Interview mit T. C. Rypel

„Ich glaube, dass jeder Mensch mit bestimmten Begabungen geboren wird.“

Ted C. Rypel ist ein Fantasy-Autor alter Schule, aus einer Zeit, bevor Drachen zu Schoßtieren wurden und Zauberlehrlinge auf Abenteuer auszogen. Allen Gerüchten zum Trotz hat er nicht Seppuku begangen,sondern lebt in Middelburg Heights, Ohio, am Ufer des Erie-Sees.

Phantastik-Couch.de: Hallo Ted. Zur Einführung darf die Frage nach den persönlichen Verhältnissen nicht fehlen – wer verbirgt sich hinter dem Namen T. C. Rypel.

T. C. Rypel: Hallo, ich bin mit Christine, einer Krankenschwester, verheiratet und lebe in einem Vorort von Cleveland, Ohio. Unsere vier mittlerweile erwachsenen Kinder und sechs Enkelkinder sind überall in den ganzen USA verteilt – von Tennessee bis nach Kalifornien. Daneben bin ich ein wahrer Fitness-Verrückter. Ich muss mich einfach jeden Tag bewegen, und trainiere dabei dann auch immer wieder die guten alten Kampfsportarten. Die Nachricht von meiner „Verrentung“ sind ein klein wenig übertrieben. Zum einen kann ich es mir finanziell gar nicht leisten, wirklich in Rente zu gehen und nichts mehr zu tun, zum andern würde ich dies auch gar nicht wollen. Es fällt mir jetzt schon schwer, ein wenig kürzer zu treten und auszuruhen. Ich brauche einfach das Gefühl, gebraucht zu werden, etwas Sinnvolles mit meiner Zeit anzufangen. Zwar bin ich kürzlich in den Vorruhestand des US Post Service gegangen – ja ich war einer dieser verdrossenen Postler, von denen sie vielleicht schon gehört haben – aber ich habe mir fest vorgenommen, meine dadurch frei gewordene Zeit mit dem Schreiben zu füllen. Die Zeit scheint einfach reif zu sein, mich dem wieder zu widmen und die Freude am fabulieren ist auch wieder da. Etwa zur selben Zeit begann die Gerüchteküche in Hinsicht auf meine Gonji-Reihe zu brodeln, scheinbar erwachte das Interesse an meinen Büchern neu und so schien es wohl vorbestimmt zu sein, dass ich zukünftig wieder mehr vor der Tastatur sitze als die vergangenen Jahre.

Phantastik-Couch.de: Wie kamst Du eigentlich zum Schreiben?

T. C. Rypel: Ich glaube, dass jeder Mensch mit bestimmten Begabungen geboren wird. Je nach Veranlagung und Förderung kann man diese Veranlagungen dann mehr oder minder für sich nutzen. So kann jemand, dem das Schreiben in die Wiege gelegt wurde, sicherlich lernen, ein besserer Autor zu werden, aber die Fähigkeit, mittels Wörtern Bilder zu malen, muss einem schon gegeben sein. Seit meiner frühen Jugend war ich fasziniert davon, wie man durch eine Kombination von Worten Geschichten erzählen konnte. Schon früh entdeckte ich dabei, dass meine Geschichten für andere ganz unterhaltsam waren. So zirkelten meine erfundenen Abenteuer-Lügen unter zehn Brieffreunden, und die fragten immer nach mehr. So ermutigt verbreitete ich meine literarischen Ergüsse auch in der Schule, nur um festzustellen, dass selbst die Lehrer einander meine Stories vorlasen. Als ich dann noch herausfand, dass Verlage bereit waren, für solche Geschichten bares Geld zu bezahlen, war es um mich geschehen. So begann ich dann als junger Teenager damit, meine Lieblingsautoren, die zumeist im phantastischen Genre beheimatet waren, zu kopieren. In diesem Zug fand ich dann heraus, wie die Konkurrenz um die Futtertöpfe doch die die Motivation auf die Sprünge bringt. Ich begann damit erste Filmrezensionen und Kurzgeschichten an Szenemagazine und Fanpulikationen zu verkaufen, aber erst als es mir gelang, einen Artikel über die ursprüngliche Fernsehserie „Outer Limits“ an ein landesweites Profimagazin zu verkaufen begann ich, eine Karriere als Profiautor wirklich in Erwägung zu ziehen. Während der Recherchen zu „Outer Limits“ lernte ich dann den mittlerweile verstorbenen Joseph Stefano kennen und schätzen, mit dem mich in der Folgezeit eine enge Freundschaft verband. Der Mann, der das Drehbuch zu Robert Blocks „Psycho“ schrieb, wurde nicht nur ein Freund, sondern auch mein Mentor und Vorbild. Er lobte und kritisierte mich und meine Arbeit, machte mir Mut. Kurz darauf begann ich mit den Gonji-Büchern .

Phantastik-Couch.de: Hast Du Zeit für Hobbies?

