Der Herr der Dunkelheit von Jacqueline Carey

Buchvorstellungund Rezension

Der Herr der Dunkelheit von Jacqueline Carey

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „Banewreaker“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 640 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Kirsten Borchardt.

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In Kürze:

Als der rote Stern über der Welt Urulat aufgeht, bricht die Zeit der Prophezeiung an. In den Hallen von Rivenlost versucht der Zauberer Malthus die Omen zu deuten, und mitten in der Wüste wird ein Kind geboren, das das Schicksalsmal auf den Handflächen trägt. Zugleich fällt der Schatten des mächtigen Satoris Banewreaker auf die Welt, der in seiner Festung Darkhaven eine gewaltige Armee aufgestellt hat. Zusammen mit der Zauberin des Ostens will er Urulat erobern. Eine Gruppe von Tapferen macht sich auf den Weg, um einen magischen Dolch zu suchen das einzige Mittel, um die Kräfte des Bösen aufzuhalten … Der ewige Kampf zwischen Licht und Finsternis, meisterhaft neu erzählt! Carey schreibt eine völlig neue Variation des bekannten Tolkien-Schemas … ein fantastischer Roman von einer meisterhaften Erzählerin.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Tolkien’sche Motive in neuem Gewand“70

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Nach dem Bestseller „Kushiel“ ist „Der Herr der Finsternis“ der erste Ausflug der Autorin Jacqueline Carey in das High-Fantasy-Subgenre. Als eine persönliche Hommage an Tolkiens „Der Herr der Ringe“ versteht die Autorin ihre Duologie „Elegie an die Nacht“.

Genesis

Am Anfang war der Weltengott Uru-Alat. Er setzte sieben Schöpfer ein, die die aus seinem Leib entstandene Welt Urulat bevölkern sollten. Die Sieben schufen Menschen, Ellylon, Wolfsmenschen, Fjelltrolle und Zwerge. Der drittgeborene Schöpfer Satoris verlieh die Gabe der Lust und der zuletzt geborene Oronin brachte den Tod. So wurden die Geschöpfe Urulats sterblich, konnten sich aber vermehren.

Die Ellylon wurden aus den ursprünglichen Strukturen der neuen Welt erschaffen und blieben dadurch unsterblich. Dem ältesten Schöpfer Haomane missfiel, dass Satoris auch ihnen seine Gabe gewährte. Er forderte von seinem Bruder, sie zurück zu nehmen, denn Menschen und Ellylon begannen, Kriege gegeneinander zu führen. Satoris weigerte sich und es brach ein entsetzlicher Streit unter den Göttern aus.

Der Schöpfer wurde schwer verwundet und in die Verbannung geschickt. Im Norden baute er sein Bollwerk „Finsterflucht“ und warb ein Heer von Fjelltrollen an. Die Welt Urulat und seine Völker waren gespalten. Doch eine Prophezeiung besagt, dass sie wieder eins werden kann, wenn bestimmte Ereignisse geschehen, die die Vernichtung des Weltenspalters Satoris herbei führen.

Exodus

Eine Ehe zwischen einem Menschen und einer Ellylon ist einer dieser Bedingungen. Als Cerelinde von Riverlorn und der Königssohn Aracus Altorus heiraten wollen, schickt Satoris seinen Heerführer Tanaros aus, um die Elbin zu entführen. Eine anschließend fingierte Fährte zu der Zauberin Lilias und dem Drachen Calandor bewirkt, dass Menschen und Elben die Festung Beschtanag angreifen. Satoris ersinnt einen magischen Trick, mit dem er den Feind in den Rücken fallen kann. Inzwischen droht allerdings ein weiteres Ereignis aus der Prophezeiung, erfüllt zu werden.

Gängige Motive doch anders?

Welcher Fantasy-Fan kennt sie nicht, die Elben, hier Ellylon, die Trolle, Zwerge und Drachen? Und wer würde die Ellylon nicht der Seite der „Guten“ zurechnen und die Trolle auf der der „Bösen“ vermuten? Wiederholt Jacqueline Carey in ihrer Tolkien Hommage lediglich inzwischen leidlich beschriebene Fantasymotive? Ungewöhnlich ist, dass „Der Herr der Dunkelheit“ aus der Perspektive der Bösen erzählt wird. Der verstoßene Gott Satoris und seine drei unsterblichen Kämpfer sind in erster Linie tragische Figuren, denen aus ihrer Sicht Unrecht widerfahren ist und die das unvermeidliche Schicksal aufhalten wollen.

