Jeff Gelb & Del Howison: Dark Delicacies von Jeff Gelb & Del Howison

Buchvorstellungund Rezension

Jeff Gelb & Del Howison: Dark Delicacies von Jeff Gelb & Del Howison

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Dark Delicacies - Original Tales of Terror and the Macabre by the World´s Greatest Horror Writers“,deutsche Ausgabe erstmals 2009, 400 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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In Kürze:

19 neue Geschichten des Schreckens u.a. von Clive Barker, Ray Bradbury, Lisa Morton, Whitley Strieber, F. Paul Wilson, Roberta Lannes, Brian Lumley, Nancy Holder, John Farris, Chelsea Quinn Yarbro, Ramsey Campbell, Gahan Wilson, Rick Pickman, William F. Nolan, David J. Schow, Steve Niles, Richard Laymon …Viele Storysammlungen versprechen sehr viel und halten es nicht. Dark DelicaciesTM hält Wort. 19 Leckerbissen des Bösen! Ausgezeichnet mit dem Bram-Stoker-Award als beste Horroranthologie. Mit Richard Laymons letzter Geschichte, die er kurz vor seinem viel zu frühen Tod schrieb.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Gleichermaßen Fluch und Segen“70

Horror-Rezension von Elmar Huber

„Es gab Legenden, Gerüchte und Mythen darüber, dass das Buch die Träume beeinflusste. Der Leser konnte entweder grausige Abenteuer überstehen, einen perversen sexuellen Gral finden oder in einer Szene blanken Entsetzens ertrinken. Es bestand sogar die Möglichkeit, dass das Buch dich befreite.“
(David J. Schow: Der Scheiterhaufen und andere Geschichten)

Ray Bradbury: Der Wiedergeborene

Sechs Monate nach seinem Tod kehrt „Der Wiedergeboree“ – von seinen Sehnsüchten und Erinnerungen getrieben – an die Erdoberfläche zurück. Sein sehnlichster Gedanke ist es, seine Geliebte wieder zu sehen.

Eine seltsame Zombie-Geschichte ohne Blut, Fleisch und Gedärme, nicht zuletzt aufgrund der sehr seltenen Du-Form, in der das Ganze verfasst ist, und die den Leser mit dem Wiedergänger gleichsetzt. Die seltsamen Begegnungen des Zombies auf seinem Weg und die untypisch normalen Reaktionen der Menschen auf den Anblick des Wiedergeborenen tun ein übriges, die Geschichte ins traumhafte gleiten zu lassen.

Lisa Morton: Die Black Mill Bucht

Auf der Suche nach Muscheln macht ein Sporttaucher in der „Black Mill Bucht“ eine verstörende Entdeckung. Ein Killer nutzt die Bucht als Abladestelle seiner ganz speziellen Abfälle.

Ein uninspirierter Kurz-Slasher. Leider viel zu kurz, um die Personen nahezubringen, geschweige denn, sympathisch zu machen. Infolge dessen lässt die Story komplett kalt.

Whitley Strieber: Kaddisch

Auf den Gefängnisdirektor und bekennenden Christen Hal Michaels wartet ein aufregender Tag: Ein Gespräch mit dem Vizepräsidenten, ein Pressetermin mit einer Pfadfindergruppe und endlich die erste Hinrichtung seit 1936 mit entsprechendem Medieninteresse.

Whiltey Strieber kredenzt das erste Highlight der Sammlung. Eine bitterböse Post-9/11-Utopie, in der nicht etwa republikanische Hardliner, sondern fanatische Christen an allen Machthebeln der USA sitzen. Mit Sicherheit würden diesen Gläubigen Gestapo-Mäntel gut stehen.

Robert Steven Rhine: Der Seher

Obwohl mit einer besonderen Gabe gesegnet, führt Daniel ein unscheinbares Leben. Auf einer Dinnerparty kommt es schließlich zu einer Demonstration seiner Fähigkeiten, die den Startschuss gibt für eine Reihe unausweichlicher Ereignisse.

Sehr gelungen beschreibt „Der Seher“ die Bürde des Boten, der schlechte Nachrichten überbringt. Gegen seinen Willen wird Daniel gezwungen, düstere Zukunftsszenarien auszubreiten, was ihn selbst zu einem Geächteten macht und ihn schließlich einholt. „Der Seher“ ist sehr gelungen, pointiert und überraschend.

D. Lynn Smith: Die Verwandlung

Ryan will den Vampir, den sein Vater gefangen hält, nur töten, so wie dieser seine Geschwister getötet hat. Doch dieser hält ihn zurück. Er führt Experimente an dem Wesen durch. Plötzlich geschieht etwas Unerwartetes.

