Interview mit Tom und Stephan Orgel

„Wir wollten beide Seiten prinzipiell so darstellen, dass sie der Leser mögen oder zumindest verstehen kann.“

T.S. Orgel – dahinter verbergen sich der Ihnen als Rezensent bekannte Tom Orgel und sein Bruder Stephan. „Orks vs Zwerge“ heißt ihr erster Roman, der im Programm des Heyne-Verlags mit archetypischem Völker-Fantasy Cover als ´Spitzentitel´ beworben wird. Nach ihrer ersten gemeinsamen Lesung standen uns Tom und Stephan Rede und Antwort auf Fragen und spontane Anmerkungen – ein echtes ´Live´-Interview, das interessante Einblicke in die Welt von „Orks vs Zwerge“ gibt

Phantastik-Couch.de: Hallo ihr Beiden. Tom, Du bist unseren Lesern ja schon als Rezensent und Person bekannt, aber Du, Stephan, noch nicht. Magst du Dich kurz vorstellen? Was machst du im ´realen´ Leben? Wie kamst Du zum Schreiben?

Stephan: Ich bin gelernter Verlagskaufmann, arbeite auch in der Verlagsbranche, allerdings nicht bei einem Verlag. Nebenher habe ich immer ein bisschen mit Schreiben zu tun gehabt und in unserer Firma redaktionelle Arbeiten erledigt. Ich kenne mich also ein wenig damit aus. Wirklich zu Schreiben angefangen habe ich allerdings erst vor ungefähr 5 Jahren. Seit Jahrzehnten bin ich begeisterter Rollenspieler, daher ist vielleicht auch die Leidenschaft für Fantasy gekommen. Ich spiele immer noch in einer Rollenspielrunde und bin der Jüngste dort, das heißt, ich spiele mit lauter alten Leuten.

Tom: Jetzt musst du auch sagen, wie alt Du bist.

Stephan: Ich bin immer noch 35 und werde morgen 36 Jahre alt. Ich bin der Jüngere von uns beiden und sehe nur älter aus.

Tom: Ich werde demnächst 40, aber Danke! [auf meine Vermutung, Stephan sei der Ältere].

Phantastik-Couch.de: Ihr schreibt ja nicht erst seit gestern als Autorenteam, habt nicht nur den interaktiven Online-Roman „Steamtown“, sondern auch einige Kurzgeschichten veröffentlicht. Würdet ihr uns über den jeweils anderen verraten, was er als Schriftsteller besonders gut oder nicht so gut kann?

Stephan: Mein Bruder kann sehr gut lang und ausführlich schreiben. Das ist gleichzeitig ein Vorteil, aber auch ein Nachteil. Wir gleichen uns in der Hinsicht ein bisschen aus. Manchmal ist es zu ausschweifend, was er erzählt und in diesen Momenten bin ich da, um ein bisschen zu kürzen und das Ganze prägnanter zu machen.

Tom: Stephans größte Stärke und zugleich Schwäche ist, dass er zu kurz und zu prägnant schreibt. Im Roman „Orks vs Zwerge“ musste ich auf Bitte der Lektorin 2 ½ Seiten kürzen und Stephan fast 2 Seiten dazu schreiben. Einfach weil ich das ein oder andere Adjektiv und Attribut zu viel verwende. Und bei ihm hat sie darum gebeten, dass er überhaupt einmal welche verwendet. Stephan schreibt kurz und knackig. Ich nicht so sehr. Da wir uns aber ständig gegenseitig korrigieren, gleicht sich das spätestens im dritten oder vierten Durchgang aus. Wir treffen uns irgendwo in der Mitte.

Phantastik-Couch.de: Genug von Euch, kommen wir zum Buch „Orks vs Zwerge“. Wie ist die Idee zur Story entstanden? War das etwas, was ihr schon länger machen wolltet?

Stephan: Genauso ist es. Wir hatten die grundsätzliche Geschichte schon seit längerem irgendwo im Hinterkopf, sie eigentlich in einem anderen Zusammenhang geplant. Aber es hat sich im Gespräch mit unserem Lektor und unseren Agentinnen ergeben, dass die Geschichte genau das war, was Heyne suchte. Wir mussten sie nur noch ein bisschen umbauen, damit sie in dieses Völkeruniversum hinein passte.

Tom: Die ursprüngliche Planung war: Fantasy mit nur Menschenvölkern, ohne Fantasy-Völker, was durchaus auch funktioniert hätte. Aber in diesem Konzept boten sich noch mehr Möglichkeiten.