T. C. Rypel: Mal abgesehen von meinen bereits erwähnten sportlichen Aktivitäten begeistere ich mich für Filme und lese natürlich sehr viel. Autoren finden Anregungen in fast allem, was ihnen begegnet. Sei es die Inhaltsangabe einer Müsli-Mischung, die Beschreibung einer Matratze oder ein Tattoo, alles regt die Phantasie an. Und so war mir meine Begeisterung für den Kampfsport – Taekwondo – immer eine Inspiration. Leider komme ich nicht mehr ganz so regelmäßig zum trainieren, mal abgesehen von den Dehnübungen. Dennoch haben mich die vermittelten Denkschemata und Anschauungen gerade während der Arbeit an der Gonji-Serie inspiriert. So habe ich viele der Schlacht- und Kampfszenen entsprechend choreographiert, wobei mir ein Freund, der ein Kendo-Studio führt, beratend zur Seite stand. Manchmal vermisse ich die gute alte Zeit. Daneben habe ich mich jahrelang für Eishockey begeistert.

Phantastik-Couch.de: Wer hat Dich und Deine Art zu schreiben beeinflusst – wer sind Deine Vorbilder?

T. C. Rypel: Joseph Stefano habe ich ja schon erwähnt. Von ihm habe ich viel über den Entwurf eines glaubhaften Charakters gelernt, wie man mit einigen wenigen Strichen eine Person zeichnet. Daneben hat er mir unheimlich viel über das Entertainment Business beigebracht. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen, ist eine diffizile Aufgabe. Und dann natürlich, was man in einem Roman darf und was nicht. Was ist eine erlaubte, ja begeistert aufgenommene Neuerung, und an welchen Grundsätzen und Anschauungen darf man nie rütteln.

Daneben ist Robert E. Howard naturgemäß gesetzt. Wir alle habe zu Beginn versucht, seine Gabe, die Raserei im Kampf zu überzeugend zu beschreiben, den bedingungslosen Willen zum Angriff zu kopieren. Daneben natürlich Fritz Leiber für seinen Witz, die ungemein clevere Art, seine Handlung aufzubauen. Lovecraft war der erste Autor, den ich versucht habe zu kopieren – und wie so viele andere bin ich dabei kläglich gescheitert. In meiner Jugend wuchs ich mit dem Geräusch aufeinander treffender Waffen auf. Seien es die vier Musketiere, Ivanhoe, oder Rafael Sabatinis Abenteuerbücher, das alles löste in meinem Kopf Phantasien von unermesslichen Schätzen, von Eroberungen und romanischen Abenteuern aus.

Im Fantasy-Boom der 70er Jahre entdeckte ich dann eine ganze Reihe verwandter Autoren – Karl Edward Wagner, Michael Moorcock, meinen guten Freund David C. Smith, die tollen Romane von Roger Zelazny und das tiefgründige Werk eines Stephen R. Donaldson. Tatsächlich aber lernte ich das Meisterwerk des „Herrn der Ringe“ erst kennen und schätzen, lange nachdem ich meine Gonji-Bücher verfasst hatte. Davor habe ich ganz bewusst den „Herrn der Ringe“ gemieden – vielleicht war der HdR zu anspruchsvoll für mich, vielleicht wollte ich auch nur der Gefahr, mich zu sehr in meiner Art was und wie ich erzähle, beeinflussen zu lassen, aus dem Weg gehen.

Ein Buch zu schreiben ist für mich ein sehr optischer Vorgang. Während ich meine Handlung plane, sehe ich den Plot förmlich vor mir, und aus dieser filmischen Vorlage destilliere ich dann die für einen Leser wichtigen Details. Ich muss zugeben, das ich von Filmen mindestens ebenso stark beeinflusst wurde wie von Büchern. Natürlich rede ich hier nur von dem Plot – wie man etwas ausdrückt, welche Worte man verwendet, kann man nur aus möglichst guten Vorbildern lernen.

Phantastik-Couch.de: Welche Bücher liest Du?

T. C. Rypel: Fast alles kann auf meinem Nachttisch auftauchen, und mittlerweile liegt da nicht nur ein Stapel. Natürlich gibt es da einen Stapel mit Fachliteratur zur Recherche, einen mit Unterhaltungsliteratur und einen mit Büchern, die mir Freunde ausgeliehen und ans Herz gelegt haben. In letzter Zeit habe ich viele Fantasy-Jugendbücher gelesen – Lemony Snicket, Harry Potter, Cornelia Funke, Philip Pullman oder Nancy Farmer und natürlich die Bücher meines Freundes Kai Meyer. Dazu Kurzgeschichten von Ray Bradbury sowie Romane von Charles Dickens, Raymond Chandler, Jim Thompson und einigen vergessenen Autoren des Pulp-Zeitalters. Dann gibt es noch einen Stapel mit Sachbüchern zu Filmen, Interviews mit Autoren, eine Neuübersetzung der großen Sagen des Altertums, dazu Biographien von Freiheitskämpfern und Tyrannen. Doch ich komme immer wieder auf die großen alten Sagen zurück. Allerdings lese ich wenig von den aktuellen Bestsellerlisten, meist lese ich da nur rein, um zu schauen, was gerade angesagt ist. Die guten alten Bücher haben es mir da mehr angetan als kurzzeitige Trends.

