Heldenklingen von Joe Abercrombie

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „The Heroes“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 800 Seiten.ISBN 3-453-52523-X.Übersetzung ins Deutsche von Kirsten Borchardt.

»Heldenklingen« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Es herrscht Krieg. In einem unbedeutenden Tal entscheidet sich das Schicksal der Nordlande, und drei Männer kämpfen sich durch eine dreitägige, blutige Schlacht: Bremer dan Gorst, in Ungnade gefallener Leibwächter des Königs der Union, Prinz Calder, machtbesessen und feige, sowie Curnden Craw, einer der letzten ehrlichen Barbaren. Drei Männer mit dunklen Seiten, drei noch finsterere Tage voller Blut und Tod, und eines steht von Beginn an fest: Helden gibt es hier schon lange nicht mehr…

Das meint Phantastik-Couch.de: „Fast 900 Seiten geballtes Schlachtengemälde“70

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Wer den Heldenzyklus von Joe Abercrombie bislang versäumt hat, der sollte sich dringend zum Buchhändler seines Vertrauens begeben und sich die voluminösen Bände anschaffen.

Warum und was ihn dann erwartet, wollen Sie wissen?

Nun, nehmen Sie eine auf den ersten Blick austauschbare archaische Fantasy-Welt und situieren Sie darin ein übliches Rollenspielszenario an. Da gibt es dann jede Menge natürlich gewiefter und starker Krieger, ein paar Magier, intrigante Politiker, wirklich fiese Männer fürs Geheime und Grobe, Helden und Gauner, Diebe und Mörder, Duellanten und Götter, und schon haben sie einen Eindruck, um was es bei Abercrombie nicht geht!

Zwar nutzt der Engländer all die oben so schön von mir aufgezählten Versatzstücke, reichert sie mit Königreichen, die sich im Aufstieg bzw. Niedergang befinden, an, nur sind seine auf den ersten Blick stereotypen Gestalten und bekannte Situationen dann eben doch ein klein wenig anders als erwartet. Das liest sich auf den ersten Blick vertraut, weicht dann aber immer mehr von den bekannten Klischees ab und beschreitet ganz neue, interessante Wege. Für niedliche Elfen und Drachen, Gnome und Trolle ist hier kein Platz. Dafür um so mehr für eine glaubwürdige Beschreibung von Gewalt, von Scharmützeln, Hinterhalten, Gefechten und Kriegen.

Vorliegend verfolgen wir weiter, wie die mehr oder minder unfähigen Truppen der Union versuchen, in dem ihnen fremden Gebiet der Nordländer gegen diese Krieg zu führen. Beleuchtet werden „nur“ fünf Tage, eine, nein die entscheidende Schlacht der übermächtigen Union gegen die untereinander zerstrittenen Nordländer. Ein paar der auftretenden Figuren sind uns aus den anderen vier Bänden bereits bekannt, zu diesen gesellen sich einmal mehr mit spitzer Feder gezeichnete Unikate.

Es geht darum zu töten und den Feind zu vernichten – und dies mit jedwedem Mittel, das man eben zur Hand hat. So ist der Text nichts für zartbesaitete Gemüter, wird die Brutalität des Tötens in all seiner Schrecklichkeit dargestellt. Verbunden mit jeder Menge schwarzem Humor, Sarkasmus und dem Auge für skurrile Situationen und feige Adelige nimmt uns Abercrombie an die Hand und führt uns in die Schlacht. Dabei wird viel gelitten und geschrien, fließt literweise Blut, geht es rau und ungezügelt zu. In blitzlichtartigen Momentaufnahmen hält der Autor dabei die schonungslos dargestellte Grausamkeit des Krieges fest, fallen Sympathieträger wie Feiglinge gleichermaßen dem Zufall und der Klinge oder Keule zum Opfer. Hier wird nicht klinisch rein gezaubert, hier atmet man den Dreck und die Verzweiflung des gemeinen Fußvolks, ohne dass man Gut von Böse unterscheiden oder gar trennen könnte.

Nichts für schwache Nerven

Beherrschender Charakter dieses Bandes ist Bremer dan Gorst. Bleiben die meisten anderen Protagonisten – Abercrombie-untypisch – relativ flach, so nimmt uns das in seinen Briefen und Selbstgesprächen dokumentierte Leiden, seine Einsamkeit und unglückliche Liebe gefangen. Einst Leibwächter des Königs wurde er aufgrund seines Pflichtversäumnis – man fand ihn mit heruntergelassenen Hosen bei einer Dirne, während sein König angegriffen wurde – nicht etwa als Kämpfer, sondern als Chronist an die Front versetzt. Einst gefeierter Duellant, jetzt ein Mann, der seine Selbstachtung verloren hat, der entgegen allen Befehlen in selbstmörderischen Kämpfen seinen Tod sucht und dabei Heldentum beweist, ist er ein ambivalenter Charakter.

