Interviews mit Autoren & Co. 2007 und 2008

Auf der Suche nach dem Untergang der Menschheit im Kleinen

Der Amerikaner Jeff Carlson hat mit Nano einen spannenden SF-Thriller um ein bedrohliches Endzeitszenario geschrieben: Mikroskopisch kleine Killermaschinen töten alle warmblütigen Lebewesen, versagen jedoch auf über 10.000 Fuß Höhe. Und auf kalten Berggipfeln haben auch Menschen ihre liebe Not am Leben zu bleiben. Wir haben den Autor unseres Buch des Monats November 2008 gefragt, warum er den Untergang der Menschheit im Kleinen sucht.

„Ehrlich gesagt wäre es zu dick aufgetragen, wenn ich ernsthaft behaupten würde, meine Vorbilder stammten aus dem Rollenspielbereich.“

„Meine Erstberührungen in den Achtzigern waren Fantasy-Autoren wie Tolkien oder Brooks. Rollenspiel hat allerdings wesentlich dazu beigetragen, mein Interesse an der Fantasy über die Jahre hinweg aufrechtzuerhalten.“

„Wahrscheinlich würde ich viel zu viel trinken und den ganzen Tag nur Computer spielen.“

Grausame Clowns treiben in einen beklemmend seltsamen Zirkus jenseits unserer Welt ihr Unwesen. Dieses Manuskript reichte ein 29jähriger Australier 2006 für den renommierten ABC Fiction Award ein, ohne sich allzu viel Hoffnung zu machen. Er gewann nicht nur diesen mit 10.000 australischen Dollars dotierten Preis, sein Buch wurde außerdem noch für den internationalen Horror Guild Award nominiert und wird bereits in fünf Länder verkauft. Jetzt ist „Hölle“ auf Deutsch als Buch und Hörbuch erschienen und Will ist nach Köln gereist, um es vorzustellen.

„Vielleicht werde ich doch noch eines Tages reich und berühmt.“

Georg Miesen gibt den Eifel-Krimis einen phantastischen Touch. Seine Sonderermittlereinheit des BKA für okkulte Verbrechen lässt ein wenig an Akte X erinnern. Phantastik-Couch sprach mit dem Autor und bringt als kleines Special auch gleich drei Rezensionen zu seinen Büchern.

„Das Internet ist auf sehr reale Weise chinesisch.“

Wenn ein Drachen gemeinsam mit einer Bande Orks in einem MMPORG die Bank ausraubt und aus diesem absurden Aufhänger ein SF-Near-Future-Thriller wird, dann kann nur Charles Stross am Werk gewesen sein. Wir haben ihn zu seinem neuen Buch „Halting State“, zu schottischem Dialekt und chinesischen Internetdienstleistern interviewt.

„Ich versuche, dem Ü-Ei treu zu bleiben.“

Mit dem Genre-Mix Das Rätsel der Templer landete Martina André einen Überraschungserfolg. Nun erzählt sie im Gespräch mit der Phantastik-Couch über Spaß, Spannung und Schokolade.

„Magie sollte in der Welt ein natürlicher Bestandteil sein.“

Christoph Hardebusch hat sich mit seinen Troll-Romanen in die Herzen vieler Fantasy-Fans geschrieben. Sein neuer Roman Sturmwelten dürfte aber so garnicht ins Erwartungsschema vieler Leser passen. Wir haben ihn gefragt, was dahinter steckt.

„Der einzige, mit dem ich mir in absehbarer Zukunft tatsächlich eine sehr spaßige Kooperation vorstellen kann, ist der Berliner Autor Boris B3 Koch.“

Michael Marrak, geboren 1965 im tauberfränkischen Weikersheim, studierte Grafik-Design in Stuttgart und trat Anfang der neunziger Jahre als Autor, Herausgeber und Anthologist in Erscheinung. Nach einigen Jahren als freier Illustrator widmet er sich seit 1997 ganz dem Schreiben und wurde für seine Romane, Erzählungen und Illustrationen mehrfach mit dem European Science Fiction Award, dem Deutschen Phantastik Preis, dem Kurd Lasswitz Preis und dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnet.

„Ehrlich gesagt haben uns Tolkien und Rowling persönlich nie viel gegeben, wobei wir ihr herausragendes Talent nicht in Abrede stellen wollen!“

Martin Clauß geboren im schwäbischen Esslingen am Neckar, Jahrgang 1967, Schriftsteller und Japanisch-Trainer – arg viel mehr erfährt man nicht über eine der neuen Stimmen in der Deutschsprachigen Fantasy.