Phantastik-Couch.de: An was arbeitest Du momentan?

T. C. Rypel: Ich habe gerade ein Drehbuch für einen übernatürlichen Western namens „Savage Frontier“ beendet, das ich im Auftrag von Shadowcast Pictures, ein Independant Filmstudio aus Hollywood verfasst habe. Meine Tochter Beth arbeitet bei denen und hat das letztes Jahr vermittelt. Voriges Jahr konnte ich auch die Filmrechte an einer Novelle – The Animus – verkaufen. Dann versuche mich mich gerade an einem illustrierten Fantasy-Kinderbuch in Reimen, dem ich den Arbeitstitel „Screaming Willie – The Directors Cut“ gegeben habe. Mit Gary Dumm, dem Illustrator des „Screaming Willie“ ist ein Graphic-Novel, das nach dem Weltuntergang spielt, angedacht. Und dann gibt es da noch mein Magnus Opus. Vor mehr als 10 Jahren begonnen geht es in „When Next he Appears“ um einen übersinnlichen Thriller, in dem Magier und eine Internationale Verschwörung eine große Rolle spielen.

Im Hintergrund lauert auch mein sechster Gonji-Roman. Ich würde die Serie liebend gerne so zu Ende führen, wie ich das ursprünglich geplant hatte. 1977, als ich „Deathwind of Vedun“ (Der Wind des Todes) anfing, wurde mir schnell klar, dass sich das große Bild in einer Trilogie nicht darstellen lassen würde. Gonjis faszinierende Queste würde sich wohl über insgesamt neun Bände hinziehen. Zebra, mein US-Verlag, bot mir dann einen Vertrag über drei Bücher an. Ich entschied mich dann, nicht die ersten drei projektierten Romane einzureichen, sondern mit den Bänden 4 bis 6 der Deathwind-Trilogie zu beginnen. Zwar fehlt dann die Vorgeschichte, aber ich wollte diese Geschichte unbedingt in gedruckter Form veröffentlicht sehen, so dass ich die Vorgeschichte erst einmal unter den Tisch fallen ließ. Als Zebra dann nach mehr verlangte und ich chronologisch die ersten drei Bände anbot, wollte der Verlag zeitlich nicht in die Vergangenheit zurückgehen. Das ist auch der Grund dafür, dass Gonji sich immer wieder an Ereignisse erinnert, über die der Leser nichts wissen kann. Leider kam ich bislang nicht dazu, die Vorgeschichte niederzuschreiben.

Phantastik-Couch.de: Kai Meyer schrieb in seinem Vorwort, dass Du förmlich untergetaucht bist. Nirgendwo gab es Hinweise auf den Autor T. C. Rypel, nur die fünf erschienen Gonji-Romane waren antiquarisch auffindbar, der Autor schien von der Bildfläche verschwunden zu sein. Warum hast Du aufgehört zu publizieren – die Gonji-Titel waren ja wirtschaftlich gesehen ein Erfolg?

T. C. Rypel: Meine Bücher hatten ihre Leser, aber auf den Bestsellerlisten waren sie nie zu finden. Insoweit hatte ich nie einen solchen Namen in der Verlagsbranche, dass mir die Verlage die Tür eingerannt hätten. Dass ich in der Versenkung abgetaucht bin. war eher eine Verkettung unglücklicher Umstände als Absicht. Zum einen wurde ich damals von einer Agentur vertreten, die nicht sehr glücklich agierte. Statt sich mit den geringeren Tantiemen, die im Fantasy-Markt bezahlt wurden, zufrieden zu geben, wollte mein Agent mich in einem der besser bezahlten Genres platzieren – ob ich dies wollte oder nicht. Ich verbrachte viel Zeit damit, neue Fantasy-Romanprojekte auszuarbeiten, die mein Agent dann als uninteressant oder unverkäuflich ablehnte. Als Zebra Books, mein US-Verlag seine Fantasy-Edition stoppte, stand ich plötzlich ohne Verleger da. Einen anderen Verlag für eine begonnene Serie zu begeistern, ist kaum möglich – so zumindest die Aussage meines Agenten – und ich verschwand langsam aber sicher in der Versenkung. Mein Name als Autor geriet mangels neuen Büchern in Vergessenheit, und ich klammerte mich viel zu lange an einen Agenten, der mich nicht richtig vermarkten konnte oder wollte. Was, wenn mein Agent recht hätte? Was, wenn ich wirklich die Idee für eine Serie in mir hätte, mit der ich eine Marktlücke entdecken und besetzten könnte? Agenten und Lektoren suchen ja immer nach der Marktnischen, als ob die Leser nicht wüssten, was sie lesen wollten, und was ihnen gefällt. Mit der richtigen Unterstützung an Promotion kann man viel erreichen und aus einem unbeachteten Nischenautor einen auflagenstarken Bestseller kreieren.

