Irgendwo ganz anders von Jasper Fforde

Buchvorstellungund Rezension

Irgendwo ganz anders von Jasper Fforde

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „First Among Sequels“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 416 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Sophie Kreutzfeldt und Joachim Stern.

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In Kürze:

Thursday Next betrügt ihren Mann. Und das nicht erst seit gestern, sondern schon seit vierzehn Jahren! Als mehr oder weniger glückliche Mutter von Friday, Tuesday und Jenny lebt sie mit ihrem geliebten Ehemann Landen zusammen und geht auch jeden Morgen zur Tarnfirma Acme-Carpets, um die schöne Stadt Swindon mit Teppichen und Parkett zu versorgen. In Wirklichkeit ist Thursday natürlich weiter Geheimagentin für SpecOps und verschwindet regelmäßig in die BuchWelt, in der sie jetzt auch Lehrlinge ausbilden muss. Ganz zu schweigen vom lebhaften Käseschmuggel, mit dem sie die kümmerlichen Finanzen der Firma aufzumöbeln versucht. Von alledem darf ihre Familie nichts wissen. Dass diese Täuschungsmanöver auf Dauer nicht gutgehen können, liegt auf der Hand …

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Da meinte der geneigte Leser, dass Thursday Next nun eigentlich endlich die verdienten Früchte ihrer Arbeit für die SpecOps genießen könnte. Nichts mehr mit dem Kampf gegen böse Bücherdiebe, die noch dazu den Inhalt der Klassiker zu verändern trachten. Stattdessen hat sie ihren genichteten Ehemann zurück und drei Kinder am Rockzipfel.

Nachdem ihr Göttergatte nicht eben als Bestsellerautor die Tantiemen scheffelt, verdient sie sich mit dem Verkauf und Verlegen von Teppichbelägen ihr Geld – offiziell zumindest. Im Geheimen, insbesondere ihre bessere Hälfte darf nichts davon wissen, sonst würde der Haussegen beträchtlich schief hängen, ist Acma-Carpets in Swindon doch nur eine Tarnexistenz und Thursday weiterhin mächtig in Trouble in der BuchWeit, TM.

Als sie versucht, Thursday5, ihr anderes Müsli-Ich aus „Das große Samuel-Pepys-Fiasko“ als Agentin auszubilden, stößt sie inmitten der Handlung von Pinoccio auf Sonden aus der Fertigung ihres alten Widersachers, der Goliath Corporation. Kaum zu Hause angekommen, wartet weiteres Unbill auf sie. Ihr Sohn Friday sollte eigentlich schon seit Jahren Leiter der ChronoGarde sein und dafür sorgen, dass die Zeit sich nicht selbst auffrisst und alles bekannte Leben auslöscht. Statt sich verantwortungsvoll um die Rettung des Universums zu kümmern, flackt er aber lieber vollgedröhnt und head-bangermäßig im Bett und gibt sich als Angehöriger der Null-Bock-Generation zu erkennen. Als dann noch Felix8 aus seiner Haft entflieht und sich erneut aufmacht, Thursday umzubringen, weiß sie, dass das wieder einmal einer dieser Tage ist. Doch dann wird Sherlock Holmes getötet, Thursday 1-4 macht sich aus dem Buch auf in die wirkliche Welt und nichts ist mehr so, wie es einmal war …

Wo bleibt die Innovativität?

Was waren das für geniale Bücher, die ersten Romane um Thursday Next. In den ersten drei Bänden der Serie gelang Jasper Fforde etwas, was mehr als rar ist. Er schuf etwas völlig Neues, überzeugte Leser und Kritiker in der ganzen Welt mit seinem Ideenreichtum und seinen stilistischen Finessen. Man stelle sich das vor, eine Agentin, die ihre Zeit damit verbringt, Bücher und der Inhalte zu schützen – und das nicht etwa von Außen, sondern indem sie die Bücher besucht, mit den Hauptpersonen interagiert. Das war, zusammen mit einem Umfeld, das so abgedreht und gleichzeitig überzeugend daherkam, etwas Aufsehenerregendes. Dass zudem immer wieder literarische Klassiker eingebunden wurden, tat ein Übriges, das Buch für eine breitere Öffentlichkeit interessant zu machen. Da blieb kaum etwas von der verpönten Genreliteratur, den banalen Wiederholungen ständig gleicher Grundthemata, das war frisch, voller Esprit und Charme.

Um so mehr enttäuschte dann der vierte Teil der Reihe, der, gerade weil er die Geschichte der Thursday Next zu einem Happy-End führte, nicht an die ersten Teile heranreichte. Nach einigen Jahren hat sich dtv nun entschlossen auch den fünften Teil ins Deutsche zu übersetzen. Und wieder reibt sich der Leser verwundert die Augen. Zwar erwarten ihn auch dieses Mal Anspielungen zuhauf, doch statt Jane Eyre steht dieses Mal Sherlock Holmes, statt Bronte Conan Doyle auf dem Programm.
Fforde bedient sich dabei weitläufig bei sich selbst. Immer wieder tauchen Personen aus den bisherigen Bänden auf, faszinierende Ideen werden recycled, ja ab und an blitzt gar ein wenig der besonderen Phantasie des Autors auf. Doch die zugrundeliegende Geschichte, die, sind wir einmal ehrlich, zu lange braucht, bis sie überhaupt in die Gänge kommt, ist erstaunlich banal.

Selbstverliebt schwelgt Fforde lange, zu lange in alten Schemata, obwohl er es doch viel besser könnte. Seine wenigen, pointiert-sarkastischen Anspielungen auf das Lesersterben, auf Reality-Shows und PC-Games, multinationale Konzerne und unfähige Vorstände genügen leider nicht den hohen Erwartungen, die der Leser mit einem Thursday-Next-Titel verbindet.
Hätte einer der üblichen Verdächtigen dieses Buch geschrieben, ich wäre zufrieden gewesen. Von Jasper Fforde aber hatte ich mir eindeutig wesentlich mehr erwartet und blieb letztlich enttäuscht zurück.

 

Ihre Meinung zu »Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders«

tedesca zu »Jasper Fforde: Irgendwo ganz anders«15.12.2009
Ich schließen mich Carsten an, auch wenn ich nicht ganz so streng mit Mr. Fforde sein würde. Mir war die Geschichte ebenfalls zu langatmig, zu wenig actionreich. Den altbekannten Humor fand ich natürlich amüsant, aber auch da wurde nicht viel Neues geboten, und ich hab mehrmals sogar überlegt, das Buch aus der Hand zu legen. Davon hat mich dann aber doch die Neugier abgehalten, und die Freude, die altbekannten Figuren wiederzusehen, die nichts an Tiefgang und Persönlichkeit verloren haben. Alles in allem wohl ein Muss für Fans der Serie, wobei sich meiner Meinung nach deren Ende jetzt auch deutlich abzeichnet, auch wenn der Schluss eine Fortsetzung erahnen lässt.
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