Interview mit Michael Marrak

„Der einzige, mit dem ich mir in absehbarer Zukunft tatsächlich eine sehr spaßige Kooperation vorstellen kann, ist der Berliner Autor Boris B3 Koch.“

Michael Marrak, geboren 1965 im tauberfränkischen Weikersheim, studierte Grafik-Design in Stuttgart und trat Anfang der neunziger Jahre als Autor, Herausgeber und Anthologist in Erscheinung. Nach einigen Jahren als freier Illustrator widmet er sich seit 1997 ganz dem Schreiben und wurde für seine Romane, Erzählungen und Illustrationen mehrfach mit dem European Science Fiction Award, dem Deutschen Phantastik Preis, dem Kurd Lasswitz Preis und dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet. Übersetzungen seiner Romane und Erzählungen erschienen in Frankreich, Griechenland, China und den USA (3Q 2008).Nach mehreren Buchveröffentlichungen im Lübbe-Verlag folgte im Ravensburger Buchverlag Anfang 2008 der Jugendroman „;Kinder der Sonne“ als erster Teil der „;Aion“-Trilogie. Neben neuen Romanen schreibt Michael Marrak seit Mitte 2005 an der Hintergrundgeschichte für das SF-Computerspiel „;Black Prophecy“ (geplante Veröffentlichung: Winter 2008). Seit Mitte 2006 ist er im Hannoveraner Entwicklerstudio Reakktor Media für das Story Development und Game Design von „;Black Prophecy“ verantwortlich. Michael Marrak lebt und arbeitet heute als freier Schriftsteller und Illustrator in Hannover.

Phantastik-Couch.de: Hallo Herr Marrak. Lassen Sie uns, bevor wir auf ihren aktuellen Roman eingehen zunächst ein wenig in die Vergangenheit schweifen. Zwei Ihrer Romane wurden mit dem Kurd Laßwitz Preis ausgezeichnet. Ich habe in einem älteren Interview mit Ihnen gelesen, dass Sie die Bedeutung derartiger Preise in Frage stellen. Wichtiger sei Ihnen, dass sich Ihre Bücher verkaufen und die Vorschüsse einspielen. Stimmt das, ist die Prämierung eines Werkes mit einem Preis nicht auch ein zumindest moralischer Auftrieb für einen Autor?

Michael Marrak: Letzteres auf jeden Fall, doch es ging bei der damaligen Aussage um den wirtschaftlichen Faktor, nicht um den psychologischen. Darum, ob sich die Gewinne von Szene-Preisen wie Laßwitz oder DSFP auf den Buchverkauf auswirken – und dies tun sie (zumindest nach den Maßstäben großer Publikumsverlage) nachweislich nicht. In der Phantastik-Szene ist ein Preis in etwa wie ein dicker, von Herzen kommender Kuss mit Urkunde. Doch irgendwie bleibt die gesamte Preis-Maschinerie nach getaner Arbeit im Selbstzweck stecken. Gäbe es ein Informations-Nachspiel, auf das ein Medien-Echo folgen könnte, würde das den Stellenwert der Phantastik- und SF-Preise gewaltig anheben – und schlussendlich dafür sorgen, dass diese dem Autor auch längerfristig nützen und somit tatsächlich auf seinen Erfolg und den Buchverkauf Einfluss nehmen. Stattdessen begnügen sich die diversen Komitees nach der Preisverleihung damit, die üblichen Verdächtigen wie Szene-Infomagazine und Konsorten zu füttern und hoffen, dass die Information irgendwann automatisch von ein paar Suchmaschinen aufgeschnappt wird. Allenfalls eine Regionalzeitung nimmt sich des Themas noch kurz an. Aber dies ist zu wenig.

Es gilt nicht, innerhalb einer Szene auf etwas aufmerksam zu machen, was in dieser von vornherein erwartet wird und daher zumeist kaum noch Reaktionen (oder Interesse) hervorruft, sondern die Information über den Tellerrand hinaus zu tragen. Dann könnte eine Ehrung wie der Kurd Laßwitz-Preis oder der inzwischen auch dotierte Deutsche SF-Preis tatsächlich an Einfluss gewinnen – mit ein wenig mehr Mühe, Weitsicht und einem Händchen dafür, die richtigen Medien zu erreichen, um sowohl auf den Preis als auch auf das prämierte Werk aufmerksam zu machen. Ansonsten bleibt es leider auch zukünftig nicht mehr als ein von Herzen kommender, dicker Kuss der Anerkennung und Sympathie. Ich muss beim Laßwitz-Preis ständig an den Song „;Hier kommt Kurt“ von Frank Zander denken: „;Hier kommt Kurt, ohne Helm und ohne Gurt, einfach Kurt, der nicht quengelt und nicht murrt ...“

Phantastik-Couch.de: Ihr Roman „;Morphogenesis“ trug lange Zeit den Arbeits-Titel „;Abydos“. Wie kam es dazu, dass Sie oder der Verlag den Titel geändert haben?

Michael Marrak: Lübbe hatte mit der Namensänderung nichts zu tun. Ich suchte einen Arbeitstitel, den ich im Vorfeld der Veröffentlichung benutzen konnte. Ein Titel, der nicht zuviel über den Roman selbst verriet, aber zumindest schon mal die Spielwiese eingrenzte, in diesem Fall Ägypten (bzw. das Thema Nekropole). Das Projekt selbst trug schon den Namen „;Morphogenesis“, seit ich dem Lektorat Ende 2003 die ersten Probekapitel geschickt hatte. Auch der damalige Buchvertrag lief von Anfang an auf diesen Titel. Meine einzige Sorge war, dass er vor Veröffentlichung des Buches noch geändert werden könnte, weil er den Handelsvertretern zu kompliziert war.

Inzwischen verwende ich keine Arbeitstitel mehr, die später durch ungewohnte Verkaufstitel ausgetauscht werden müssen. Bei Mehrteilern wie dem „;Aion“ ist so etwas nach Erscheinen des ersten Teils natürlich kein Problem mehr. Bei den Nachfolgebänden kann ich einfach den Trilogie- oder Reihentitel nummerieren; „;Aion 2“, „;Aion 3“, etc.

Phantastik-Couch.de: Bot „;Lord Gamma“ eine reine SF Handlung, „;Imagon“ einen Mix aus SF, Thriller und Horror-Elementen, so schien mir „;Morphogenesis“ noch weniger in eine Schublade zu passen. Ist es nicht sehr schwierig gerade ein Werk, das eben gerade in keine vorgefertigte Schublade passt und somit für den Verlag auch schwieriger zu vermarkten ist, zu verkaufen?

Michael Marrak: Lübbe ordnete „;Morphogenesis“ oder auch „;Lord Gamma“ unter Gothic-SF bzw. Dark Fantasy ein, wo ich mich (zumindest auf der Lübbe-Homepage) in der angenehmen Gesellschaft von China Miéville befand. Die einen nennen derartige Genre-Mixe Crossover, die anderen benutzen den – wie ich finde – schöneren und treffenderen Begriff Synergy. Wobei ich gestehen muss, dass „;Morphogenesis“ schon eine sehr derbe Mixtur ist.

