Interview mit James A. Sullivan

„Ich bin ein Amerikaner im Rheinland und liebe den gemütlichen Aspekt der Region.“

James A. Sullivan wurde 1974 in West Point (New York) geboren und wuchs in Deutschland auf. An der Universität zu Köln studierte er Anglistik, Germanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft. Gemeinsam mit Bernhard Hennen veröffentlichte er 2004 das Fantasy-Epos »Die Elfen«. »Der letzte Steinmagier«, der im Dezember im Mira Taschenbuchverlag erschien, ist Sullivans erste eigenständige Romanveröffentlichung.

Phantastik-Couch.de: Hallo James, könntest Du Dich unseren Lesern einmal kurz selbst vorstellen?

James Sullivan: Ich bin ein Amerikaner im Rheinland und liebe den gemütlichen Aspekt der Region, weniger den ausgelassenen (z.B. Karneval). Ich bin verheiratet und lebe in Kerpen, ganz in der Nähe von Köln. Als bekennender Stubenhocker habe ich mir in meinem Freundeskreis einen Namen gemacht und arbeite auch fleißig daran, dass dieser Ruf nicht verblasst, indem ich viel schreibe und lese. Als Autor habe ich schon einiges verfasst, bisher aber erst wenig veröffentlicht.

Phantastik-Couch.de: Welche Bücher liest Du selbst gerne, welche Autoren bewunderst Du und warum genau ausgerechnet diese?

James Sullivan: Ich lese gerne Bücher aus dem Bereich der phantastischen Literatur und deren Vorläufer. Das ist sicher der Hauptgrund, dass ich mich als Autor in diesem Genre bewege. Ich bewundere zahlreiche Autoren. Wolfram von Eschenbach bewundere ich für seine Erzähltechnik, Edgar Allan Poe und Lord Dunsany für ihre Suggestionskraft, Ambrose Bierce für seine teuflischen Konstruktionen und viele andere Autoren für allerlei Fähigkeiten. Am meisten aber bewundere ich Alexandre Dumas. Selbst die langweiligsten Dinge sind bei ihm spannend beschrieben. Er ist mir noch immer ein Rätsel. Ich weiß bis heute nicht, wie dieser Autor es schafft, dass es mich interessiert, wie viel Geld die Figuren in der Tasche haben und was sie im Detail damit machen.

Phantastik-Couch.de: Nun hast Du zusammen mit Bernhard Hennen einen der Elfenromane für Heyne geschrieben. Wie kam es damals zur Kooperation?

James Sullivan: Das geht ganz klar auf Bernhard zurück. Er war seit Mitte der 90er für mich eine Art Mentor. Als ich endlich mein Studium abschließen wollte, das sich wegen des Schreibens in die Länge gezogen hatte, fragte mich Bernhard, ob ich mit ihm einen Elfenroman schreiben wolle. Die einzige Vorgabe des Verlages war, dass der Titel „Die Elfen“ lautete. Das Problem war nur, dass ich mich mitten in den Vorbereitungen zu meinen Magisterprüfungen befand. Ich sagte aber trotzdem zu. Immerhin hatte ich durchaus etwas zu dem Thema zu sagen, und es war eine Chance, eine Weile lang als Profi zu arbeiten. Dass der Roman ein solcher Erfolg werden würde, ahnte ich nicht. Ich hatte eher Angst, meine Prüfungen in den Sand zu setzen. Aber das war am Ende ganz und gar nicht der Fall. Ich glaube sogar, dass die Perspektive, den Elfenroman zu schreiben, mich beflügelt hat. Insofern bin ich Bernhard dankbar, dass er mich bei meinen Prüfungsvorbereitungen störte.

Phantastik-Couch.de: Warum hat man seitdem nichts mehr von Dir gelesen – oder warst Du als Ghostwriter unterwegs?

