Königsschwur von Joe Abercrombie

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „Half a King - Shattered Sea Series Book 1“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 368 Seiten.ISBN 3-453-31599-5.Übersetzung ins Deutsche von Kirsten Borchardt.

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In Kürze:

Ein düsteres Reich, ein verstoßener Prinz und eine gefährliche Mission – Königsschwur hat alles, was ein spannendes Fantasy-Epos braucht

Prinz Yarvi von Gettland ist ein Krüppel, ein Schwächling, ein Niemand. Mit nur einer funktionstüchtigen Hand geboren und von seinem Vater verachtet, muss er sich mit einem bedeutungslosen Diplomatenposten zufriedengeben. Als sein Vater und sein Bruder eines Tages brutal ermordet werden, überwindet Yarvi seine Schwäche und besteigt den Schwarzen Thron von Gettland. Und er legt einen Eid ab: denjenigen, der seine Familie getötet hat, zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen! Doch dann wird Yarvi von seinen engsten Vertrauten verraten …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der königliche Krüppel auf dem Rachepfad“88

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Er war der zweitgeborene Sohn des Königs, zudem mit einer verkrüppelten Hand geboren. So schien sein Lebensweg vorgezeichnet zu sein. Während sein charismatischer Bruder als begnadeter Kämpfer eines hoffentlich fernen Tages den Königsreif auf sein Haupt setzen würde, sollte Yarvi seine Familie verlassen und als Gelehrter dem Kreis beitreten. Ein Fuß geschmiedeten Stahl in die Brust von Vater und Thronfolger änderten die Pläne ziemlich abrupt. Der Krüppel besteigt den Thron, sein Oheim soll ihm ebenso unermüdliche Stütze sein, wie eines nicht allzu fernen Tages sein Schwiegervater werden.

Doch dann verrät Yarvi ausgerechnet der Mann, dem er als Einzigem wirklich vertraute und versucht auch ihn zu meucheln. Zwar gelingt es Yarvi zu entkommen, doch nur zu bald findet er sich in Sklavenketten auf einem Handelsschiff wieder. Doch was ihm an Kraft und Kampfesgaben fehlt ersetzt er durch sein Wissen und seine Intelligenz. In ihm brennt ein Feuer, eine Lohe, die nach Rache schreit. Er sucht und findet, allen Widerständen und Schicksalsschlägen zum Trotz seinen Weg nach Hause – nur um erkennen zu müssen, dass er die wahrhaft Schuldigen noch nicht entlarvt hat …

Fitz der Weitseher lässt grüßen – moderne Fantasy at it´s Best

Joe Abercrombies „Klingenzyklus“ zählt zu dem Besten, was in den letzten Jahren im Bereich der Heroic Fantasy erschienen ist. Packende Kampfbeschreibungen mischten sich mit interessant und ungewöhnlich beschriebenen Figuren die endlich einmal nicht stereotyp agierten, sondern gerne auch einmal mit der Erwartungshaltung des Lesers spielten. Da offenbarten Barbaren überraschende Intelligenz, oder plagten alternde Helden ihr Zipperlein.

Nun hat der Brite einen neuen Zyklus gestartet. In bislang zwei wohltuend kurzen Romanen berichtet er uns von einer Zivilisation, die zunächst an die Wikinger erinnert. Kampf, Schifffahrt, der Glaube an verschiedenste Götter beherrschen ihr Leben, das geprägt ist von dem kargen, kalten Land in dem sie wohnen. Wir lernen einen jungen Mann kennen, der von seinem Vater und seinen Kriegern ob seines körperlichen Mangels verachtet wurde, und eigentlich als Gelehrter abgeschoben werden sollte. Dass der Krüppel dabei weit zäher ist als vermutet, erweist sich als höchst unterhaltsam. Mit der ihm eigenen Intelligenz, dem Wissen, das er sich über Jahre des Lernens angeeignet hat und Fortune nimmt er sein Schicksal in die eine Hand die ihm verblieben ist und sucht nach Rache.

Abercrombie fährt dabei auf, was erprobt und beliebt ist. Die Erniedrigung seines Protagonisten, der als Rudersklave geschunden wird, die Suche nach Verbündeten die zu Freunden werden, Kämpfe gegen finstere Gegner und der Weg zurück bieten inhaltlich nichts wirklich Neues. Aber das gebotene Gewohnte liest sich herrlich packend und Temporeich, man folgt dem Protagonisten gerne ins Abenteuer, zumal man mit dem gehandikapten Krüppel Mitleid hat, das sich im Verlauf des Plots langsam zu Hochachtung wandelt. Geschickt lässt Abercrombie seinen Anti-Helden, angesichts der Fährnisse, die es zu überwinden gilt, wachsen und sich entwickeln, baut dabei die den Helden unterstützenden Gefährten auf und stellt uns seine Welt und deren Kultur immer umfassender vor.

So liest sich das Buch wunderbar spannend, abwechslungs- und temporeich in einem Rutsch durch und stellt uns einmal mehr einen Autor vor, der moderne Fantasy zu schreiben vermag. 

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