Interview mit Christoph Hardebusch

„Magie sollte in der Welt ein natürlicher Bestandteil sein.“

Christoph Hardebusch hat sich mit seinen Troll-Romanen in die Herzen vieler Fantasy-Fans geschrieben. Sein neuer Roman Sturmwelten dürfte aber so garnicht ins Erwartungsschema vieler Leser passen. Wir haben ihn gefragt, was dahinter steckt.

Phantastik-Couch: Christoph, eine Frage vorab: Kannst du segeln?

Christoph Hardebusch: Die Frage müsste eigentlich lauten: darf ich segeln? In deutschen Gewässern leider nicht, da mir die entsprechenden Scheine fehlen, obwohl meine Frau und ich schon auf Schiffen verschiedenster Größe unterwegs waren. Diesen bedauerlichen Umstand ändern wir nun und machen den Sportbootführerschein See sowie das Short Range Certificate, also das Funkzeugnis zum Betrieb der entsprechenden Anlagen an Bord. Nächstes Jahr folgt dann gegebenenfalls der Binnenschein.

Ich bezweifle allerdings, dass ich damit befähigt wäre, ein Schiff zu segeln, wie sie in meinen Büchern vorkommen. Wer schon einmal auf der Victory in Portsmouth war, weiß, was für ein komplexes Meisterwerk sie ist. Theoretisch weiß ich zwar, wie so ein Großsegler funktioniert, aber das ist natürlich nicht mit der Praxis zu vergleichen.

Phantastik-Couch: Was hat dich also bewogen, mit deinem neuen Buch „Sturmwelten“ ein neues, quasi flüssiges Fantasy-Terrain zu betreten?

Christoph Hardebusch: Ich interessiere mich schon lange für das „;Age of Sail“, also die Ära der Großsegler, und besonders die Zeit der Großen Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege. Ideen und Geschichten dazu spuken mir schon seit Jahren durch den Kopf, und es erschien mir nur natürlich, meine Liebe zur Fantasy mit meiner Liebe zu Segelschiffen zu verbinden. Dem Verlag gefiel mein Vorschlag, und so habe ich mit der Ausarbeitung begonnen.

Phantastik-Couch: Nennen wir es mal Maritime Fantasy. Wer sind deine Vorbilder? Naomi Novik und Chris Roberson oder Klassiker wie C. S. Forester und Herman Melville?

Christoph Hardebusch: Vorbilder gibt es viele. Hornblower, Aubrey und Bolitho waren die Helden meiner Jugend. Ich habe lange Zeit Bücher verschlungen, in denen es um das Meer und um Schiffe geht. Die Ausprägungen könnten ja unterschiedlicher nicht sein – „;Moby Dick“ und „;Captain Blood“ sind ja sehr unterschiedliche Romane. Aber auch das Mantel-und-Degen-Genre gefällt mir. Vor allem in seiner neueren Inkarnation, wie zum Beispiel Arturo Pérez-Reverte mit seiner großartigen Dumas-Hommage um Capitan Alatriste. Ich lese sehr viel querbeet durch verschiedene Genres, und ich lasse mich gern inspirieren.

Phantastik-Couch: Im Anhang von „Sturmwelten“ führst du eine ganze Reihe von Sach- und Fachbüchern zu Seefahrtsthemen an. Wie lange hast du für deinen Roman recherchiert?

Christoph Hardebusch: Die Liste ist natürlich ein wenig prätentiös: einen Gutteil der Bücher besaß ich vorher schon. Und mein Interesse für die Zeit reicht weit zurück, weshalb ich schon einiges an Wissen mitgebracht habe. Die Bücher waren hauptsächlich dafür da, bestimmte Aspekte und Details nachschlagen zu können, damit die Darstellung in „;Sturmwelten“ möglichst realistisch ist. Und viel Recherche, die während des Schreibens anfiel, habe ich auch sehr gern gemacht.

Phantastik-Couch: Gab es Filme, die dich hinsichtlich der Kampfszenen inspiriert haben? An manchen Stellen ist es regelrechtes Kopfkino, mit zischenden Degenspitzen, Gebrüll und Pulverdampf.

Christoph Hardebusch: Filme sind eine weitere Leidenschaft von mir, und Filme mit Segelschiffen schaue ich mir eigentlich automatisch an. Das reicht von Klassikern wie „;Captain Blood“ und „;The Sea Hawk“, beide mit Errol Flynn, über die Filme der 50er und 60er Jahre, wie „;Captain Horatio Hornblower R.N.“ und „;H.M.S. Defiant“ bis hin zu der BBC-Serie über Hornblower und „;Master & Commander“, einem meiner Lieblingsfilme. Allerdings mag ich auch das klassische Piratengenre und habe mich über die Versuche gefreut, es in den vergangen Jahren wieder zu beleben, was ja mit „;Pirates of the Carribean“ auch bestens funktioniert hat.

Allerdings kann ich nicht sagen, dass mich spezifische Filme inspiriert haben. Ich versuche die Action detailreich und gleichzeitig schnell zu beschreiben. Im Kampf geschehen viele Dinge gleichzeitig, und das möchte ich adäquat darstellen. Beim Schreiben laufen bei mir im Kopf keine „;Filmszenen“ ab; während des Schreibprozesses denke ich eigentlich nur wenig in Bildern.

Phantastik-Couch: Es fällt auf, dass Magie eine eher untergeordnete Rolle spielt. Warum? Kommt da noch mehr?