„Ich bin ein Amerikaner im Rheinland und liebe den gemütlichen Aspekt der Region.“

James A. Sullivan wurde 1974 in West Point (New York) geboren und wuchs in Deutschland auf. An der Universität zu Köln studierte er Anglistik, Germanistik und Allgemeine Sprachwissenschaft. Gemeinsam mit Bernhard Hennen veröffentlichte er 2004 das Fantasy-Epos „Die Elfen“. „Der letzte Steinmagier“, der im Dezember im Mira Taschenbuchverlag erschien, ist Sullivans erste eigenständige Romanveröffentlichung.

„"Der Herr der Ringe“ hat mein Leben verändert.„

Für Nachwuchsautor Michael Rothballer ist Tolkien zwar wichtig, aber nicht so wichtig, dass er den großen Kotau vor ihm macht. In seinem Erstling “Tausendsturm" entfernt sich der 33jährige auf wohltuende Weise von den Völkern Mittelerdes. Wir haben ihn nach den Hintergründen gefragt.

„Ich stecke in jeder meiner Figuren (auch in den fiesen …*g*).“

Mit den Romanen »Anidas Prophezeiung«, »Das Herz der Welt« und »Die Schwarze Zitadelle« schrieb sie sich ins Herz der Fantasy-Leser. »Elbenzorn« ist ihr langerwarteter neuer Roman. Carsten Kuhr sprach mit der Autorin Susanne Gerdom über ihre Werke.

„...dann wird es Horror sein!“

Keine Angst, Trudi Canavan wird weiter Fantasy schreiben. Aber ein Ausflug in Horror-Gefilde könnte es auch mal sein, wie sie uns offenbart hat. Sie toppt die Fantasy-Charts seit über drei Jahren, auch auf der Phantastik-Couch. In unserem Interview mit ihr spricht sie über Häuser und Horror.

„Ich glaube, dass Schriftsteller, die sich rein danach richten, was gerade angesagt ist, von vorne herein verloren haben.“

Sergej Lukianenko praktizierte als Psychiater, bis er sich ausgehend von den Erfolgen seiner Bücher als Autor selbständig machte. 2007 erhielt er für das im Beltz Verlag erschienene „Schlangenschwert“ den Corine für das beste Jugendbuch. Ganz frisch in Deutschland erschienen ist sein Roman „Weltengänger“. Anlässlich der Buchmesse sprach unser Mitarbeiter Carsten Kuhr mit dem russischen Starautor.

„Wenn man den Film sehen will, soll man das Buch lesen!“

Mark Z. Danielewski ist in Deutschland, um sein Buch "Das Haus” vorzustellen, ein 800 Seiten dicker intelligenter Horrorroman über ein Haus, das innen größer als außen ist. Auf der Buchmesse hat sich Mark eine Erkältung geholt, die er beim Gespräch mit heißen Tee und heißer Schokolade abwechselnd bekämpft. Ansonsten aber sehr gut gelaunt, charmant und professionell stellt er sich unseren Fragen im Foyer einen kleinen Kölner Hotels. Ganz offensichtlich liebt er seine Arbeit!

„Dass wir keine optimistischen Frohnaturen sind, merkt man unseren Storys wahrscheinlich an.“

Cyberpunk und Hardboiled sind eine Genre-Kombination, die sich nicht gerade durch eine optimistische Weltsicht auszeichnet. Wir haben das Dortmunder Autorenpaar Desirée und Frank Hoese gefragt, ob sie genauso zynische Eigenschaften haben, wie die Hauptfiguren ihres Romans „Die Zyanid-Connection“.

„Und ich hoffe, die Leute merken, dass es nicht nur ein Sexbuch ist!“

Das sagte Jacqueline Carey’s Großtante nach der Lektüre von „Kushiel“. Die Autorin selbst meint allerdings, dass ihr Roman immer noch recht zahm ist im Vergleich mit der derzeitigen Welle von Vampir- und Werwolfsex.

„Ich bin ja Phantast – also kann ich mir eine Menge vorstellen.“

Für Ralf Isau ist die Bibel das wichtigste Buch. Der gläubige Christ hat jedoch keine Probleme damit, in seinen Büchern Kirchenvertreter zu kritisieren und kontroverse Themen wie Intersexualität und Neokreationismus zu thematisieren. In seinem neuen Buch „Die Dunklen“, das Ende September 2007 erscheint, stellt er synästhetische Empfindungen, Geheimbünde und Verschwörungen in den Mittelpunkt. Und er zitiert Heinrich Heine, wenn er von der Kritik an seinen Büchern spricht.