James Sullivan: Nein, Ghostwriter war ich nicht. Ich versuchte lediglich, auf eigenen Beinen zu stehen. Die Antwort auf Deine Frage mag nach dem Erfolg von „Die Elfen“ etwas verwundern, aber es gab deshalb nichts von mir zu lesen, weil ich keinen Platz in der Verlagswelt fand. Das war eine schwierige Zeit. Ich hatte in meinem Leben eigentlich immer die Erfahrung gemacht, mich in einer Sache irgendwo auf der weiten Skala zwischen absolutem Gelingen und völligem Scheitern zu bewegen. Nach dem Elfenroman fand ich mich aber in einer Situation wieder, in der ich aufs Schreiben bezogen erfolgreich und erfolglos zugleich war. „Die Elfen“ verkauften sich gut, und mit Nuramon hatte ich eine Figur geschaffen, die viele Leser berührte. Auf der anderen Seite winkten die Verlage ab, wenn es um meine eigenständigen Texte ging. Mit diesem Zwiespalt kam ich schließlich zurecht, weil ich mich aufs Schreiben konzentrierte und mir immer wieder die Trennung vom Schreiben und vom Veröffentlichen bewusst machte. Der Erfolg des Elfenromans ermöglichte es mir, mich ganz dem Schreiben widmen zu können. Und das war und ist noch immer ein großes Geschenk, das alles andere als selbstverständlich ist. Mitte 2006 interessierte sich Mira Taschenbuch für den „Letzten Steinmagier“, und sie gaben mir eine Chance in ihrem neuen Fantasy-Programm.

Phantastik-Couch.de: Mit dem »Steinmagier« gehst Du ungewöhnliche Wege. Nachdem die Welle der Völkerromane doch zwischenzeitlich ein wenig abebbt, und es tolkienesque Fantasy-Epen wie Sand am Meer gibt, besinnen sich Autoren zunehmend auf andere Settings. Barry Hughart mit seinen drei »Meister Li-Romanen« und Lian Hearn mit den »Clan der Otori« haben es vorgemacht, Kai Meyers »Wolkenläufer-Trilogie« ging auch in die Richtung – der asiatisch-chinesisch-japanische Fantasy-Roman ist auf dem Vormarsch. Warum hast Du Dir eine entsprechende Welt ausgedacht, wieso nicht Anleihen bei Rübezahl oder den Nibelungen getätigt?

James Sullivan: Dass diese Art von Roman auf dem Vormarsch ist, höre ich zum ersten Mal. Den Eindruck habe ich nicht. Ich denke, es gibt immer wieder Romane, die ein asiatisch angehauchtes Setting wählen, weil sich die entsprechenden Autoren einfach für Ostasien interessieren. Bei „Der letzte Steinmagier“ ist die Gestaltung der Erzählwelt in der Idee begründet. Ich war, seit ich von ihr erfuhr, von der Terrakotta-Armee des ersten chinesischen Kaisers fasziniert. Diese inspirierte mich zu einigen Romanideen. Eine davon war die zu „Der letzte Steinmagier“. Die Idee an sich hätte ich durchaus auch in einem europäisch geprägten Setting etablieren können. Doch das asiatisch geprägte zeigt, woher meine Inspiration stammt, und ich finde, die Leser dürfen das durchaus im Roman erkennen.

Das bedeutet aber nicht, dass in meinem Roman keine westliche Kultur eingeflossen ist. Ich kann mich meinem Denken ja nicht entziehen und schreibe schließlich für ein westliches Publikum. So findet vieles den Weg in den Roman, das eindeutig aus der europäischen Kultur stammt. Das „Nibelungenlied“, das Du genannt hast, ist ein gutes Beispiel, wenn es um Gefolgschaft und deren Auswirkungen geht. Das habe ich bei der Gestaltung von Figuren wie Gling We im Auge gehabt. Und wem die Gawan-Bücher in Wolframs „Parzival“ bekannt sind, der erkennt vielleicht Parallelen zum Mittelteil meines Romans. Denn ich nehme dort die Hauptfigur für eine Weile aus dem Fokus und lasse die Nebenfiguren in den Vordergrund treten. Das alles zeigt, dass die Einflüsse von überall kommen können, und was asiatisch erscheint, kann manchmal europäischer sein, als man glaubt.

Phantastik-Couch.de: Wie und wo hast Du für den inhaltlich überzeugenden Entwurf recherchiert – hast Du eine besondere Beziehung zu der fernöstlichen Kultur?

James Sullivan: Das beruht auf einer besonderen Faszination für die ostasiatischen Kulturen. Ich habe dafür eigentlich keine Erklärung, außer vielleicht, dass mich das Fremde fasziniert. Die Erfahrungen mit der fernöstlichen Kultur beruhen aber nicht auf Reisen, sondern auf Rezeption. Ich schätze einige Texte der älteren chinesischen Literatur, aber auch das chinesische Kino. Im Fall von Japan kommt die Beziehung vor allem über Animes, Mangas, Spielfilme und Videospiele zustande.