Sei´s drum, ich schrieb immer weniger, widmete mich meinem Beruf und meiner Familie. Dazu kam, dass ich an Selbstbewusstsein verlor, da ich ja keinen Verleger mehr hatte – das, was mir in die Wiege gelegt worden war, Geschichten zu erzählen, erwies sich als Sackgasse – war mein Leben sinnlos und zu Ende? Das ist etwas, das die Magazine und die Schreiblehrstätten nie erwähnen. Auch wenn man endlich ein oder mehrere Bücher veröffentlicht hat, heißt das noch lange nicht, dass man auch auf immer im Markt präsent sein wird. Und so verschwand ich von den Buchregalen. Aber Gonji erwies sich als langlebiger und zäher als gedacht. Über die Jahre wurde ich unzählige Male gefragt, was mit ihm weiter passierte, ob ich die Serie fortsetzen würde.

Phantastik-Couch.de: Du bist nicht nur als den Buchhandlungen verschwunden, Dein Name taucht auch im www nicht auf – keine Internetseite, nichts. Bist Du ein introvertierter Mensch, der lieber seine Bücher für sich sprechen lässt?

T. C. Rypel: Menschen, die mich kennen, werden sich schütteln vor Lachen, dass man ausgerechnet mich fragt, ob ich schüchtern bin. Nein, ganz im Gegenteil. Ich bin eher ein extrovertierter Typ, der sich mit Freunden und Bekannten umgibt und vorneweg marschiert.

Nein, ich liebe es, mich über meine Bücher zu unterhalten, solange ich meinen Gesprächspartner nicht langweile. Ich habe mich nur ein wenig zurückgezogen, als ich merkte, dass ich meine Gonji-Serie zunächst nicht wie erhofft fortsetzen konnte. Als Baby-Boomer der 60er Jahre habe ich nur etwas länger gebraucht, um mit dem Internet warm zu werden. Mir war es schlicht egal, ob ich mit der Zukunft vernetzt wäre oder nicht – meine literarische Zukunft schien vorbei zu sein. So ignorierte ich die literarischen Foren, in denen über Gonji diskutiert wurde, und nur meiner Familie und Freunden, die mich immer wieder darauf hinwiesen, dass über Gonji nach wie vor lebhaft diskutiert wurde, ist es zu verdanken, dass ich mich der virtuellen Welt geöffnet habe. Meine Tochter Beth schrieb in einem Robert-E.-Howard-Forum etwas über mich und erhielt eine überwältigende Reaktion bezüglich meiner Gonji-Bücher. Dann suchten Kai Meyer und andere aus dem Verlagswesen Verbindung mit mir, und ich tauchte behäbig aus der Versenkung wieder auf. Die Leute sagen mir immer wieder, dass ich unbedingt eine eigene Webseite brauche, aber da benötige ich als technischer Laie erst mal professionelle Hilfe.

Phantastik-Couch.de: Ich verstehe die Gonji Bücher – soweit ich sie bislang gelesen habe – auch als Kritik an der westlichen Gesellschaft, die Werte wie Freundschaft, Verlässlichkeit, Ehrlichkeit und Würde scheinbar vergessen hat. Ist das etwas, was Du persönlich an unserer Gesellschaftsform bemängelst?

T. C. Rypel: Ich denke, dass all die nobleren Charakterzüge in unserer modernen Leistungsgesellschaft leider nicht mehr den Stellenwert, die Bedeutung haben wie früher. Zwar habe ich, als ich die Bushido-Ethik von Gonji schuf, nicht nur auf die westliche Welt geschielt, aber natürlich war mir dies ein Anliegen. Und auch Gonji hat seine Fehler und verhält sich so manches Mal entgegen seinem eigenen Kodex und verletzt seine Prinzipien. Das ist nur menschlich. Das Interessante für mich und Gonji war doch, das Aufeinanderprallen dieser beiden so unterschiedlichen Gesellschaften – der strengen japanischen Kultur mit all ihren Ehrbegriffen und der westlichen Welt – aufzuzeigen. Als Lehre habe ich versucht meiner Handlung beizugeben, dass man nicht zu sehr an seinen Überzeugungen kleben sollte, dass man mit Toleranz und Flexibilität auf andere Kulturen und Menschen zugehen sollte. Ein anderer Autor sagte mir einmal, dass er meine Gonji-Serie sehr schätzen würde, aber nicht genau sagen könne, warum. Es würde gar keinen Kern einer üblichen Heldenqueste geben – und genau das ist es doch, das auch unser Leben auszeichnet. Wir alle müssen zunächst einmal mit unserem Alltag zurechtkommen, uns auf die Gegebenheiten einstellen, müssen von Überzeugungen Abschied nehmen, uns neu orientieren und neue Ziele suchen und setzen.

Phantastik-Couch.de: Wenn man die Gonji Bücher in eine Schublade stecken müsste, würde wohl S&S gemixt mit einer Spur Dark Fantasy draufstehen. Heutzutage wird anderes Material goutiert – der nächste Harry Potter oder Stephenie Meyer gesucht, gar nicht zu reden von der Flut an Urban / Romantik-Fantasy-Serien. Könntest Du Dir vorstellen, in einer dieser Sub-Genres zu schreiben? Was hältst Du von der Fantasy heutzutage? Gibt es überhaupt noch einen Markt für S&S in den USA?

