Kriegsklingen von Joe Abercrombie

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „The Blade Itself“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 796 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Kirsten Borchardt.

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In Kürze:

Dies ist die atemberaubende Geschichte von Logen, dem Barbarenkrieger, der eigentlich nur seine Ruhe haben will – wenn er nicht ständig um sein Leben kämpfen müsste. Und die Geschichte von Großinquisitor Glokta, der eigentlich durch nichts zu erschüttern ist – bis er auf eine lebende Legende trifft, die in seiner Stadt eine magische Intrige spinnt, und die das ganze Reich zu erschüttern droht…

Das meint phantastik-couch.de: „;Die Dinge sind nicht so, wie sie einst waren“;85

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

High-Fantasy Romane gibt es wie Sand am Meer. Viele, gerade junge, aufstrebende Autoren versuchen sich in der Nachfolge J. R. R. Tolkiens, die Ergebnisse sind meist eher enttäuschend, Ausnahmen bestätigen nur die Regel.

Als der Heyne Verlag „;das definitive Fantasy-Epos von einem der neuen Stars der phantastischen Literatur“; anpries, ging ich daher mit Ressentiments an die Lektüre. Würde es dieser neue Stimme im Chor der Fantasy-Schreiber wirklich gelingen, mich zu packen, würde der Autor neue Akzente setzen können?

Zunächst ein eher gewohntes Bild: Die Grundsituation, die den Leser erwartet, ist nicht eben neu. In drei zunächst getrennt laufenden Handlungssträngen berichtet uns Abercrombie von einem Imperium, das – in einstiger Grösse und Selbstgefälligkeit erstarrt – mehr mit sich selbst als mit seinen Gegnern beschäftigt ist. Machtgier, Korruption, Intrigen nehmen die Adeligen der Union in Beschlag; die sie bedrohenden Barbaren aus dem Norden und die Gurkhul, Piraten und Seefahrer aus dem Süden sind da fast schon Nebensache. Ein Zweifrontenkrieg bedroht das Reich, doch niemand scheint sonderlich beunruhigt zu sein.

Wie fasst der Autor dies auf Seite 385 so treffend zusammen: „;Die Hochstehenden führen geheime Kriege um Macht und Reichtum, und nennen es Regierung. Dabei gibt es zahllose Opfer.“;. Jeder schaut nur nach sich selbst, die Anderen, die Schwächeren und der Staat bleiben auf der Strecke.

Die Helden

Die Geschehnisse in Adua, der Hauptstadt des Reiches wird zunächst aus Sicht zweier Männer erzählt, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Jezal dan Luthar ist ein bornierter, junger Adeliger aus guten Haus. Sein Vater sorgt dafür, dass er Karriere im Militär macht, seine Begabung im Saufen und am Spieltisch wird nur noch von seiner Berufung mit dem Degen übertroffen. So ist es nur folgerichtig, dass er sich zum jährlichen Wettstreit der besten Fechter des Imperiums anmeldet. Sein Ausbilder aber schindet den jungen Tunichtgut, lehrt ihn Disziplin und formt ihn zu einem wirklich überragenden Kämpfer. Doch wird es zum prestigeträchtigen Sieg im Wettkampf reichen, noch dazu, da sich unser Meisterfechter gerade verliebt hat? Ausgerechnet Ardee, die Schwester seines besten Freundes Collem West, des Heerführers im anstehenden Krieg gegen die Barbaren aus dem Norden verdreht ihm den Kopf – schlimmer noch, sie ist eine Bürgerliche ohne Geld! Eigentlich nun wirklich keine passende Partie, mal ein Appetitanreger für eine Nacht, aber mehr doch nicht. Wenn da nicht die glänzenden Augen, das hinreissende Lächeln und die ungekünstelte, erfrischend ehrliche Art der jungen Dame wäre, die Jezal nicht mehr loslässt.

