Odyssee von Jack McDevitt

Buchvorstellungund Rezension

Odyssee von Jack McDevitt

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Odyssey“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 608 Seiten.ISBN 3-404-24369-2.Übersetzung ins Deutsche von Frauke Meier.

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In Kürze:

Sie besuchen die Erde schon seit Äonen. Lange Zeit tat man sie als Hirngespinst von Wichtigtuern ab. Manche nennen sie UFOs, andere Wetterballons und wieder andere halten sie für Besucher von einer fremden Welt. Im 23. Jahrhundert hat man einen anderen Namen für die mysteriösen Lichter am Himmel: Moonrider. Und plötzlich geschieht das bislang Undenkbare: Die Moonrider werden aggressiv. Die Menschheit gerät in Zugzwang. Gregory McAlister begibt sich auf eine gefährliche Odyssee. Sein Ziel: das Geheimnis der Moonrider zu ergründen. Ein Geheimnis, das noch weit schrecklicher ist als angenommen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Die UFOs sind los bei McDevitt“50

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Die Menschheit braucht Helden. Mutige Männer und Frauen, die sich für ihre Mitmenschen aufopfern, die anderen ein Vorbild geben, die man hofieren und honorieren kann. Dies gilt um so mehr, wenn man diese Menschen wirtschaftspolitisch einsetzen oder ehrlicher ausgedrückt ausnutzen will.

Priscilla »Hutch« Hutchins ist ein solches Leitbild. In »Gottesmaschinen«, der »Sanduhr Gottes« und »Chindi«, den ersten drei Romanen McDevitts um die Frau, die sich nie geschlagen gibt, die nie aufgibt, bis sie auch aus der aussichtlosesten Situation doch noch einen Ausweg gefunden hat, hat sie die ihr anvertrauten Passagiere und sich selbst jeweils lebendig zur Erde zurückgeschafft. Seitdem ist sie als Verwaltungsdirektorin der Akademie dafür zuständig zu entscheiden, welches Projekt so wichtig ist, dass ein Raumschiff dafür bereitgestellt wird. Doch die Luft für die Akademie wird immer dünner. Ihre Raumschiffe sind überaltert, Politiker aller Couleur suchen ihr Budget immer weiter zu beschneiden. Die Erforschung der großen Leere, in der man trotz all der intensiven und teueren Suche immer noch keine Hochzivilisation entdeckt hat, ist angesichts der globalen Erderwärmung nicht mehr zu finanzieren.

Plötzlich nehmen die Sichtungen von »Moonrider«, früher unter dem Begriff UFO bekannt, zu. Ist doch Jemand da draußen, sind wir doch nicht allein im Kosmos? Die Akademie entschließt sich, eine neue Expedition auszusenden, die Überwachungssatelliten aussetzen soll. Mit an Bord der Routineoperation: die minderjähriger Tochter des Senators Taylor, einem der entschiedensten Gegner der Akademie auf dem Politparkett, der PR-Manager der Akademie, der nach Jahren endlich einmal Raumluft schnuppern will, die Pilotin und ein alter Bekannter – der Zeitungsherausgeber und Vordenker der Bourgeoisie Gregory MacAllister. Und wirklich trifft unsere gemischte Crew auf die schwarzen Blasen, und ausgerechnet die Jüngste, Amy Taylor, empfängt eine Botschaft der Aliens. Keine Hand wird hier zum Bruderschlag gereicht, eine Warnung wird ausgesprochen – evakuiert das Origin Projekt, es wird vernichtet werden.

Ausgerechnet das Prestige-Projekt der Physiker aus aller Welt, mit dem dem Urknall auf die Spur gekommen werden soll – auf Anraten eines hysterischen Kindes aufgeben, schlichtweg undenkbar. Auch wenn es immer wieder mahnende Stimmen gibt, die bei Durchführung des Projekts »Blaupause« vor einer Spaltung des Raum-Zeitkontinuums und Vernichtung des Kosmos´ warnen, das sind doch alles Hirngespinste.

Hutch setzt allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz eine Rettungsflotte in Marsch, doch sollte, nein kann der Erstkontakt mit einer intelligenten Spezies wirklich in Zerstörung und Tod enden?

Ein Bündel von Ideen, doch die Mischung stimmt nicht

Wie so oft bei Jack McDevitt verfolgt er zu Beginn seines Romans eine Vielzahl von Spuren. Da rasen Meteoriten haarscharf an Planeten und Raumstationen vorbei, da suchen skrupellose Geschäftsleute den Geldhahn des Staates für die schwindende Raumwirtschaft wieder aufzudrehen, und natürlich gibt es Sichtungen außerirdischer Artefakte.
Das Ganze wie gewohnt in eine sehr realistische Darstellung einer Raumfahrt verpackt, in der die Reisen trotz des Überlichtantriebs oftmals Monate dauern, in der Raumschiffe ohne jegliche Waffen an Bord aufbrechen, in denen nicht Militärs, sondern Wissenschaftler die treibenden Kräfte und Helden darstellen.