Anders als in den bisherigen Bänden stehen dieses Mal nicht einige Personen im Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern der Autor hat seine Figurenanzahl ungleich weiter gefasst. Die vielen Erzähler tragen dazu bei, dass sich die komplizierte Schilderung der vielen zum Großteil zeitgleich ablaufenden Handlungen nicht zu verwirrend anbietet, dass der Leser immer den Eindruck hat mitten dabei zu sein. Gleichzeitig fehlt ein wirklicher roter Faden, der die bisherigen Geschehnisse fortsetzen würde.

Geboten wird das Tagebuch einer Schlacht, das in vielen Facetten festgehalten wird, wuchtig in seiner Darstellung, brutal und schonungslos, aber gleichzeitig spannend und bannend. Zwar nicht ganz so intrigant und politisch wie die ersten drei Bände, doch dafür um so mitreißender, packender und gewalttätiger – nichts für schwache Nerven eben.

(Carsten Kuhr, September 2011)

Ihre Meinung zu »Joe Abercrombie: Heldenklingen«

Raimund Flecken zu »Joe Abercrombie: Heldenklingen«30.08.2012
Abercrombie zertrümmert alle klassischen Fantasymotive.Beispiele:Der skrupellose Magier Bayaz,der das Geldschöpfungsmonopol der Klingenwelt hat,ist geradezu eine Verhöhnung von Gandalf.Die Helden Gorst und Whirrun schlagen den klassischen Fantasyhelden in die Gesichter.
Abercrombie zeichnet ein erbarmungsloses,realistisches Menschenbild:Der MENSCH ist weder gut noch böse,sondern irgendetwas dazwischen.
Stellungnahme zum Krieg?Der Jungbauer Beck beginnt im Roman als Kriegsschwärmer und scheidet als Kriegsgegner aus;beim alten Soldaten Kropf ist die Entwicklung umgekehrt.
Reizvoll:in die Gedanken und Gefühle der Hauptfigur Bayaz bekommt der Leser nicht mehr Einblick als Die Figuren ,die direkt mit ihm zu tun haben.
Schwach;Was die Hexe Ischri eigentlich in der Handlung verloren hat,bleibt unklar.Diese Figur wird von Abercrombie denkbar lieblos behandelt.
Insgesamt:Kinder und eingefleischte Tolkienfans sollten diesen Roman nicht lesen,alle anderen Fantasyfans unbedingt.
Gore zu »Joe Abercrombie: Heldenklingen«04.05.2012
Wie auch schon in den drei ersten Bände, erwartet den Leser hier ein Roman, der sich wohltuend vom üblichen Fantasy - Mainstream abhebt.

Abercrombie ist für mich neben G.Martin (Das Lied v. Feuer und Eis), Scott Lynch (Die Lügen des Locke Lamorra) und Richard Morgan (Glühender Stahl), einer der besten Fantasy - Autoren der Gegenwart und damit auch einer der wenigen Autoren des Genres, die ich überhaupt noch lesen mag.

Es ist erhebend, Bücher zu lesen, die sich auf solch erwachsene Art von den typischen Orksen-, Elfen-, und Zwerge Geschichten unterscheiden (Die ich mittlerweile einfach satt habe). Mir gefällt auch, das es sich bei den Büchern nicht wieder um irgendeinen dubiosen Zyklus handelt, sondern diese Bücher - bis auf die ersten drei, für sich alleine stehen. Ich bin gespannt auf "Red Country". Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal das abartige, extremst unpassende und hässliche Buchcover kritisieren. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man soetwas (neben den völlig dämlichen und unpassenden Buchtiteln), so dermaßen vermurksen kann.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
EwaB. zu »Joe Abercrombie: Heldenklingen«22.10.2011
Also ich sehe es so:
Joe Abercrombie ist ein sehr guter Schriftsteller und seine Geschichten sind einfach toll! Dramatisch, brutal, an manchen Stellen witzig, spannend, aufregend!
Alle Figuren in seinen Büchern haben einen besonderen Charakter. Sie werden sehr gut beschrieben. Man spürt einfach das, was die Charaktere in den Büchern fühlen. Ob Wut, Trauer oder Freude.
Ich muss aber leider zugeben, dass an manchen Stellen zu viel beschrieben wird! Manchmal kommt es wie eine Ewigkeit vor, bis man die Beschreibung eines Ortes durch hat. Es wird so viel beschrieben, dass es mir so manchmal vor kam als ob er jeden kleinen Stein beschreiben würde! :D Ich glaub, das Wort "beschreiben" hab ich noch nie so oft in so kurzer Zeit verwenden müssen!
Aber wie schon geschrieben. Er ist ein toller Schriftsteller und ich lese seine Bücher einfach gern!
Aber jeder hat natürlich seine eigene Meinung!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
darkul zu »Joe Abercrombie: Heldenklingen«11.09.2011
Könnte der Autor noch erklären, wieso, bei all der recht positiven Kritik das Buch von ihm dann "nur" 70 erreicht? Ich kann das aus der vorliegenden Kritik nicht nachvollziehen.
Kritik an der Kritik beseite: Abercrombie steht eh mit seinen bisherigen vier und nun dem 5. Teil über dem Durchschnittsgeschreibsel grausliger hochgelobter Fantasyversuchler.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Heldenklingen

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.