Christoph Hardebusch: Magie sollte in der Welt ein natürlicher Bestandteil sein, so wie Schiffe, Kanonen und so weiter. Für die Figuren gehört es zum Leben dazu, es ist schon immer ein Teil davon gewesen. Deshalb wird die Magie auch entsprechend gezeigt. Allerdings sind ja einige der wichtigen Personen meiner Figurenriege magisch begabt, oder auch in der Lage, Magie aufzuheben, so dass man davon ausgehen kann, dass Magie künftig noch eine größere Rolle spielen wird.

Phantastik-Couch: Auf dem Buchdeckel ist ein Drache zu sehen. Werden die Piraten undMatrosen aus Thaynric, Geronai und Hiscadi damit nochBekanntschaft machen oder gehört ein Fabelwesen auf dem Cover einfach dazu?

Christoph Hardebusch: Der Drache entstammt meiner Plotoutline für die gesamte Serie. Im ersten Band kommt er in dieser Form nicht vor, allerdings ist das Cover eine Art Prophezeiung für die Zukunft. Der Verlag hat den Drachen gewählt, um deutlich zu machen, dass es sich um Fantasy handelt.

Ich habe vor kurzem die ersten Skizzen für das nächste Cover erhalten, und das wird in der Hinsicht vielleicht einiges aufklären.

Phantastik-Couch: Haie oder ihre fantastische Entsprechung würden auch gut passen, falls mal jemand über die Planke geschickt wird.

Christoph Hardebusch: Die Planke ist vermutlich eher eine Legende. Es gibt widersprüchliche Geschichten, und sicherlich wurden Gefangene hier und da über Bord geworfen, aber die Planke war zumindest keine feste Institution. Um Piraten ranken sich sehr viele solcher Legenden, was sowohl an der Faszination liegt, die sie auslösen, gleichzeitig aber auch zu dieser beiträgt. Es ist sehr spannend, in zeitgenössischen Dokumenten die Darstellung von Piraten zu betrachten, die einerseits für ihre Taten verteufelt wurden, andererseits aber auch eine Art Popstar-Ruhm ernteten, weil ihr Leben so exotisch, frei und fern schien.

Aber um Meereswesen wird sich ein Teil der Handlung auch noch drehen, wenn auch nicht unbedingt um Haie.

Phantastik-Couch: Apropos Fabelwesen: Deine Troll-Romane entwickeln eine Art Kultcharakter und verkaufen sich hervorragend. Glaubst du, dass Tolkiens Völker noch einige erfolgreiche Auftritte auf der Fantasybühne haben werden oder neigt sich ihre Saison im deutschsprachigen Raum dem Ende zu?

Christoph Hardebusch: Solange die Fans und Leser die Bücher kaufen, werden Verlage sie machen. Viele der Bücher haben natürlich eine herausragende Position, allein durch ihre Verkäufe und die damit verbundene Platzierung in Buchhandlungen. Und da sich Bücher mit entsprechendem Titel und Covern nun einmal gut verkaufen, sehe ich da noch kein direktes Ende nahen. Allein in nächster Zeit findet man ja einiges in den Programmen der großen Verlage.

Dass die erfolgreichen Serien weitergeführt werden, weil viele Leser gerne mehr wollen, verwundert mich nicht. Eine der häufigsten Fragen, die mir gestellt wurde, war, ob es mehr Troll-Bücher geben wird.

Phantastik-Couch: Markus Heitz hat seine Zwerge nach Großbritannien verkauft, „The Dwarves“ erscheint dort Anfang 2009 bei Orbit, die USA und Australien sind dann nicht mehr weit. Eine Chance auch für dich?

Christoph Hardebusch: Markus Heitz und Bernhard Hennen haben mit ihren Erfolgen der deutschen Fantasy viele Türen geöffnet, und die Szene sollte ihnen dafür dankbar sein. Allerdings ist der englischsprachige Buchmarkt ein Exportmarkt. Wenn man sich ansieht, wie viele hiesige Autoren es ins englischsprachige Ausland schaffen, dann weiß man, dass eine Übersetzung mehr als nur unwahrscheinlich ist. Umso mehr kann man Markus gratulieren.

Als Autor hat man auf Lizenzen ohnehin wenig Einfluss. Die werden von Verlagen und Agenturen ausgehandelt. Ich freue mich natürlich über jedes Angebot, aber ich erwarte in naher Zukunft kein „;The Trolls“.

Phantastik-Couch: Zurück zur „Sturmwelt“: Wann werden die beiden anderen Teile der
Trilogie erscheinen?

Christoph Hardebusch: Die Bände sollen mit jeweils einem Jahr Abstand erscheinen. Also Frühjahr 2009 und Frühjahr 2010.

Phantastik-Couch: Und was können deine Leser dann von dir erwarten? Fantasy mit
fernöstlicher Exotik?

Christoph Hardebusch: Bis dahin ist es noch so lange hin …(lacht). Vielleicht versuche ich mich an einem Stoff, der mich ebenfalls schon länger interessiert. Möglicherweise bewege ich mich dazu ein wenig von der Fantasy weg. Aber das sind bislang nur Gedankenspiele.

Pahntastik-Couch: Vielen Dank für das Gespräch, Christoph!

Christoph Hardebusch: Ich habe zu danken. Bleibt nur noch zu sagen: Mast- und Schottbruch!

Das Interview führte Frank Dudley