Interview mit Eoin Colfer

„Alle Iren, mit denen ich gesprochen habe, fanden die Iren im Buch am besten.“

Der irische Autor Eoin Colfer ist mit „Artemis Fowl“ einem breiten Fantasy-Publikum bekannt geworden. Nach sieben Bänden der beliebten Reihe, hat er sich an ein Projekt gewagt, das für viel Aufregung sorgte: die Fortsetzung des Kult-Klassikers „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams. Wir wollten von Eoin Colfer wissen, ob er „Und übrigens noch was..“ rückblickend noch einmal schreiben würde, wie er über die Reaktionen der Leser denkt und warum ein vielen Fans lieb gewordener Charakter nicht wieder mit dabei ist.

Phantastik-Couch.de: Auf Deiner Webseite wird immer wieder erklärt, dass man Deinen Namen „Owen“ ausspricht. Welche Abwandlungen Deines Namens sind Dir denn schon begegnet?

Eoin Colfer: Mir ist schon alles untergekommen von Olwyn bis Aeon. Ich finde Aeon ganz hübsch, das ist so extravagant. Aber meistens sprechen die Leute meinen Namen falsch aus als „Ian“.

Phantastik-Couch.de: Bevor Du anfingst, zu schreiben, warst Du Lehrer. Lehrst Du auch als Autor? Die Welt in Deiner „Artemis Fowl“-Serie wird ja oft als Spiegelbild unserer eigenen, mit allen Schwächen, beschrieben.

Eoin Colfer: Unterrichten und Geschichten erzählen hat ja beides viel von einer Aufführung. Ich will aber nicht beim Schreiben etwas bestimmtes lehrerhaft vermitteln, ich versuche vielmehr jeglichen erhobenen Zeigefinger zu vermeiden, aber ich schätze meine Ansichten über das Leben klingen schon manchmal durch.

Eoin Colfer

Phantastik-Couch.de: Hat Dich Deine Tätigkeit als Lehrer auch auf den Beruf als (Jugend-)Schriftsteller vorbereitet? Schließlich müssen beide die Aufmerksamkeit der „konsumgesättigten“ Kids und Jugendlichen gewinnen.

Eoin Colfer: Ich habe eine Menge über das Geschichten erzählen gelernt, als ich noch täglich als Lehrer arbeitete. Zum Beispiel, wie man einer Story Schwung gibt und wie wichtig es ist, nie von oben herab mit Jugendlichen zu sprechen.

Phantastik-Couch.de: Die Hauptfigur, Artemis Fowl hat sich im Verlauf der Serie enorm entwickelt. Werden die Fans auch einen erwachsenen Artemis erleben?

Eoin Colfer: Irgendwann würde ich schon gern ein Buch über den erwachsenen Aremis schreiben. Es wäre doch schön, den Mann Artemis zu treffen und zu sehen, was aus ihm geworden ist

Phantastik-Couch.de: Weisst du schon, wie lange Du noch an der Serie schreiben wirst?

Eoin Colfer: Keine Ahnung, wie lang die Serie noch weitergehen wird. Ich schätze, so lange ich noch Einfälle habe und die Leser noch Interesse daran haben.

Phantastik-Couch.de: Nachdem Du eine immer größer werdende Fan-Gemeinde mit sieben „Artemis Fowl“-Romanen versorgt hast, hast Du ein ganz anderes Projekt in Angriff genommen, die Fortsetzung der „Anhalter“-Reihe von Douglas Adams. Was kam es dazu?

Eoin Colfer: Ich wurde zum 30. Jubiläum des ersten Buches von den Verwaltern von Douglas Adams literarischen Nachlass darum gebeten. Als ein absoluter Fan der Serie konnte ich schlichtweg nicht ablehnen.

Phantastik-Couch.de: Die Anhalter Serie ist mit ihrer Hauptfigur Arthur Dent durch und durch „Britisch“. Wie kommt es, dass ausgerechnet ein Ire sich zutraut, diese Serie fortzusetzen?