Stephan: Mir hat es im Nachhinein auch besser gefallen, dass diese zwei unterschiedlichen Völker, Orks und Zwerge, die stärker mit Klischees behaftet waren, in die Geschichte hinein kamen.

Tom: Klischees, die man aufgreifen, austrampeln, oder aber vernichten konnte.

T.S. Orgel

Phantastik-Couch.de: Euer Verlag Heyne verkauft uns das Buch als Story eines unerbittlichen Kriegs zwischen den Zwergen und Orks. Was ist denn aus Eurer Sicht über das Schlachtengetümmel hinaus wesentlich an der Geschichte?

Tom: Das Schlachtengetümmel ist eigentlich nicht das Wesentliche. Die Geschichte hätte auch funktioniert, wenn wir die Schlacht noch weiter im Hintergrund gehalten hätten. Sie ist die Tapete, vor der das Ganze spielt und sie ist wichtig für die Geschichte. Aber das, was die Charaktere eigentlich ausmacht, passiert größtenteils jenseits der Schlacht. Für uns war die Konzentration auf die Charaktere wichtig, um beide Seiten, beide Volksgruppen, verständlich zu machen.

Stephan: Wir wollten beide Seiten prinzipiell so darstellen, dass sie der Leser mögen oder zumindest verstehen kann. Die Schlacht im Hintergrund ist für die Figuren eine unvermeidliche Sache, für die sie ja selbst gar nichts können. Sie sind nicht am großen Ganzen beteiligt, sondern nur hinein geworfen worden und müssen sich durchwursteln.

Phantastik-Couch.de: Habt ihr Euch das Schreiben von „Orks vs Zwerge“ aufgeteilt? Stimmt es, das einer von Euch über die Zwerge geschrieben hat und der andere über die Orks?

Stephan: Mein Bruder hat über die Orks geschrieben und ich über die Zwerge. Aber wir haben die Geschichte zusammen geplottet, sie ist also auf unseren gemeinsamen Mist gewachsen. Danach haben wir uns jeder auf unsere Protagonisten gestürzt und losgeschrieben. Wir haben natürlich immer wieder die jeweiligen Teile ausgetauscht und angeglichen, damit es zeitlich und in der Storyführung immer zusammenpasst.

Tom: Bis der Rohschnitt stand, hat jeder wenigstens zwei Mal die Texte des anderen überarbeitet. Stephan hat meine Texte gekürzt, ich habe seine etwas verlängert. Wir haben über einzelne Details gesprochen, aber im Prinzip hat jeder erst einmal seine Sachen geschrieben. Die kniffligen Stellen waren die Überschneidungen der beiden Erzählstränge. Von einer Szene weiß ich, dass sie bestimmt ein Dutzend mal hin und her gegangen ist, bis sie in beide Erzählstränge hinein gepasst hat.

Phantastik-Couch.de: Inwieweit hattet ihr die Handlung am Anfang ausgeplant? Ging sie plötzlich einmal in eine andere Richtung, als vorgesehen?

Tom: Wir haben extrem wenig vorgeplant. Wir haben lediglich die Ausgangssituation und den wichtigsten Kreuzungspunkt festgelegt und uns überlegt, womit wir die Story beenden. Wie die Endszenen aussehen und worauf wir hinaus wollen. Der ganze Weg dazwischen hat sich während des Schreibens entwickelt.

Stephan: Dadurch ist zum Beispiel die Situation entstanden, dass eine Nebenfigur, die am Anfang nur für eine kleine Szene geplant war, sich immer mehr in den Vordergrund gerückt hat und ziemlich wichtig für die gesamte Geschichte wurde. Das passiert, glaube ich, nicht so oft, wenn man noch stärker im Voraus plottet. Andere Autoren plotten Monate und schreiben anschließend einfach nur das herunter, was sie sich ausgedacht haben. Bei uns ist es eher anders herum.

Tom: Es gibt Kollegen, die wirklich vor dem Schreiben jede einzelne Szene und in diesen sogar schon die Dialoge planen. Bei Kurzgeschichten haben wir das ausprobiert. Aber wenn wir so viel festlegen, dann haben wir keine Lust mehr, die Geschichte zu schreiben. Denn dann wissen wir alles, was passiert und das Schreiben macht nicht mehr wirklich Spaß. Wenn man dagegen wenig vorplant, kann man in der Geschichte immer wieder etwas Neues entdecken.

Phantastik-Couch.de: Es gibt (abgesehen von einer Skrag) zwei weibliche Figuren in der Geschichte: Sekesh, die Schamanin der Orks und Syen, genannt „Axt“, eine Zwergen-Kämpferin. Wie kamen diese Frauen in die Geschichte? Und warum sind es nur zwei? Ist das einer angepeilten Zielgruppe „große Jungs“ geschuldet?