T. C. Rypel: Ja, Gonji ist sicherlich S&S in einem historischen europäischen Umfeld um 1600, in dem ich auf die Mythen und Sagen der damaligen Zeit Bezug genommen habe. Ich muss zugeben, dass ich von der gegenwärtigen Fantasy, mal abgesehen von den Jugendbüchern, nicht sonderlich begeistert bin. Haben die Leser nicht langsam die Drachen und ihre Drachenreiter, die auf und mit ihnen in den Kampf fliegen, satt? (Auch wenn ich zugeben muss, dass im sechsten Gonji-Band genau solch eine Szene vorkommt – was sagt das nun über mich?) Würde Freud die Drachen heute als Motorradersatz für ungezügelte Kraft und Freiheit bezeichnen?

Es gibt zu viele austauschbare Plots, zu viele Wiederholungen in der modernen Fantasy. Kai Meyer zeigt mit seinen fliegenden Mantas in seiner Wellenläufer-Trilogie, dass es auch anders geht. Was für die Drachen gilt, das kann man analog auf Waisen / Wechselbälger oder verschollene Prinzessinnen mit einem Erbe als Regenten oder Magier anwenden. Gibt es wirklich für einen Charakter in einem Fantasy-Roman kein anders Ziel als die Herrschaftswürde? Muss man, um sich für das Amt des Königs oder des Magiers zu qualifizieren, unbedingt ein Waisenjunge sein? Oder die altbekannte jugendliche Heldentruppe, die sich aufmacht, das Böse zu bekämpfen? Diese endlosen Wiederholungen nutzen die Themata unsäglich ab. Brauchen wir diese Pastichen wirklich? Die paradoxe Antwort lautet wohl ja.

Natürlich könnte ich mir vorstellen, in diesen Subgenres zu schreiben, wenn ich damit wieder in den Verlagen Fuß fassen könnte. Zunächst muss auch ich, wie meine Helden auch, meine Rechnungen bezahlen. Aber ich würde natürlich versuchen, unerwartete Wendungen einfügen, interessante Gestalten kreieren, um meine Leser nicht mit einer langweiligen Neuauflage von Bekanntem zu langweilen. Leser verdienen es, dass die Autoren versuchen, die Grenzen zu erweitern, nicht sich nur innerhalb erprobter Schemata zu bewegen.

In „When Next he Appears“, den ich für mich selbst als meinen Anti-Potter bezeichne, beginnt mein Protagonist als magisch begabter Waisenjunge ohne Freunde und Helfer. Er ist ein zurückhaltender, wütender Junge ohne Erinnerungen an seine Herkunft. Er wächst zu einem gestörten, ja beängstigenden jungen Mann heran, der mit seinem Therapeuten daran arbeitet, ausgerechnet die Wesenszüge zu therapieren, die es ihm ermöglichen, Magie zu wirken. Eigentlich will er nur zwei Dinge: Rache und die Wiedererlangung des Teils seiner Seele, die ihm gestohlen wurde. Da gibt es keinen goldenen Thron und auch keinen Schicksalsplan.

Zu der Frage, ob es in den Staaten einen Markt für S&S gibt, eine kurze und knappe Antwort – gegenwärtig nicht. Das gilt für S&S für Bücher, in der mit der Stärke eines Armes oder der Macht von Zaubersprüchen über Machtfragen gestritten wird. Derzeit sind diese Werke nicht unbedingt angesagt, so dass mit der großen Ausnahme von Howard, dessen Bücher wohl immer gelesen und aufgelegt werden, nichts derartiges erscheint. Autoren wie etwa David C. Smith oder Joe Bonadonna haben sich letztes Jahr auf YouTube mit der Frage auseinandergesetzt und kamen zum selben Ergebnis. Sie haben sich zwar auf Barbaren-Fantasy a la Conan oder Smiths Oron konzentriert, aber dasselbe gilt für Solomon Cane oder Gonji. Gegenwärtig ist die S&S in Europa angesagter als bei uns. Dies zeigt sich auch darin, dass die Gonji-Saga in Deutschland aufgelegt wird, während sich in den USA nichts bewegt. Zwar gibt es Interessenten, aber so richtig traut sich niemand an das Projekt heran.

Phantastik-Couch.de: Gonji ist mitnichten der typische Barbarenkrieger. Du beschriebst ihn als einen Mann voller Zweifel, der mit sich und der Welt um ihn herum unzufrieden ist. Warum hast Du Dich ursprünglich überhaupt dafür entscheiden, einen Halbjapaner, Halbeuropäer zum Helden Deines Zykluss zu machen, und wo hast Du bezüglich der Denkweise und Handlungsmuster des Samurai recherchiert?