Ungewöhnliche Vampirstory mit Endzeit-Touch, der seine eigentliche Spannung aus den abweichenden Überzeugungen von Vater und Sohn bezieht. Das Ende überrascht mit konsequenter Vergeltung und der Titel der Geschichte erhält plötzlich einen doppelten Sinn.

F. Paul Wilson: Ein Teil des Spiels

Um seinen aufwändigen Lebensstil weiter zu finanzieren, möchte der Polizist Hank ein Stück vom Kuchen des Mandarin, der Chinatown im Verborgenen beherrscht, abhaben. Doch die Chinesen verlieren nicht gerne das Gesicht und Hank erhält ein Päckchen mit seltsamem Inhalt.

Mit wenigen Worten zieht Handyman-Jack-Schöpfer F. Paul Wilson den Leser ins Geschehen. Eine konzentrierte und souveräne Story, die den knallharten Cop Hank am Ende selbst „ein Teil des Spiels“ der Chinesen werden lässt.

Roberta Lannes: Des Verstandes beraubt

Was geschieht, wenn das Verhalten eines Psychiaters zunehmend bizarrer wird? Gedächtnislücken und Flashbacks lassen Daniel die Aufzeichnungen eines alten, vergessenen Falls wieder ans Licht holen.

Ein Psychiater, der in seinem eigenen Fall auf Spurensuche geht. Die von Zeit zu Zeit auftretenden Aussetzer machen es ihm nicht leichter. „Des Verstandes beraubt“ ist sehr gut konstruierter, psychologischer Horror, der gleich von Beginn an fesselt.

Brian Lumley: Mein seltsamer Freitag

Die Notlandung auf einem fremden Planeten macht es für den einzigen Überlebenden notwendig, so etwas wie sein eigenes Revier im Gebiet der Planetenbewohner aufzubauen. Glücklicherweise scheinen diese nicht aggressiv zu sein.

„Mein seltsamer Freitag“ (gemeint ist hier der Robinson-Freitag und nicht der Wochentag) bietet durch das Setting eher Science-Fiction, denn Horror. Auch der Verlauf, der durch Tagebucheinträge erzählt wird, ist mehr von Erforschung, Beobachtung und Rückschlüssen bestimmt als von Gefahr. Der erstaunlich langsame Handlungsverlauf mündet in ein ebenso ruhiges aber tödliches Finale.

Nancy Holder: Das Zwölf-Stufen-Programm – ein Sommer mit den AA

Fast niemand weiß, dass die beiden Mitglieder der angesagten Band „Cannibal Cats“ tatsächlich Kannibalen sind. In Ermangelung einer anonymen Kannibalen-Selbsthilfe treten die beiden den Anonymen Alkoholikern bei und erhoffen sich dort Hilfe.

Das Zwölf-Stufen-Programm ist eine wirre Story, die kaum nachvollziehbar ist und auch leider kein Ziel hat.

John Farris: Eine Bloody Mary am Morgen

George Whittaker erschießt seine Frau auf dem Rücksitz seiner Limousine. Seelenruhig macht er sich dann auf den Weg in sein Büro. Auf den Weg gerät er in einige skurrile Ereignisse.

„Eine Bloody Mary am Morgen“ lässt den Leser zunehmend zweifeln, was er hier gerade gelesen hat. Eine interessante Variante von Ambrose Bierces „Ein Zwischenfall an der Owl-Creek Bridge“, bei der das Ende leider nicht überzeugen kann.

Chelsea Quinn Yarbro: Ein Gentleman der Alten Schule

Ein blutiger Mord in einem Forschungszentrum führt die Reporterin Solange Barendis zu einem großzügigen Geldgeber der Einrichtung. Der Graf findet Gefallen an der Reporterin und führt sie auf die richtige Spur.

Chelsea Quinn Yarbro stellt die Beziehung zwischen der Reporterin und dem verdächtigen Grafen (von Saint Germain) in den Vordergrund. Vampirisches Wirken wird lediglich angedeutet. Statt Prickeln will sich allerdings nur Langeweile einstellen.

Ramsey Campbell: Die Verkündigung

Ramsey Campbell jagt seinen Protagonisten, einen erfolglosen Schriftsteller, durch die Seitenstraßen einer fremden Stadt, einem Lautsprecherwagen hinterher, der unverständliche Lügen über ihn hinausposaunt. Steckt etwa der erfolgreiche Emporkömmling Bill Rigg dahinter?

Ramsey Campbell bleibt „seinem“ Genre des urbanen Horrors treu und zaubert das noch nie da gewesene Pendant einer Spukerscheinung aus dem Ärmel, das seinen Helden heimsucht. Außer einem gelungenen surrealen Albtraum ist „Die Verkündigung“ noch eine witzige Abrechnung mit Rätsel- und Geheimnis-Schriftstellern Brown’scher Coleur.

