Dark Destiny von Jennifer Benkau

Buchvorstellungund Rezension

Dark Destiny von Jennifer Benkau

Originalausgabe erschienen 2013, 464 Seiten.ISBN 3839001455.

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In Kürze:

Hilflos musste Joy mit ansehen, wie Neél von ihren eigenen Leuten gefangen genommen und gefoltert wurde. Ihre große Liebe, all ihre Hoffnungen und Zukunftspläne zersplittern zu einem Scherbenhaufen, als sie schließlich von Neéls Tod erfährt. Trotz ihrer unendlichen Trauer fasst Joy einen folgenschweren Entschluss: Sie will nicht länger zu Matthials Clan gehören. Also macht sie sich allein und schlecht ausgerüstet auf den Weg durch Bomberland und von feindlichen Clans besetztes Gebiet. Es ist eine Suche nach Antworten: Wie starb Neél? Und warum? Doch es ist auch eine Suche, an deren Ende Hoffnung steht. Hoffnung auf eine zweite Chance.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Keine bessere Welt in Aussicht – nirgends?“80

Fantasy-Rezension von Julia Tambor

„Dark Destiny“ ist der abschließende Folgeband zum im vorangegangenen Jahr erschienenen Roman "Dark Canopy„. Während “Dark Canopy„ hauptsächlich beschrieb, wie sich Joy, eine junge Rebellin, und Neél, ein zum feindlichen Lager gehörender junger Percent, einander näher kamen, richtet “Dark Destiny„ vermehrt das Augenmerk auf das große Ganze – die Spannungen, die bei den unterdrückten Menschen zu brodeln beginnen und in einem Aufstand zu enden drohen, sowie die Hoffnung auf eine alternative Welt, in der Percents und Menschen friedlich und gleichberechtigt zusammenleben.

Bereits im Prolog finden sich allem Anschein nach Anspielungen auf das Ende. Joy lebt offenbar in einer anderen Welt, wo Percents und Menschen in einer gemeinsamen Gesellschaft leben. Aber ganz offensichtlich ist auch hier nicht alles im Reinen: Joy nimmt als Übersetzerin für einen angeklagten Percent an einem Strafprozess teil, ohne viel Hoffnung, dass dieser gut für den Percent ausgehen könnte, da Percents allgemein als gewaltbereit gelten und daher vorverurteilt werden. Die Autorin schafft es so bereits auf wenigen Seiten, jegliche Illusionen auf eine bessere Welt vorerst zu zerstreuen.

Suche nach Antworten

Im Anschluss an den Prolog setzt die Handlung nahtlos dort an, wo sie im vorangegangenen Band aufhörte. Neél war von Mattial, dem Clanführer und ehemals besten Freund Joys, gefangen genommen und bestialisch gefoltert worden, um schließlich der aufgehenden Sonne ausgesetzt zu werden. Dark Canopy endete damit, dass Joy, die lautstark dagegen protestierte und versuchte, Neél beizustehen, weggesperrt wurde und hilflos seine Schmerzensschreie mitanhören musste.

Jennifer Benkau versteht es, mit den Erwartungen und Emotionen der Leser zu spielen. Zwar erfährt man wenig später, dass Neél die Folter und die Sonneneinstrahlung schwer verletzt überlebt hat, aber nun muss Joy mitansehen, wie Neél an einen anderen, einflussreicheren Clan mit besseren Verbindungen zu den Percents ausgeliefert wird. Auf ihre Fragen zum Schicksal Neéls will ihr Mattial nicht antworten. Schließlich gibt er lediglich preis, dass Neél es nicht geschafft habe und gestorben sei. Joy versinkt zunächst in Trauer und Hoffnungslosigkeit, doch dann rappelt sie sich wieder auf und macht sich auf die Suche nach Antworten. Sie will wissen, warum und wie Neél gestorben ist.

Freund oder Feind

In “Dark Destiny„ wird noch einmal mehr klar, dass in dieser Welt kein Platz für Menschlichkeit, Ideale und Loyalität ist. Neél wird mitleidlos gefoltert und für Privilegien verschachert, Joy wird mehrfach verraten und immer steht der Überlebenskampf der Menschen im Vordergrund, so dass man sogar die Beweggründe für ein solches Verhalten verstehen kann. Die Percents, auf die Joy im weiteren Verlauf der Handlung trifft, werden mitunter recht kumpelhaft und raubeinig liebenswert beschrieben, sehen aber im nächsten Augenblick der Misshandlung einer versklavten jungen Frau völlig teilnahmslos zu. Gerade diese Ambivalenz aber macht die Handlung so authentisch. Es ist kaum zu begreifen, aber eine Person kann tatsächlich auf der einen Seite völlig liebenswürdig sein, aber anderen, als verachtenswert betrachteten Personen gegenüber bedenkenlos grausam sein. Es gibt in “Dark Destiny„ trotz aller Widrigkeiten aber immer wieder auch Lichtblicke, die ein Verständnis über die tiefen Gräben hinweg zumindest denkbar erscheinen lassen.

Gewohnt gekonnt geschrieben

Die Autorin schildert die Geschehnisse auch in “Dark Destiny„ weiterhin in ihrer eher nüchternen, geradlinigen Art, die erstaunlicher Weise dennoch beachtlich emotionale Momente hervorbringt. Von diesen waren allerdings in “Dark Canopy„ weniger vorhanden, was aber auch kaum erstaunlich ist, da die im ersten Band beschriebene zaghafte Annäherung von Joy und Neél kaum zu toppen war. Die Charakterisierungen sind konstant hervorragend umgesetzt, wenn auch bedauerlicher Weise einige Nebenfiguren nach all ihrer sorgfältig ausgearbeiteten Entwicklung kaum noch eine Rolle spielen. Es werden dagegen neue, wie gewohnt gekonnt beschriebene Charaktere eingeführt, die die Handlung vorantreiben. Diese wartet mit einigen unerwarteten Wendungen auf und insbesondere der Abschluss macht den Gegebenheiten entsprechend durchaus Sinn, wenn auch manch ein Leser damit nicht ganz glücklich werden wird.

Bedauerlicher Weise werden spannende Fragen, die “Dark Canopy„ aufwarf und die im zweiten Band hätten beantwortet werden können, nicht einmal angesprochen – beispielsweise wer denn nun der Percent war, den Joy im ersten Band nicht töten konnte und wie kam Joys Messer in den Besitz von Cloud bzw. Neél? Dazu werden auch noch im zweiten Band neue, für die Percents existenzielle Fragen angerissen, ohne dass eine Lösung auch nur vage in Aussicht gestellt wird. Beides recht frustrierend.

“Dark Destiny„ ist trotz der fallen gelassenen Handlungsstränge und der offen gebliebenen Rätsel lesenswert und unterhaltsam. Insbesondere Joy ist als starke Hauptprotagonistin sehr angenehm zu erleben. Gleiches gilt für die ungeschönte Authentizität mit der die Autorin “menschliche" Verhaltensweisen in all ihren Facetten und Beweggründen schonungslos darstellt und so durchaus Parallelen zu Konflikten in der eigenen Welt zu finden sind.

(Julia Tambor, März 2013)

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