Interview mit Monika Felten

„Bei mir überwiegen mehr die mystischen Themen, Magie und Übersinnliches.“

Monika Felten stellte mit „Kristall der Macht“ wieder einen mystischen Fantasy-Roman vor, der ohne epische Schlachten auskommt und dafür auf die überaschenden Handlungen kluger Frauen setzt. Im Interview mit Phantastik-Couch erzählte sie uns, in welcher Tradition sie ihre Romane sieht, was sie privat gern liest und im TV verfolgt und was sie vom „All Age“ Label für Fantasy-Romane hält.

Phantastik-Couch.de: Monika Felten, für den „Kristall der Macht“ haben Sie wieder eine ganz neue Welt erdacht. Was hat Sie dazu inspiriert?

Monika Felten: Zu Anfang waren es drei Dinge: Erstens – der Wunsch einen Roman einmal mit einer Apokalypse beginnen zu lassen. Zweitens – die Enttäuschung darüber, dass ich die Flucht der Elfenpriesterin Gaelithil (aus: Das Erbe der Runen) über das Meer wohl nie werde schreiben können. Und drittens – der Wunsch, mein Zwillingsdasein einmal in einen Roman einfließen zu lassen. Daraus hat sich dann nach und nach die Geschichte entwickelt. Ich bin eine Bauchschreiberin und lasse die Dinge gern ohne vorher lange zu plotten auf mich zukommen.

Phantastik-Couch.de: Eine lebende und eine in der Geist-Welt agierende Zwillingsschwester. Gibt es für diese ungewöhnliche Konstellation ein Vorbild?

Monika Felten: Nein, zum Glück nicht. In „Star Wars“ ist Obi Wans Geist ja nur manchmal zugegen und in Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“ haben Krümel und Jonathan nach dessen Tod erst wieder Kontakt, als auch Krümel stirbt. Aber ich fand den Gedanken eines „Geisterpartners“ schon immer sehr spannend und wollte sehen, wie er sich konsequent sphärenübergreifend umsetzen lässt.

Phantastik-Couch.de: Ihr neuer Roman ist hochdramatisch, kommt aber wieder einmal weitgehend ohne krachende Action aus. Verzichten sie bewusst auf blutige Kämpfe? Ist das einer bestimmten Leserschaft geschuldet?

Monika Felten: Einer bestimmten Leserschaft nicht, wohl aber persönlichen Vorlieben. Obwohl sie in meinen Büchern durchaus vorkommen, bin ich nicht der große Fan von epischen Schlachten und „Hau-Drauf“ Protagonisten. Bei mir überwiegen mehr die mystischen Themen, Magie und Übersinnliches. Das liegt vielleicht daran, dass ich schon mit 12 Jahren am liebsten „Gespenster“-Comics gelesen und später in den Zeitschriften dann alle „wahren“ PSI-Berichte nur so verschlungen habe. Auch heute lese ich gern Berichte über Nahtod-Erfahrungen und schaue mir im Fernsehen am liebsten Filme mit unerklärlichem Hintergrund an (hier oute ich mich mal als großer LOST-Fan). Meine Romane sehe ich am ehesten in der Tradition vor Marion Zimmer Bradley, deren Romane mich in meiner aktiven Lesezeit sehr beeindruckt und berührt haben.

Phantastik-Couch.de: Die Debatte um Fantasy als Jugendliteratur oder so genannte All-Age-Fantasy ist nach wie vor lebendig. Was halten Sie als erfolgreiche Autorin von diesen Klassifizierungen?

Monika Felten: Ich finde das völlig in Ordnung. Es gibt gerade in der Fantasy unzählige Romane, die sich altersmäßig nicht eindeutig zuordnen lassen und eigentlich von 12 bis 99 Jahren gelesen werden können. Meine Nichte ist 13 und hatte inzwischen alle meine Romane gelesen. Aktuell liest sie „Kristall der Macht“, vorher (noch mit 12) hat sie alle vier Zwergen-Bände von Markus Heitz gelesen. Ich kann nicht erkennen, dass es ihr irgendwie geschadet hätte. Ein Problem ist All-Age vielleicht für die Buchhändler, die nicht wissen in welches Regal (Jugend- oder Erwachsenenroman) sie die Bücher stellen sollen. Ich denke aber, es schadet nicht, sie in beide Abteilungen zu stellen.

Phantastik-Couch.de: Ist „Kristall der Macht“ als Einzelroman gedacht? Und wann wird es wieder einen Zyklus aus Ihrer Feder geben?

Monika Felten: „Kristall der Macht“ ist ein Einzelband. Wer das Buch ausgelesen hat, wird verstehen, warum es keine Fortsetzung geben wird. Einen Zyklus habe ich zur Zeit nicht geplant. Aber wer weiß, vielleicht taugt die nächste Romanidee zur epischen Breite.

Phantastik-Couch.de: Einmal mehr dominieren starke Frauen in Ihrem Buch. Warum rücken Sie vor allem weiblichen Protagonistinnen in das Blickfeld Ihrer Leser?

Monika Felten: Über starke Frauen zu schreiben, war Ende der 90er Jahre meine vorrangige Motivation, es selbst einmal mit einem Roman zu versuchen, denn damals waren Frauen in den Romanen oft nur schmückendes Beiwerk des Helden. Starken Frauen waren in der Fantasy dünn gesät, aber als Frau hätte ich gern mehr davon gelesen. Heute ist das natürlich überholt. Sowohl in der Fantasy, als auch im historischen Roman gibt es unzählige Geschichten von starken Frauen. Dass ich sie auch weiterhin in den Mittelpunkt meiner Romane stelle, liegt daran, dass ich mich besser in sie hineinversetzen kann, obwohl sich auch in meinen Romanen auch immer viele männliche Protagonisten finden.

Phantastik-Couch.de: Wie es zu einem guten Fantasy-Buch gehört, ziert eine schöne Landkarte das neue Werk. Entwerfen Sie diese Übersichten selbst?

Monika Felten: Meistens zeichne ich mir eine Skizze der Welt parallel zum Schreiben. Das erleichtert es ungemein, die Himmelsrichtungen zu bestimmen und Reiserouten zu beschreiben. Die Skizze gebe ich dann später an den Kartenzeichner weiter, der dann aber auch noch das Manuskript liest, ehe er die Karte gestaltet. In „Kristall der Macht“ habe ich zu ersten Mal ohne so eine Skizze gearbeitet. Die Landkarte hat der Zeichner entworfen, nachdem er das Mauskript gelesen hat.

Phantastik-Couch.de: Was dürfen Ihre Fans als nächstes Buch erwarten, und mögen Sie schon etwas dazu verraten?

Monika Felten: Aktuell arbeite ich an einem All-Age-Fantasyroman, der im April bei cbj erscheinen soll. Zuviel möchte ich dazu noch nicht verraten, aber es steht wieder ein junges Mädchen im Mittelpunkt, dem das Schicksal eine schwer Bürde auferlegt hat. Es geht um große Magie und darum eine drohende Katastrophe zu verhindern, aber auch um Liebe. Wie schon in „Kristall der Macht“ und „Das Vermächtnis der Feuerelfen“ spielt auch hier die Welt der Toten eine Rolle und der Kontakt zu Menschen, die ihr Wissen mit ins Grab genommen haben.

Das Interview führte Andreas Kurth