Auch Großinquestor Glokta hat in seiner Jugend das Turnier der Fechter für sich entschieden. Immer noch sprechen die Zuschauer über seine unübertroffene Fechtkunst, die Feurigkeit seines Kampstils. Dann aber wurde er im Krieg von Barbaren gefangen genommen und monatelang gefoltert. Seitdem ernährt er sich mangels eines Gebisses von Haferschleim, humpelt ohne Zehen von Schmerzen geplagt durch die Korridore der Festung und gilt als einer der fähigsten Folterknechte im Dienst des Königs. Er wird auf die mächtige Tuchmachergilde angesetzt, deckt gnadenlos und effizient deren Bestechungsversuche und Steuerhinterziehung auf. Dann aber muss auch der ins Selbsthass erstarrte Glokta erkennen, dass er nur benutzt wurde. Sein Vorgesetzter, der Innere Rat, sie alle haben nur ihren eigenen Vorteil im Sinn, doch ist er in der Position den Mächtigen des Reiches Paroli zu bieten?

Logen, der Barbarenkrieger aus dem Norden ist ein Mann, der schon fast alles gesehen hat. Wo es gefährlich zuging, wo gekämpft, gemordet und geschlachtet wurde, da war er dabei. Seine Narben bezeugen seine Fähigkeit im Kampf, dass er immer noch unter den Lebenden weilt beweist, dass er weiss, wann er seine Beine in die Hand nehmen muss. Doch er ist kein dumber Schlagetot, er geht überlegt in seine Auseinandersetzungen hinein, nutzt seinen Kopf nicht nur um Haaren darauf wachsen zu lassen. Als ihn Bayaz, der Erste der Magi zu sich bestellt weiss er noch nicht, dass Abenteuer auf ihn warten, wie er sie sich in seinen wildesten Alpträumen nicht vorgestellt hätte.

Zusammen begeben sich die beiden begleitet von einem nicht sonderlich hellen oder begabten Lehrling Bayaz´ nach Adua. Hier hatte Bayaz vor Generationen zusammen mit seinen Mitmagi den letzten verbliebenen Gott gestürzt, hier hat er die Reichsgründung auf den Weg gebracht, und hier will er seinen Stuhl im Inneren Rat wieder einnehmen, warten doch Bedrohungen und Gefahren ohne Vorbild auf das Reich.

Bayaz hatte ja nicht erwartet mit offenen Armen empfangen zu werden, aber dass die Mächtigen ihn so abkanzeln, mit Missachtung strafen, ihn ausspionieren lassen, das hatte er nicht erwartet. So gilt es zunächst den aufgeblasenen Pfeffersäcken und überheblichen Adeligen zu beweisen, dass er der ist, für den er sich ausgibt. Zusammen mit zwei Zeugen, Jezal und Gloka macht er sich auf, das seit Jahrhunderten verschlossene Haus des Schöpfers zu öffnen…

800 Seiten faszinierende Personen

Eigentlich passiert nicht sonderlich viel in diesem immerhin fast 800 Seiten starken Wälzer. Es gibt ein paar kleine Scharmützel auf dem Weg, mehrere grosse Konflikte zeichnen sich ab, im Turnier wird mit stumpfen Waffen gekämpft, ja selbst die Folterungen der Inquisition werden eher angedeutet als detailliert beschrieben, und die Opfer gehen, ein wenig wackelig zwar aber auf ihren eigenen Beinen in den Gerichtshof. Grosse Actionszenen, wilde Verfolgungsjagden, gigantische Schlachtengemälde, blutige Gefechte und Metzeleien, böse Zauberer – auf all dies wartet der Leser vergebens.

Und dennoch erweist sich das Buch als veritabler Pageturner. Statt uns – wie viele uninspirierte und untalentierte Autoren – mit Handlung abzuspeisen, setzt Abercrombie auf die Darstellung faszinierender Figuren in einem Beziehungsgeflecht, das in seiner Komplexität seines Gleichen sucht, dabei aber für den Leser jederzeit nachvollziehbar bleibt.

Jede der auftretenden Personen wird sorgfältig mit einem glaubwürdigen Hintergrund eingeführt, macht in der recht kurzen Dauer der Handlung eine nachvollziehbaren Entwicklung durch. Wir betrachten mit Distanz, aber auch Grauen, das Werk des ob seiner Verkrüppelung mitleidlosen Folterers, wir lehnen den arroganten Meisterfechter ab, wir misstrauen dem undurchsichtigen Ersten der Magi, wir fürchten den Barbaren-Berserker.