Stephan: Nicht unbedingt. Es liegt mir einfach mehr, über eine Männergruppe zu schreiben, vor allem wenn es um Zwerge geht.

Tom: Das liegt an den beiden Rassen. Zwergenfrauen sind in der Darstellung zumeist Zwergenmänner mit schöneren Bärten – oder auch mal ohne Bart. Der Punkt ist: Sie unterscheiden sich nicht sonderlich von den Männern. Und bei den Orks ist es, aufgrund der Art, wie ich die Kultur aufgebaut habe, schwer möglich, mehr Frauen unterzubringen. Sie ist so strukturiert, dass die Frauen zuhause das Regiment haben, während die Männer hinaus auf den Kriegszug gehen, um sich den Frauen als würdig zu beweisen. Daher war die einzige Möglichkeit, in dieser Geschichte überhaupt Frauenfiguren einzubringen, die, dass Ork-Männer mit Magie nichts anfangen dürfen. Auch das ist Frauensache. Um auf dem Kriegszug magische Unterstützung zu haben, können eben einige wenige Ork-Frauen dabei sein.

Stephan: Bei den Zwergen ist es genauso. Die zwergische Protagonistin hat Probleme, sich überhaupt in dieser Gruppe durchzusetzen. Daran sieht man schon, dass die Gesellschaft sehr Männer-lastig ist. Axt versucht, sich unter den Männern zu behaupten, weil sie unter den Zwergen ein Ausnahmefall ist. Es macht auch keinen Sinn, zwanghaft eine Frauenquote erfüllen zu wollen. Ich finde, das wird den Frauen auch nicht gerecht.

Phantastik-Couch.de: Wie lange habt ihr insgesamt an dem Buch gearbeitet? Von den ersten Ideen, über Schreiben, Lektorat bis zum fertigen Buch?

Tom: Das ist schwer zu sagen. Die Idee der Geschichte existierte ja schon länger. Sagen wir lieber, ab dem Zeitpunkt, wo sie dem Verlag vorgestellt war und wir Gewissheit hatten, das Buch machen zu können. Bis zur Abgabe des Manuskripts an das Lektorat dauerte es von Mitte Oktober bis zum 1. Mai, also 7-8 Monate. Dann kam noch ein Monat Lektorat und Korrektorat hinzu.

Phantastik-Couch.de: In diesem Jahr, das uns den ersten Hobbit-Film bringen wird, werden von vielen Verlagen Hobbit- und Tolkien-Völker Fantasy Romane angeboten, zu letzteren dürften wir „Orks vs Zwerge“ zählen. Das findet nicht jeder gut. Mancher bedauert, dass Trends, die sich in der Fantasy in den letzten Jahren entwickelt haben, dadurch weniger Aufmerksamkeit bekommen, weil man mit Tolkiens Völkern das große Geschäft machen will. Nun kommt Euch diese Entwicklung zugute. Könnt ihr derlei Kritik nachvollziehen? Vielleicht auch von Kollegen, die mit anderen Themen derzeit weniger Chancen auf dem Buchmarkt haben?

Stephan: Ich kenne einige Autorenkollegen, die wirklich super schreiben können, denen es aber jetzt nicht möglich war, ihre Sachen in die Programme zu bringen, weil es thematisch nicht passte. Das finde ich schade, weil ich ihre Bücher gerne lesen würde. Wir haben Glück gehabt und darüber bin ich auch froh, aber denen würde ich das natürlich genauso gönnen.

Tom: Wir haben schlicht und einfach großes Glück gehabt, mit dieser Geschichte zur richtigen Zeit zu kommen. Aber die Konzentration auf klassischere Fantasy, zu der wohl auch die Völker-Fantasy gehört, ist etwas, das auch von den Lesern ausgeht. Aus Autorensicht sehe ich also nichts Schlimmes darin, diesen Trend zu nutzen und zu bedienen. Es ist aber natürlich schade, dass viele andere Autoren, die wesentlich originellere Ideen als die derzeit verlegten haben, diese nicht unterbringen können, weil viele Verlage nur den erhofften Hype um den Hobbit-Film mitnehmen wollen und lieber auf Nummer sicher gehen. Als Leser finde ich es selbst bedauerlich, wenn diese Konzepte keine Chance bekommen. Den Hobbit-Hype zu nutzen und den Lesern gerade jetzt auch alternative Strömungen in der Fantasy nahezubringen, das wäre wünschenswert.