Phantastik-Couch.de: „;Imagon“ und „;Die Stadt der Klage“ zierten Cover aus Ihrer Feder. Für „;Das Aion“ zeigt sich der Wiener Künstler Peter Gric verantwortlich. Sie arbeiteten früher als Illustrator, warum haben Sie nicht wieder selbst Regie geführt und ein eigenes Werk geschaffen?

Michael Marrak: Mir fehlt dafür inzwischen schlichtweg die Zeit. Es macht mir zudem keinen großen Spaß, meine eigenen Geschichten oder Bücher zu illustrieren. Die Fantasie dazu überlasse ich gerne anderen, die das besser können – schon allein, um mich vom Ergebnis überraschen zu lassen. Aus heutiger Sicht halte ich die Entscheidung, mein Cover der Festa-Ausgabe von „;Imagon“ leicht modifiziert auch für das Lübbe-Taschenbuch zu verwenden, für einen Fehler. Es ist hässlich geworden, dunkel und verwaschen. Damals befürchtete ich, dass man dem Roman ein 08/15-Cthulhu-Cover aufdrucken würde und das Buch damit völlig trivial aussehen könnte. Aber mein Cover wirkte dann fast noch schlimmer, geradezu dilettantisch. Das „;Aion“-Cover hingegen mit seinen Komplementärfarben ist ein absoluter Blickfang, und das goldene Rankengeflecht über dem Azur-Himmel verleiht ihm etwas Majestätisches. Von allen Titelbildern, die ich bisher hatte, ist es zweifellos das Schönste.

Phantastik-Couch.de: „;Morphogenesis“ ist ein Buch, das auf den ersten Blick ein wenig an Dantes „;Göttliche Komödie“ erinnert, vermischt mit Elementen aus Farmers „;Flusswelt der Zeit“ und ägyptischem Götterpantheon. Gleichzeitig habe ich es als recht zynisches Werk voller schwarzen Humors empfunden. War das gewollt, sind Sie ein Zyniker vor dem Herrn?

Michael Marrak: Dieses Etikett haftet mir schon lange an, aber es stört mich mittlerweile nicht mehr. Allerdings ist erwiesen, dass nicht alle Menschen in der Lage sind, eine ironische oder sarkastische Botschaft zu entschlüsseln. Von wissenschaftlicher Seite heißt es, dass eine Verkümmerung bzw. Schädigung des Präfrontallappens das Verständnis von Ironie und Sarkasmus am meisten behindert. Es hat also neurologische Gründe. Ich neige in vielen Texten zu Zynismus und Sarkasmus, weiß jedoch, dass manch ein Leser meine Art von Humor nicht nachvollziehen kann. Diese Unverständlichkeit geschieht aus dem gleichen Grund, aus dem beispielsweise nicht alle Menschen fähig sind, auf dieselbe Art und Weise Glück zu empfinden. Das Thema von „;Morphogenesis“, eine Odyssee durch eine gigantische Höllenstadt, machen literarische Nuancen wie Sarkasmus, Ironie oder Zynismus jedoch fast schon zwingend, um das Erzählte erträglich zu halten. Viele Leser finden derartige Spielarten deplaziert, vielleicht auch, weil sie sich, ihre Umwelt und alles was sie erschaffen, viel zu ernst nehmen. Offenbarte ich mich in „;Morphogenesis“ letztlich als Zyniker? Ich fürchte, ja.

Phantastik-Couch.de: Nach „;Imagon“ hatten Sie Lübbe einen Roman mit dem Arbeitstitel „;Relicon“ als dritte Veröffentlichung angeboten. Dann erschien jedoch „;Morphogenesis“. Was passierte mit dem eigentlich vorgesehenen Roman?

Michael Marrak: Er wächst langsam, aber beständig. Nachdem Lübbe ihn – sehr zur Verwunderung meines Literaturagenten – gleich zweimal abgelehnt hat, ist er ein Nebenprojekt geblieben, dem ich hin und wieder ein Kapitel hinzufüge, sofern ich Zeit und Muse finde. Das ist nicht tragisch, da es sich um einen Episodenroman handelt, dessen Handlung sich über Jahrzehnte erstreckt. Früher oder später wird auch er fertig werden – und irgendwo erscheinen. Zumindest versichert mir mein Agent, der die ersten 100 Seiten kennt, dass es keine Probleme geben sollte, einen Verlag dafür zu finden. Dieses Projekt hieß/heißt übrigens nicht „;Relicon“. Dies ist lediglich der Titel einer Kurzgeschichte, die später in „;Der Atem Gottes“ (Visionen 1) veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich quasi um den (leicht modifizierten) Prolog des Romans.

Phantastik-Couch.de: Mochten Sie Ihre „;Morphogenesis“-Hauptfigur Hippolyt Krispin? Sie muten ihr ja eine ganze Menge zu …

Michael Marrak: Abydos ist kein Vergnügungspark, die Hölle kein Disneyland und „;Morphogenesis“ zweifellos ein sadistisches Ratte-im-Labyrinth-Experiment in XXL. Ich war der Wissenschaftler mit der Strichliste, der beim Schreiben akribisch Häkchen hinter seine In-vitro-Tests setzte, während er die sinnlosen Fluchtversuche seiner Ratte beobachtete. Im Hinblick auf die wahre „;Natur“ der Abydos-Bewohner hat es mir großen Spaß gemacht, meine Hauptfigur zu quälen – und dabei als Kontrast immer wieder Abschnitte einzustreuen, die dem Leser suggerierten: So schlimm ist’s ja doch nicht.

Meine Beziehung zu Hippolyt Krispin lässt sich vielleicht mit den Worten der Cenobiten aus Clive Barkers Hellraiser-Verfilmungen veranschaulichen. Auf die Frage, wer sie seien, antwortet Pinhead: „;Forschungsreisende in die weit entfernten Sphären menschlicher Vorstellungskraft – Dämonen für manche, Engel für andere. Die Grenzen zwischen Lust und Schmerz sind fließend. Das Leiden von Fremden, der Schmerz von Freunden, es ertönt eine geheimnisvolle Musik auf der Welt. Sie klingt, als zöge man Rasierklingen durch das Fleisch ...“

Phantastik-Couch.de: Eine intime Frage: Wie viel von Michael Marrak steckt in Hippolyt?

Michael Marrak: Angesichts der Entstehungszeit des Romans und Krispins Persönlichkeitsprofil wahrscheinlich mehr, als ich mir damals eingestehen wollte – was sicher mit ein Grund war, weshalb ich nach „;Morphogenesis“ die Notbremse gezogen habe. Ein befreundeter Autor hat seinerzeit in einer Leserunde, in der eine ähnliche Frage gestellt wurde, angemerkt, dass die Protagonisten aus „;Imagon“ und „;Morphogenesis“ in Charakter und Erzählton einander sehr ähnlich seien. Man könnte das Trio durch Stan Ternasky aus „;Lord Gamma“ vervollständigen. Besagter Autor, der zugleich auch „;Morphogenesis“ für Lübbe lektoriert hatte, resümierte, dass sich hinter all diesen Ich-Erzählern im Grunde nur einer verbirgt: Ihr geistiger Schöpfer und Alter ego.

