Der Schädelschmied von Jens Lossau & Jens Schumacher

Buchvorstellungund Rezension

Der Schädelschmied von Jens Lossau & Jens Schumacher

Originalausgabe erschienen 2011, 320 Seiten.ISBN 3802584562.

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In Kürze:

Unruhe in Barlyn, einem von Zwergen regierten Stadtstaat im Norden Sdooms: Schürfminister Borkudd, ein einflussreicher Politiker, wird ermordet in seinem von innen hermetisch verschlossenen Büro tief unter der Erde aufgefunden. Jemand – oder etwas – hat seinen Schädel mit drei Dutzend Stahlnägeln perforiert! Das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie entsendet seine beiden besten Männer: Meister Hippolit und sein treuer Adlatus Jorge nehmen in den lichtlosen Tiefen der Barlyner Bergwerke die Ermittlungen auf. Stecken politische Intrigen hinter dem Mordanschlag? Geht ein körperloses Monstrum in den Tiefgeschossen der Minenstadt um? Oder verhält sich in Wahrheit doch alles ganz anders ...?

Das meint Phantastik-Couch.de: „Stille Stollen gründen tief“79

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

„Der Schädelschmied“ ist der neue Band der IAIT-Reihe, einem schwarzhumorigen Mix aus Fantasy und klassischem Krimi. Zum dritten Mal schicken Lossau und Schumacher die beiden ungleichen Ermittler des Instituts für angewandte investigative Thaumaturgie aus, einen Mörder zu fangen. Dieses Mal in das Zwergenreich Barlyn, wo Schürfminister Borkudd mit Stahlnägeln in seinem Schädel aufgefunden wird.

Hört mal, wer da hämmert

Der Ermordete sitzt seinem Büro, einem mit massiven Riegeln abschotteten Raum 19 Stockwerke tief unter der Erde. Wie soll ein potentieller Mörder von dort entkommen sein? Vor ihm liegt ein Abschiedsbrief – war es etwa Selbstmord? Aber wie kann sich jemand selbst 36 Nägel in den Schädel hämmern?

Es ist ein klassisches „locked room“-Rätsel, mit dem es Meisterthaumaturg Hippolit und sein Mitstreiter, der Troll Jorge zu tun bekommen, doch nicht nur sie. Der Oberbefehlshaber der Barlyner Ordnungskräfte hat die besten Ermittler Sdooms angeheuert. Wer den Täter zuerst findet, erhält 1000 Goldkaunaps. Nun streiten gegen die IAIT-Ermittler: ein Meisterdetektiv nebst Assistent aus Sherlepp sowie – der Leiter der Stadtwache von Nophelet Glaxiko.

Der Wettbewerb beginnt und die Ermittler stoßen auf übermüdete Minenarbeiter und verzweifelte Zwergenfrauen. Nicht einmal seine Trinklaune macht Jorges zum Gesellen der wackeren Zwerge, denn die halten sich für die Herrenrasse. Es fehlen weder die Braunhemden noch Elitewächter in schwarzen Kutten als des Lordprotektors Eskorte. Und fast jeder des kleinen Volkes hätte einen guten Grund gehabt, den Schinder Borkudd zu ermorden.

Noch bissiger, noch zynischer

Zwei markante Markenzeichen zeichnen die IAIT-Reihe der Krimi- und Phantastik-Autoren Jens Schumacher und Jens Lossau aus; einerseits das eines klassischen Krimis in einer Fantasywelt, andererseits die Verzerrung der üblichen Klischees. Schon die titelgebenden Völker in „Der Elbenschlächter“ und „Der Orksammler“ wurden in einer Weise charakterisiert, die vom üblichen Bild erheblich abweicht. In „Der Schädelschmied“ bekommen nun die Zwerge ihr Fett weg.

Zwerge, die in Minen schuften, endlose Gänge graben, eine Stadt unter der Erde bauen, das passt durchaus zu dem, was wir bisher über sie gelesen haben. Das sie gern trinken und zünftig feiern auch. Aber dass sie dabei Lieder mit rassistischen Texten grölen, dass sie den obersten Zwergenlenker mit einem schneidigen „Heil Hindrych“ begrüßen, obwohl der sein Volk bis auf das letzte Hemd ausbeuten lässt und dass Verschwörungen und Korruption die Zwergenstadt unter Tage beherrschen, das passt nun wirklich nicht zu diesem sonst so heiteren und fleißigen Volk. Wenn dann ihr Oberpolizist noch Wymmler heißt, ist klar, dass die wackeren Zwerge für eine Naziverspottung herhalten müssen. Ein Affront also für alle Zwergenliebhaber? Nicht wirklich, denn der ein oder andere des kleinen Volkes kommt dennoch sympathisch zwergisch herüber, starrsinnig, aber auch erfinderisch und humorvoll.

Warum ändern, was sich bewährt?