Phantastik-Couch.de: Was hebt „Orks vs Zwerge“ denn eurer Meinung nach von sonstiger Völker-Fantasy ab, was wäre eventuell sogar als Orgel-typisch zu bezeichnen?

Tom: Was Orgel-typisch ist, weiß ich jetzt noch nicht. Ich glaube, da müssen wir noch ein bis zwei Jahre warten, um das heraus zu kriegen. Ein Aspekt, der uns beim Schreiben auch in unseren Kurzgeschichten immer wichtig war, ist, dass wir beide keine nur guten oder absolut bösen Charaktere mögen.

Stephan: Das Schwarz-Weiß-Denken liegt uns nicht besonders, es gibt ziemlich viele verschiedene Wahrheiten. Einfache Lösungen, einfache Sieger am Ende liegen uns auch nicht.

Tom: Das ist im realen Leben nur dann der Fall, wenn nur noch eine Seite erzählen kann. Mehrere Seiten zu hören und den Leuten ein bisschen etwas zu denken zu geben, das ist als Anspruch immer wieder in unseren Geschichten vorhanden.

Phantastik-Couch.de: Ihr habt der Story das Winston-Churchill-Zitat „Die schlimmsten Streitigkeiten entstehen erst dann, wenn beide Seiten gleichermaßen im Recht und im Unrecht sind“ voran gestellt. Wisst ihr, in welchem Zusammenhang das Zitat ursprünglich geäußert wurde? Und warum passt es zu Eurem Buch?

Tom: Das Zitat hat Churchill in Hinblick auf den spanischen Bürgerkrieg geäußert. Die zwei Fraktionen, die sich dort auseinandersetzten, kamen aus dem konservativen nationalistischen Lager einerseits und auf der anderen Seite dem der Arbeiter, die verarmt waren, denen das Land und der Besitz genommen wurde und die als Resultat daraus eine kommunistische Haltung vertreten haben. So stritten sich zwei Fraktionen, die im selben Land zuhause waren, um das Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben in diesem Land. Insofern passt es auch zu unserer Geschichte, weil auch hier zwei Rassen um dasselbe Land streiten und um die richtige Art, dort zu leben.

Phantastik-Couch.de: Würdet ihr es auch so sehen, dass die zwei beschriebenen Völker zwar einerseits sehr unterschiedlich sind, andererseits aber auch, z.B. in der Art, wie sie diskutieren, große Ähnlichkeiten haben? War Euch das wichtig und hat das der Verlag so abgenickt?

Tom: Den zweiten Teil kann ich zuerst beantworten. Der Verlag hat diesen speziellen Aspekt gar nicht kommentiert. Sie fanden das Setting und die Grundidee gut und ob da nun mehr oder weniger diskutiert oder sich irgendwo angenähert wird, da hat uns der Verlag in keiner Form reingeredet. Es hat sich allerdings schon beim Plotten ergeben, dass sich die Völker eigentlich sehr ähnlich sind, das aber selbst überhaupt nicht so sehen.

Stephan: Das passt wieder zum Churchill-Zitat. Eigentlich sind sie nicht so unterschiedlich, sie wollen nur auf ihre jeweilige Art leben. Aber die passt nicht zur Lebensart des jeweils anderen.

Tom: Ein grundsätzlich problematischer Unterschied entsteht aus der verschiedenen Lebenserwartung der beiden Völker: Zwerge haben eine Lebensspanne von weit über hundert Jahren, während Orks, wenn sie alt werden, 40 Jahre alt werden. In der Ork-Kultur geht alles schnell, läuft alles sehr dynamisch. Jedes Mal wenn ein neuer Anführer dran ist, wird alles neu verhandelt und beschlossen.

Stephan: Und bei Zwergen wird meist erst jahrelang diskutiert, dann aber über Generationen hinweg überhaupt nicht mehr verhandelt. Das Ergebnis ist wörtlich in Stein gemeißelt. Diese zwei Denkweisen kommen schwer zusammen.

Phantastik-Couch.de: Wie es sich für einem ordentlichen Fantasy-Roman gehört, findet man im Buch zwei schöne Karten, eine vom Land der Zwerge und Orks und eine von der umkämpften Stadt Derok. Tom, Du bist ja gelernter Grafiker, hast du die Karten mitgestaltet?