Phantastik-Couch.de: Könnten Sie sich auch einmal eine Koproduktion mit einem anderen Autor vorstellen? Sie sind ja z.B. mit Andreas Eschbach und Thomas Thiemeyer befreundet …

Michael Marrak: Im Hinblick auf konventionelle Romane, die eine klare Erzählstruktur aufweisen und ein breites Publikum erreichen sollen, wahrscheinlich nicht. Andreas ist zudem bekennender Einzelkämpfer, und bei Thomas und mir dürften sich unsere konträren Stile und Herangehensweisen behindern. Allerdings habe ich bereits früher mit Co-Autoren zusammengearbeitet, daher wird früher oder später zweifellos wieder ein Gemeinschaftswerk entstehen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass beide Autoren auf einer Wellenlänge schwimmen, den gleichen Humor haben und „;auf dem Teppich bleiben“. Mit Narzissten und geltungsbedürftigen Profilneurotikern, die sich gerade in ihrer Sturm- und Drang-Phase befinden, kann ich nicht zusammenarbeiten. Ebenso wenig mit Kontrollfreaks, die sich zu ernst nehmen, keine Kritik dulden und ständig auf Konfrontationskurs sind. Von diesen Spezies in ihren Wolkenkuckucksheimen habe ich in den letzten Jahren einfach zu viele kennen gelernt.

Der einzige, mit dem ich mir in absehbarer Zukunft tatsächlich eine sehr spaßige Kooperation vorstellen kann, ist der Berliner Autor Boris B3 Koch. Um ehrlich zu sein: Wir haben uns bereits Anfang 2006 für ein paar Tage in Berlin getroffen und das Exposé für einen völlig abgedrehten SF-Roman ausgearbeitet. Die Geschichte ist eine so unkonventionelle Verrücktheit jenseits aller Hard-SF, dass sie einfach geschrieben werden muss – früher oder später.

Phantastik-Couch.de: Ein Zitat: „;Es mangelt uns in Deutschland nicht an guten Autoren – es mangelt uns an Originalität“. Wie stehen Sie heute, inzwischen anerkanntes Mitglied der wirtschaftlich erfolgreich schreibenden Zunft, zu dieser Aussage?

Michael Marrak: Dieses Zitat ist ziemlich genau fünf Jahre alt. Dass ich mich damit ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hatte, ist mir nach wie vor bewusst. Dennoch möchte ich die Aussage weder dramatisieren noch relativieren. Allerdings halte ich es mittlerweile für treffender, den Begriff „;Originalität“ gegen den Begriff „;Mut“ einzutauschen.
Nach wie vor reagiert der Großteil der deutschen Phantastik auf angloamerikanische Strömungen oder etablierte US-Vorlagen. Man muss sich nur diese ganze Fantasy-Wellenreiterei anschauen. In schöner Regelmäßigkeit erscheinen fünfhundert- bis tausendseitige Taschenbuch-Ziegelsteine mit Titeln wie „;Die Orks“, „;Die Zwerge“, „;Die Goblins“, „;Die Trolle“, „;Die Drachen“, „;Die Halblinge“, „;Die Kobolde“, „;Die Oger“, „;Die Elfen“, „;Die Zwölfen“ …Nach wie vor scheint zu gelten: Lieber eine etablierte Idee adoptieren und auf abgesteckten (respektive: ausgetretenen) Pfaden wandeln, als ihnen zumindest neue Aspekte abzugewinnen oder gänzlich unverbrauchte Ideen zu präsentieren. Das ist, als würde man den alten, gebrauchten Kaugummi eines Anderen weiterkauen; wie das tausendste Buch über UFOs, den perfekten Sex oder das Abnehmen. Aber es kann auch nicht vollkommen falsch ein, denn der breiten Masse gefällt es, wie die Absatzzahlen beweisen. Einige der oben genannten Bücher befinden sich inzwischen in der 9. oder sogar 11. Auflage, und die meisten haben bereits mehrere Nachfolgebände.

Viele Autoren lehnen sich bewusst an gängige Themen oder Stile an, in der Hoffnung, von Verlagen oder der Presse Werbe-Attribute zu erhalten wie „;der deutsche Michael Crichton“, „;der deutsche Stephen King“ oder „;der deutsche J.R.R. Tolkien“. Die meisten davon wecken ebenso falsche Vorstellungen wie der oft verwendete Spruch: Autor A / Werk B braucht den Vergleich mit Autor X, Werk Y oder dem großen Vorbild Z aus Übersee nicht zu scheuen. Gleichzeitig gelten nach wie vor die Slogans „;wirb oder stirb“ oder „;never stop a running system“.

Wir werden in den nächsten Jahren die Bemühungen von Händlern und Verlagen erleben, einen Harry Potter-Nachfolger auf dem Markt zu etablieren. Das wird früher oder später zweifellos passieren, doch wahrscheinlich nicht mit Büchern und Romanhelden, die in diesem Bestreben geschrieben und erschaffen wurden, da die Leser ihre Favoriten immer noch selbst wählen. Vielleicht wird es sogar ein Autor sein, der einen innovativen Roman geschrieben hat und dem zudem das Kunststück geglückt ist, eigene unverbrauchte Ideen durchzusetzen.

Phantastik-Couch.de: Wenden wir uns nun Ihrem neusten Projekt – dem „;Aion“ zu. In Ihren Romanen berichten Sie oftmals von Welten, die karg und lebensfeindlich sind. Was reizt Sie zum Beispiel an Wüstenlandschaften?

Michael Marrak: Ihre bizarre Schönheit. Der Endzustand der Dinge. Die unendliche Vielfalt ihrer von Wind und Wetter geschaffenen Farben und Formen. Der absolute Kontrast zu unseren Stadt-, Agrar- und Industrielandschaften. Die Leere und Stille einer Wüste erlaubt es mir zudem, mich in meinen Büchern auf die Menschen zu konzentrieren, die mit dieser Umwelt konfrontiert werden und sich ihren Gesetzen unterwerfen müssen, falls sie am Leben bleiben wollen.

Eine Wüste führt uns indirekt vor Augen, wie unbedeutend der Mensch letztlich ist. Unsere Milchstraße enthält etwa 100 – 200 Milliarden Sterne, die Andromeda-Galaxie nach neuesten Erkenntnissen sogar eine Billion Sterne. Macht man sich bewusst, dass es im uns bekannten Universum mehr Galaxien gibt als Sandkörner auf der gesamten Erde – alle Wüsten, Strände und den Grund der Ozeane inbegriffen – kann einen das schon nachdenklich stimmen. Und ich meine Galaxien, nicht Sterne.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich fühle mich in Wüsten einfach wohl. Aber vielleicht ist ja im Grunde alles gar nicht so metaphorisch, wie es sich anhört. Vielleicht war ich in einem früheren Leben einfach nur ein Kamel, oder ein Kaktus …

Phantastik-Couch.de: Mögen Sie kein funktionierendes Ökosystem?

Michael Marrak: Wir im dicht besiedelten Mitteleuropa betrachten und beurteilen menschenleere, scheinbar lebensfeindliche Gebiete gerne aus unserer Wohlstandswarte heraus. Eine Wüste, so lebensfeindlich sie uns erscheinen mag, ist jedoch sehr wohl ein funktionierendes Ökosystem, wenn auch oft nur im Verborgenen. Es ist eine Zone der Extreme, und alle Lebewesen, die sie bevölkern, haben sich diesen Extremen angepasst. Umso faszinierender ist es zu sehen, wie in ihr das Leben nach einem Regen förmlich explodiert. Beim AION heiligt jedoch der Zweck die Mittel – denn welche Landschaft außer einer Wüste eignet sich besser für das Portrait einer von Sonnenstürmen verbrannten Erde?