Das Rezept ist erprobt, was vorliegendem Roman aber fehlt, das ist die Prise Salz, die gerade die ersten drei Hutch-Titel in solch ungewöhnlichem Masse ausgezeichnet hat.
Nicht, dass der Autor nicht wieder lebensbedrohliche Situationen auffahren, Bösewichte portraitieren und stellare Rätsel aufbauen würde, doch irgendwie schmeckt das Hauptgericht diesmal eher schal.

Längen, abgedroschene Weisheiten und zu viele Handlungsansätze vergellen die Lektüre.
Kapitellang bereisen wir mit unserer Crew die unterschiedlichsten Sonnensysteme, bekommen eine realistische Schilderung des Lebens in einer Blechbüchse von Raumschiff, das durch die gnadenlose Sichtweise eines intelligenten Provokateurs und Freidenkers aus Überzeugung nicht einfacher wird. Das ist in seiner Ausgestaltung realistisch, aber ohne große Faszination für den Leser, der all dies in früheren Büchern McDevitts besser, überzeugender und vor allem kürzer gelesen hat. Unwillkürlich hatte ich den Eindruck, dass der Autor Seiten schinden will, dass er MacAllisters wahre Worte – »verzichte auf Adjektive und Verben, gib mir einen kurzen, prägnanten Satz« selbst leider nicht befolgt.
Und die Lektüre wird auch nicht dadurch einfacher, dass der Autor MacAllister sowohl in den Vor- als auch den Nachworten zu fast jedem Kapitel als auch in seiner Rolle an Bord des Schiffes umwerfende Weisheiten in den Mund legt. Beispiele gefällig: »Die meisten Menschen, abgesehen von Politikern und Managern meinen es gut« oder »Für Männer ist Sex wie Baseball« etc. pp.

Dazu kommt, dass viele Spuren im Sande verlaufen, dass von den vielen Bällen, die der Autor zu Beginn ins Spiel brachte, nur ein paar wenige wirklich bis zum Finale im Spiel blieben. Bei denen, die wir im Verlauf des Buches aus dem Blick verloren, fragt man sich unwillkürlich, warum McDevitt diese überhaupt thematisiert hat.

Wohlgemerkt, der Roman weiß immer noch zu unterhalten, doch gerade von Jack McDevitt, einem der in den letzten Jahren zurecht meistausgezeichnetsten Autoren des Genres habe ich einfach mehr erwartet. Mehr Dramatik, interessantere Charaktere, überzeugende Motivation und nicht zuletzt einen First-Contact, der den Namen wirklich verdient hat.

Ihre Meinung zu »Jack McDevitt: Odyssee«

Khaless zu »Jack McDevitt: Odyssee«04.06.2009
Im Gegensatz zur Rezession finde ich, dass Jack McDevitt auch mit diesem Roman etwas schafft, was er gut kann, nämlich eine spannende Geschichte zu erzählen. Ich kenne bisher noch keines der Bücher aus der „Priscilla Hutchins"-Reihe, aber dies war auch für die Lektüre von „Odyssee" nicht erforderlich. Die Suche nach den Moonriders ist spannend und unterhaltsam, jedoch auch mitunter zu einfach beschrieben, wobei die Geschichte einige überraschende Wendungen vollführt. Nichts ist so, wie es scheint. Ungewohnt war für mich, dass sich McDewitt in diesem Roman sehr ausführlich mit den Themen Religion, Politik, Forschung und Medien auseinandersetzt hat, was „Odyssee" etwas anspruchsvoller macht, als z.B. „Spuren im Nichts". Das Ende jedoch lässt einige Fragen offen und weist eigentlich schon auf eine Fortsetzung hin. Fazit: Ein geradliniges, jedoch spannendes Buch, was auch Freunde der etwas anspruchsvolleren SF ansprechen könnte. Wirkliche bahnbrechende und außergewöhnliche Innovationen darf man jedoch nicht erwarten.
Dirk zu »Jack McDevitt: Odyssee«07.04.2008
Im Großen und Ganzen kann ich mich der Phantastik-Couch Rezension nur anschließen. McDevitt scheint hier viel zu sehr in sein offensichtliches Alter - Ego McAllister verliebt zu sein. Durch die Kraft des Authors verliert dieser zwar nie eine Diskussion im Buch, doch als zentrale Figur wirkt er dadurch einfach viel zu glatt. Keine Schwachstellen und erst recht kein Fehler in McDevitts Lieblingskind deklassieren alle anderen Protagonisten, und in diesem Zusammenhang auch gleich das ganze Buch. Statt der Exotik in >DeepsixOmega< scheint >Odyssee< einfach nur die "McAllister-Bibel" zu sein. Während dramaturgischer Softball um Softball auf die Reisegruppe um McA einprasselt, verkommt der Kampf um die Zukunft der Akademie zu einem kontrastarmen Standbild.

Als McDevitt Leser ist man Längen gewöhnt, aber diese wurden in anderen seiner Bücher schon um einiges besser ausgefüllt.
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