Gleichzeitig aber rührt uns der Inquisitor ob seines Schicksals und seiner trotz dieser Schicksalsschläge verbliebenen Menschlichkeit gerade im Vergleich zu seinen Vorgesetzten, offenbart der Fechter charakterliche Stärken und die Fähigkeit zu Toleranz und Entwicklung, zeigt der Söldner mitfühlende, menschliche Eigenschaften. Einzig Bayaz bleibt rätselhaft, wobei auch dieser gerade im Umgang mit seinem untalentierten Lehrling Langmut und Einfühlungsvermögen offenbart, die man einem allmächtigen Zauberer nicht zugetraut hätte.

Man merkt dem Text an, dass der Autor seine Figuren minutiös entworfen hat, sie alle jeden auf seine eigene Art ins Herz geschlossen hat. Die Art und Weise, wie sie in der Handlung agieren, wie sie aufeinander reagieren, wie sich hier etwas entwickelt, ohne dass wir in diesem ersten Band schon wissen in welche Richtung es gehen wird macht das Buch interessant. Einziger, wenn auch kleiner Kritikpunkt bleibt, dass der Autor uns keine weibliche Person offeriert, die wirklich eine tragende Rolle einnimmt.

Einer der Protagonisten sagt einmal „;Die Dinge sind nicht so, wie sie einst waren“; – ein Ausspruch, der gut auch als Motto über dem Buch thronen könnte. Immer wieder nimmt die Handlung eine unerwartete Wendung, nie tritt das Erwartete, das Gewohnte ein, selten nur nutzt der Autor bekannte Versatzstücke, und wenn, dann wandelt er diese zumindest geringfügig ab, spielt mit den Erwartungen des Lesers, nur um diesen ein ums andere Mal zu überraschen.

Es sind die leisen Töne, die innere Dramatik, die Entwicklung der Charaktere, die mich an die Seiten fesselte. Nie ahnt man, wie es weitergehen wird, nie kommt das Gefühl auf, etwas Ähnliches bereits einmal, und oftmals besser gelesen zu haben, oder zu wissen, wie der Plot sich entwickeln wird. Dies unverbrauchte Frische, gepaart mit den faszinierenden Figuren sorgt für einen Lesereiz der besonderen Art.

Ihre Meinung zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«

rolandreis zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«01.08.2013
Ich habe zu dem Buch gegriffen, da ich auch aufgrund von vielen positiven Amazon-Bewertungen eine spannende Fantasy-Geschichte erwartete. Ich kann diese Meinung aber nicht uneingeschränkt teilen, da ich mich durch die knapp 800 Seiten schon etwas mühsam durchquälte. Zwar kann ich dem Autor einen sehr gut lesbaren Schreibstil bescheinigen, aber "handwerklich gut gemacht", reicht für einen Roman dieser Länge meiner Meinung nach nicht aus, zumal ja noch die Folgeromane notwendig zu lesen sind, sofern man den Ausgang der Geschichte erleben möchte. Letztlich kam es bei mir mehr als einmal zu beinahe unerträglicher Langeweile. Einige Passagen sind mehr als öde, Spannung kommt erst nach 600 Seiten auf. Ich habe für mich beschlossen nicht mehr zum Folgeband "Feuerklingen" zu greifen, Abercrombie konnte mich nicht überzeugen.
ierua zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«29.05.2013
Wenn ich mir so überlege, wie hobbylos manche Leute sein können auf solch einer Seite ihre Zeit damit zu verbringen ihre Meinung zu irendeinem Buch preiszugeben,. scheint es mir unwahrscheinlich, dass diese Menschen keine Freunde haben. Außerdem fide ich es als unpassend, dass man mindestens 300 Zeichen schreiben muss, da ich jetzt noch einen Text unter meinen Kommentar packen muss, damit er 300 Zeichen lang ist.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
G. Leiber zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«09.02.2012
Ich kann mich der Mehrheit hier nur anschließen: ein wunderbares Buch, eine wunderbare Reihe!
Es ist zwar auch bei mir eine ganze Zeit her, dass ich das Buch gelesen habe, aber die Charaktere leben quasi in meiner Erinnerung weiter ... über wie viele Bücher kann man das schon sagen?
Für mich zählt Abercrombies Klingen-Reihe zu dem absolut Besten, was das Fantasy-Genre überhaupt hervor gebracht hat.
JamesFeriggen zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«08.02.2012
Ich habe das erste Buch gelesen und wurde an die Geschichte und alle Charaktere (vor allem an den Inquisitor) gefesselt. Es ist mir deswegen unbeschreiblich wie manche dieser Möchtegern-Kritiker auf die Idee kommen das Buch nur nach ihrem Äußerem zu urteilen. Es mag sein das die Erzählung etwas schwerfällig anfängt, aber wie schon in einigen Kommentaren zuvor erwähnt, bin ich froh das es Weder Elfen noch Zwerge, Orks oder Trolle auftauchen. Es ist eine ganz andere Schreibweise, die der Schriftsteller zum besten gibt. Und mal ehrlich, wer das erste Buch nicht einmal zu Ende gelesen hat, hat jener in diesem Forum nichts verloren.

