Der ewige Krieg (Sammelband) von Joe Haldeman

Buchvorstellungund Rezension

Der ewige Krieg (Sammelband) von Joe Haldeman

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Peace and War“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 800 Seiten.ISBN 393921227X.Übersetzung ins Deutsche von Verena Hacker.

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In Kürze:

Das imposante Science-Fiction-Werk DER EWIGE FRIEDEN, in dem der Vietnamveteran Joe Haldeman seine eigenen persönlichen Erfahrungen verarbeiten konnte, ist einer der wichtigsten Antikriegsromane unserer Zeit, der in seiner erbarmungslosen Schilderung und seiner pazifistischen Botschaft seinesgleichen sucht.
Mit AM ENDE DES KRIEGES führte Haldeman die Geschichte über zwanzig Jahre nach Erscheinen des ersten Teiles zu ihrem Abschluss. DER EWIGE FRIEDE hingegen setzt nicht die Handlung der anderen Teile fort, sondern führt dem Leser mit einer weiteren Geschichte das Kernthema des Ewigen Kriegs erneut vor Augen: Der Mensch, der Teil der militärischen Maschinerie wird.
Die einzelnen Teile der Reihe wurden vielfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Hugo-, Nebula-, Locus- und John W. Campbell Memorial Award.
Krieg
William Mandella wurde als Wehrpflichtiger eingezogen, um in weiter Ferne in einem interstellaren Krieg gegen unbekannte und unbezwingbare Außerirdische zu kämpfen. Doch die härteste Probe wartet auf der Erde: Denn jedes Mal, wenn er nach einem monatelangen Einsatz nach Hause zurückkehrt, sind auf der Erde mehrere Jahrhunderte vergangen was ihn und seine Kameraden noch weiter von der Welt isoliert, für deren Zukunft sie kämpfen.
Ende
Als Mandella von seinem letzten Einsatz zurückkehrt, hat sich die Menschheit zu einem Gruppen-Bewusstsein namens Anderer Mensch weiterentwickelt. Sie führen ein stumpfsinniges Leben in einer autokratischen Gesellschaft. Da den Veteranen diese neue Welt völlig fremd ist, planen sie die Flucht. Als bei ihrem Raumschiff aber immer größere Schäden auftreten, wird aus ihrer Reise eine Suche nach dem Unbekannten.
Frieden
2043. Der Ngumi-Krieg tobt. Er wird von „Soldierboys“ geführt, unzerstörbare Maschinen, die von Soldaten hunderte Meilen entfernt ferngesteuert werden. Julian Class ist einer dieser Soldaten und für ihn ist der Krieg wahrhaftig die Hölle. Aber er und seine Partnerin, Dr. Amelia Harding, haben eine Entdeckung gemacht, die das Universum buchstäblich in seinen Anfangszustand zurückversetzen könnte. Diese Entdeckung reizt Julian allerdings mehr, als dass sie ihm Angst einjagt.

Inhalt:

Das meint Phantastik-Couch.de: „Dreimal “Krieg und Frieden„ in der Zukunft“75

Science-Fiction-Rezension von Horst Illmer

Der ewige Krieg

William Mandella zieht in den Krieg. Und was er dort, in einem erbarmungslosen Zukunftskrieg, erlebt, verändert ihn und die Art und Weise, wie er die Welt sieht. Haldeman war seinerzeit selbst als Soldat in Vietnam und lässt viele seiner Erfahrungen und Eindrücke in die Handlung einfließen.
Diese dem Werk immanente „Wahrheit“ ist es auch, die aus einem sehr guten Science-Fiction-Roman, der die Sinnlosigkeit des Krieges zum Thema hat, einen echten Klassiker der Anti-Kriegs-Literatur macht. „Der ewige Krieg“ ist ein zeitloses Meisterwerk!

Am Ende des Krieges

Zwanzig Jahre nach dem Ende des Krieges gegen die Taurier treffen wir William Mandella mit seiner Frau Marygay und ihren beiden Kindern auf dem Planeten Mittelfinger an, wo sie Teil eines Gemeinwesens sind, das aus Veteranen und Überlebenden besteht, die sich nicht in die „neue“ Menschheit (die ein Gemeinschaftsbewußtsein wie die Taurier entwickelt hat) eingliedern wollen.
Da ihnen das Leben dort zu hart (und zu langweilig) erscheint, beschließen einige der Siedler, mit der Time Warp, dem letzten großen Schlachtschiff, das im Orbit um Mittelfinger „parkt“, einen Dilatationsflug zu unternehmen, der sie 40.000 Jahre in die Zukunft bringen soll. Als die Verwaltung der Erde dies ablehnt, kapern sie das Schiff und fliegen los.
Doch dann beginnen die Probleme: Zuerst verschwindet die Antimaterie, mit der die Time Warp angetrieben wird, dann finden die per Rettungsboot Zurückgekehrten einen menschenleeren Planeten vor. Nachdem sich William mit einem Erkundungstrupp zur Erde begeben haben, entdecken sie dort zwar auch keine Menschenseele mehr, aber dafür begegnen sie den Omni (Gestaltwandlern, die seit Jahrmillionen unerkannt unter uns leben) und schließlich dem gottgleichen „Namenlosen“, der die Welt als ein Experiment erschaffen hat und dies jetzt beenden will. Nach der Unterhaltung mit William und Marygay beschließt er jedoch, noch eine Million Jahre zu warten und bringt alle Menschen wieder zurück.