„Ein Jahr ist eine lange Zeit, um auf ein Buch zu warten, aber es ist eine ziemlich kurze Zeit, um eines zu schreiben.“

Patrick Rothfuss’ Debütroman „The Name of the Wind“ wird von den Fantasy-Feuilletons in den USA hoch gelobt. Zu Recht, denn es ist eine meisterhaftes und wirklich einzigartiges Werk, das eine fantastische Geschichte erzählt.

„Ich gestehe ein, Tolkien nicht gelesen zu haben.“

Die Nähe zum Vorbild, dessen Bücher er nicht gelesen hat, ist für ihn durchaus ein zweischneidiges Schwert. Doch Michael H. Schenk hat mehrere Schubladen voller Ideen, die dafür sorgen werden, dass sie Mittelerde hinter sich lassen. Außerdem: Wer oft vom Pferd fällt, hat etwas für Reiter übrig.

„Wenn Gott also tot ist, werden wir nicht alle zugrunde gehen.“

Der Schotte Alan Campbell hat bislang als Entwickler von Computerspielen wie „Grand Theft Auto“ gearbeitet. Der Fantasy-Roman „Scar Night“ ist sein Debüt als Schriftsteller, in das er seine Game-Erfahrung einbauen konnte. Wie das mit den wuchtigen Themen Sünde, Moral, Blut und Erlösung zusammenpasst, hat er uns in einem Gespräch mit ihm verraten.

„Ich glaube immer noch, dass die Welt langfristig eine bessere wird!“

Der schottische SF-Autor Ken MacLeod hat in seinem jüngsten Roman klar gemacht, welche politische Meinung er vertritt. Mit der Phantastik-Couch sprach er darüber, dass sein Buch jedoch kein generelles „Bush-bashing“ sein soll und wie enttäuscht er von den USA und Großbritannien ist.

„Sprache ist sowohl Wissenschaft, als auch eine Art Magie!“

Der Fantasy-Roman „Die Krone von Lytar“ ist nicht nur eine spannende Geschichte über Vergangenheit und Verantwortung. Er ist auch gleichzeitig ein Phönix aus der Asche. Autor Carl A. deWitt sprach mit uns über seine Passion und schöpferische Freiheit.

„Meine Bücher haben Themen – manche mehr, andere weniger.“

Kai Meyer gehört zu den Vielschreibern der deutschsprachigen Phantastik-Szene, seit 1993 hat er 45 Bücher geschrieben. Gerade ist der letzte Band seiner Wolkenvolk-Trilogie erschienen, die nächsten vier Bücher sind schon in Planung. Wir wollten wissen, was den 38jährigen Schriftsteller antreibt und haben ihn gefragt.

„Ob eine Geschichte für Erwachsene als Roman für Jugendliche bezeichnet wird, ist eine Marketing-Entscheidung.“

Der Australier Garth Nix hat sich hierzulande eine große Fangemeinde mit seiner düsteren Abhorsen-Trilogie erschrieben. Der Phantastik-Couch hat er erzählt, wann er sich für weibliche Protagonistgen entscheidet und wo der Unterschied zwischen Romanen für Erwachsene, Jugendliche und Kinder liegt.

„Fantasy braucht Revolutionen!“

Mit seinen Kobolden hat sich der deutsche Fantasy-Autor Karl-Heinz Witzko ein ganzes Stück von seiner Rollenspiel-Vergangenheit entfernt. Mit der Phantastik-Couch sprach er über den schweren Stand der Fantasy im deutschsprachigen Raum, über aktuelle Trends und seriöse Koboldfeldforschung.

„Es ist für meine deutschen Leser an der Zeit, missionarischer zu sein.“

Neil Gaiman wird auf beiden Seiten des Atlantiks als Kultautor gehandelt. In einem Gespräch mit Phantastik-Couch.de erzählt er von überdimensionierten Würsten, der Kühlschrankaufbewahrung von Tageszeitungen und davon, dass wir alle Märchen brauchen.

„Winzig kleine Leute sind interessanter und heldenhafter.“

Der amerikanische Fantasy-Autor Tad Williams kann sich über mangelnde Auslastung nicht beklagen. Phantastik-Couch.de hat er verraten, woran er gerade arbeitet und dass er gerne ein Ork wäre – im Film.