MfG J.F
Helmes zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«10.11.2010
Ich habe nun die beiden ersten Bücher gelesen... oder sagen wir eher: verschlungen !
Das ist Unterhaltung vom feinsten... wunderbare
Charaktere.. Die Sprünge zwischen den verschiedenen Handlungen so angesetzt, daß man am liebsten vorblättern möchte, um den jeweiligen Verlauf weiter zu verfolgen.
Somit kann ich den Kommentar von KATYA in keinster Weise verstehen. Wer sich so echauffieren kann wegen einiger Wiederholungen.... Vergleiche zu
anderen Schriftstellern und Ihrer Lektüre zieht, wobei sich aus Ihrer Sicht wahrscheinlich in jedem niedergeschriebenen Satz eine Querverbindung zu irgendeinen Autor oder seinem Werk herstellen lässt... mal im Ernst... Joe Abercrombie ist nicht in der Pflicht, die Sprache neu zu erfinden !!
Aber Geschmäcker und Auffassung sind nunmal verschieden.
Ich kann die Romanreihe zumindest nur empfehlen !
christianschaller zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«13.09.2010
Es ist schon ein wenig Zeit her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber jetzt gebe ich meinen Senf dazu^^ Das tue ich vor allem, weil mir dieses Buch (und die weiteren) in unglaublich guter Erinnerung geblieben sind. Es wurde eigentlich schon alles benannt, ich möchte es nur noch einmal bestätigen.
Es ist sarkastisch, brutal, düster und dennoch realistisch. (Deshalb wahrscheinlich auch die Bezüge zur echten Welt und mal ehrlich... Net scho wieder Elfen, Zwerge und Drachen in einer wundervollen, magischen Pseudo-Mittelalterwelt die mal wieder vom Bösen bedroht wird.)
Die Trilogie wird von Seite zu Seite epischer, der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen und die Charaktere sind tiefgründig (und auch lustig, wenigstens für mich - na wer wohl ??^^)
Das ist ausnahmsweise wirklich ein Fantasyepos ohnesgleichen !
M.Reinsch zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«01.09.2010
Ich war so gespannt auf dieses Buch und nun so schwer enttäuscht!
Vom Schreibstil her könnte esein 15 Jähriger geschrieben haben, die Story ist wild gestückelt und so abgedroschen von der Handlung her, das es echt erschreckend ist.
Sorry aber nach 150 Seiten ist das Buch bei mir in der Tonne gelandet
Katya zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«19.04.2010
Vorangestellt: ich fand das Buch insgesamt besser als die anderen Neuerscheinungen des Fantasy-Marktes und werde mir den 2. auch holen.

