Interview mit Markus Heitz

„Die Stories um die “Albae„ und die “Zwerge„ leben vom Abenteuer.“

„Und dazu zählen auch die Gefechte, aus denen die Charaktere verändert hervorgehen. Oder auch mal liegen bleiben und raus sind.“

Phantastik-Couch.de: Hallo Markus Heitz! Vorab vielen Dank, dass Sie sich trotz Ihres vollen Terminkalenders Zeit für ein Interview mit Phantastik-Couch.de nehmen. „Die Legenden der Albae“ haben voll eingeschlagen, wie man an der Spiegel Bestsellerliste sehen kann, kurz nach dem Erscheinungstermin auf Platz 4 vorgerückt. Herzlichen Glückwunsch! Und natürlich möchten wir umgehend auf die „Albae“ zu sprechen kommen. Vier Bände mit den Kleinen, den Zwergen haben Sie vorgelegt, jetzt folgen die schlanken Großen. Haben Sie von den Zwergen genug gehabt und sich deshalb einem anderen Fantasy-Volk zugewandt?

Markus Heitz: Es gab keine Story, die ich von den Zwergen hätte mit ruhigem Gewissen erzählen können. Schreiben muss mir Spaß machen. Und bei den Albae hatte ich schon immer ein gutes Gefühl gehabt, als sie in der Zwerge-Reihe auftauchten. Folgerichtig bekamen sie die eigene Serie. Aber mehr als vier wird es davon auch nicht geben, vier ist eine schöne Zahl.

Phantastik-Couch.de: Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Bösen entscheiden? Will „der Zwergenfreund Markus Heitz“ weg von diesem Image, oder hat es Sie einfach gereizt, einmal die dunkle Seite zu porträtieren?

Markus Heitz: Welches Image meinen Sie denn? Es gibt für mich kein Image.
Ich verdanke den Zwergen sehr viel. Letztlich verdanken die „Albae“ den „Zwergen“, dass es sie gibt und eine eigene Serie bekommen. Mir ist bewusst, dass ich die nächsten Jahre für viele der „Zwerge“-Heitz sein werde, auch wenn der „Ulldart“-Zyklus und die „Shadowrun“ Romane viel früher erschienen sind. Aber das ist okay und es macht mir nichts. Ich fühle mich in der Fantasy, der Urban Fantasy und in der SF derzeit sehr wohl. Wenn sich das in fünf Jahren ändert, können ganz andere Genres von mir erschlossen werden. Es wird sicherlich einen Krimi geben, etwas Humoristisches und was Literarisches. Das hat jedoch Zeit.

Phantastik-Couch.de: Gegen Ende des „Albae“-Romans kommt die große Schlacht. Ist die als Finale für einen erfolgreichen Fantasy-Roman aus Heitz´scher Feder unabdingbar?

Markus Heitz: Für einen klassischen Erzählroman sicherlich, wobei man unterscheiden muss, welche Geschichte man erzählen möchte. Bei einem Entwicklungsroman sähe es bestimmt anders aus. Aber die Stories um die „Albae“ und die „Zwerge“ etc. leben vom Abenteuer. Und dazu zählen auch die Gefechte, aus denen die Charaktere verändert hervorgehen. Oder auch mal liegen bleiben und 'raus sind.

Phantastik-Couch.de: Wem stehen Sie innerlich näher, den trinkfreudigen, geselligen Kleinen, oder den introvertierten, morbiden Großen?

Markus Heitz: Das ist abhängig von der Tagesform.

Phantastik-Couch.de: Sie haben letztes Jahr auf der Buchmesse erzählt (persönliches Gespräch zwischen Markus Heitz und Carsten Kuhr), dass die „Albae“-Bände zeitlich durchaus ziemlich weit auseinander liegen würden, kein Wunder bei unsterblichen Protagonisten. Wird es ein Wiedersehen mit altbekannten Gestalten geben, werden gar bekannte Geschehnisse aus anderer Sichtweise neu beleuchtet?

Markus Heitz: Ja, es gibt einige Vorkommnisse, die aus „Albae“-Sicht gezeigt werden. So ist im dritten Band vorgesehen, einen Abstecher in die Schwarze Schlucht zu machen. Kann sein, dass man da Tungdil zu Gesicht bekommt.

Phantastik-Couch.de: Zu Beginn des „Albae“ Romans schockieren Sie Ihre Leser mit der recht plakativen Darstellung der fast nebensächlichen Gewalt der Albae gegen ihre menschlichen Sklaven. Das ist zwar folgerichtig, aber dennoch düsterer, als wir es von den Zwergen gewohnt sind. Richtet sich der Roman an eine erwachsenere Zielgruppe?

Markus Heitz: Das liegt schon in der Natur der Rasse, oder? Zwölfjährige würde ich „Die Albae“ nicht unbedingt lesen lassen, aber ab vierzehn Jahren ist das durchaus möglich.

Phantastik-Couch.de: Deine beiden Hauptgestalten in „Die Legenden der Albae – Gerechter Zorn“ scheinen sich im Verlauf der Handlung einander anzunähern, fast schon zu vermenschlichen, die Liebe und die Trauer prägten sie. Warum diese Abkehr von der anfänglich so wohltuend anderen Darstellung des Volkes als etwas Fremdes?

Markus Heitz: Habe ich gesagt, dass Liebe und Trauer den Albae fremd sind?! Nein! So kommen sie auch in den vorherigen Büchern nicht herüber. Aber so, wie „Zwerge I“ die Rasse den Neulingen unter den Lesern näher gebracht hat, bevor mehr daraus wurde, so kann man davon ausgehen, dass in den „Albae“-Bänden danach mehr geboten wird. Gerade weil verschiedene Epochen in der Geschichte der „Albae“ gezeigt werden.

