Im Abgrund von Jeff Long

Buchvorstellungund Rezension

Im Abgrund von Jeff Long

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „The Descent“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 543 Seiten.ISBN 3-442-35619-9.Übersetzung ins Deutsche von Gerald Jung.

»Im Abgrund« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Aus dem Inneren der Erde steigen Schreckgestalten an die Oberfläche. Ein Krieg zwischen Menschen und Kreaturen bricht aus, in dem sich beide Seiten nichts schenken, bis sich die angebliche Invasion als verhängnisvoller Irrtum herausstellt …Bemerkenswert spannend startet dieses gelungene Gruselwerk, dem auch das abgehobene Finale den Rang eines Geheimtipps nicht mehr nehmen kann.

Das meint phantastik-couch.de: „Alles Böse kommt von unten“90

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Bosnien-Herzegowina 1996: Auf einem der vielen Schlachtfeldern des ehemaligen Jugoslawien schützt eine Einheit der NATO-Friedenstruppe eine Gruppe von Ärzten, die mit der Kartierung von Massengräbern aus der „heißen“ Phase des grausamen Bürgerkriegs beschäftigt sind. Seit einiger Zeit lassen sich auf einem der größten Gräberfelder seltsame nächtliche Aktivitäten feststellen. Offenbar werden die Leichenberge aufgestört – und zwar von unten! Als Major Elias Branch mit einer Patrouille dem vor Ort nachgeht, wird seine Gruppe von unbekannten Angreifern ausgelöscht. Nur der Major überlebt schwer verletzt. Seine Geschichte von gehörnten, ghoulischen Leichenfressern mag ihm Niemand glauben. Branch gesundet, bleibt aber für sein Leben gezeichnet.

Dennoch nimmt er seinen Militärdienst wieder auf und kehrt zurück nach Bosnien. Auf eigene Faust beginnt er die Stätte seines unglaublichen Erlebnisses zu erforschen. Als er dabei einen alten Minenschacht erkundet, macht er eine Entdeckung, die das Gesicht der Welt buchstäblich verändern wird: Die Schächte gehen in der Tiefe in Höhlen und Gängen auf, die sich über Tausende von Kilometern hinziehen. Und das ist längst nicht das Ende: Die basaltenen Sockel, auf denen die Kontinente ruhen, sind durchlöchert wie ein Schweizer Käse! Überall stößt man auf dasselbe Phänomen. Unglaubliche Entdeckungen werden in der Tiefe gemacht, die vor der Öffentlichkeit zunächst sorgfältig geheim gehalten werden. Die Armeen der Welt schicken Hunderttausende von Männern und Frauen in die geheimnisvollen unterirdischen Kosmos.

Branch, der Entdecker der unterirdischen Welt, warnt vor den unheimlichen Bewohnern, die er in der Tiefe vermutet. Tatsächlich scheint der subterrane Kosmos bewohnt zu sein. Die „Hadal“ üben ihr Schreckensregiment aus, und das offenbar seit Jahrtausenden, in denen sie immer wieder an die Erdoberfläche kommen und Raubzüge und Sklavenjagden veranstalten. Auch jetzt scheint es, dass sie sich ihre Herrschaft nicht streitig machen lassen wollen. Plötzlich schlagen sie zu und löschen ganze Armeen aus. Die Katastrophe ist da und lässt sich nicht mehr geheim halten. Panik und Entsetzen brechen aus, weil eine Invasion aus dem Inneren der Erde befürchtet wird. Unter der Erde bricht ein erbitterter Krieg aus, denn eines ist klar: Der Mensch wird sich nicht mehr aus der Tiefe vertreiben lassen. Eine Expedition soll bis ins Herz des Hadal-Imperiums vorstoßen. Dieses Unternehmen endet in der Hölle – und das ist nicht im übertragenden Sinn gemeint …

Spannender Horror, der wirklich überraschen kann

Der Liebhaber phantastisch-unheimlicher Romane ist in der heutigen Buchwelt arm dran. Zwar ist der gedruckte Horror wieder auf dem Vormarsch, doch weiterhin wird der (oder die) Leser/in mit immer denselben pseudo-erotischen Vampiren, dem schleimigen Bösen aus der Urzeit oder telepathischen Serienmördern gelangweilt, und das schon seit Jahren und gern in Serie. Die Stars des „handfesten“, d. h. das Grauen nicht ausschließlich in den Abgründen der menschlichen Psyche ortenden Horrors spulen routiniert ihr Standardprogramm ab und vermeiden es sorgfältig, ihr Publikum durch neue Ideen zu verschrecken.