Trotzdem fielen mir einige Schwächen auf, die in anderen Rezensionen nicht benannt werden:
(Inhaltsangabe etc. schenke ich mir, wurde schon oft genug hier beschrieben):
- plakative Beschreibung des Inquisitors (ständige Wiederholung "Warum tue ich das?" ich hab kein ADHS, ich kann mir merken, dass er zweifelt!)
- zu starke Beeinflussung durch unsere Geschichte, bzw nicht gut genug in seine Welt eingewoben (ich kann bei Dingen, aus welchen Jahrhundert & Land sie sind)
- die ständig widerkehrende Tolpatschigkeit der Heldne in Kämpfen
- Ferro läßt mich kalt (von Rachedurst besessen und das mit gutem Grund - es müsste meine Lieblingsfigur sein! Aber sie fesselt mich seltsamerweise nicht)

Zur Darstellung des Inquisitors Glokta: er wird zu plakativ beschrieben. Dass er sich schon in seinem ersten Kapitel ganz am Anfang fragt "Warum tue ich das?" ist nicht so doll; man drückt dem Leser bevor er die Figur überhaupt kennen lernt, die Zweifel aufs Auge, damit er sich nicht von dessen Grausamkeit abwendet - Zweifel woran? Egal. Wird noch erklärt.
Ich persönlich hätte es besser gefunden, man hätte erst einen Blick auf Glokta werfen können und wäre dann damit bekannt gemacht worden. Abercrombie sagte jedoch in einem dem Bch beigefügten Interview, er wurde überredet, den Anfang umzuschreiben; ging dann wohl auf die Kappe von Agent oder Lektor.
Jedoch ist der Satz "Warum tue ich das?" das Leitthema, das in jedem von Gloktas Kapiteln aufgegriffen wird.
Gerne mehrmals.
Und, am Ende eines Kapitels, auch gerne mehrfach mit 2 Sätzen Abstand.
Ich habe kein ADHS, ich kann mir schon merken dass er Zweifel hat!
Stilitisch wirkt immer derselbe Satz in so engem Absatz auf mich zumindest nur ermüdend.

Zu der geschichtlichen Beeinflussung: Ich finde es toll, dass Abercrombie eine realistische Welt erschaffen wollte, und es ist nur natürlich, sich dann von der Geschichte beeinflussen zu lassen, da ein solches Fantasy-Setting von Natur aus ja an feudalistich/mittelalterlichen idealistische Welt anlehnt.
Jedoch stehen aus der Geschichte Einzelheiten heraus wie riesige Knubbel in einer Bettdecke, die einfach stören und ins Auge springen und man kann genau benennen woher das kommt.
Major West warnt vor einem Winterkrieg, der lange dauern könnte: Napoleon.
Jezal wundert sich über die Mode, die ihm nach Ardees Bekanntschaft affektiert vorkommt: Rokoko.
Die Beschreibung des Theaterstückes: Englisches Theater der Elisabethanischen Periode (DAS Theater quasi,war ja das erste dort...).
Der Schlußsatz, der Bayaz so aufregt: fast 1:1 von Puck aus Shakespeares "Sommernachtstraum."
Undundund.

Ich fand das störend; Major Wests Satz ist einfach etwas ungeschickt reingebastelt, es passt schon gut (er ist ja auch ein erfahrener Soldat) , und der Puck'sche Schlußsatz ist auch passend zur Geschichte.

Nur, die anderen Dinge - ganz besonders Logens Kommetierung des Schauspielens, da für ihn das Gesprochene meist unverständlich ist - erinnerte mich stark an Terry Pratchett.
Auch bei den Kleidern gleitet sein Zynismus hier stark in eine ironische Kommentierung unserer realen Welt ab.
Das ist aber nicht Thema seines Romans; er behandelt vollkommen ernsthaft eine eigene Welt.
Hätte der Brite diesem Drang mal widerstehen sollen...

Ansonsten fällt mir noch störend ein, dass die Helden unserer Geschichte (Ferro ausgenommen) immer im entscheidenden Moment stolpern oder vor Aufregung daneben schießen. Irren, ähem, Fehler sind menschlich, und es ist schön eine menschliche Darstellung von Kämpfe(r)n serviert zu bekommen; aber man kanns auch übertreiben. Wenn der Barbarenheld JEDESMAL irgendwo ausrutscht, sollte er die Augen besser aufmachen...