T. C. Rypel: Schwierige Frage, da muss ich nicht nur tief in mein Gedächtnis abtauchen, sondern gleich ins Unterbewusstsein. Ja, Gonji ist ein unberechenbarer Kämpfer, trotz seines rigiden Kodexes als Samurai. Er trifft immer wieder auf Situationen, in denen er entscheiden muss, ob ein Kompromiss nicht das kleinere Übel ist, zumal er ja weit von zu Hause weg ist. Dazu kommt, dass er ein Halbling ist – sein Vater ist ein Japanischer Daimyo – ein Warlord – seine Mutter war eine Norwegerin, die ein Sturm an die fernen Gestade Nippons warf. Das macht ihn halb Samurai, halb Wikinger. Eine – wie ich meine – interessante Kombination. Und natürlich gerade um 1600 einmalig auf der Welt. Das verschafft ihm nicht nur einzigartige Kampffähigkeiten, sondern auch die Einsicht in zwei ganz unterschiedliche Welten. Ost und West, Asien und Europa. Ich wollte, dass er gleichberechtigt beiden Welten angehört. Die besten Geschichte enden immer mit Entscheidungen, die dem Protagonisten abverlangen, zur Erreichung seines Zieles etwas ihm sehr Wertvolles zu opfern. Wie auch immer er sich entscheidet, er wird etwas verlieren und etwas gewinnen. Welchen Weg wird er gehen? Das ist es, was Autoren in ihren Büchern anstreben sollten. So, wie Gonji immer wieder an Punkte gelangt, an denen er Entscheidungen treffen muss, die so manchem Leser sicherlich sauer aufstoßen werden, so muss er doch genau diesen Weg gehen, um sich selbst, der Person, die er ist, treu zu bleiben. Und darum geht es doch, wenn man eine Figur entwirft und dann in eine Handlung platziert. Sie muss innerhalb der ihr gegebenen Charakterzüge und Parameter in sich logisch und überzeugend agieren. Ich habe immer versucht, mich in Gonji hineinzudenken, und dies so manches Mal über seine inneren Monologe auch dem Leser zugänglich gemacht. Grundsätzlich versucht er sich immer an dem Kodex des Bushido zu orientieren. Er ist geprägt durch seine Erziehung im alten Japan mit seiner streng partiarchischen Kultur. Doch immer wieder mischt sich in seine Entscheidungsfindung der Einfluss seiner Mutter ein, die wie er selbst immer ein Außenseiter in der für sie so fremden Kultur war, die wie ihr Sohn auch gehänselt, verachtet und gemieden wurde. Nicht nur die Verfolgung durch seine Halbbrüder, auch die Ausgrenzung, die er erfahren musste, hat dazu beigetragen, ihn auf seinen Weg ins Exil zu führen. Welch ein Charakter könnte interessanter sein als solch ein Mensch?

Phantastik-Couch.de: Mir fiel auf, dass zumindest im ersten Band kaum ein wirklich starker Frauencharakter im Buch auftritt. Wird sich dies in den nächsten Romanen ändern?

T. C. Rypel: Wow, nur zu, immer her mit den tiefschürfenden Fragen. Bei dieser musste ich lauthals loslachen – sorry. Die Geduld wird belohnt, ich verspreche es. Es werden eine ganze Menge wirklich starker, emanzipierter Frauen Gonjis Weg in seiner Zukunft kreuzen. Ich hatte schon so manche tief gehende Diskussion mit meinen Lesern über dieses Thema. Und auch im ersten Teil gibt es schon Frauen, die ihren Weg gehen. Helen, die ihr Interesse an Gonji deutlich macht, oder die Prophetin Tralayn, die das stützende Rückrat von Vedun darstellt, und Lydia Benedetto, die immer wieder als Stimme der Vernunft mahnt. In den weiteren Bänden werden die Leser feststellen müssen, dass Gonji nicht nur ein überragender Kämpfer, sondern auch ein verletzlicher und unglücklicher Liebhaber ist.

Phantastik-Couch.de: Der Übersetzer der Gonji-Titel, Thomas Schichtel, hat eine sehr einfühlsame, werkgetreue Übertragung vorgenommen. Hattet ihr während seiner Tätigkeit Kontakt?

T. C. Rypel: Thomas war einfach großartig. Wir stehen in permanenten Kontakt, während er die restlichen Titel ins Deutsche übersetzt. Er ist ein wahres Juwel. Immer wieder weist er mich auf kleine Unstimmigkeiten hin, überprüft, wie ich einzelne Ausdrücke meine, was ich damit ausdrücken will, um so zu einer möglichst stimmigen Übertragung ins Deutsche zu kommen. Inzwischen sind wir enge Freunde geworden, und er hilft mir, wenn ich für meine Projekte einen deutschen Ausdruck oder Ähnliches benötige. Natürlich schaut dann auch noch unser brillanter Lektor Helmut Pesch über das Manuskript, eine solch intensive und tolle Zusammenarbeit wie mit Lübbe ist mir noch nie untergekommen.

Phantastik-Couch.de: Der Roman endet mit einem Cliffhanger – ist die Gonji-Trilogie nicht eigentlich ein in drei Teile aufgeteiltes Buch?