Eoin Colfer: Ich glaube, es war eine gute Idee, die Figur aus einem neuen Blickwinkel betrachten zu können und nicht jemand zu nehmen, der automatisch versucht Douglas zu kopieren.

Phantastik-Couch.de: In „Und übrigens noch was...“ beschreibst du als Ire eine irische Gruppe, die sich einen neuen Gott sucht. Irland ist in Europa bekannt für seine Religiosität. Ist das Zufall? Gab es Reaktionen von Deinen Landsleuten darauf?

Eoin Colfer: Iren lachen gern – und wir machen uns gern über uns selbst lustig. Alle Iren, mit denen ich gesprochen habe, fanden die Iren im Buch am besten.

Phantastik-Couch.de: Die Reaktionen auf „Und übrigens noch was...“ sind ja ziemlich kontrovers ausgefallen. Hattest Du mit so vielen Diskussionen über diese Fortsetzung gerechnet?

Eoin Colfer: Schon vorher wurde viel drüber diskutiert, was ich total verstehe. Viele mochten die Idee an sich nicht, ich war mir selbst nicht hundertprozent sicher, was ich davon halten sollte. Aber seit das Buch in Großbritannien und den USA heraus kam, sind die Kritiken viel besser als, ich zu hoffen gewagt habe.

Phantastik-Couch.de: Warum kommt in „Und übrigens noch was..“der manisch depressive Roboter „Marvin“ nicht vor?

Eoin Colfer: Die Szene, in der er stirbt ist so wunderbar, dass ich es nicht übers Herz brachte, ihn zurück zu holen, obwohl er eine große Bereicherung für das Buch gewesen wäre.

Phantastik-Couch.de: Stündest Du noch einmal vor der Entscheidung „Und übrigens noch was..“ zu schreiben, würdest Du es tun?

Eoin Colfer: Ich würde es wieder tun, aber diesmal würde ich versuchen, mir nicht so viele Sorgen zu machen, was die Leute davon halten. Das würde sich zwar nicht positiv auf das Buch auswirken, aber immerhin hätte ich dann weniger graue Haare.

Phantastik-Couh.de: Das Buch endet mit dem Satz „Das Ende eines der Mittelteile“. Wird es vielleicht eine Fortsetzung geben?

Eoin Colfer: Ich werde keine weitere Fortsetzung schreiben, da ich nie die Serie von Douglas richtig übernehmen wollte, das könnte keiner. Aber ich fände es toll, wenn ein anderer großer Anhalter-durch-die-Galaxis-Fan in ein paar Jahren einen Versuch starten würde.

Phantastik-Couch.de: Dein Eintrag in Wikipedia ist verglichen mit dem von Douglas Adams sehr „übersichtlich“. Ich fürchte, im Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ wird einst hinter Deinem Namen lediglich das Wort „harmlos“ auftauchen. Während es Douglas mindestens auf ein „größtenteils harmlos“ bringen wird. Stört Dich das, oder hast Du Pläne dies zu ändern?

Eoin Colfer: Ich verstehe die Frage wohl falsch – es scheint fast, als schwinge da eine Beleidigung mit, darum widme ich mich jetzt der nächsten Frage.

Phantastik-Couch.de: Was steht denn als nächstes bei Dir an, ein weiterer „Artemis Fowl“ Band?

Eoin Colfer: Ja, ich schreibe gerade das nächsten Artemis-Fowl-Buch.

Phantastik-Couch.de: Wird es eine deutsche Version Deines Abenteuerromans „Airman“ geben?

Eoin Colfer: Mein deutscher Verlag hat die Rechte erstanden. Ich hoffe, dass es bald heraus kommt.

Phantastik-Couch.de: Eoin, wir danken Dir, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit Phantastik-Couch genommen hast..

Das Interview führten Klaus Volmer und Eva Bergschneider, Übersetzung: Verena Wolf