Leviathan erwacht von James S. A. Corey

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Leviathan Wakes“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 656 Seiten.ISBN 3-453-52931-6.Übersetzung ins Deutsche von .

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In Kürze:

Im Weltall gibt es kein Gesetz ...
Die Menschheit hat unser Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Stationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.

Das meint Phantastik-Couch.de: „SF is back – Der Auftakt einer überzeugenden Reihe“79

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Zwar hat die Menschheit die Galaxie nicht erobert, doch in ihrem eigenen Sonnensystem hat sie sich ausgebreitet. Gürtler, Menschen, die in den Asteroidengürteln und Monden des Jupiter und Saturn geboren und aufgewachsen sind, leben, lieben und sterben hier draußen, die Militärschiffe der Erde und des Mars beäugen einander misstrauisch.

Jim Holden fährt seit einigen Jahren als erster Offizier auf einem Wasserschiff. Von einem der eisförmigen Monde holen sie das gefrorene Nass und transportieren es zu den menschlichen Außenposten.

Als ein Notruf die Canterbury erreicht, zögern sie nicht, dem Hilferuf nachzukommen. Dass sie auf ein verlassenes, offensichtlich gewaltsam geentertes Schiff treffen, ist die erste Überraschung, dann wird die Canterbury von einem unbekannten Stealth-Schiff vernichtet. Es gelingt Holden, zusammen mit den wenigen Mannschaftsmitgliedern, die ihn von der Canterbury auf das verlassene Schiff begleitet haben, den Angriff zu überleben und in den Besitz eines marsianischen Kampfschiffes zu kommen. Auf der Suche nach dem Grund des Überfalls stößt er auf Hinweise, dass einer der übermächtigen Erdkonzerne hinter dem Vorfall steckt. Mehr noch, die zunehmende Kriegstreiberei zwischen den Ringbewohnern und den Streitkräften der Erde und des Mars wird von dem Konzern weiter angeheizt. Was nur will Protogen, der Konzern, verbergen, dass er bereit ist, das Sonnensystem in einen alles vernichtenden Krieg zu treiben?

Aufklärung könnte Ex-Detective Miller von Ceres geben. Nachdem dieser von seinem Arbeitgeber gefeuert wurde, macht er sich auf, seinen letzten Auftrag zu erfüllen. Bevor man ihn unrühmlich vor die Tür setzte, sollte er Julie, eine missratene Tochter aus einer der reichsten und angesehensten Familien der Erde, finden und auch gegen ihren Willen zu ihren Eltern zurückverfrachten. Auf Eros findet er Julie dann in einer heruntergekommenen Absteige. Sie, die einst alles hatte, was Geld einem kaufen konnte, ist einem heimtückischen, ihre DNA veränderten Virus zum Opfer gefallen.

Zusammen mit Holden macht er sich auf die Suche nach den Schuldigen – und stößt auf skrupellose Wissenschaftler, die zur Erforschung des Phoebe-Virus bereit sind, Millionen von Menschen zu ermorden, um der Menschheit die Tür zum Universum aufzustoßen – etwas, das weder Holden noch Miller ungestraft zulassen können. So kommt es zu einer ungewöhnlichen Allianz, die auf eine invasive, außerirdische Intelligenz trifft …

Glaubwürdige Gestalten in einer vorstellbaren Zukunft

Gerüchteweise verbergen sich hinter dem Pseudonym James Corey die erfolgreichen und angesehen Autoren Daniel Abraham (Die magischen Städte, dt. bei Blanvalet) und Ty Frank. Und was sie uns hier, einmal mehr als Auftakt einer neuen Reihe von Romanen präsentieren, das ist wahrlich nicht von schlechten Eltern.

In einer – sowohl was das politische wie auch das wirtschaftliche System anbelangt – glaubwürdig ausgestalteten Zukunft erzählen sie uns eine packende Geschichte voller markanter Charaktere und unerwarteter Wendungen. Es geht in erster Linie natürlich darum, die mannigfaltigen Rätsel zu erforschen. Was steckt hinter den angegriffenen und vernichteten Raumschiffen, wer heizt den kalten Krieg zwischen Erde und Mars an und warum? Und was stieß der renegaten Tochter aus bestem Hause zu? Fragen, die ebenso überraschend wie in sich folgerichtig beantwortet werden.

