Furchtlos von Jack Campbell

Buchvorstellungund Rezension

Furchtlos von Jack Campbell

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Dauntless“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 384 Seiten.ISBN 3-404-23341-7.Übersetzung ins Deutsche von Ralph Sander.

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In Kürze:

Seit hundert Jahren kämpft die Allianz gegen die Syndics – und verliert auf ganzer Linie. Die zusammengeschossene Flotte ist im Feindesgebiet gestrandet. Ihre einzige Hoffnung ist ein Mann, der seit fast einem Jahrhundert für tot gilt. Jedes Schulkind kennt Captain John Black Jack Gearys legendäre Taten. Nach seinem heldenhaften letzten Gefecht zu Anfang des Krieges ist er vermisst und gilt als gefallen, doch hat Geary wie durch ein Wunder im Überlebenskälteschlaf überlebt und übernimmt widerstrebend den Befehl über die Flotte der Allianz, die sich der Vernichtung durch die Syndics gegenübersieht. Die einzige Chance, den Krieg noch zu gewinnen, besteht darin, den erbeuteten Hypernet-Schlüssel der Syndics zur Heimatwelt zu schaffen. Dazu aber muss Geary allen Erwartungen entsprechen, die aufgrund der heldenhaften Legenden um Black Jack in ihn gesetzt werden.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Balanceakt zwischen Moral und neuen Werten“68

Science-Fiction-Rezension von Carl-Olof und Amandara M. Schulzke

Captain „Black Jack“ Geary gilt nach einer Schlacht vor 100 Jahren als tot. Tief im Raum findet die Dauntless, ein Schlachtschiff der Allianz, seine Rettungskapsel. Apathisch hockt er in seiner Kabine, bis die Flotte, mit der die Dauntless unterwegs ist, im Heimatsystem des Feindes geschlagen wird. Der Admiral der Flotte übergibt Geary das Kommando, während er mit allen führenden Offizieren zu den Syndiks muss, um die Kapitulationsbedingungen auszuhandeln. Nachdem die Offiziere alle hingerichtet wurden, ist Geary gezwungen, tatsächlich das Kommando zu übernehmen. Er hatte dem Admiral versprechen müssen, die Flotte mit ihrer brisanten Fracht heil nach Hause zu bringen. Da er die erste Schlacht des Krieges schlug und als Märtyrer „starb“, machte ihn die Allianz zu ihrem Helden und Idol der Nationen. Während der Reorganisation der Flotte muss sich Captain Geary mit dem Geist des „Black Jack Geary“ auseinander setzen, der in den Köpfen seiner Offiziere und Mannschaften herum spukt. Auf dem Weg nach Hause beginnt er, sich mit der obskuren Heldenverehrung anzulegen, die die Flotte spaltet. Zu seinen wenigen Stützen gehören die Marines, die Kapitänin der Dauntless und die Co-Präsidentin einer verbündeten Nation, die über die verbündeten Schiffe der Flotte befiehlt. Ein diplomatischer Balanceakt – und das Syndikat hat sich an ihre Fersen geheftet.

Schlachten nach einsteinschen Gesetzen

„Furchtlos“ ist eindeutig Military-SF. Oftmals finden wir in diesem Genre großartige Materialschlachten mit hochentwickelten Kriegsgeräten, und es geht meist nur um die Kämpfe als solche. Dieser Roman eines Offiziers der U.S. Navy im Ruhestand behandelt die Schlachten eher als Randthema aus dem Blickwinkel Gearys. Trotzdem werden die Schlachtenfans auf ihre Kosten kommen, da Campbell die Kämpfe inklusive der gesamten Prozesse der Vor- und Nachbereitung schildert.

Ein Kampf im Weltraum braucht Platz und eine reale Zeit, da Informationen über eine Lichtminute Distanz eine Minute brauchen und nicht innerhalb weniger Sekunden erkennbar sind. Wenn die gegnerische Flotte eine Kursänderung in zehn Lichtminuten Entfernung vornimmt, kann Geary erst zehn Minuten nach Kursänderung darauf reagieren und neue Befehle ausgeben. Und die brauchen auch wieder Zeit, um seine verschiedenen Schiffe zu erreichen und ausgeführt zu werden. Die gegnerische Flotte sieht Gearys Reaktion frühestens nach zwanzig Minuten. Dadurch muten die Kämpfe in diesem Buch sehr realistisch an und dauern mehrere Stunden, in denen der Leser mitfiebert.