Insofern sind die asiatischen Kulturen für mich wichtig, weil ich ihre Werke – wie sehr viele im Westen – rezipiere. Es ist ja schon lange so, dass jene Werke aus Asien, die vom Westen beeinflusst sind, zu uns zurückkehren und erfolgreich sind.

Was nun die Recherche betrifft, handelt es sich nicht um eine, wie sie der Autor eines historischen Romans unternehmen muss. Als Fantasy-Autor geht es mir mehr um historische Muster als um historische Fakten. Die Zusammenhänge dienen mir als Beispiele, die ich berücksichtige und die mich beeinflussen. Insofern habe ich auf meine Sammlung an Sachbüchern zurückgegriffen und habe diese auch erweitert, so dass ich mittlerweile einen ansehnlichen Handapparat zum Thema China und Japan besitze. Dazu muss aber gesagt werden, dass ich nicht jahrelang Sachbücher wälze, um irgendwann mit dem Schreiben zu beginnen. Ich lese vieles aus reiner Neugier und komme dann später während der Schreibphase auf manches zurück oder suche dann gezielt nach Informationen.

Phantastik-Couch.de: Interessant fand ich auch die Idee, die Magie der Zauberer an Steine zu knüpfen. Wie kamst Du darauf?

James Sullivan: Das geht auf die die Terrakotta-Krieger des ersten chinesischen Kaisers zurück, die mich zu der Romanidee inspirierten. Als mir klar war, dass es im Roman zu jeder Steinfigur irgendwo einen Menschen gibt, dessen Leben an die Figur gebunden ist, motivierte ich das dadurch, dass in der Erzählwelt Magie dem Fleisch entweicht, sich im Stein aber festsetzt. Ich dachte an einen Zauber, der einen Menschen nahezu unsterblich macht, solange die Statue besteht, ihn aber sofort tötet, wenn die Steinfigur zerstört wird. Das bot mir zahlreiche Möglichkeiten, mit denen ich mich im Roman beschäftige.

Phantastik-Couch.de: Gut 600 Seiten – das hört sich nach viel Arbeit an. Wie lang hast Du an dem Buch gearbeitet, wo und wann hast Du geschrieben?

James Sullivan: Es war viel Arbeit. Das ist das Schreiben eines Romans aber immer. Der Umfang sagt eigentlich wenig darüber aus, wie viel Arbeit ein Autor hatte. Die meiste Mühe machen oft die Stellen, die kurz gefasst sein müssen und die Dinge auf den Punkt bringen.

Die Vorbereitungen zum „Letzten Steinmagier“ lassen sich zeitlich nicht leicht erfassen. Oft reift ein Stoff langsam vor sich hin. Da ich verschiedene Ideen zu den Terrakotta-Kriegern hatte, gab es unterschiedliche Ausprägungen des Stoffes. Anfang 2006 fing ich an, den „Letzten Steinmagier“ zu schreiben. Und es dauerte ein Jahr, bis ich den Roman beim Verlag ablieferte. Der Ort, an dem ich den Roman geschrieben habe, ist insofern interessant, dass er es mir schwer machte, zu arbeiten. Meine Frau und ich hatten eine Wohnung im Obergeschoss eines Hauses gemietet, in dessen Untergeschoss die Vermieterin wohnte. Die eigenwilligen Ansichten der Dame führten dazu, dass ich mich sehr eingeschränkt fühlte. Es ist eigentlich ein Wunder, dass ich den Roman unter den Bedingungen vollenden konnte. Aber ich habe es geschafft, und jetzt wohnen wir zum Glück woanders.

Phantastik-Couch.de: Wie hast Du die Arbeit mit dem Verlag und dem Lektor erlebt. Gab es aufgrund des Umfangs des Buches nicht Überlegungen dieses zu kürzen?

James Sullivan: Es hat nicht nur Überlegungen gegeben, den Roman zu kürzen, einige Dinge sind gekürzt worden. Aber diese Kürzungen gehen in Ordnung. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag war sehr entspannend. Während des Schreibens hatte ich absolute Ruhe, selbst als der Abgabetermin näherrückte. Besser hätten mir die Leute bei Mira Fantasy nicht zeigen können, dass sie mir vertrauen.

Phantastik-Couch.de: Eine solch umfassende Saga erfordert bestimmt jede Menge Vorbereitung. Hast Du zuerst ein Exposee verfasst, oder als erstes Deine Welt angelegt? Verliert man bei der Fülle an Daten und Agierenden nicht manches Mal die Übersicht?