Phantastik-Couch.de: Wie realistisch ist die Gefahr, die der Erde durch Sonnenstürme droht?

Michael Marrak: Das kann ich nicht wirklich kompetent beantworten, denn ich bin kein Astrophysiker. Ich kann es jedoch so veranschaulichen, dass sich jeder Leser selbst ein Bild davon machen kann. Die ionisierende Strahlung der Sonne – UV-Strahlung (UV-A, UV-B und UV-C) sowie Röntgen- und y-Strahlung (Alpha, Beta und Gammastrahlung) – bestimmt das sogenannte Weltraumwetter und erreicht die Erde unentwegt in Form des Sonnenwinds. Jahr für Jahr fallen durch leichtere Sonnenstürme und koronale Massenauswürfe ein bis zwei Satelliten aus. Auch stärkere Sonnenstürme werden noch von der Magnetosphäre abgeblockt, machen sich jedoch als Nord- oder Südlichter oder flächendeckende Stromausfälle bemerkbar. Die Frage müsste daher lauten: Wie realistisch ist die Gefahr verheerender Sonnenstürme, vor deren Strahlung uns die irdische Magnetosphäre und unsere Ozonschicht nicht mehr zu schützen vermag?

Die Wahrscheinlichkeit derart intensiver Strahlenstürme ist in etwa so groß wie die Gefahr einer Kollision der Erde mit einem sogenannten Killer-Asteroiden. Irgendwann wird es zweifellos wieder passieren, denn unsere Sonne ist ein wechselhafter Stern. Zwar wissen die Astronomen seit mehr als 200 Jahren, dass ihre Aktivität schwankt und im Durchschnitt alle elf Jahre ihren Höhepunkt erreicht – doch es ist noch immer nicht bekannt, was die sogenannten koronalen Masseauswürfe auslöst oder warum sich das Magnetfeld der Sonne alle elf Jahre umpolt. Das neue solare Maximum beginnt übrigens dieses Frühjahr, laut Astronomen ab März/April. Der Höhepunkt der Sonnenstürme soll um 2010/2011 erreicht werden.

Plasmawolken von Superflares, die auf die Erde treffen, können einen Totalausfall von Navigations- oder Kommunikationssystemen in Flugzeugen und Satelliten verursachen. Das Plasma absorbiert zudem Funkwellen. Größere Sonnenstürme sind in der Lage, Pipelines korrodieren und die Stromversorgungsnetze ganzer Staaten kollabieren zu lassen. Wissenschaftlich erwiesen ist, dass ein extrem starker Sonnensturm Strahlung solcher Intensität freisetzt, dass komplexes Leben nahezu unmöglich werden würde.
Einer der bisher größten registrierten Sonnenstürme, der Carrington Flare, hatte viermal mehr Ozon vernichtet als die große Sonneneruption von 1989. Er begann am 1. September 1859 und setzte 30 Mal mehr Energie frei als bei gewöhnlichen Sonnenausbrüchen. Global gesehen verschwanden damals dauerhaft fünf bis zehn Prozent der Ozonschicht. Deswegen hätte ein Teilchensturm mit vergleichbarer Stärke zur Eruption von 1859 heute weitaus dramatischere Folgen, schon allein im Hinblick auf unsere Technik. Der frühe Absturz des NASA-Weltraumlabors Skylab im Jahr 1979 geht auf das Konto eines Sonnensturms. Im Januar 1997 wurde ein Telekommunikationssatellit mit einem Wert von 200 Millionen Dollar das Opfer. 1998 ließ ein Kurzschluss in einem anderen Satelliten das US-amerikanische Telefonnetz zusammenbrechen und führte zu Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Dollar. Im Herbst 2003 hatten die so genannten Halloween Storms gleich 28 Satelliten beschädigt, wobei zwei von ihnen komplett ausfielen. Flugzeuge mussten wegen gestörter Kommunikationssysteme umgeleitet werden, in mehreren Ländern kam es zu massiven Stromausfällen.

Durchschnittlich einmal im Jahr ist ein Sonnensturm zu beobachten, der gravierende Störungen auf der Erde verursacht. Die ökonomischen Schäden sind so massiv, dass im Laufe der Jahre immer vehementer ein globales Frühwarnsystem für Sonnenstürme gefordert wurde. Der zuverlässigste „;außerirdische“ Sturmwächter ist das SOHO-Sonnenobservatorium, das in einem Halo-Orbit um den 1,5 Millionen Kilometer entfernten Lagrangepunkt 1 geparkt wurde, wo die Gravitationskräfte von Sonne und Erde sich gegenseitig aufheben. Neben SOHO überwacht mittlerweile eine ganze Flotte weiterer Späher die Sonnenaktivität und das Weltraumwetter, wie etwa ULYSSES, HINODE oder die STEREO-Zwillingssonden, die speziell zur Erforschung der Ursachen und Mechanismen koronaler Massenauswürfe entwickelt wurden. Die Cluster-II-Satelliten überwachen zudem die uns schützende Magnetosphäre.

Unsere „;Hauptalarmanlage“ für Sonnenstürme ist MUSTANG, ein 2007 in der Hansestadt Greifswald in Betrieb genommenes Myonen-Teleskop, das zugleich das erste Frühwarnsystem für Weltraumwetter in Europa ist. Weitere Teleskope stehen bereits in Japan, Brasilien und Australien. MUSTANG ist in der Lage, die Bewegung riesiger Plasmawolken von der Sonne zur Erde zu untersuchen und bis zu 24 Stunden vor dem Eintreffen auf der Erde vorherzusagen. Bisher betrug die Vorhersagezeit nur rund eine Stunde.

Phantastik-Couch.de: Wie kamen Sie auf die Idee, die Evolution auf gerade diese Weise anzuschieben?

Michael Marrak: Das ist beileibe keine neue Idee. Eine ganze Schar von Anthropologen ist davon überzeugt, dass bereits der Homo sapiens das Ergebnis induzierter Mutation war/ist. In der Science Fiction Literatur – insbesondere in Utopien und Distopien – beziehen viele Szenarien ihre Nahrung aus der Frage: was wäre, wenn? Was wäre, wenn ein Asteroid die Erde trifft? Eine Seuche 99% der Weltbevölkerung auslöscht? Wir alle nur Teil einer Computersimulation sind? Oder die nächste Stufe der Evolution durch im Grunde tödliche Strahlung ausgelöst wird?

