Der Gott der Klinge von Joe R. Lansdale

Buchvorstellungund Rezension

Der Gott der Klinge von Joe R. Lansdale

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „The God of the Razor“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 399 Seiten.ISBN 3-453-67557-6.Übersetzung ins Deutsche von Walter Hartmann und Frank Dabrock.

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In Kürze:

Ein schwarzer Chevy rollt durch die Nacht und hinterlässt eine Spur des Grauens. Wer immer den Nightrunners begegnet, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Ihr Ziel ist ein einsames Ferienhaus, in dem Becky und ihr Mann über ein traumatisches Ereignis hinwegzukommen versuchen. Doch das Schlimmste steht ihnen noch bevor. · Die Wiederentdeckung eines Klassikers – komplett überarbeitet und mit sechs unveröffentlichten Geschichten

Das meint Phantastik-Couch.de: „Gut so, ihr Nightrunners. Fein gemacht!“80

Horror-Rezension von Jochen König

Joe R. Lansdales „Der Gott der Klinge“ ist die überarbeitete Übersetzung des Romans „Nightrunners“ aus dem Jahr 1987, plus sechs weitere Geschichten, die sich weitgehend um die Figur des Klingengottes drehen, der in „Nightrunners“ einen kurzen Auftritt hat, aber nicht völlig aus dem Schatten tritt. Es bleibt die Möglichkeit, dass er die Phantasmagorie eines mental derangierten Killers ist. „Der Gott der Klinge“, „Nicht aus Detroit“ und „Janet findet ein Rasiermesser“ bieten solide Gruselkost, aber auch nicht mehr. Hervorstechend sind der „König der Schatten“, eine tragikomische Coming Of Age-Erzählung, sowie „Zwischenfall an einer Bergstraße“, die vermutlich bekannteste Geschichte der kleinen Sammlung. Diente sie doch als Vorlage zum Auftakt der „Masters Of Horror“-TV-Serie. Don Coscarelli inszenierte „Incident on a High Mountain Road“ nur leicht verändert, als einen hervorragenden Backwood-Slasher der etwas anderen Art. Außerdem liest sich die Story „Das zottelige Haus“ wie das Exposè zum DreamWorks-Trickfilm „Monster House“. Was auch Lansdale selbst aufgefallen ist. Zurecht. Ansonsten ist das kurze Geschichtlein nicht weiter erwähnenswert.

Ob „Nightrunners“ ein Meisterwerk der modernen Spannungsliteratur ist, worauf Dean Koontz in seinem bemüht witzigen Vorwort insistiert, sei mal dahingestellt. Auch Joe R. Lansdale stellt sein Licht in der Einleitung nicht unter den Scheffel, lässt es aber einigermaßen sympathisch erstrahlen.

Weit weniger sympathisch strahlen die Lichter des schwarzen Chevy, der unheilvoll durch die schwarze Nacht rast. Im Innern die „Nightrunners“ Brian, Loony Tunes, Stone und Clyde, dazu noch das Pärchen Jimmy und Angela; Mitläufer, die auf einer scharfen Klinge tanzen. Am Wegesrand: Raub, Vergewaltigung und blutiges Gemetzel. So prescht der schwarze Chevy über die Highways, seinem Ziel entgegen: einer einsamen Hütte, in die sich das Ehepaar Montgomery und Becky Jones zurückgezogen hat, um Traumabewältigung zu betreiben. Becky Jones wurde vergewaltigt von jenem Clyde, der sich ein lauschiges Zimmer im Kopf seines besten Freundes Brian eingerichtet hat. Seitdem plagen Becky Alpträume und Visionen, die ein Abglanz kommender Ereignisse sind. Als der friedliebende Monty von der Verbindung zwischen den Visionen und der möglichen Realität endlich überzeugt ist, ist es fast zu spät. Die „Nightrunners“ klopfen unsanft an die Hüttentür. Finale in Rot.

Gewalt verkommt nicht zu reinem Selbstzweck

„Nightrunners“ ist eine Studie in Terror. Die Geschichte selbst passt auf einen Bierdeckel; Lansdale erzählt eine eigentlich simple Rape and Revenge-Story auf packende Art. Er gibt seinen Figuren Raum, sowohl den positiven (Becky und Monty), wie den negativen (die „Nightrunners“). Gerade Brian und seine Freundschaft zu dem psychotischen „Rebel Without a Cause“ Clyde beleuchtet Lansdale ausführlich. Er lässt es sich nicht nehmen, dem ganzen zerstörerischen Unternehmen einen philosophischen Unterbau zu geben. Für den der arme Friedrich „Übermensch“ Nietzsche herhalten muss. Lansdale verkauft das mit soviel beiläufigem Charme, das man ihm diese hochtrabende, wenig ausgearbeitete, Attitüde nicht übel nehmen kann. Er ist ein äußerst effektiver Autor, der die blasse Story konsequent und mit dem richtigen Maß an Härte zu ihrem Ende bringt. Obwohl er vor dezidierten Gore-Effekten nicht zurückschreckt, verkommt Gewalt bei ihm nicht zu reinem Selbstzweck wie bei vielen seiner unbegabteren Kollegen. Das Grauen und die Schmerzen, die jene Gewalttätigkeit auslösen, bleibt immer präsent. Oftmals und besonders bei Geschehnissen, die im Hintergrund passieren.