T. C. Rypel: Ja, Zebra hat zwar eine Trilogie bestellt, aber eigentlich habe ich dem Verlag eher einen gigantischen Roman vom Umfang eines „Shogun“ eingereicht. Der Verlag hat sich nach Abgabe des ersten Manuskripts auch bitterlich beklagt, dass die Vermarktung eines solch umfangreichen Werkes ein Alptraum sei – vom finanziellen Risiko einmal ganz abgesehen. Um die ganze Geschichte zu verstehen, muss man alle drei Teile lesen, erst dann weiß man, was das Schicksal für Gonji bereit hält. Wie schon erwähnt, war ich der Meinung, dass Gonjis Geschichte meine bedeutendste Schöpfung war, und diese wollte ich natürlich dem Leser an die Hand geben. Wie sich erwies, waren die Verkaufszahlen der Trilogie so gut, dass Zebra noch zwei weitere Bücher unter Vertrag nahm. Allerdings wollten sie eher eine Fortsetzung zur Trilogie, die Vorgeschichte mit den Jugenderlebnisses Gonjis in Japan, den Ereignissen, die ihn dazu getrieben haben, Nippon zu verlassen und nach Europa ins Exil zu gehen, erschienen ihnen verkaufstechnisch nicht so interessant. Obwohl gerade die erste Begegnung Gonjis in Spanien mit der übernatürlichen Gesellschaft Europas so einiges für den Leser in Petto gehalten hätte. Darüber hinaus hätte ich noch Ideen für mindestens drei weitere Bände gehabt, doch so dürfen sich die Leser zunächst erst einmal mit den drei bei Lübbe in Vorbereitung befindlichen Titeln befassen.

Phantastik-Couch.de: Ohne zu viel zu verraten, was passiert in den Bänden zwei bis fünf ?

T. C. Rypel: Weißt Du schon mehr als ich? Wird Lübbe die zwei folgenden Bände auch bringen? Zunächst einmal werden bis zum Frühjahr 2010 die Bücher der Deathwind-Trilogie erscheinen. Die folgenden Titel „Fortress of Lost Worlds“ und „A Hungering of Wolves“ liegen Lübbe vor, hier ist aber wohl noch keine Entscheidung gefallen, ob sie diese veröffentlichen werden. Ich hoffe natürlich, dass sich die Trilogie so gut verkauft, dass die weiteren Bände auch angekauft werden. Zumal in meiner Schreibtischschublade noch ein recht langes fast fertiges Manuskript für den nächsten, den sechsten Gonji Band – „Kingdom of the Dragon“ auf seine endgültige Fertigstellung wartet. Den könnte Lübbe durchaus als Welterstveröffentlichung bringen, da er bis dato auch in den USA noch nicht erschienen ist. Sobald ich hier einen Verlag finde, werde ich mich mit Feuereifer an die endgültige Fertigstellung des Romans machen.

Zurück zur Frage nach dem Inhalt – „Erwarte das Unerwartete“ ist zwar ein schreckliches Klischee, aber gleichzeitig auch eine treffende Beschreibung. Neue Sorgen auf einer größeren Bühne erwarten Gonji. Es geht zurück nach Spanien in die Verliese der Inquisition. Dazu gesellen sich eine Gruppe untoter Meuchelmörder, eine Burg mitten in Afrika, Bestien aus den Tiefen der Erde und sadistische Wechselbälger aus einer anderen Welt und es geht um die Verbannung aus dem Paradies – solche Sachen eben, nichts wirklich Weltbewegendes …

Phantastik-Couch.de: Dein Held ist so ganz anders als Conan, Brak oder Kane. Er ist intelligent, weiß sich zu benehmen, das ist mal kein Barbar, sondern ein gebildeter Mann. Das wird nicht nur aus seiner Historie deutlich, sondern auch in der Art und Weise, wie er auf Gefahren reagiert. War das für Dich wichtig, einen Helden zu schaffen, der sich von den üblichen Verdächtigen unterscheidet, der überzeugender rüberkommt?

T. C. Rypel: Gute Frage. Ja, anders, als die von mir geschätzten David C. Smith, Joe Bonadonna oder Charles Saunders, die tolle Geschichten über primitive Kulturen geschrieben haben, wollte ich nie Barbaren-Fantasy zu Papier bringen. Conan, Kull und Brak lese ich zwar gerne, aber mir fehlte da einfach der intellektuelle Background der Kultur, in der die Handlung ablaufen soll. Solomon Kane ist da schon ein wenig vielschichtiger und interessanter. Ich wurde von Howards puritanischen Held stark beeinflusst. Dies aber weniger von der Figur als von der Welt – dem 16. Jahrhundert, in dem Howard ihn angesiedelt hat. Zeit meines Lebens wollte ich immer über einen Samurai schreiben, einen Meister des Schwertes und des waffenlosen Kampfes, einen gebildeten Mann, der auch mit Musik und Dichtung etwas anfangen kann. Seit meiner eigenen Jugend habe ich mich auch mit den mystischen Aspekten der Kampfsportarten beschäftigt, mit der Konzentration auf das Innere, das Einswerden mit sich selbst, das im besten Fall – zumindest aus der Sicht eines Kindes – zu fast übernatürlichen Fähigkeiten führen kann. Ein solcher Meister, trainiert dazu, vor nichts Angst zu haben, schien mir der perfekte Gegner für das Böse in der Welt zu sein. Allerdings schien es mir, dass er einen tragischen Begleiter an die Seite gestellt bekommen sollte, um ihn nicht zu überwältigend erscheinen zu lassen. Ohne zu viel verraten zu wollen – warte einfach ab, diese Figur kommt noch. Ich wollte, dass er von seiner eigenen tragischen Vergangenheit geprägt wäre, einen immer währenden Kampf gegen Einsamkeit ausfechten müsste, dass ein Hauch von Vorbestimmung über ihm schweben würde. So hoffte ich, meinen Helden ein wenig anders als die üblichen Recken zu entwerfen – der Leser muss entscheiden, ob mir dies gelungen ist.