Der Heerführer Tanaros entspricht noch am ehesten dem Bild des klassischen Helden. Einst war er ein getreuer Diener des Königs der Menschen. Er erschlug seinen Herrn und seine Ehefrau, die mit diesem ein Verhältnis hatte. Das Baby aus dieser Verbindung hatte Tanaros nicht zu töten vermocht, der Thronfolger wächst heran und droht nun die erste Weissagung zu erfüllen.

Die Autorin wagte den Versuch, eine finstere Figur zum Sympathieträger zu machen. Tanaros ist ein beliebter Heerführer, teilt sogar den sentimentalen Brauch der Fjelltrolle, das Abbild der Göttin Arahila als Maskottchen zu tragen. Sein Charme überzeugt auch die Gefangene Ellylon. Spätestens der Nachtspaziergang im Mondgarten lässt Cerelinde den Königsmörder mit gnädigeren Augen sehen

Zur Identifikationsfigur taugt Tanaros dennoch nicht, was nicht an seiner zwielichtigen Gesinnung liegt. Anfangs wirkt die innere Zerrissenheit des Soldaten noch tiefgründig, jedoch langweilen die redundanten Rechtfertigungen seiner Taten schnell. Auch Satoris Leiden und Rachemotive werden bis zum Überdruss wiedergekäut. Besonders gut kommen in Jacqueline Careys Zyklusauftakt die Drachen zur Geltung. Als geheimnisvolles und weises Urlebewesen von Urulat, gehorcht Calandor nur seinem Überlebensinstinkt. Er erinnert ein wenig an sein Pendant in Ursula K Le Guins „Erdsee“. Von den Drachen erhofft man sich noch etwas mehr Input im zweiten Teil der Duologie „Elegie an die Nacht“.

Wie muss eine Tragodie enden?

Der Weltenentwurf und vor allem ihre Entstehung erinnern stark an Tolkiens „Silmarillion“. Jacqueline Carey steigt nach der Genesis allerdings schnell in die eigentliche Geschichte ein, die an Vielseitigkeit und Spannung wenig zu wünschen übrig lässt. Nicht Kampfgeschrei und Blut, sondern die bohrende Ungewissheit, wie sie schließlich enden wird, macht aus der Schlacht um Beschtanag einen fesselnden Höhepunkt der Geschichte. Obwohl die Handlung sich im Wesentlichen an der anfangs vorgestellten Prophezeiung entlang hangelt, weiß manche Tat eines Protagonisten zu überraschen.

Die erzählerische Qualität des Romans überzeugt ebenfalls. Jacqeline Carey schreibt detailverliebt und mit sinnlicher Raffinesse. Als Tragödie endet dieser erste Teil, wie er enden muss – doch es bleiben Zweifel zurück. Man darf gespannt sein, welches Schicksal die Prophezeiung den Menschen, Ellylon, Fjelltrollen und Wehren im zweiten Teil der Duologie „Elegie an die Nacht“zugedacht hat.

Insgesamt ist „Der Herr der Dunkelheit“ ein gelungener Auftaktroman. Die Atmosphäre ist im Vergleich zu anderen High-Fantasy Romanen düster und zwiespältig, hier unterscheidet sich „Der Herr der Dunkelheit“ gravierend von seinem Vorbild. Ein bisschen mehr Abstand von den gängigen Motiven hätte dem Roman dennoch gut getan, so wirkt er wie ein unentschlossener Gradwanderer zwischen klassischer und moderner Fantasy.

Ihre Meinung zu »Jacqueline Carey: Der Herr der Dunkelheit«

bettyliestgerne zu »Jacqueline Carey: Der Herr der Dunkelheit«10.07.2013
Die Kushiel-Saga habe ich bereits mehrfach verschlungen, daher dachte ich wird mir auch "der Herr der Dunkelheit" ausnehmend gut gefallen. Weit gefehlt. Ich habe mich so genervt über die teilweise schleppende Handlung. Zudem ist mir keiner der Figuren nahegekommen. Letzendlich habe ich aufgegeben und das Buch weggelegt in der Hoffnung, dass die Imriel-Saga endlich ins Deutsche übersetzt wird.
Gastlein zu »Jacqueline Carey: Der Herr der Dunkelheit«27.08.2011
ich muss gestehen, mich hat dieses Buch absolut kalt gelassen... Carey wurde als "meisterhafte Erzählerin" benannt, aber ich konnte mich überhaupt nicht in das Buch reindenken geschweige denn fühlen! Sie schreibt einfach viel zu sachlich in diesem Buch und meiner meinung nach braucht Fantasy einen ergreifenden Schreibstil, um richtig mit den Figure zu leben...
Es erinnert alles zu sehr an Herr der Ringe und andere bekannte Autoren und Bücher, sodass einfach nichts überraschenderes geschah, alles konnte man hervorahnen..
ich bin enttäuscht
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