. Daran sind aber meiner Meinung nach weniger die Autoren selbst, als vielmehr der Buchmarkt schuld. Mehr Bücher (gleicher Art) sowie dickere Bücher verkaufen sich einfach besser – und werden entsprechend von Verlagen gewünscht. Und die Autoren sitzen dann da und sind mitunter damit überfordert, dieses „mehr“ sinnvoll mit Fleisch zu füllen.

Das Interview mit Bernd Perplies führte Eva Bergschneider auf der „Fantasy-Gala“ der Veranstaltung „Rheinlesen“ in Köln
Foto: Eva Bergschneider