Unsere Sonne ist ein gigantischer Fusionsreaktor und ihre ionisierende Strahlung ein Mutagen, das unkontrollierbare Veränderungen an Chromosomen und Zellmembranen verursacht. Bereits kleinste Strahlendosen können Mutationen der Erbsubstanz auslösen. Sie schädigen die DNA und verursachen Chromosomenbrüche in den Zellen. Die Natur experimentiert unentwegt mit Mutationen, Variationen und Modifikationen. Manche setzen sich mehr oder weniger erfolgreich gegen ihre Umwelt durch, die meisten verschwinden jedoch ebenso schnell wieder von der irdischen Bühne, wie sie aufgetaucht waren. Die tödliche, aber kurzwellige UV-C-Strahlung der Sonne wird bisher noch fast komplett von der Ozonschicht absorbiert. Eine weitere Schädigung derselben würde aber dazu führen, das UV-C die Erdoberfläche erreicht und aufgrund seiner hohen Energiedichte sehr rasch zu Verbrennungen und einer erhöhten Kanzerogenität führt. In der trockenen Sachlichkeit der Wissenschaft formuliert, bedeutet das: Die UV-C-Strahlung im Sonnenlicht vernichtet jede Lebensform.

Phantastik-Couch.de: Ein Zitat: S. 388: „;Alles Fremde und Unbekannte betrachtet ihr (die Menschen) als potentiellen Feind. Was ihr nicht kennt, fürchtet ihr. Und was ihr Fürchtet, unterjocht ihr, sperrt es ein – oder tötet es“. Das wirkt sehr pessimistisch. Kann der Mensch, können Ihre Figuren ihren natürlichen Drang alles Fremde zu vernichten überwinden?

Michael Marrak: Es ist wohl ein Schutzreflex, der innerhalb einer Gruppe oder Herde weitaus schwerer zu unterdrücken ist als von einem einzelnen Individuum. Der Homo sapiens hätte sich wahrscheinlich kaum als dominante Spezies durchgesetzt, wenn er in seiner Frühzeit nicht zuerst mal auf ein unbekanntes, sich näherndes „;Dingsbums“ draufgehauen hätte. Danach blieb ja immer noch genug Zeit, um nachzuschauen, was das eigentlich war. In einer Welt aus Fressen und Gefressen werden gibt es nicht viele Alternativen. Nach der Analyse konnte ja immer noch entschieden werden, ob man bei der nächsten Begegnung besser wieder draufhaut oder es vielleicht mal mit „;subtilerer Konversation“ versucht.

Phantastik-Couch.de: Ein weiteres Zitat: S. 393 „;Wer Leben nimmt, muss Leben geben“. – Ihre Lebensmaxime?

Michael Marrak: Klingt nach promiskuitivem Serienkiller …;-) Nein, keine Maxime, nur eine konsequente Regel für ein Tauschgeschäft, das garantiert, ein Equilibrium zu erhalten. Obwohl sich das im Kielwasser der vorherigen Frage zugegebenermaßen irgendwie verfänglich liest …

Phantastik-Couch.de: Mit Mira haben Sie eine resolute junge Protagonistin geschaffen, die voller Enthusiasmus, aber auch mit Furcht vor dem Unbekannten ihr Abenteuer antritt. Wie kamen Sie auf Mira als Person, warum haben Sie sich für eine weibliche Hauptperson entschieden?

Michael Marrak: Aus Gewohnheit. Das erste Kapitel – von Miras Echsenjagd in der Wüste bis zur Rückkehr in ihr Dorf – entstand bereits im November 1984 als erstes Kapitel eines angedachten Romans namens „;Terra Firma“ (Festland). In dieser frühen Version hieß Mira noch Sarah, und die Geschichte spielte auf einem anderen Planeten. Im Laufe der Jahrzehnte in irdische Gefilde zurückgekehrt, klang „;Sarah aus der Sahara“ ziemlich albern, also entschied ich mich auf der Suche nach einem neuen Namen für Mira, nachdem ich in einer Astronomiezeitschrift einen Artikel über die sogenannten Mira-Sterne gelesen hatte. Der Prolog von „;Kinder der Sonne“ ist neu, doch an den ersten Sätzen des Romans von „;Die Echse saß auf dem Scheitel der Düne“ bis „;(...) dem heißen Wüstensand auszusetzen“ hat sich seit damals nichts geändert. Diese ersten sechs Zeilen sind seit einem Vierteljahrhundert der unangetastete Beginn der Geschichte, Wort für Wort. Warum ich mich 1983 für eine weibliche Hauptperson entschieden habe, weiß ich heute nicht mehr. Wahrscheinlich, weil auch die Sonne und die Wüste weibliche Genera besitzen …

Ich assoziiere männliche und weibliche Hauptpersonen in phantastischen Geschichten gerne mit Wölfen und Katzen. Die Ich-Erzähler meiner früheren Romane besaßen allesamt etwas von streunenden Wölfen, immer bereit zuzubeißen, sobald die Situation es erforderte. Es waren unberechenbare Einzelkämpfer voll emotionaler Widersprüche, erfüllt von Hass auf die Welt, in die das Schicksal sie verschlagen hatte, und Abscheu vor jenen Geschöpfen, die sie bevölkerten. Ich betrachte die drei Lübbe-Romane gerne als Trilogie, auch wenn sie außer der Erzählperspektive inhaltlich nichts miteinander zu tun haben – außer dass man Stan Ternasky ebenso gut nach Grönland verfrachten könnte wie Hippolyt Krispin auf den Mond oder Poul Silis in die Hölle. Vielleicht fällt einem kritischen Leser, der alle drei Bücher kennt, ja ein angemessener Titel für diese Trilogie ein. The Good, the Bad and the Ugly ist ja leider schon vergeben. Me, Myself and I allerdings auch …

Mit „;Kinder der Sonne“ änderte ich zum ersten Mal seit langem wieder die Erzählperspektive, vor allem aber die Prämisse. Die Prioritäten liegen auf dem Leben, nicht auf dem Tod – auch wenn beides untrennbar miteinander verflochten ist. Waren in den Lübbe-Romanen Scheinwelten, künstliche Lebensräume oder alles erstickende Städte vorherrschend, ist der heimliche Hauptprotagonist in der „;Aion“-Welt die Natur selbst. Es geht um Erneuerung und das Bewahren statt um Destruktion und den langsamen, aber unaufhaltsamen Verfall. Und diesmal wollte ich keinen streunenden Wolf durch die Welt streifen lassen, sondern eine weibliche Protagonistin, die ebenso stolz wie verletzlich ist. Eine Katze in Gestalt von Mira, schnell, gewandt, zielstrebig und vorausblickend, mit sensiblen, fast schon empathischen Sinnen. Eine Antwort der Evolution auf die Welt von morgen, fremdartig und doch vertraut und immer für eine Überraschung gut.

Phantastik-Couch.de: Nun haben Sie mit „;Das Aion“ zwei Premieren abgeliefert – zum Einen haben Sie das erste Mal ein Jugendbuch verfasst, und zum ersten Mal einen Roman, der die Handlung nicht abschließt, der als Beginn einer Serie naturgemäß dem Leser den Mund wässrig machen soll, aber die Handlungsfäden nicht zu einem Abschluss führen darf. War das für Sie ein anderes Schreiben, als bei einem Einzelroman?

Michael Marrak: Nicht wirklich. Ich hatte bereits „;Morphogenesis“ als Zweiteiler konzipiert, gesplittet in die Teile „;Morphogenesis“ und „;Metamorphosis“. Das wird deutlich, wenn man das Buch exakt in der Mitte aufschlägt. Die beiden Bände hätten ähnlich wie die ersten bei Lübbe erschienenen Bas-Lag-Romane von China Miéville im Abstand von einem oder zwei Monaten erscheinen können.