Der ewige Frieden

Im Jahr 2043 tobt auf der Erde ein Weltkrieg, bei dem sich Erste und Dritte Welt erbarmungslos bekriegen. Die USA sind inzwischen technisch so weit, dass sie ferngesteuerte Kampfroboter gegen ihre Feinde antreten lässt, die von Soldaten aus sicherer Entfernung bedient werden. Diese Bedienung geschieht über eine operativ eingesetzte Computerschnittstelle, die auch dafür sorgt, dass die in Zehner-Teams vernetzten Mannschaften geistig miteinander verschmelzen. Allerdings treten nach einiger Zeit bedenkliche Nebenwirkungen ein, sodass man nach zehn Tagen eine Pause bekommt.
Einer dieser „Bediener“ ist der weiße Amerikaner Julian Class, der im Zivilleben als Mathematiker an einer Universität arbeitet. Gemeinsam mit seiner dunkelhäutigen Freundin Amelia kommt er einem Komplott auf die Schliche, das den Weltuntergang herbeiführen soll. Als Rettung erweisen sich die „Nebenwirkungen“ der Geistesverschmelzung: Nach vierzehn Tagen verwandeln sich alle Teilnehmer einer solchen Vernetzung in Pazifisten. Also schnappen sich die Friedensverschwörer einfach die militärische Führung der USA und unterziehen sie einer „Gehirnwäsche“. Und bald schon herrscht Frieden auf Erden!

Mogelpackung

Bei der vorliegenden „Gesamtausgabe“ von Joe Haldemans „Der ewige Krieg“ handelt es sich genaugenommen fast schon um eine Mogelpackung. Zwar behandeln alle drei Romane das Thema Zukunftskrieg und seine Folgen, aber zeitlich und thematisch (und qualitativ) liegen „Welten“ zwischen den Einzelteilen.

23 Jahre nach „Der ewige Krieg“ veröffentlichte Haldeman den Roman „Der ewige Frieden“, der außer der Titelähnlichkeit jedoch keinen Bezug zu seinem Vorläufer hat. Mit Julian Class betritt eine neue Hauptfigur den Schauplatz, der diesmal auch nicht in der fernen Galaxis liegt, sondern in Nord- und Mittelamerika. Zwar nimmt Haldeman Bezug auf andere, neuere Technologien, was allerdings nur dazu führt, dass diese nach kaum mehr als zehn Jahren bereits überholt und altmodisch wirken. Auch seine „Lösung“, dass alle Menschen durch einen „empathischen Schock“ plötzlich friedfertig werden, bleibt unglaubwürdig.

Bei dem als Fortsetzung zu „Der ewige Krieg“ konzipierten „Am Ende des Krieges“ fügt Haldeman der Lebensgeschichte von William Mandella einen „Nachspann“ hinzu, der sich mit dem Originalroman leider in keiner Hinsicht messen kann. Zwar beginnt die Geschichte noch einigermaßen logisch, doch schon mit dem Verschwinden der Antimaterie des Raumschiffes taucht sie in einen mystischen Nebel, der sich mit dem unerklärlichen Verschwinden und völlig willkürlichen Wiederauftauchen von Menschen und Tauriern nur noch verdichtet. Die Einführung des gottähnlichen Namenlosen führt letztlich zu einer völligen Beliebigkeit des Geschehens.

Sammlerglück

Die vorliegende „Gesamtausgabe“ besitzt allerdings auch einige erwähnenswerte Eigenheiten, die man nicht verschweigen sollte. So handelt es sich um ein optisch herausragendes Werk, dessen Volumen zuerst an einen Backstein denken lässt. Der geschmackvolle Hardcover-Einband (mit einem umlaufenden Bild von Pascal Quidault), der gerade Rücken und das Lesebändchen sind durchaus geeignet, ein Sammlerherz zu erfreuen. Auch die Begleittexte von Joe Haldeman und das Interview mit ihm zeigen den engagierten Verlag.

Und nicht zu vergessen: „Der ewige Krieg“ gehört unbedingt in jede (und sei sie noch so kleine) Science-Fiction-Bibliothek. Hier bekommt man als Leser gleich noch zwei weitere Romane des Autors mitgeliefert und kann sich so selbst seine Meinung bilden. Denn auch Rezensenten sind fehlbar.

Horst Illmer, Mai 2013

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