Jeff Long unternimmt erfreulicherweise den Versuch, die ausgetretenen Pfade wenigstens ansatzweise zu verlassen. Zwar hat „Im Abgrund“ kaum die Chance, als Meilenstein der phantastischen Literatur in die Geschichte einzugehen, denn der Plot weist noch tiefere Löcher auf als die bodenlosen Katakomben, in denen die Hadal hausen. Jeff Longs Reise zum Mittelpunkt der Erde ist genauso „realistisch“ wie die klassische Vorlage von Jules Verne, auf die der Autor immer wieder anspielt (samt unterirdischem Ozean). Aber das macht überhaupt nichts, denn er erzählt seine Geschichte so rasant, dass man sich gern von ihm manipulieren lässt. Besonders die ersten 160 Seiten gehören eindeutig zum Besten, was das Genre in den letzten Jahren hervor gebracht hat; Elias Branchs bizarre Erlebnisse auf dem bosnischen Gräberfeld stellen in ihrer atmosphärischen Dichte sogar einen kleinen Höhepunkt der modernen unheimlichen Literatur dar.

Die Kunst, eine Geschichte richtig zu erzählen, ist eine offensichtlich seltene Gabe, die man deshalb gar nicht hoch genug wertschätzen kann. Wenn sich ihr Rezensent – der viele gewollt (und noch mehr unfreiwillig) unheimliche Romane gelesen hat – an einige Titel aus den letzten Jahren erinnern möchte, die das gerade Gesagte beherzigen, so sieht es düster aus. Ihm fallen auf die Schnelle gerade zwei rühmliche (und subjektiv benannte) Beispiele ein: Douglas Prestons und  Lincoln Childs „Relic – Museum des Grauens“ und Dan Simmons’ unterschätzte „Feuer von Eden“ (sowie – mit einigen Einschränkungen – Nelson DeMilles „Goldküste“). Die Kombination von High Tech und Grusel ist an sich nichts Neues; man denke an Michael Crichton oder Philip Kerr, die eine ganze Schriftstellerkarriere mit dieser Formel bestreiten (und dabei so tun, als hätten sie die Science Fiction oder den Horror für die Mainstream-Literatur erfunden).

Dass sich Jeff Long mit „Im Abgrund“ dieser illustren Runde zugesellen kann, ist eine echte Überraschung. Als Autor ist er ein Neuling, und sein erster in Deutschland (und ebenfalls bei Blanvalet) erschienener Roman „Tödliches Eis“ ein überaus konventioneller Polit- und Abenteuer-Thriller, der den furiosen Nachfolger an keiner Stelle ahnen lässt. Dabei sorgt der Lebenslauf des Autors zunächst einmal für Misstrauen: Hier schreibt ein ehemaliger Extrem-Bergsteiger, der offensichtlich allmählich zu alt für seinen seltsamen Job wurde und nun versucht, seine Erfahrungen auf anderem Gebiet zu Geld zu machen. Aber Long verfügt über echtes Talent, und er hat seine Hausaufgaben gemacht. Das phantastische, oft geradezu irreale Ambiente wirkt Dank der sorgfältigen Recherche durchweg sehr überzeugend.

Warum zum Teufel dieser Finalhumbug?

Natürlich bleiben gewisse inhaltliche und formale Schwächen bei einem Roman dieser Länge nicht aus. Abgesehen von der Schwierigkeit, vor die Longs Konzept einer „hohlen“ und von allerlei Getümen bevölkerten Unterwelt jeden Leser stellt, der sich in der Geologie unseres Heimatplaneten auch nur ein bisschen auskennt, überzieht der Autor immer dort, wo er vom roten Faden seiner Geschichte abweicht. Da trifft die Menschheit nicht nur ihr (in jeder Beziehung) dunkles Gegenstück – nein, die unheimlichen Hadal praktizieren auch noch aktive Seelenwanderung und werden womöglich vom Teufel höchstpersönlich regiert! Hier manifestiert sich wohl die für schriftstellernde Bergsteiger typische Mischung aus epiphanischer Naturmystik und höhenbedingtem Sauerstoffmangel.