Meister Hippolit und Jorge lösen diesen Mordfall im verschlossenen Raum in bekannter Manier, der eine ist das Hirn, der andere die Fäuste. Nun bietet ein „locked room mystery“ in der Fantasywelt Sdoom mehr Möglichkeiten an, als eines vom Altmeister Dickson Carr, in England zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Doch trotz möglicher thaumaturgischer Kniffe hat Hippolit eine harte Nuss zu knacken und braucht dafür wieder einmal die besonderen Fähigkeiten seines geselligen Trolls, der während eines Wetttrinkens die entscheidenden Denkanstöße liefert. Die Trollsprichworte gehen Lossau und Schumacher noch lange nicht aus, denn aus jeder beliebigen Feststellung lässt sich eines basteln. Doch manchmal scheint in Jorge ein kleiner Philosoph zu stecken, wenn er, anstatt mit den Fäusten auszuteilen, Lebensweisheiten schmiedet wie:

„Ein altes Trollsprichwort besagte: Verständnis für die Unzulänglichkeit anderer kann auch eine Form der Rache sein“.

Apropos Schmied. Der ermordete Zwerg mit dem vernagelten Schädel passt wiederum ins Bild und ist für manche Überraschung gut. Und so darf der Leser munter mitraten, wer nun wie den Nagel auf den Kopf traf. „Der Schädelschmied“ lebt in erster Linie von den herrlich skurrilen Figuren und dem bissigen Sarkasmus. Doch auch der Krimi-Plot kann sich sehen lassen. Bitte mehr davon !

(Eva Bergschneider, November 2011)

Ihre Meinung zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Schädelschmied«

tassieteufel zu »Jens Lossau & Jens Schumacher: Der Schädelschmied«14.10.2014
Im unterirdischen Zwergenstaat Barlyn geschieht ein rätselhafter Mord. Schürfminister Borkudd, ein ebenso einflußreicher wie verhaßter Politiker, wird in seinem von innen verriegelten Büro aufgefunden. Der Mörder hat dem Zwerg ein Dutzend Stahlnägel in den Schädel getrieben und ist spurlos verschwunden. Das IAIT entsendet seinen besten Ermittler Meister Hippolit und dessen Gehilfen Jorge zur Aufklärung der Angelegenheit. Doch dort angekommen muß das ungleiche Ermittlerduo feststellen, dass sie nicht die einzigen sind, die zu Klärung des Falles angereist sind. Lordprotektor Hindrych hat 1000 Goldkaunaps als Belohnung ausgesetzt für denjenigen, der den Mörder dingfest macht und neben Hauptmann Glaxiko von der Stadtwache von Nophelet sind Meisterermittler Oskulapius von Sherlepp und sein Gehilfe Meister Rekten angereist um den Fall zu knacken.

In ihrem 3. Fall bekommen es die beiden Top Ermittler vom IAIT, dem Institut für angewandte investigative Thaumaturgie nicht nur mit einigen Konkurrenten und mürrischen Zwergen zu tun, sondern sie treffen auch auf ein körperloses Monstrum und Schleim absondernde Haustiere. Jorges Trollweisheiten sind wieder mal köstlich, hier kann man sich bestens unterhalten und öfter mal schmunzeln. Grinsen mußte ich auch jedesmal, wenn Jorge mit seiner typischen „Haudrauf“ Mentalität meint gerade besonders subtil vorzugehen und trotzdem gelingt es ihm auch diesmal entscheidende Hinweise zu finden, die Meister Hippolit auf den richtigen Weg bringen.
Zwerge die in Bergwerken oder Minen emsig schuften und auch genauso kernig feiern können, das kennt man ja auch schon aus anderen Fantasygeschichten. Das Autorenduo kreiert seine Zwerge aber reichlich rechtslastig. Der oberste Lordprotektor wird mit einem zackigen „Heil Hindrych“ begrüßt und auch sonst scheinen die Zwerge reichlich Vorbehalte gegen andere Rassen zu haben, hier kann man deutliche Parallelen ziehen. Die Autoren beschreiben das alles aber so launig und erfrischend schräg und würzen es mit einer wohldosierten Prise schwarzen Humors, dass man am Ende doch für den ein oder anderen Zwerg Sympathien empfindet.
Der Krimifall ist ein klassischer Fall des „locked room“, der Ermordete sitzt in einem von innen verriegelten Raum ohne andere Zugänge, die Mordmethode ist so ausgefallen, das man Selbstmord ausschließen kann, also selbst für den gewieften Hippolit ein kniffliger Fall, bei dem er seine grauen Zellen ordentlich strapazieren muß und auch Jorge, der in ihrem Duo eher die schlagkräftigen Argumente verkörpert, trägt wieder auf unnachahmliche Weise zur Lösung bei. Trotz der magischen Komponente wird der Fall recht originell aufgelöst und deckt sogar eine verborgene Verschwörung auf.
Insgesamt ist die Geschichte flott, spannend und mit viel Augenzwinkern erzählt und bietet gute Unterhaltung.

FaziT: wer die beiden Vorgänger mochte, wird auch hier seine Freude haben! Witzig und intelligent bekommt man hier mal Fantasy abseits herkömmlicher Pfade geboten.
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