Soldat der alten Schule

Der wahre Konflikt des Romans liegt aber nicht in dem Kampf mit dem Syndikat, sondern wie so oft im Zwischenmenschlichen. Als bei der ersten Kommandositzung Geary hört, dass über seine Befehle abgestimmt werden soll, ist er entsetzt. Da in dieser Situation keine Zeit ist, kann er die anderen Kapitäne überzeugen, ohne Diskussion auf ihn zu hören. Das kommt ihm vor allem in vielen späteren Sitzungen zugute, da er nicht jeden seiner Befehle erklären muss. Doch seine Geduld wird schwer auf die Probe gestellt, als er eine Formation befiehlt und alle im Geist des „Black Jack“ möglichst schnell nah an den Feind rasen wollen. So sitzt er ohnmächtig da, während sich seine gesamte Flotte auf zwei kleine veraltete Patrouillenschiffe stürzt, dabei aber die Deckung der verwundbaren Versorgungsschiffe vernachlässigt.

Jetzt muss Geary handeln, um die Flotte der Allianz so zu gestalten, wie er sie vor 100 Jahren voller Ehre, Mut, Disziplin und Gerechtigkeit gekannt hat, um den moralischen Gegensatz zu den Syndiks wieder klar zu machen. Disziplin ist nicht das einzige, was der Flotte fehlt, dazu gehören Ausbildung in Taktik und Strategie, Respekt im Allgemeinen und der geregelte Umgang mit Kriegsgefangenen.

Als Miltary-SF müsste es wesentlich besser bewertet werden, aber als Roman ist die Nähe zu seinem engsten Personenkreis nicht ausgearbeitet genug.

Ihre Meinung zu »Jack Campbell: Furchtlos«

Katrin zu »Jack Campbell: Furchtlos«19.01.2010
Ich kann mich zumindest, was die etwas oberflächlichen Personen angeht, nur den Verfassern der Buchbesprechung anschließen. Black Jack als Rückkehrer aus der Vergangenheit nebst seiner "alten" Ansichten ist gut herausgearbeitet, aber die anderen erscheinen sehr blass. Daher sind alle Charaktere irgendwie austauschbar und manche wirken arg stereotyp (z.B. die Politikerin aus den Reihen der Verbündeten).

Manchmal werden auch Handlungsstränge aus meiner Sicht nicht konsequent genug bei den Entscheidungen des Protagonisten berücksichtigt. Ich habe mich manches Mal gefragt, ob ein Oberbefehlshaber, der wertvolle Fracht auf seinem Flaggschiff mitführt, dieses auch wirklich so aufs Spiel setzen würde.

Alles wirkt irgendwie auch so als seien diverse Zutaten der (Military) Scifi zusammengemischt und gut durchgerührt worden. Dagegen ist an sich nichts zu sagen... aber wer viel neues erwartet, wird hier wohl nicht fündig werden. Der Konflikt des Helden, der sich keinesfalls als solcher sieht, mit dem um ihn herumgbeauten Mythos... sowie die Probleme der Flotte und die Interaktionen mit anderen (nicht optimal ausgearbeiteten) Charakteren machten für mich das Interessante aus. Deshalb ich mir das Buch gekauft.

Es ist ein kurzweiliger Roman, der sich von diesen Schwächen abgesehen aus meiner Sicht sehr gut lesen lässt. Allerdings muss ich auch gestehen, dass ich ihn zwar gut bewerte und mir an sich auch Band 2 holen wolte (erscheint wohl im Herbst diesen Jahres), aber dann habe ich mir mal die Inhalte der englischen Bände angesehen und wie diese im amerikanischen Raum teils bewertet wurden. Der Untertitel "Die verlorene Flotte" ist keinesfalls ein Witz. Sie bleibt auch weitere 4 Bände verloren und Band 6 ist womöglich in Arbeit. Teilweise war in den Leserbewertungen von Redundanz die Rede, was ich mir auch gut vorstellen kann, nachdem ich die englischen Inhaltsangaben gelesen habe. Inwieweit die andauernde Flucht hinter den feindlichen Linien zurück nach Hause einen ganzen so umfassenden Zyklus hergeben mag weiß ich nicht. Ich kann es mir auch nicht vorstellen, denn auf mich wirkte es doch eher abschreckend. So sehr vom Hocker gerissen, dass ich mir noch mind. 4 andere Bücher der Serie kaufen würde, hat es mich nämlich nicht.
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