Schwanentanz von Jean Francis

Buchvorstellungund Rezension

Schwanentanz von Jean Francis

Originalausgabe erschienen 2011, 208 Seiten.ISBN 3941547380.

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In Kürze:

Die Sídhe nannten sich das Feine Volk aus den Hügeln. In vergangenen Zeiten sprach man nur im Flüsterton über sie. Im Mondschein kamen sie in die Dörfer und raubten den Frauen die Ehegatten aus den Betten und die Söhne aus den Wiegen. Als Liebessklaven mussten Menschenmänner die unersättliche Lust der Sídhefrauen stillen. Aber dann verschwand das Feine Volk. Ging zurück nach Avalon. So heißt es in den Legenden. Heute weiß niemand mehr, dass eine von ihnen zurückblieb. Brandon Cnocach, der ranghöchste Krieger der Sídhefürstin Cara, hat längst vergessen, wie viele Fluchtversuche hinter ihm liegen. Caras Bann dominiert seinen Körper sowie seinen Geist, trotz seines Freiheitsdrangs ist er ihr hörig. Erst Suzanna, eine Balletttänzerin aus London, deren Hingabe der junge Krieger fordert, verleiht ihm neuen Mut. Doch Mut allein ist im Kampf gegen eine Sídhefürstin sehr, sehr wenig …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Bösartige Sidhe gegen willensstarke Ballerina – Ein Mann zwischen zwei Frauen“70

Fantasy-Rezension von Anja Helmers

Brandon ist zwar ein starker Krieger, aber trotzdem ein Sklave der Sidhe-Fürstin Cara. Er lebt seit seiner Kindheit in vollkommener Abhängigkeit von ihr, wie alle Männer im Feenhügel. Als er seine Aufgabe, den Zugang des unterirdischen Reichs vor Menschen zu schützen, vernachlässigt, wird er von seiner Herrin bestraft. Nackt und mit verbundene Augen, mit den Händen über dem Kopf an ein Seil gefesselt, wird er von Cara gequält, bis er ihr verspricht, sein Fehlverhalten wieder in Ordnung zu bringen.

Die Karriere der erfolgreichen Balletttänzerin Suzanna fand durch eine Meniskusruptur und OP-Komplikationen ein abruptes Ende. Um sich selbst und auch allen anderen zu beweisen, dass sie es alleine schaffen kann, reist sie für eine Weile aufs Land. Ein Dorf im Nordwesten Irlands und das unbewohnte Haus einer Freundin sind ihr neues Domizil. Sie ahnt nicht, dass im verwilderten Garten der Eingang zu Caras Welt liegt. Als Suzanna in jenem Garten eine ihr unbekannte Blume pflücken will, schießt ein Mann auf sie zu und brüllt sie an. Zum Glück gelingt es ihr, den wild gewordenen Öko-Aktivisten von Grundstück zu scheuchen.

Die Legende der unwiderstehlichen Sidhefrauen

„Schwanentanz“ ist ein Roman aus dem Bereich Erotik, da lässt der Aufdruck keinen Zweifel aufkommen. Optisch passt das Buch problemlos zu den bei Leserinnen so beliebten modernen Fantasy-Romance-Serien. Ein farblich gut gestaltetes Cover mit dem muskulösen sowie tätowierten Oberkörper eines Mannes, – ohne Kopf wohlgemerkt -, und einer sitzenden Frau mit Ballettschuhen passt hervorragend zum Inhalt.

Viele Märchen beinhalten sexuelle Motive, da liegt es nahe, diese in einem Erotikroman zu verwenden. Unter ihrem Pseudonym Jean Francis, benutzt die Autorin Jennifer Benkau die Faszination keltischer Feenwesen und den Bekanntheitsgrad eines berühmten Ballettstücks, um daraus eine nette Bettlektüre für aufgeschlossene, moderne Frauen zu stricken.

Die Sexszenen sind kein Beiwerk, sondern das Knochengerüst der Handlung, – dementsprechend zahlreich über die 208 Seiten verteilt -, die Geschichte ist das Fleisch des Romans. Die Beschreibungen sind sehr direkt und detailliert, von Subtilität keine Spur. Die Handlung ordnet sich dem Hauptzweck, mehrere Varianten des menschlichen Paarungsverhalten zu beschreiben, unter, und wirkt an einigen Stellen etwas konstruiert. Allerdings geschieht dies auf eine einfallsreichere Art und Weise als sonst üblich, sprachlich leichtfüßig, wortgewandt und humorvoll.

Positiv hebt sich auch ab, dass das Thema Unterwerfung und Dominanz mit anders verteilten Rollen gespielt wird. Die Autorin dreht hier den Spieß um, und macht aus den Männern, -immerhin starken Kriegern -, abhängige Liebessklaven einer Sidhe. Trotz einiger Fluchtversuche und dem Wunsch nach Freiheit, ist Brandon seiner Herrin bis zu einem gewissen Grade hörig. Sehr erfreulich, dass in dieser Geschichte endlich mal nicht die ´Rettung der Prinzessin durch einen tapferen Recken´-Variante vorkommt, sondern der tapfere Recke auf die Hilfe einer Frau angewiesen ist, um sich zu befreien.

„Es war klüger, Cara blind zu gehorchen“

In „Schwanentanz“ kämpfen zwei Frauen um einen Mann, deren Kräfteverhältnis sehr ungleich ist. Suzanna, die Hauptprotagonistin, ist eine moderne Frau mit zahlreichen erotischen Erfahrungen, willensstark, attraktiv und selbstbestimmt. Als langjährige Balletttänzerin ist sie eiserne Disziplin gewöhnt, sie lässt sich nicht so leicht von ihren Zielen abbringen. Allerdings verhält sie sich in meinen Augen manchmal etwas zu naiv. Ihre Gegenspielerin Cara ist übermächtig, und wie eine Göttin duldet sie keine Nebenbuhlerinnen. Die Zeichnung dieser Figur ist sehr gelungen.

Die Sidhe-Fürstin ist eigentlich der personifizierte Albtraum für jeden Mann. Bösartig, schön und übermächtig. Nicht nur dank ihrer Magie unangreifbar, sondern gleichzeitig Mutter und Geliebte für ihre Männer. Das macht es den ihr untergebenen Kriegern so schwer, sich ihrer Anziehungskraft zu entziehen. Obwohl Cara so gnadenlos grausam ist, ihre Männer ohne Gewissensbisse unterjocht, sind sie ihr trotzdem ergeben wie einer Göttin. Cara hält sie umklammert in einer Mischung aus Schmerz, Abscheu, Verständnis und hemmungsloser Lust. Sie hat die Kontrolle und formt die geheime Welt im Sid, wie der Feenhügel genannt wird. Als Verteidigung ihres Verhaltens sagt sie zu Brandon, dass sie ihnen alles gebe, alles was sie brauchten. Erst Dank ihrer Fürsorge und Anleitung würden sie zu richtigen Männern, denen die Bösartigkeit der Welt nichts anhaben könne, weil sie sie stark gemacht hätte.

Dass Brandon, trotz seiner offensichtlichen Verliebtheit , in Suzannas Gegenwart nicht zu einem sanften Liebhaber mutiert, sondern seine eigenen sadistischen Neigungen nur mühsam in den Griff bekommt, wirkt in Anbetracht dessen mehr als glaubhaft.

Wer Spaß an der Vermischung von gut geschriebener Erotik sowie irischen und europäischen Märchenmotiven hat, wird mit „Schwanentanz“ keinen Fehlgriff tätigen.

(Anja Helmers, Dezember 2011)

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