James Sullivan: Die Übersicht verliere ich beim Schreiben selten. Beim „Letzten Steinmagier“ hatte ich sie eigentlich immer. Das hat vielleicht mit meiner Vorgehensweise zu tun. Die Vorbereitung bedeutet für mich, dass ich eine Idee niederschreibe und ab und zu Notizen dazu mache, die aber alles andere als geordnet sind. Die meiste Vorbereitung findet aber im Kopf statt. In dieser Phase ist es oft so, dass ich Sachbücher lese, die der Idee nahestehen. Nicht aber, weil ich gezielt auf etwas hinarbeite, sondern weil mich das Thema interessiert. Sobald ich beschließe, einen Roman tatsächlich in Angriff zu nehmen, verfasse ich ein Exposé und gebe es meinem Agenten. Dann beginne ich sofort mit dem Schreibprozess. Parallel dazu mache ich eine Menge Notizen, einerseits in Form eines Schreibtagebuchs, andererseits erstelle ich Dinge wie Figurenverzeichnisse oder ein kleines Lexikon, die ich aus dem geschriebenen Text herausfiltere. Das heißt, ich baue die Welt während der Schreibphase. Größere Zusammenhänge habe ich in der Regel bereits im Kopf, kleinere entwickle ich gerne spontan während des Schreibens. Aber ich recherchiere auch gezielt und lese eine Menge Sachbücher, die ein Thema genauer beleuchten, wenn ich das Gefühl habe, es könnte mir nützen. Ich weiß, dass viele Autoren den Weltenbau und das Schreiben trennen. Erst verfassen sie eine Weltbeschreibung, dann beginnen sie den Text zu schreiben. Ich würde bei einem solchen Vorgehen den Kontakt zur Geschichte verlieren. Und das versuche ich zu vermeiden.

Phantastik-Couch.de: Mir fiel bei der Lektüre auf, dass Du gerne mit Archetypen arbeitest. Der Dieb, der nur die habgierigen Reichen ausnimmt, der aufrechte Gegner, der Gewissensbisse hat, die treue Leibwächterin – hat es Dich nicht gereizt, eine Deiner Figuren im Verlauf der Handlung zu drehen?

James Sullivan: Natürlich hat es mich gereizt, die Figuren zu drehen. Dabei sehe ich aber gar keinen Widerspruch zur Verwendung von Archetypen. Diese sind meiner Ansicht nach in der Fantasy-Literatur enorm wichtig. Archetypen haben etwas Zeit- und Kulturübergreifendes. Als Fantasy-Autor erzähle ich von einer fremden Welt mit fremder Kultur. Um bei den Lesern gewisse Bilder zu erzeugen, brauche ich in irgendeiner Form Archetypen. Dabei muss es sich nicht nur um achetypische Figuren handeln. Archetypen können sich z.B. auch auf räumliche oder abstrakte Konzepte beziehen. Insofern sind sie ein wertvolles Mittel für den Fantasy-Autor, wenn er sich denn darüber im Klaren ist, worin sie bestehen. Die Frage ist eigentlich nicht, ob man Archetypen verwendet, denn man kommt an ihnen nicht vorüber. Wenn ich z.B. einen Wald als Schauplatz wähle, erzeuge ich beim Leser ein archetypisches Bild, noch ehe ich erzählt habe, wie der Wald aussieht und was die Hauptfigur dort erwartet. Die eigentliche Frage ist demnach, was man aus den Archetypen macht. Wenn man als Leser Sankou Yan auf den ehrenvollen Dieb, Gling We auf den gewissenhaften Krieger und Kayin Ruwae auf die treue Leibwächterin beschränken möchte, dann ist das legitim. Schließlich ist ein Erzähltext nur ein Angebot des Autors an die Leser. Aber ich denke, man würde dann viele Facetten der Figuren außer acht lassen und ihnen auch ein wenig unrecht tun. Denn ich spiele im Roman oft damit, wie Figuren andere Figuren wahrnehmen und dass sich der erste Eindruck als unzureichend oder völlig falsch herausstellt.