Gahan Wilson: Am Stadtrand

Aufgeregt erwartet der Maler Barstow den Galeristen Max Ratch, dem er seine aktuellen Bilder zeigen möchte. Sein Umzug an den Stadtrand hat dem Künstler eine ganz neue Art der Inspiration eröffnet, von der seinen aktuellen Bilder zeugen.

Viel zu schnell entwickelt sich „Am Stadtrand“ zu einem leicht durchschaubaren Plagiat von Lovecrafts „Pickman’s Modell“ und hat dem nichts hinzuzufügen.

Rick Pickman: Dark Delicacies of the Death

Was tun, wenn man während einer Autogrammstunde im legendären Horror-Buchladen „Dark Delicacies“ plötzlich von Zombies belagert wird? Für die anwesenden Fachleute, Autoren und Herausgeber sollte diese Situation kein Problem darstellen, zumal einige über überraschende Fähigkeiten verfügen.

Rick Pickman fährt ein ganzes Bataillon einschlägig bekannter Horror-Promis (in leicht veränderter Schreibweise) auf. Sicherlich ist diese Titelstory gut gemeint und alle Mitwirkenden sollten sich über diese – nicht ganz ernst gemeinte – Anerkennung freuen (o.k. nicht alle). Doch leider setzt der Autor seinen Einsatz voll und ganz auf diesen mutmaßlich genialen Einfall. Die Story, die das Ganze tragen sollte ist allerdings so schwach, dass „Dark Delicacies of the Death“ nur noch albern wirkt.

William F. Nolan: DePompa

Der junge Schauspieler Dennis Holmes besitzt eine geradezu unheimliche Ähnlichkeit mit dem verstorbenen Star Terry DePompa. Gemeinsam mit DePompas Witwe besuchen sie den Ort, an dem DePompas tödlicher Unfall passierte. Oder war es Selbstmord?

Eher Drama als Horrorgeschichte, lässt „DePompa“ Erinnerungen an Leben und Tod James Deans aufkommen. Zu Beginn noch vielversprechend und formal interessant, lässt das Ende eher ratlos zurück.

David J. Schow: Der Scheiterhaufen und andere Geschichten

Ein Buch, das gute oder böse – auf jeden Fall aber intensive – Träume bringen soll. Diese urbane Legende lässt den Collegelehrer Franklin nicht eher ruhen, bis er besagtes Objekt in Händen hält. Voller Überzeugung, dass ausgerechnet er die Träume beeinflussen kann, wagt er den Selbstversuch.

Ein sagenumwobenes Buch voller Gruselgeschichten ist natürlich seinerseits ein dankbares Thema für eine Gruselgeschichte. Leider kann „Der Scheiterhaufen und andere Geschichten“ aufgrund der Kürze nicht nicht alle Stärken voll ausspielen.

Steve Niles: Blutige Angelegenheiten

Auf der Suche nach einer verschwundenen Familie gerät Cal McDonald in die Fänge einer degenerierten Kannibalensippe.

Zugegeben wenig originell punktet das äußerst blutige Szenario vor allem mit dem Zynismus der unverwüstlichen Hauptfigur Cal McDonald. „Blutige Angelegenheiten“ will gar nicht mehr sein, als ein schneller, blutiger und unversöhnlicher Trip. Steve Niles ist vor allem bekannt als Texter des Comics „30 Days of Night“ plus Fortsetzungen. Der Character Cal McDoanld hatte bereits einen Auftritt in Niles „Criminal Macabre“-Comic.

Richard Laymon: Die Turmspringerin

Eines Abends beobachtet ein Autor in seiner Nachbarschaft eine Schwimmerin. Beeindruckt von ihrer Schönheit beobachtet er sie weiter, bis sie ihn bemerkt und zu sich winkt.

Richard Laymon überrascht – angesichts seiner sonst wenig subtilen Werke – mit einer sehr gut entwickelten und ungewohnt zahmen, modernen Geistergeschichte, angesiedelt in einer anonymen Vorortsiedlung von LA. „Die Turmspringerin“ ist Laymons letzte Horrorgeschichte. Der Autor starb am 14.02.2001.

Clive Barker: Haeckels Erzählung

Auf seiner Heimreise erhält ein junger Student ein Nachtquartier im Haus eines alten Mannes. Der Student ist überrascht über die ungewöhnlich junge Ehefrau des Alten, die offensichtlich ein Geheimnis umgibt. Des Nachts verlässt sie das Haus und vom nahen Friedhof dringen seltsame Geräusche her.