Phantastik-Couch.de: Im Phantastik-Bereich sind Sie bereits jetzt in jedem Subgenre erfolgreich. Sind Sie mit ihrer „Schaffenskraft“ bereits an dem Punkt angekommen, wo es kaum noch Steigerung geben kann? Ist es denkbar, dass Sie mal einen nicht phantastischen Roman schreiben?

Markus Heitz: Alles ist vorstellbar. Wer vor einem Genre Halt macht, nur weil es nicht ins Bild des Autors passt, ist selbst schuld. Wichtig ist der Spaß an der Sache, an der Story, an dem Genre. Dass ich mal einen Wissenschaftsroman über Physik schreibe, das muss ich wohl ausschließen. Aber eine Persiflage, einen lustigen Roman, ein Reisetagebuch (ohne zu pilgern, keine Angst) oder etwas Experimentelles – warum nicht?

Phantastik-Couch.de: Mit „Vampire! Vampire! -Alles über Blutsauger“ haben Sie ein Sachbuch über den Vampirmythos geschrieben, dass sich ebenfalls sehr unterhaltsam liest. Gibt es Planungen für ein vergleichbares Sachbuch, beispielsweise über den Mythos „Drachen“ oder andere phantastische Figuren?

Markus Heitz: Nein, dazu fehlt mir die Zeit für die Recherche. Die Herausforderung bei „Vampire!Vampire“ war, dass ich möglichst viel Neues aus dem Volksglauben zu den Blutsaugern ausgraben wollte, um die Facetten zu zeigen, die in den 08/15-Romanen zu kurz kommen. Vampire sind extrem spannend!

Phantastik-Couch.de: Apropos Vampire: Die „Biss“-Bücher von Stephenie Meyer liegen in der Bestsellerliste noch (Stand: Mai 2009) vor den „Albae“. Diese Vampire sind so ganz anders, als die, die Sie beschreiben, nämlich überaus romantisch veranlagt. Was halten Sie von dieser zur Zeit vor allem bei weiblichen Fantasy-Fans äußerst beliebten „Vampirvariante“?

Markus Heitz: Meyer macht da weiter, wo die Romantiker vor 100 Jahren aufgehört haben. Sie hat den romantischen Vampir, wenn man so möchte, wiederbelebt. Nein, eigentlich hat sie die klassische Liebesgeschichte genommen und Vampire und Werwölfe eingebaut. Dabei geht es weniger um Innovation, sondern um Herzschmerz. Wenn ihr das Spaß macht, ist es vollkommen in Ordnung. Und anscheinend mögen die Leserinnen und Leser es. Also: warum nicht?

Phantastik-Couch.de: Eine Frage zu Ihrem Werdegang möchten wir gern los werden. Sie haben zunächst ein Lehramtstudium absolviert und anschließend als Journalist gearbeitet. Wenn Sie auf diese Jahre zurück blicken: Waren das für Sie die zu erklimmenden Stufen auf der Erfolgsleiter oder würden Sie ihren Weg aus heutiger Sicht anders gehen wollen?

Markus Heitz: Nein, das hat alles genau so gepasst, wie es gelaufen ist. Ich habe viel gelernt, auch im Umgang mit wildfremden Menschen, wie ich an Informationen komme, und für das Selbstbewusstsein war es bestimmt auch nicht falsch. Es war und ist perfekt.

Phantastik-Couch.de: Zur Zeit arbeiten Sie an „Drachenkaiser“ der Fortsetzung zu „Die Mächte des Feuers“. Was fasziniert Sie an dieser Geschichte am meisten? Die Konfrontation Mensch/Drache oder das Fantasy-Setting vor historischer Kulisse?

Markus Heitz: Ich kann eine der ältesten Sagen- und Legendenfiguren in ein neues Setting bringen und die Menschen den Kampf aufnehmen lassen – auf verschiedenen Wegen. Es ist äußerst reizvoll, Historie und Phantastisches zu verknüpfen und etwas Alternatives zu erschaffen. Märchendrachen einmal anders: bösartiger, gewitzter und als echte Gegenspieler, gegen die man mehr als nur Muskeln und Maschinen benötigt. Das wird sich in „Drachenkaiser“ zeigen. Im zweiten Band mit Silena, Grigorij, Leída und Ichneumon haben die Drachen des Ostens eine weitere Möglichkeit gefunden, Kontrolle über die Menschen zu erlangen. Was ich 2006 bereits geplant hatte, ist derzeit aktueller, als ich damals hätte ahnen können.

Phantastik-Couch.de: Auf Ihrer Webseite kündigen Sie eine „Space Opera“ und einen weiteren „Vampirroman“ an, der offensichtlich an „Kinder des Judas“ und auch „Blutportale“ anknüpft. Wie muss man sich das vorstellen, setzen Sie gleichzeitig zwei Geschichten fort?

Markus Heitz: Die SpaceOpera wird sich mit einer alten philosophischen Fragestellung beschäftigen, wobei die Action, wie man es von mir gewohnt ist, sicherlich nicht zu kurz kommt. Physikalische Vorgänge werden dabei eher weniger genau erklärt. Bei mir dominiert die Story. Es macht mir sehr viel Spaß, mich unter den Sternen zu bewegen. Der Vampirroman wird sich etwas näher mit Marat beschäftigen, aber auch Sia taucht wieder auf. Mehr möchte ich dazu noch nicht sagen.

Phantastik-Couch.de: Wo sehen Sie sich – als Autor oder auch als Mensch – in 10 Jahren?

Markus Heitz: Wenn ich das wüsste …

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview mit Markus Heitz führten Carsten Kuhr und Eva Bergschneider