Im Rahmen eines reinen Unterhaltungs-Thrillers ist Long die Figurenzeichnung sehr gut gelungen. Natürlich sind Militärs beschränkt, Konzerne böse, Wissenschaftler weltfremd und Politiker immer verdächtig. Aber dennoch entgleist Long eigentlich nur ein einziger Charakter wirklich: Ali, die aufsässige Nonne – ein Zugeständnis an die politisch korrekte Feministinnen-Front oder die im Hinblick auf einem mögliche Verfilmung unbedingt notwendige „starke“ Frauenrolle? Ansonsten glaubt man Long aufs Wort, wenn er den dämonischen Hadal die nur scheinbar „normalen“ Menschen gegenüberstellt, die rücksichtslos in das profitable Innere der Erde vordringen und sich bald von ihren Gegnern kaum mehr unterscheiden lassen..

Vom einem grundsätzlichen Problem unheimlicher Geschichten (und Filme) musste Long übrigens ebenfalls kapitulieren: Seine Hadal sind nur solange wirklich geheimnisvoll und Furcht erregend, wie sich ihr Schöpfer auf Andeutungen beschränkt . Sobald sie in persona auftreten, kommen sie rasch zum „Monster der Woche“ der „Akte X“-TV-Serie herunter. Aber an diesem Punkt sind schon weitaus größere literarische Geister als Jeff Long gescheitert! „Im Abgrund“ ist trotz dieser kleinen Einschränkungen ein rundum gelungenes Stück Unterhaltungsliteratur, das einem möglichst breiten Publikum als Lesetipp ans Herz gelegt werden kann.

Ihre Meinung zu »Jeff Long: Im Abgrund«

Andreas zu »Jeff Long: Im Abgrund«26.01.2016
Deeper is a 2007 novel by Jeff Long and is the sequel to his 1999 novel, The Descent. It continues the first book's exploration of the dark subterranean world populated by the brutal hominid offshoot Homo hadalis.

In a prologue, veteran underground guide Ike Crockett abandons his wife Alexandra von Schade and unborn child to return to the subterranean world, driven by feelings and whispers he cannot understand. He does not plan on returning to the surface. At the same time, an unscrupulous video documentary producer named Clemens is leading a film crew and its support team into the abandoned Hadal metropolis discovered by the ill-fated Helios expedition three years earlier. The film crew is wiped out by an unseen force, with Clemens the sole survivor.
Andreas zu »Jeff Long: Im Abgrund«26.01.2016
Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007). Es gibt bereits den zweiten Teil:
Deeper (2007).
Matthias K zu »Jeff Long: Im Abgrund«27.08.2009
Sehr gute Rezension, der ich nur zustimmen kann!
Durchaus packend geschrieben, originell, mit toller Personencharakterisierung, ich fand auch die Anspielungen auf die (dem schon länger "grabenden" Grusel- und Phantastik-Lese-Fan) bekannten Klassiker toll. Gar nicht mal so viel Verne hab ich entdeckt, vor allem Haggard: "She", - das Buch hat hat wohl Pate gestanden...
Zwei Sachen sind mir mitunter ein bißchen auf den Keks gegangen - dieser Manierismus der "lakonischen Pointe" am Schluß von Kapiteln. Eins, zwei mal freut man sich, wenn da so ein Drei-wort satz kommt, umd man weiß, aha, er meint Ike, aber irgendwann hab ich mich geärgert, das der autor dies Stilmittel so oft anwendet.
Und dann fand ich den Major Branch eine extrem schwache Figur. Welche Funktion hat er eigentlich? und es steckt auch ein fieser logischer Fehler drin - er mutiert doch schon nach dem Bosnien-Erlebnis ohne Grund zum Gehörnten, während später lang und breit erklärt wird, das passiere Soldaten nur dann, wenn sie lange unter der Erde sind... Oder hab ich da was falsch verstanden???