Es sind die Gestalten, die eingebettet in ihre jeweilige Umgebung dem Roman sein Gepräge verleihen. Holden wie Miller sind beides keine einfachen Charaktere. Der eine, ein Mann der zu ehrlich ist, es vielleicht gar zu gut mit allen um ihn herum meint, der andere, ein abgehalfterter Trinker, der, um seiner Perspektivlosigkeit zu entfliehen, seinen letzten Fall auflösen will.
Beide sind in ihrem jeweiligen Betätigungsfeld bewandert, werden jedoch im Verlauf der Handlung immer wieder mit Extremsituationen konfrontiert. Diese zwingen sie dann dazu, nicht nur das Beste aus sich herauszuholen, sondern auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Ausgehend von ihrer jeweiligen Historie urteilen sie dabei ganz unterschiedlich, entfremden sie voneinander, sind aber gezwungen, weiterhin zur Lösung und Auflösung des Falles zusammenzuarbeiten.

Neben viel Dramatik wartet ein Weltbild auf den Leser, das auch in Einzelheiten stimmig ist, das eine Zukunft präsentiert, die so denkbar und vorstellbar ist, in der die Menschen aber weiterhin menschlich im Sinne von fehlbar sind und versuchen ihre Träume wahr werden zu lassen. Das ist bestes SF-Abenteuermaterial voller Flair, Spannung und Atmosphäre.

(Carsten Kuhr, Juni 2012)

Ihre Meinung zu »James S. A. Corey: Leviathan erwacht«

geronimox zu »James S. A. Corey: Leviathan erwacht«16.09.2013
Der Inhalt ist in der obigen Couch Rezi hinreichend beschrieben, deshalb schildere ich an dieser Stelle nur meinen persönlichen Leseeindruck.

»Leviathan« ist der Auftakt einer Roman-Trilogie in … nunja … epischer Länge. Ein ordentlicher Roman mit viel Science und viel Fiction, der jedoch meiner Meinung nach mit 650 Seiten im Ziegelstein-Taschenbuchformat viel zu lang geraten ist, um mich durchgehend zu fesseln. Weniger wäre hier mehr gewesen. Denn der Roman besteht im Kern aus nur einer linearen Geschichte, die jeweils abwechselnd aus der Perspektive der beiden Protagonisten Holden und Miller erzählt wird.

Der Autor beendet viele der langen Kapitel mit einem Cliffhanger. Eigentlich sollte dieser Trick ja die Spannung erhöhen und mich zum sofortigen weiterlesen animieren, aber da ich wusste, dass jetzt erst ein weiteres langes Kapitel aus der zweiten Perspektive folgt, konnte ich das Buch spätestens an allen Kapitelenden ohne Reue beiseitelegen. Trotz Action kein Pageturner.

An der Geschichte selbst gibt es nichts zu meckern. Es gibt alles, was das Herz eines Hard-SciFi Fans begehrt: Raumschiffe, StarWars, Alientechnik, Weltraumkolonien, Mad Scientists und echte Helden in müffelnden Raumanzügen.

»Leviathan« variiert zwar nur die altbekannten SciFi Themen Kolonisierung des Sonnensystems und Bedrohung durch gefundene Alienartefakte, aber der Autor schafft es, ein glaubhaftes Zukunftsbild einer Menschheit zu entwerfen, die sich unter der Regie verschiedener konkurrierender Interessengruppen auf nahezu allen Planeten und Monden in unserem eigenen Sonnensystem ausgebreitet hat.

Wer also ausschweifende Space Novels liebt, wird von Autor Corey bestens bedient.

Die Geschichte des Roman wird am Ende plausibel abgeschlossen und bietet gleichzeitig den Anschluss an das zweite Buch der Trilogie (Calibans Krieg), das erstaunlicherweise wieder genau 650 Seiten stark ist.

Mein Fazit: 7/10 (Abzug wegen spannungsmindernder Länge.)
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