Kaum jemand traute mir nach Horrortrips wie „;Morphogenesis“, „;Imagon“, „;Quo vadis, Armageddon?“ oder „;Sadek“ ein Jugendbuch zu; nicht einmal Freunde, die mich bereits seit vielen Jahren kennen. Der Grundtenor war: wie soll das funktionieren, Marrak und Jugendbuch? Das ist unmöglich. Die armen Kinder …Selbst mein Literaturagent hatte Zweifel – und war umso überraschter, nachdem er den Roman schließlich gelesen hatte.

Phantastik-Couch.de: Inwieweit haben Sie die Handlung der projektierten drei „;Aion“-Bände bereits im Vorfeld festgelegt?

Michael Marrak: Ein detailliertes Handlungsexposé, in dem bereits zahlreiche Dialoge enthalten sind, existiert bis ins erste Drittel von Band 3. Danach sind sowohl der Plot als auch die Schauplätze nur noch grob definiert, um genug Spielraum für zusätzliche Ideen zu bieten. Darüber hinaus gibt es eine Art Sekundär-Exposé mit Ideen für Zwischenkapitel und kurze Nebenhandlungsstränge, die erzählt werden können, aber nicht zwangsläufig erzählt werden müssen. Sie fügen der Romanwelt neue Facetten hinzu und zeigen bestimmte Figuren in einem anderen Licht, sind aber für die Gesamtstory nicht zwingend notwendig. Mal sehen was ich davon umsetze.

Phantastik-Couch.de: Wie haben Sie sich beim „;Aion“ auf Ihre jugendliche Zielgruppe eingestellt? Gab es bzgl. Sprache oder Inhalt Vorgaben vom Verlag?

Michael Marrak: Der Beruf eines Schriftstellers hat sehr viel gemein mit dem eines Schauspielers. Man schlüpft in Rollen, versetzt sich in die Psyche seiner Figuren und ist bestrebt, sie glaubhaft agieren zu lassen. Ich persönlich gehöre nicht zu den Autoren, die versuchen, sich aus Büchern über kreatives Schreiben eine eierlegende Wollmilchsau anzulesen, sondern lege Wert darauf, meine eigene Sprache, meinen eigenen Stil und eine hoffentlich gesunde Portion Eigensinn zu bewahren. Es widerstrebt mir, die kreative Projektion eines Anderen zu sein, die glaubt, mit übernommenem Denken Erfolg zu haben. Stattdessen beobachte ich lieber, höre zu, lausche und versuche mich in Situationen hineinzuversetzen – auch in die unmöglichen. Unter dem Strich konnte ich mich letzten Endes also nur auf mein Gefühl verlassen, was sprachlich und inhaltlich geht und was nicht. Und das kann so falsch nicht gewesen sein, sonst läge „;Kinder der Sonne“ jetzt nicht im Buchhandel.

Das Lektorat hat sehr genau darauf geachtet, dass die Sprache zielgruppengerecht bleibt und die Erzählwelt nicht an Kohärenz verliert. Es merkte an, sobald etwas zu esoterisch oder zu metaphorisch wurde, die Erzählperspektive unvermittelt wechselte oder es zu große Handlungsbrüche oder Zeitsprünge gab, die ein jugendlicher Leser im ersten Moment eventuell nicht nachvollziehen kann. Mein Agent hatte anfangs Bedenken geäußert, dass der Verlag sich an einigen der düsteren, unheimlichen oder endzeitlichen Textpassagen stören könnte. Stattdessen nahm sich meine Lektorin die heiteren, humoristischen Abschnitte vor. Ihre einzigen Vorgaben waren: bitte keine Wichtelatmosphäre, und auch nichts wirklich Ekliges. Ob beides in Kombination funktioniert hätte, habe ich nicht ausprobiert …

Was den Inhalt betrifft, gab es so gut wie keine Vorgaben, allenfalls Vorschläge für Streichungen, Ergänzungen oder Umschichtungen. Wichtig war dem Verlag, dass Miras Fähigkeiten zur Geltung kommen und alle Zusammenhänge innerhalb der Erzählwelt klar sind. Das impliziert auch, dass die Sprache und die Gedanken der jugendlichen Figuren ihrem Alter entsprechen und die humorvolleren Passagen oder Beschreibungen sich nicht zu kindlich lesen. Da wird eine klare Grenze gezogen zwischen Kinderbuch und Jugendbuch. Speziell bei den Szenen, in denen ich versucht habe, es etwas harmloser, gediegener anzugehen, hieß es: Das ist viel zu niedlich, mach es düsterer, apokalyptischer!

Okay, dachte ich mir, kein Problem, mit der Apokalypse kenne ich mich aus. Wenn ich aber 30 Jahre zurückblicke und vergleiche, was Lesern ab 12 Jahren zu meiner Zeit angeboten wurde und was ihnen heute zugemutet wird, muss ich gestehen: Die jugendliche Zielgruppe ist abgebrühter geworden.

Phantastik-Couch.de: Warum hat man so lange nichts von Ihnen gehört?

Michael Marrak:
_ nicht laut genug veröffentlicht
_ von Außerirdischen entführt worden
_ mit dem Schlauchboot nach Grönland gepaddelt
_ im Stringraum mit meinem Ich von 2002 kollidiert
_ in Abydos ins falsche Taxi eingestiegen
_ aus Versehen drei Jahre geschlafen
Zuzutrauendes bitte ankreuzen.

Okay, ernsthaft: Manchmal muss man, metaphorisch gesagt, einen ziemlich weiten Weg zurückgehen, um Anlauf zu nehmen. Ausreichend Anlauf, um ein Hindernis zu überwinden – oder besser gesagt: um sich selbst neu zu erfinden. Oder in der Sprache einer beliebten Fernsehserie gesagt: Es war an der Zeit, die Lebensparameter neu zu definieren.
Ich hatte damals zwar eine klare Vorstellung vom Ziel, das ich erst hier und heute mit Erscheinen von „;Kinder der Sonne“ erreicht sehe, aber ich wusste nicht, was bis dorthin geschehen würde. Es ist wie ein langer Tunnel, durch den man drei Jahre lang unterwegs ist, ehe man den Ausgang erreicht. Man weiß zwar, was einen am anderen Ende erwartet, aber nicht, was auf dem Weg dorthin passiert. Murphys Gesetz lauert überall. Somit war es nötig, mich auch dahingehend abzusichern und für eine gewisse Zeit einen Großteil meiner Selbstständigkeit aufzugeben. Dies ist jedoch angesichts der Gelegenheit, dem Produktionsprozess eines SF-Computerspiels beizuwohnen und in Zusammenarbeit mit Concept-Artists, Game-Designern und Codern die Story dafür zu entwickeln, alles andere als nachteilig. Wenn ein Tag doch nur 30 Stunden dauern würde anstatt 24 …

Es gab in den vergangenen zwei Jahren daher keinen wirklichen Grund, etwas von mir hören zu lassen. Mein alter Vertrag mit Lübbe war aufgelöst, und der neue Roman für Ravensburger erst für 2008 angekündigt. Diese Auszeit und Ruhephase gab mir die Möglichkeit, gewisse Dinge zu überdenken und die Prioritäten neu zu ordnen. Zudem habe ich seit Frühjahr 2006 täglich zwei Vollzeitjobs – Jugendroman und Computerspiel – zu managen. In der wenigen Freizeit, die mir dabei blieb, hatte ich wirklich Sinnvolleres zu tun als Publicity zu betreiben und mich hier oder da ins Gespräch zu bringen, nur um „;die Lunte am Glimmen“ zu halten. Falls die Produkte, an denen ich arbeitete, die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, wird dies früher oder später von ganz allein geschehen und die Maschinerie auch ohne mein Zutun wieder in Gang setzen.

