Hexenkessel von Jack McDevitt

Buchvorstellungund Rezension

Hexenkessel von Jack McDevitt

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „Cauldron“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 560 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Frauke Meier.

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In Kürze:

Im Jahre 2255 ist das Zeitalter der Raumfahrt vorüber. Die Technologie wird kaum noch weiterentwickelt. Nur einige private Organisationen betreiben noch Weltraumforschung. Dann entdeckt ein junger Physiker den Schlüssel für einen hocheffizienten Schiffsantrieb. Endlich kann die Menschheit zum Zentrum der Galaxis vordringen und die geheimnisvollen Omega-Wolken untersuchen, die schon viele Welten vernichtet haben. Eine kleine Gruppe tapferer Frauen und Männer tritt die unvorstellbare Reise zum Mittelpunktder Galaxis an, unter ihnen die Veteranin Priscilla Hutchins.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Priscilla Hutchins auf ihrer letzten Fahrt“90

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Jahre ist es her, dass die Akademie ihre Raumschiffe auf große Erkundungsfahrten in die heimatliche Galaxis entsandt hat. Zwar hat man nie die große, technisch weit überlegene Rasse entdeckt oder mit Gott gesprochen, doch langweilig wurde es den Wissenschaftlern und Piloten nie. Die Reichen und Schönen der Welt besuchten an Bord luxuriöser Raumschiffe fremde Planetensysteme, Kommerz und Wissenschaft schienen eine friedliche Koexistenz eingegangen zu sein.

Irgendwann aber stellten die Politiker und Wähler fest, dass Raumfahrt Geld kostet. Man war in der unendlichen Schwärze des Alls nur Resten untergegangener Kulturen begegnet, hatte die ultimative Waffe der Omegas – gigantischer Wolken, die auf rechte Winkel allergisch reagierten und die entsprechenden Planeten und künstlichen Gebilde mit gigantischen Blitzen zerstören – und einen unterlichtschnellen Sammler außerirdischer Relikte entdeckt. Mehr nicht. So wurde, heimlich, still und leise dass Raumfahrtprogramm eingestellt.

Eine handvoll ewig gestrige Anhänger haben sich in der privat finanzierten „;Foundation“ zusammengefunden, um wenigstens noch ein wenig interstellare Forschungsarbeit betreiben zu können. Als ihr Aushängeschild und Spendenbeschaffer fungiert die Heldin der Raumschifffahrt, Priscilla Hutchins.

Als 2255 Jon Silvetri endlich einen Raumantrieb entwickelt, der es ermöglicht, in Wochen, allenfalls Monaten das Zentrum der Galaxis zu erreichen, was mit dem alten Antrieb Jahrzehnte gekostet hätte, ist die Begeisterung, aber auch die Skepsis groß. Soll man überhaupt nach den Verursachern der Omega Wolken suchen, das Risiko eingehen, dass die vermeintlich feindlichen Aliens auf die Menschen aufmerksam werden? Aller Bedenken zum Trotz machen sich zwei Schiffe auf die Expedition. Als Pilotin mit an Bord Priscilla „;Hutch“ Hutchins. Zwei Zwischenstops will man einlegen – zum einen sucht man die Erbauer des intergalaktischen Probensammlers Chindi, zum anderen will man die Heimat der Fremden, von denen erstmals eine intergalaktische Funkbotschaft vernommen wurde, aufsuchen.

Auf dem Weg ins Zentrum der heimatlichen Milchstraße aber lauern Gefahren und Abenteuer, Enttäuschungen und sehr wenig wirklich neue Erkenntnisse. Damit nicht genug, stoßen unsere Forscher im Zentrum auf die Auslöser der Omega-Wolken – Intelligenzen, die so ganz anders sind als erwartet . …

Sense of Wonder groß geschrieben

Mit seinen Romanen um Priscilla Hutchins hat der US-Amerikaner Jack McDevitt sich in die erste Riege der internationalen SF geschrieben. Exotische Welten, ein glaubhafter Zukunftsentwurf und vielschichtige Personen sorgten neben dem oft beschworenen, nur viel zu selten erreichten „;Sense of Wonder“ dafür, dass seine Romane bei jung und alt beliebt sind. Dabei entwickeln sich seine Figuren fort, sie altern – mehr oder weniger in Würde – und auch seine Welt entpuppt sich als erstaunlich real. Natürlich sind es die Erbsenzähler, die letztlich über die Fortsetzung finanziell aufwendiger Reisen entscheiden, natürlich lässt sich ein Kindergarten und eine Gehaltserhöhung für den Politiker besser verkaufen als eine teuere Expedition zu anderen Welten.

Im Verlauf seiner Romane hat der Autor verschiedensten Welten besucht, den fremden, unbekannten Kulturüberresten aber immer ihre Andersartigkeit und ihren Reiz gelassen. Nach einem recht verhaltenen Beginn, der die zu nehmenden bürokratischen Hürden einer weiteren Expedition beschreibt, macht sich selbige endlich auf den Weg.

Und dann wird abgearbeitet, was an Rätseln bislang aufgelaufen ist. Die Erbauer von Chindi werden besucht, und entzaubert, verlorene Stationen, verlassene Planeten und verschollene Gesellschaften erforscht, des Lesers Herz lacht ob der gebotenen exotischen Vielfalt, die andere, weniger talentierte Autoren locker für fünf bis sechs voluminöse Romane genutzt hätten. Vorliegend erschlagen einen fast die Schauplätze und Einfalle, rast die Handlung von einem Highlight zum Nächsten.

Das ist Lesevergnügen der zeitlosen Art – die Art, die der SF über Jahrzehnte neue Leser zugeführt hat, und von der wir heute ein bisschen zu wenig haben. Hier wird nicht mit gigantischen Fusionsmeilern gearbeitet, keine Waffenbreitseiten gefeuert oder im Cyberspace gesurft, hier agieren glaubwürdige Gestalten voller liebevoll gezeichneter Tiefe. Mehr davon bitte, Mr. McDevitt.

Ihre Meinung zu »Jack McDevitt: Hexenkessel«

Jürgen Kalwitz zu »Jack McDevitt: Hexenkessel«05.01.2009
Im Prinzip alles (fast) richtig, aber:
McDevitt läßt leider den größten Teil des Romans
mit der Schilderung der Vorbereitung der Reise verstreichen. Ist nicht wirklich überflüssig und
durchaus lesenswert. Nur: dann kommen die
Geschichten um die Reiseziele, die ja auch ungeklärte Fragen der Vorromane
zum Inhalt haben, bei weitem zu kurz. Es blitzen
einige gute Ideen auf, werden jedoch nur ange-
rissen. Und der Gipfel: Was McDevitt hier als
Hintergrund der Omega-Wolken auftischt,
ist seiner einfach nicht würdig. Was er dazu - auch
entschieden zu kurz und oberflächlich - schildert,
ist derartig dürftig und unbefriedigend, daß ich
mich frage: ist ihm nichts Besseres eingefallen
oder hatte er einfach keine Lust? Das Ende wirkt,
als hätte ein sonst so kreativer und geistreicher
Autor in extremer Zeitnot und dem nicht nachvollziehbaren Druck, das
Angefangene egal wie, nur schnellstens zu Ende gebracht.
Schade!
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