Ferro läßt mich leider völlig kalt. Dies liegt an der Darstellung, von Rachedurst besessene Helden reizen mich eigentlich sehr.

Vielleicht ist dies Meckern auf hohem Niveau.
Ansonsten blieb mir von der Geschichte in Erinnerung die geniale Charakterzeichung von Jezal (besonders als er sich vor dem Turnier fertig macht und selbstverliebt in den Spiegel schaut), die sehr gute aber doch rätselhaft bleibende Darstellung von Bayaz, andere gute solide Charaktere wie Major West, eine für mich teilweise sehr unverständliche Ardee.
Sehr gut fand ich den Schluß, in dem angedeutet wird, dass Logen eine, hm, nicht gerade gespaltene Persönlichkeit hat, aber das doch wenn er in Kampfrausch verfällt, er schon ein ziemlich anderer Mensch ist, auch und gerade im Denken. Durch die Wortwahl ("der blutige Neuner" statt "Logen") wird das sehr gut dargelegt.
Ich bin gespannt auf Logens Charakter im 2. Band, natürlich auf Bayaz und Ardee, aber auch West und Jezal, die keine Geheimnisse bieten, locken mich.
Bei Glokta interessiert mich was er tut, wenn er nicht gerade in ein "Warum tue ich das nur?"-Mitleid verfällt (die ständig wiederholenden Sätze nerven wirklich!!).
Und was genau mit den "Verzehrern" ist, möchte ich auch wissen.

Den zweiten Band werde ich mir also auf jeden Fall kaufen, beim 3. Band steht es 50:50. Das hängt von band 2 ab.

Hoffentlich wars eine Hilfe.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Iris53 zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«13.02.2010
Fantasy vom Feinsten. Auf die dunkle Tour. Charaktere, die so zwiespältig sind, dass man ihnen, obwohl sie einem böse vorkommen, Mitleid und Anteilnahme, ja sogar Verständnis entgegen bringt. Da ist zum einen Logan, ein Nordmann - ein Barbar, zum Töten geboren; oder zum Töter gemacht?
Ein Inquisitor, Glokta, er betreibt seine Arbeit mit Hingabe und mit großem Können. Aber er befolgt Befehle die er manchmal anzweifelt. Er denkt also - und er fragt sich, wieso er es überhaupt tut. Weil er sonst zu nichts mehr zu gebrauchen wäre? Weil er selbst zum Krüppel gefoltert wurde und es daher besonders gut kann. Zynisch, sarkastisch, alle Menschen hassend, denen es körperlich besser geht und sich diebisch freuend, wenn es tatsächlich mal einem schlechter geht als ihm. MAn weiß nicht genau, ob man ihn zu den Guten, zu den Verwirrten oder zu den Bösen tun soll.
Jezal, zum Fechten gebracht, obwohl er es eigentlich nicht will. Aber um seine Brüder zu ärgern, tut er es, weil er ein Talent dafür hat.
Ansonsten ein arroganter, eingebildeter dummer Junge, der meint, die ganze Welt müßte sich um ihn drehen. Kein unbedingt liebenswerter Charakter und trotzdem hat man ein wenig Mitleid, als er in den Sog gezogen wird um die Welt zu retten, er dies aber noch nicht einmal im Ansatz ahnt. Zusammengewürfelt mit Menschen, die so gar nicht seinem Dünkel entsprechen.
Noch etliche andere spielen in Kriegsklingen eine wichtige Rolle und trotzdem hat der Autor es geschafft, jedem eine andere Persönlichkeit zu geben ohne den Leser zu verwirren. Hier wird man nicht einfach mit Namen erschlagen, sondern kann in jede der Figuren eintauchen. Ich freue mich schon auf den nächsten Band.
Gof zu »Joe Abercrombie: Kriegsklingen«03.02.2010
Ferro ist in meinen Augen eine Weibliche Person sowie Andree. Deshalb kann ich folgendes Zititat "Einziger, wenn auch kleiner Kritikpunkt bleibt, dass der Autor uns keine weibliche Person offeriert, die wirklich eine tragende Rolle einnimmt." nicht unterstützen. Schon gar nicht, seitdem ich den zweiten Band gelesesn habe.

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