Für mich ist der Auftritt als Autor in der Öffentlichkeit eine Rolle, die ich nur mit einem gewissen Unbehagen spiele. Es ist gewiss nicht unangenehm, Erfolg zu haben und somit im Gespräch zu sein. Ich brauche jedoch keinen ständigen Rummel um meine Person, weil ich mich nur dadurch definiere, wie oft mein Name in den Medien auftaucht. Andere haben das vielleicht nötiger.

Ich habe mein Leben selten zuvor so rigoros umgekrempelt habe wie 2005/2006. Neue Stadt, neuer Verlag und Vertrag, neue Projekte, Perspektiven und Ziele – und mit dem ganzen Brimborium auf zu neuen Ufern. Aber ein solcher Schritt ist nicht nur mit Gewinn verbunden, sondern unweigerlich auch mit Verlusten. Der gesamte Prozess dauerte anderthalb Jahre, und ich wusste von Beginn an, welche Opfer ich dafür werde bringen müssen. Als solche zu Buche standen am Ende der Vertrag mit Lübbe, die Kontakte zu diversen Leuten, die eine falsche Vorstellung von Freundschaft pflegen, ein Großteil meiner Selbstständigkeit und eine langjährige Beziehung.

Das Erstaunliche dabei ist zu erkennen, an welch fragwürdigen Dingen man aus Gewohnheit unsinnigerweise festhält, ohne zu merken, dass sie doch nur ihrem eigenen Kurs folgen und ihren eigenen Gesetzen gehorchen können – und wie wenig sie einem fehlen, nachdem man sie endlich losgelassen hat.

Phantastik-Couch.de: Es waren ja diverse Bücher bei Lübbe und Thienemann angekündigt – was geschah mit den Entwürfen, den Manuskripten?

Michael Marrak: Das Konzept und die ersten fünf Kapitel für den Lübbe-Roman ruhen in meiner „;Projekte-Box“. Zwar habe ich daran seit Jahren nicht mehr gearbeitet, doch ich sammle weiterhin Ideen und Recherchematerial, wenn auch nur sehr sporadisch.
Wesentlich weiter fortgeschritten ist der Episodenroman, den ich Lübbe nach „;Imagon“ angeboten hatte; ein Projekt, das mir aufgrund seiner Atmosphäre, Stimmung und Thematik sehr am Herzen liegt. Keine SF, sondern düstere Phantastik und mehr mit „;Imagon“ zu vergleichen.

Das einst für Thienemann konzipierte Projekt und der dieser Tage bei Ravensburger erschienene Jugendroman sind identisch: es ist die „;Aion“-Trilogie. Thienemann und sechs, sieben weitere Verlage hatten das Manuskript damals ebenfalls vorliegen. Letztlich waren sie zu unentschlossen und zu langsam, sodass Ravensburger den Zuschlag erhielt.

Phantastik-Couch.de: „;Lord Gamma“ erschien bei Shayol, mit „;Morphogenesis“ wechselten Sie dann zu Bastei-Lübbe, jetzt habe Sie bei Ravensburger eine verlegerische Heimat gefunden – warum dieser ungewöhnliche laufende Wechsel?

Michael Marrak: Den damaligen „;Wechsel“ zu Lübbe sehe ich keinesfalls als Unstetigkeit, sondern als elementar wichtigen Schritt nach vorn. Schließlich ist der Sprung ins Programm eines großen Publikumsverlages etwas, von dem jeder Autor in seinen jungen Jahren träumt. Zumindest fast jeder.

Was Lübbe und Ravensburger betrifft, möchte ich das nicht wirklich als Wechsel verstanden wissen, sondern als einen Zustand, der am ehesten als „;ruhende Mitgliedschaft“ bezeichnet werden könnte. Fakt ist, dass ich Lübbe Anfang 2006 gebeten habe, den bestehenden Vertrag für das nächste Buch aufzulösen – mit der Vorzugsklausel, dass sie die ersten sind, denen das Manuskript des nächsten Erwachsenenromans zur Prüfung vorgelegt wird.
Abgesehen davon veröffentlichen viele Autoren ihre Jugend- und Erwachsenenromane in unterschiedlichen Verlagen, da der angestammte Verlag (wie in meinem Fall damals Lübbe) keine Jugendbücher verlegt. Beispiele dafür sind Andreas Eschbach mit Lübbe/Arena, oder Kai Meyer mit Lübbe/Loewe. Ich glaube, es ist auch nicht unbedingt von Vorteil, wenn sowohl die Jugend- als auch die Erwachsenenbücher eines Autors beim selben Verlag erscheinen. Der Verlag hat da sicher gerne eine klar abgesteckte Linie, der Autor ebenfalls, und die Leser aufgrund der Unmengen von Büchern, die jährlich in den Handel kommen, sowieso.

Phantastik-Couch.de: „;Das Aion“ ist einer der Schwerpunkttitel bei Ravensburger im Buchfrühjahr – das ist viel Ehre, aber natürlich auch eine große Erwartungshaltung, die an Sie herangetragen wird. Ist das eher ein Ansporn oder sehen Sie das mit gemischten Gefühlen, wenn Ihr Buch so herausgestellt wird?

Michael Marrak: Es ist zweifellos ein Ansporn, keine Frage. Laut Verlag waren alle Buchhändler-Rezensionen zu den „;Aion“-Leseexemplaren durchweg euphorisch, aber Buchhändler gehören ja nicht zur eigentlichen Zielgruppe. Die Feuertaufe kommt erst noch. Die Sparte Jugendbuch ist für mich zudem völliges Neuland und die Veröffentlichung des Romans daher schon fast so etwas wie ein Debüt. Dass es im Schwerpunktprogramm stattfindet, macht das Ganze natürlich zu einer ziemlich spannenden Sache. Dummerweise ist mein Foto im Buch abgedruckt, daher kann ich mich nicht unerkannt „;unters Buchhandelsvolk mischen“. Na ja, vielleicht verkleidet, mit Holzbein, Augenklappe und aufblasbarem Papagei auf der Schulter …

In Japan werden Stoff-Tarnanzüge verkauft, die man sich notfalls überstülpen kann, falls man sich nachts verfolgt fühlt – in den Ausführungen „;Cola-Automat“ für Frauen und „;Hydrant“ für Kinder. Vielleicht gibt’s die ja inzwischen auch in der Ausführung „;Bücherregal“, für Autoren, die in Buchhandlungen nicht erkannt werden wollen …

Phantastik-Couch.de: Mit dem Prestige eines Schwerpunkttitels wird von Ihnen sicherlich auch ein größeres persönliches Engagement erwartet. Wie sieht es mit Terminen aus – was ist hier in Planung – sind z.B. Lesereisen etc. geplant?