Tom: Mit meinem Job hatte das wenig zu tun. Ich habe die ursprünglichen Karten nur für uns selbst und sehr grob skizziert. Einmal die Stadtübersicht, damit wir ein Bild davon hatten, in was für einer Umgebung die Geschichte spielt. In einer Stadt ist der Raum beengt und wir mussten darauf achten, wie die Wege verlaufen und wo die Leute entlang müssen. Einfach damit sie in der richtigen Szene zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle aufeinandertreffen. Die Übersichtskarte war eher dafür gedacht, um zu sehen, wo die Siedlungsgebiete der Orks und Zwerge sind. Woher kommen sie, in welche Richtung wollen sie? Bei dieser Karte konnten wir es uns übrigens einfach machen; sie existierte als alte Rollenspielkarte von mir schon seit etwa 20 Jahren. Wir mussten einfach nur den richtigen Ausschnitt aussuchen. Erst der Illustrator des Verlages hat aus meinen Skizzen richtig ordentliche Karten gemacht. Jetzt habe ich endlich mal eine schön gezeichnete Version davon.

Phantastik-Couch.de: Zurzeit versucht Heyne das Buch mit sehr viel Publicity in den Markt zu drücken. Macht Euch das als Newcomer Angst?

Stephan: Jein. Einerseits macht uns das schon Angst, weil die Ansprüche dadurch sehr stark gewachsen sind. Man erwartet, dass wenn auf dem Cover ´Spitzentitel´ steht, es wirklich ein super Buch ist. Ob es sich so verhält mit einem Erstlingswerk? Da hat man schon Angst, dass man derartiges nicht leisten kann. Andererseits freut es uns natürlich, weil wir damit eine einmalige Chance bekommen haben. Wir kommen jetzt in den Markt, wir dürfen jetzt zeigen, was wir können.

Tom: Wenn das Konzept aufgeht, kann man sich nicht darüber beschweren. Aber wir wissen nicht, wie das die Leser auffassen. Das ist natürlich eine ganz große Hausnummer, die uns angeheftet wurde, fast ohne Vorwarnung. Den ´Spitzentitel´ haben wir quasi aus dem Prospekt erfahren. Wenn wir die Schuhe ausfüllen können, ist es schön, aber wir haben keine Ahnung, ob dem so ist.

Phantastik-Couch.de: Es gibt im Buch sehr viele Perspektivenwechsel. Das macht die Lektüre nicht ganz einfach, gerade für junge Leser und Fantasy-Neulinge. Seid ihr Euch dessen bewusst, dass ihr dem Leser auch einiges abverlangt?

Stephan: Ich glaube, jemand, der mit Fantasy grundsätzlich nichts am Hut hat, oder der ganz neu auf dem Gebiet ist, wird sicherlich Schwierigkeiten mit dem Buch haben. Schon weil er die Orks und die Zwerge nicht kennt. Man braucht schon ein paar Vorkenntnisse, sollte zumindest mal den „Herr der Ringe“-Film gesehen haben, um sich so einen Ork vorstellen zu können. Einen Zwerg kennen die meisten, wobei sich mancher einen mit einer roten Zipfelmütze vorstellt. Das ist natürlich ein falsches Bild.

Tom: „Orks vs Zwerge“ ist sicher kein Einsteigerbuch für allzu junge Jugendliche, weil die Geschichte doch recht unflätig und blutig ist. Die Perspektivenwechsel sind sicher fordernd für den Leser, aber warum auch nicht? Fantasy darf auch in der Richtung ein bisschen anspruchsvoll sein. Ich hoffe nur, wir haben nicht zu viele Perspektivenwechsel eingebaut; sehr schnelle Wechsel haben wir noch herausgekürzt und eingestampft. Aber generell waren sie nötig, um die Handlung parallel erzählen zu können.

Stephan: Unser Lektorat hat uns schon auf die Problematik aufmerksam gemacht, daher ist die Frage nicht so abwegig. Wir haben versucht, überflüssige Wechsel zu vermeiden, um am Ende ein gut lesbares Buch vorzulegen.

Tom: Manchmal haben wir den Perspektivwechsel aber ganz bewusst bevorzugt, um ähnliche Gedanken, Szenerien und Probleme von beiden Gruppen hintereinander zu stellen. Um zu zeigen, dass sie eigentlich vor denselben Problemen stehen.

Phantastik-Couch.de: Tom, Du bist ja Phantastik-Couch Rezensent und Du Stephan, auch vom journalistischen Fach. Nun sagt mir doch bitte, wie hoch würdet ihr „Orks vs Zwerge“ auf der Phantastik-Couch Skala 1-100° bewerten?

Tom: (Das ist so gemein.) Also Dein Teil, Stephan, bekäme einen guten 80er Wert.

Stephan: Also Dein Teil maximal 30°.

Tom: Ich weiß, Du kriegst noch Geld von mir, aber musst Du das jetzt so regeln?

Das Interview führten Carsten Kuhr und Eva Bergschneider auf dem Buchmesse Convent im Oktober 2012