Noch ein Tipp für alle, die sich so sehr gegruselt haben - und mehr davon wollen: ihr verpaßt echt was, wenn ihr die noch viel fieseren Geschichten dieser Art aus den 30er und vierziger Jahren nicht kennt, in dem glauben, das sei wie bei den Filmen - aus heutiger Sicht zu lau. Bei den büchern ist es eher umgekehrt. Ich prophezeihe euch: Wenn ihr Hodgson lest oder A.C.Smith durchhabt, findet ihr das hier eher amüsant und schlaft durch - vermutlich deshalb, weil es die von Drewniok erwähnte Verwandlung zum "Monster der Woche" nicht gibt.
Aber - untern Strich- wirklich eine würdige und hinreißende Fortsetzung der Tradition von Wells und Haggard. Hut ab.
Oliver N. zu »Jeff Long: Im Abgrund«10.08.2009
Sicher kann man über den Plot streiten, der Leibhaftige, der per Seelenwanderung von einem Körper zum anderen übergeht. Doch dies wird auch hinterfragt, so gibt es die Diskussion, ob es sich dabei nicht um eine bösartige Eroberung einer anderen Person handelt.
Was dieses Buch aber aus meiner Sicht tatsächlich zu etwas besonderen gemacht hat, ist die Einführung von Ike. Nach diesem, und es ist das erste Kapitel, fällt es schwer nicht von Alpträumen heimgesucht zu werden. Hier spielt Jeff Long so gekonnt mit den ureigenen Ängsten eines Jeden, Enge, Dunkelheit, Grauen, daß es schier unmöglich scheint davon gebannt zu sein, zu bleiben.
Ich persönlich habe es gerade zum dritten Mal gelesen, obwohl ich nur das erste Kapitel lesen wollte!
Und ich freue mich auf die Fortsetzung, die zumindest im Original schon auf dem Markt ist.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dennis Konietzko zu »Jeff Long: Im Abgrund«11.01.2008
Ich habe diesen persönlichen Bestseller erst zwei mal gelesen und ich war sofort zum weiterlesendieser grandiosen und atemberaubenden Geschichte verdammt. Ich habe etwas von Verfilmung gelesen!!!!!!!
Das habe ich mir jeden Tag gewünscht! Wenn es stimmt, dieses Buch hat es verdient. Es hat mich hin und her gerissen ein Meisterwerk !
Lars Jan Helbig zu »Jeff Long: Im Abgrund«26.09.2007
Habe das Buch in den letzten 14 Tagen 3 mal gelesen und wurde jedesmal in die abnorme Welt des Subplaneten hinabgerissen.
Da ich sowieso ein Leser bin, der sich 100%ig mit der Lektüre identifiziert, war es schwer für mich, den Weg zurück ans Licht zu finden.
Ein gelungenes Buch, spannend, kompromisslos erzählt. Gehört zu den besten dieses genres, die ich je gelesen habe.
Armillee zu »Jeff Long: Im Abgrund«18.08.2007
Schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so begeistert, wie dieses. Alles las sich total spannend und realistisch. Was war ich beim lesen manchmal froh, dass ich nicht 'da runter' muss...;o)
2 Tage, dann hatte ich die über 500 Seiten durch. Für mich sehr rasant. Das einzige, was ich 'etwas' langweilig fand, war die Vorgeschichte von Ali in Afrika.
Ansonsten, absolut zu empfehlen. Bin schon gespannt, wie die Verfilmung umgetzt wird.
Sharleen Watson zu »Jeff Long: Im Abgrund«13.07.2007
Dieser Roman schafft eine unfassbar beklemmende Atmosphäre, die einen besonders in den Abendstunden wirklich zu schaffen macht. Teilweise musste ich das Buch echt weglegen, weil es mir peinlicherweise wirklich zu gruselig war. Allerdings konnte ich dann doch nicht umhin es weiter zulesen.
Eine echte Empfehlung.
Sandra Wypich zu »Jeff Long: Im Abgrund«11.02.2007
Wirklich mal was ganz anderes, war begeistert.
Ich kann dieses Buch absolut empfehlen, eine wirklich gute Mischung und keinerlei Gähn-Momente! Von mir Daumen hoch!!
Frank zu »Jeff Long: Im Abgrund«07.01.2007
WOW!
Diese Buch hat mich eine schlaflose Nacht gekostet.Abends angefangen,mit dem Vorsatz einige Seiten zu lesen.Morgens zugeklappt.Dummerweise an einem Wochentag....
Einfach stark,nicht direkt Horror,eher eine Mischung von Thrillerelementen,Fantasy und auch Horror.Nie langweilig.
Sollte man gelesen haben.
Ihr Kommentar zu Im Abgrund

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.