Phantastik-Couch.de: Stilistisch sind deine Bücher ausgesprochen gut verfasst. Ich hatte ein wenig den Eindruck, dass Du Dir sehr genau überlegt hast, wie und wo Du deine Worte hinsetzt, mit Deinen Worten Deine Welt zeichnest.

T. C. Rypel: Danke. Ich versuche immer so präzise wie möglich zu fabulieren. In der Nachschau finde ich immer wieder Passagen, in denen mir dies besser hätte gelingen können. Dazu kommt, dass Thomas Schichtel, mein Übersetzer, einen wirklich tollen Job gemacht hat. Ja, ich versuche mit Worten große, aber auch kleine Bilder zu malen, versuche mit einigen wenigen Sätzen beim Leser ganze Landschaften entstehen zu lassen. Dabei versuche ich immer den Film, der beim Schreiben in meinem Kopf abläuft, im Auge zu behalten und dem Leser die notwendigen Details zu schildern, nicht mehr, denn die fügt er dann selbst im Geist hinzu. Daneben ist es mir sehr wichtig zu beschreiben, wie meine Charaktere fühlen. Und damit meine ich nicht nur die Hauptpersonen, sondern auch die in der zweiten Reihe. Nicht jeder kann eine bedeutende Rolle einnehmen, aber ich versuche sie trotzdem als lebendige Personen zu beschreiben, die Angst oder Liebe empfinden und die mit ihren eigenen Leben trotz aller äußeren Umstände fortfahren müssen. Jeder zählt. Ich habe die enormen Schlachtengemälde, in den Hunderte links und Tausende rechts getötet wurden, nie wirklich geliebt. Das ist zwar spektakulär, aber wer waren die Menschen, die da starben? Ist es nicht traurig, dass wir über sie nur erfahren, dass sie als Kanonenfutter auf dem Feld der Ehre verheizt wurden? Das ist der Grund dafür, dass in Gonji, trotz all der Scharmützel und Schlachten, der Leser mit sehr vielen unterschiedlichen Gefühlen konfrontiert wird.

Phantastik-Couch.de: Du hast Kai Meyer erzählt, dass Du das Schreiben fast schon aufgegeben hattest – was bedeutet es für Dich, dass ein Kollege aus einem anderen Land sich die Mühe gemacht hat, nach Dir zu suchen und Deine Bücher nach Deutschland zu holen?

T. C. Rypel: Kai war der Held hinter der Gonji-Veröffentlichung bei Lübbe. Er ist ein wirklich guter Freund geworden und es ist mehr als ungewöhnlich, dass sich ein Autor, der eigentlich mit seinen eigenen Büchern mehr als beschäftigt ist, so für einen anderen Menschen einsetzt und sich die Mühe macht, diesen zu suchen. Ich kann ihm gar nicht genug danken! Zwar habe ich mich nicht wirklich vor meinen Lesern versteckt, aber ich saß doch, um eine Metapher zu benutzen, als Häuflein Elend voller Selbstmitleid in der Ecke. Erst als ich begann, mich für das www zu interessieren, kam ich mit den Lesern und Fans meiner Bücher wieder in Kontakt. Nachdem ich jetzt wieder schreibe, hoffe ich natürlich, dass meine Bücher auch in Kais Augen Bestand haben und ich ihn nicht enttäusche. Ich liebe seine so ganz eigenen Fantasy-Jugendbücher. Er hat mir hier dafür die Augen geöffnet, wie vielfältig die Fantasy doch sein kann.

Phantastik-Couch.de: Kai erwähnte etwas über ein Gonji-Hörbuch in den USA – wie sieht es hier aus?

T. C. Rypel: Im Juli ist es endlich nach einigen Verschiebungen soweit. Die „Seele des Stahls“ kommt dann unter meinem ursprünglichen Titel „Red Blade from the East“ heraus. Unter www.audiorealms.com/gonji.html ist eine Hörprobe online. Nachdem sie alle sechs Bücher unter Vertrag genommen haben, bin ich mal gespannt, ob „Kingdom of the Dragon“ zuerst als Print- oder als Hörbuch erscheinen wird.

Phantastik-Couch.de: Vielen Dank, dass Du uns Rede und Antwort gestanden hast. Wir wünschen Dir und Deinen Büchern für die Zukunft alles Gute!

T. C. Rypel: Ich habe zu danken – einen herzlichen Gruß an all meine deutschen Leser.

Das Interview führte Carsten Kuhr