Was nun die Charakterentwicklung angeht, ließ die zeitliche Struktur des Romans keine ausführliche Entwicklung zu. Ich konnte bei Yu eine ganz besondere Art der Entwicklung zeigen, bei den anderen Figuren eigentlich nur Wendepunkte andeuten, die sich erst nach der erzählten Handlung entfalten würden. Wichtig ist, dass die Charakterentwicklung nicht zum Selbstzweck wird. Ist sie das, dann sollte man lieber darauf verzichten und sich darauf konzentrieren, den Charakter einer Figur auszuleuchten. Denn eine Entwicklung muss immer stimmig und motiviert sein. Ansonsten wird sie zu einem Reflex oder – schlimmer noch – zu einem Element, das nicht in den Figuren angelegt ist, sondern in dem Verlangen des Autors, einen Effekt zu erzielen.

Phantastik-Couch.de: Wir erfahren von einer der bedeutendsten Figuren Dayku Quan recht wenig. Warum tritt er so selten persönlich auf, was motiviert ihn zu seinen Taten, mal abgesehen von seiner Gier nach Macht, und wie wurde er zu dem Despoten, als der er dargestellt wird?

James Sullivan: Er tritt selten auf, weil er keine der wahrnehmenden Figuren ist. Im Zentrum der Handlung steht Yu, und der Roman ist überwiegend aus seiner Perspektive erzählt. Die andere Seite, die ihn unter Druck setzt, wird immer über Gling We wahrgenommen. Das heißt, wir können nur indirekt etwas über Dayku Quans Motivation erfahren. An sein Innerstes kommen wir nicht ohne weiteres heran. Ich deute an einigen Stellen an, dass die ewige Jugend Quan zu dem gemacht hat, was er nun ist. Wer durch die Jahrhunderte geht und seine Macht als Fürst immer wieder behaupten konnte, hat Blut an den Händen. Quan ist ein Beispiel dafür, wie die ewige Jugend einen Menschen abstumpfen lässt. Er hat unzählige Menschen altern und sterben gesehen. Die Leben der anderen verlieren für ihn den Wert. Im Grunde ist Quan eine bedauernswerte Figur. Er wirkt zwar im Roman mächtig und listig, doch statt das lange Leben zu nutzen, um die Sinne zu schärfen und in verschiedene Richtungen zu lenken, möchte er lediglich mit allen Mitteln Kaiser werden. Quan ist sozusagen der Gegenentwurf zu Figuren wie Jhutsun Li und Okalang Shi, die dem Leben immer etwas Neues abgewinnen können. Es wäre schon interessant gewesen, Dayku Quan auf den Grund zu gehen und ihn in einer Situation der Schwäche zu zeigen. Doch ich finde, man darf als Autor nicht jedem Interesse nachgeben, sonst kann ein Roman leicht aus dem Gleichgewicht geraten.

Phantastik-Couch.de: Wird es ein Wiedersehen mit den Figuren des Buches geben -sprich ist eine Fortsetzung denkbar?

James Sullivan: Eine Fortsetzung ist auf jeden Fall denkbar. Ich weiß auch schon bis ins Detail, was geschehen wird und habe beschlossen, sie definitiv irgendwann schreiben. Ob es dann nur eine Art Privatprojekt sein wird oder ob es zur Veröffentlichung kommt, hängt davon ab, ob es beim Verlag ein Interesse gibt. Mit anderen Worten: Wenn die Verkaufszahlen stimmen, sollte dem eigentlich nichts im Wege stehen.

Phantastik-Couch.de: Welche Deiner Figuren ist Dir besonders ans Herz gewachsen und warum?

James Sullivan: Bei „Der letzte Steinmagier“ muss ich sagen, dass ich die Hauptfiguren einfach liebe. Ich hatte noch nie einen Text, bei dem ich so viel Spaß an den Figuren hatte. Wenn ich jetzt eine Figur nennen müsste, dann wäre es Sankou Yan. Er ist trotz seiner direkten Art so vielschichtig, und es war eine Freude, ihn zu schreiben.

Phantastik-Couch.de: Wie viel von James Sullivan steckt in Deinen Figuren – in welcher Person erkennst Du Dich am ehesten wieder?

James Sullivan: Das wechselt und liegt sicher daran, dass in jeder Figur etwas von mir steckt. Nach dem Elfenroman habe ich mich Nuramon am nächsten gefühlt. Während der Arbeit am „Letzten Steinmagier“ war es Wurishi Yu. Im Augenblick ist es aber wieder eine Figur aus einem früheren Roman von mir. Doch ihn kennt niemand.

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank, dass Du Dir für uns Zeit genommen hast. Wir wünschen Dir alles Gute.

James Sullivan: Vielen Dank für die Fragen und viele Grüße an alle.

Das Interview führte Carsten Kuhr