Den einen oder anderen möglicherweise durch die Verfilmung innerhalb der „Masters of Horror“-Reihe bekannt, überzeugt „Haeckels Erzählung“ durch ihre formale Ausgewogenheit, die in einem krassen Gegensatz zum abstoßenden Inhalt steht.

Idealismus des Festa-Verlags

„Dark Delicacies“ ist der auf Phantastika spezialisierte Buchladen von Del Hewison, ein Mekka für alle interessierten Leser und Autoren der amerikanischen Phantastikszene. Gemeinsam mit dem renommierten Herausgeber Jeff Gelb stellte er nun diese Sammlung gleichen Namens zusammen, deren einziges Thema lautete: „Schreibe die beste verdammte unheimliche Geschichte, die du dir nur vorstellen kannst“ (Dark Delicacies: Eine Einleitung). Angesichts einiger Enttäuschungen, die allerdings in jeder einer solchen bunten Mischung enthalten sind, fragt man sich, ob die Auswahl möglicherweise nicht auch von einigen Verpflichtungen abhängig war. Darüber hinaus dürfte es nahezu unmöglich sein, dass jede der immerhin 20 neuen Geschichten jeden Leser gleichermaßen anspricht. Das ist stets gleichermaßen Fluch und Segen einer Anthologie.

Das Schöne an solchen Sammlungen ist stets die Überraschung, nie zu wissen, was einen auf den folgenden Seiten erwartet. Vorhersehbares („Am Stadtrand“) oder Experimentelles („Das Zwölf-Stufen-Programm“, „DePompa“), Gänsehaut („Die Verkündigung“) oder Gekröse („Blutige Angelegenheiten“) – oder beides („Haeckels Erzählung“), neue Seiten an Autoren zu entdecken, für die man immer schon Sympathien oder Antipathien hegte („Mein seltsamer Freitag“, „Die Turmspringerin“) oder sich in seiner Meinung bestätigt zu sehen („Ein Gentleman der Alten Schule“), mal wieder ein Lebenszeichen eines rar gewordenen Autoren wahrzunehmen („Kaddisch“) oder einen bislang unbekannten Autoren zu entdecken („Der Seher“).

Dem Festa-Verlag muss insofern Idealismus bescheinigt werden, da es der einzige deutsche Verlag ist, der sich noch traut, amerikanische Originalanthologien eindeutschen zu lassen und auf den Markt zu bringen. Während sich diese Art der Bücher über dem großen Teich offenbar verkauft wie geschnitten Brot – zahllose Anthologiereihen zeugen davon – konnten solche Sammlungen in Deutschland nie richtig Fuß fassen. Nach zwei Bänden „Hot Blood“ (ebenfalls herausgegeben von Jeff Gelb) – im Original bereits auf mindestens 13 Bände angewachsen – wurde Festas Versuch, mit diesen erotischen Horrorgeschichten den deutschen Markt zu beglücken, ebenfalls eingestellt.

Auch wenn nicht jede Geschichte in „Dark Delicacies“ ein Treffer ist, wäre es schade, auf diese Art Bücher zu verzichten. Sammlungen dieser Art waren die Wiege meiner persönlichen Liebe zum Horror, auch wenn von solchen Sammlungen nur einige wenige Geschichten dauerhaft im Gedächtnis bleiben.

Das Äußere der „Dark Delicacies“ ist sehr schön und stimmungsvoll geworden. Man hat das Gefühl, ein sehr hochwertiges Taschenbuch in Händen zu halten. Lediglich der Satzspiegel wirkt etwas seltsam, da die Textblöcke nicht mittig auf den Seiten angeordnet sind sondern eher sogar Richtung Außenränder verschoben. So wirkt der mittlere Bundsteg sehr breit, während die Außenstege dagegen sehr schmal sind. Das Umgekehrte ist die Regel.

Ihre Meinung zu »Jeff Gelb & Del Howison: Dark Delicacies«

Alexi1000 zu »Jeff Gelb & Del Howison: Dark Delicacies«27.01.2010
Auch bei mir kommt diese Geschichtensammlung nicht über 65° hinaus...
In der Summe schwankt die Qualität zwischen absoluten Perlen und Luschen halt zu stark...

auf die einzelnen Geschichten ist deutlich genug eingegangen worden...

für Kompletisten, denen noch die ein oder andere Kurzgeschichte Ihres Lieblingsautoren fehlt, sicher trotzdem noch zu empfehlen...

über die Qualität des Buches lässt sich bei Festa eh nich streiten...
Ihr Kommentar zu Jeff Gelb & Del Howison: Dark Delicacies

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