Michael Marrak: Leider lässt meine Arbeit am „;Aion 2“ und an „;Black Prophecy“ mittelfristig so gut wie keine Auszeit zu. Ich bin seit Frühjahr 2006 mit zwei Vollzeitjobs ausgelastet, was gehörig an die Substanz geht und längerfristige Planungen außerhalb dieser beiden Tätigkeiten derzeit so gut wie unmöglich macht. Eine richtige Lesereise kann es daher – zumindest aus jetziger Sicht (Stand: Januar 2007) – wahrscheinlich erst zu Band 2 geben. Ich schreibe bewusst „;kann“, nicht „;wird“.

Phantastik-Couch.de: In wie weit haben Sie auf die äußere Gestaltung des Buches Einfluss nehmen können?

Michael Marrak: So gut wie gar nicht, aber das war auch nie meine Absicht. Ich wusste, dass für das Buch ein exklusives Covermotiv angefertigt werden würde, daher war ich lediglich auf das Ergebnis gespannt. Taschenbuchverlage greifen im SF- und Fantasy-Bereich dagegen bevorzugt auf die Archive von Bildagenturen zurück, wobei dann die Titelmotive oft rein gar nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Ein traditionsreicher Jugendbuchverlag wie Ravensburger weiß jedoch, wie zielgruppenorientierte Covergestaltung aussieht. Mit Peter Gric, von dem bereits die Cover zu Thomas Finns Trilogie um die „;Chroniken der Nebelkriege“ stammen, hat man zudem einen Künstler gewonnen, den ich sehr schätze und dessen Werk ich seit langem interessiert verfolge.

Phantastik-Couch.de: Die für mich interessanteste Idee war die fliegende Stadt die gleich dem ewigen Juden permanent über der Erde unterwegs ist. Wie kommt man auf solch eine Idee? Gibt es in den weiteren Bänden ähnlich außergewöhnliche Schöpfungen?

Michael Marrak: Für so eine außergewöhnliche Idee halte ich die Stadt eigentlich gar nicht. Das mag vielleicht daran liegen, dass ich sie bereits seit zwanzig Jahren immer wieder literarisch „;besucht“ habe. Darabar hat optisch viel gemein mit der fliegenden Insel Laputa aus Swifts „;Gullivers Reisen“ (nicht zu verwechseln mit der virtuellen Nation „;Freie Republik Laputa“). Eine fliegende Stadt ist etwas, das mich bereits in frühester Jugend fasziniert hatte. Im Gegensatz zu Darabar können die Bewohner Laputas ihre Stadtinsel jedoch mittels Magnetsteinen steuern und meines Wissens sogar landen, während Darabar nur stur geradeaus fliegt. Warum sie das tut, erfährt der Leser im zweiten Band.
Über Ideen oder Handlung zukünftiger Bücher, von denen selbst der Verlag nur die Exposés kennt, spreche ich nicht gerne. In Band 2 werden die Leser jedenfalls auch die riesige Terramotus-Fabrik von Innen kennen lernen; eine Anlage, die man vielleicht am ehesten mit dem unterirdischen Hive-Laborkomplex der aus „;Resident Evil“ oder der Black Mesa-Forschungsanlage aus „;Half Life“ vergleichen könnte. Nur dass sie ungemein größer ist und darin keine Zombies oder Kreaturen aus einer anderen Dimension herumspuken, sondern …Na ja, das erfährt man dann ebenfalls 2009.

Phantastik-Couch.de: Nun kann man, so man nur Google bemüht unter www.aiononline.com ein projektiertes Aion-Rollenspiel finden. Das hat aber wohl nichts mit Ihrer Trilogie zu tun? Normalerweise sind Titelrechte etc. geschützt – wie kam es zu der Namensähnlichkeit – ärgert Sie diese?

Michael Marrak: Der Roman hat in der Tat nichts mit dem geplanten MMORPG aus Korea zu tun. Er hieß wahrscheinlich schon „;Das Aion“, bevor die Koreaner überhaupt daran dachten, ein Online-Spiel selbigen Namens zu entwickeln. Ich ärgere mich immer wieder über die asiatische Unart, die europäische Mythenwelt auszuschlachten. Ein Grund dafür könnte – zumindest beim kommenden Aion-Rollenspiel – der koreanische Mangel an eigenen Mythen sein. Mein „;Lexikon der Götter und Dämonen“ listet für Europa rund 1200 himmlische und höllische Vertreter auf. Blättere ich im Register (geordnet nach Völkern und Religionen) bis zum Stichwort „;Koreaner“, gibt einem das schon zu denken: ganze fünf (5!) Götternamen stehen da einsam untereinander; Chesok, Hananim, Kud, Palk und Tan-Gun mit Namen. Für ein Massively Multiplayer Online Role-Playing Game ist das natürlich etwas mager. Kein Wunder, dass man sich da generell ein wenig in der überregional tätigen Götterwelt umschaut ...Dass ein fast gleichnamiges Rollenspiel geplant ist, erfuhr ich zum ersten Mal kurz vor der Buchmesse 2006, als der erste „;Aion“-Teil zur Hälfte geschrieben und der Name längst im Verlag etabliert war. Fast ein Jahr lang grübelten sowohl meine Lektorin als auch ich über mögliche Alternativtitel, wobei die meisten davon inzwischen als Namen der einzelnen Buchteile oder Kapitel dienen. Schließlich kamen wir überein: es gibt auf Götter kein Copyright. „;Aion“ bleibt „;Aion“, basta. Dennoch gehe ich davon aus, dass es Verwechslungen geben und der eine oder andere glauben wird, „;Das Aion“ sei ein Roman zum Spiel – wobei ein Teil der sogenannten Gamer-Generation wahrscheinlich noch nie im Leben ein Buch gelesen hat. Zumindest kein „;nicht-elektronisches“. Daher nochmal zum ganz langsam Lesen: „;Das Aion – Kinder der Sonne“ und „;Aion – The Tower of Eternity“ sind gänzlich verschiedene Projekte und haben nichts miteinander zu tun. Ich bin gespannt, wie oft ich das in den kommenden Jahren noch schreiben/versichern/schreien/röcheln/beten werden muss.
Wie es um den Storyhintergrund des Aion-Rollenspiels bestellt ist, lässt vielleicht ein Blick auf dessen Lokalitäten erahnen. Das Gute (Engel) kämpft natürlich gegen das Böse (Dämonen). Die dunkle Welt heißt Asmodae (Aua ...) und ihre Hauptstadt Pandaemonium (Doppel-Aua ...). Die helle Welt dagegen nennt sich Elysea, ihre Hauptstadt Elysium Sanctum. Für Koreaner/Asiaten mögen diese Namen nach wunder was klingen, in meinen Augen lesen sie sich einfach nur lächerlich. Aber das mag Ansichtssache sein. Rein optisch ist das Spiel jedenfalls eine reine Augenweide.

Phantastik-Couch.de: Haben Sie herzlichen Dank, dass Sie sich für unsere Leser Zeit genommen haben.

Michael Marrak: Danke ebenfalls für das Interesse. Und falls wir das Interesse der Leser geweckt haben: Folgen Sie Ihrem Fernweh. Reisen Sie nach Darabar und treffen Sie das berühmte Ammonion, auf der 5. Ebene, nach 200 Metern links. Es freut sich über Ihren Besuch …

Das Interview führte Carsten Kuhr