Ein wenig mangelt es dem Roman an Stringenz. Man merkt ihm an, das Lansdale sich von einigen Kurzgeschichten nicht trennen konnte und sie auf Biegen und Brechen dem Buch angepasst hat. Zwar legitim, vor allem weil der Autor dieses Verfahren freimütig einräumt. So ist die „Boys Will Be Boys“ (So sind Jungs nun mal) für sich genommen eine starke Erzählung, sie bremst aber die beschleunigte Fahrt der „Nightrunners“ aus. Immerhin gibt es Hintergründiges über Brian Blackwood und seine intime Beziehung zu Clyde Edson zu erfahren. Überflüssig ist hingegen die Episode um Malachi Roberts und seine sterbende Frau. Vor allem, da sie eine nur leicht veränderte Wiedergeburt im Kurzgeschichtenteil erfährt.

Meriten haben die „Nightrunners“ neben dem Spannungsmoment allerdings noch an anderer Stelle. Der Roman ist ein großer, bunter Verweiskatalog. Sowohl, was die Einbeziehung fremder Stoffe betrifft, wie die Einflussnahme auf kommende Ereignisse. Bereits der Erzählstil der „Nightrunners“ zeigt deutlich, dass Lansdale Kino kennt und würdigt. Abgesehen von Filmen, die allgemein um „juvenile delinquents“ kreisen, dürfte Lansdale Wes Cravens „Last House on the Left“ ebenso schätzen wie Sam Peckinpahs „Straw Dogs“ (Wer Gewalt sät), in dem Dustin Hoffmann eine perfekte Blaupause für Montgomery Jones darstellt. Wie eine Hommage an die „Nightrunners “ wirkt der schwarze Cadillac, der in Philip Ridleys bildgewaltigem „The Reflecting Skin“ (Schrei in der Stille) bedrohlich über die Landstraßen rollt. Auch seine vier jugendlichen Insassen bringen Tod und Verderben mit sich. Und ist nicht Freddy Krueger ein enger Verwandter des „Gottes der Klinge“? Womit Wes Craven sich Geliehenes zurückgeholt haben könnte. Der Spekulationen sind viele.

Mag „Nightrunners“ auch nur die spannende Fingerübung eines begabten, jungen Autors sein – es gibt einiges zu entdecken.
Joe R. Lansdale lobt sich nicht zu unrecht: „Gut so, ihr Nightrunners. Fein gemacht“.

Ihre Meinung zu »Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge«

Horrib96 zu »Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge«15.08.2009
"Der Gott der Klinge" war mein erster Lansdale und wahrscheinlich auch nicht mein letzter.
Ich werde jetzt meine Rezension in zwei Teile unterteilen:

Teil 1: Nightrunners, die Hauptgeschichte des Buches.
Dieser Kurzroman ist nicht unbedingt das was ich erwartet hätte. Zuerst fand ich die Sprache äußerst mangelhaft, was aber vieleicht daran liegt das ich vorher Siglers ´"Infiziert" gelesen habe in dem die Sprache meiner Ansicht nach Sehr gut war. Humor in irgendeiner Form habe ich nur sehr selten gefunden, das hätte auch nicht sein müssen, aber es hätte schon zu Guten beigetragen. Auch sind die Charaktere ziemlich blass vor Allem die Nightrunners deren Gefühle und beweggründe nur an wenigen Stellen geschildert werden.
Das Ende hat mir ebenfalls nicht gefallen aber um das zu begründen müsste ich spoilern, was ich aber nicht tun möchte.
Trotz all den schlechten Dingen die mir aufgefallen sind ist "Nightrunners" doch sehr spannend und bekommt von mir 75°

Teil 2: Die zusätzlichen 6 Kurzgeschichten.
Die Kurzgeschichten fand ich sowohl sprachlich als auch inhaltlich um ein vielfaches besser als die Haptgeschichte.
Hierbei sticht vor allem "Nicht aus Detroit" herraus und auch "Zwischenall an der Bergstraße" ist nicht zu verachten. Die schlechteren waren für mich "das zottelige Haus" und "Janet findet ein Rasiermesser", da dort alles einfach irgendwie zu blass und zu kurz war die anderen sind für mich Mittelfeld bis oberes Mittelfeld.
Für die Kurzgeschichten gibts von mir 90°

Also insgesamt empfehlenswert aber für mich nicht das hier angepriesene "Highlight".
Übrigens ist das Buch der Hardcore-Reihe nicht würdig denn so wirklich brutal war es nicht.

Insgesamt 80°
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Alexi1000 zu »Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge«05.07.2009
Das Original "Nightrunners" habe ich damals nicht gelesen, deshalb hat mich "Der Gott der Klinge" mit voller Wucht getroffen...

eine sehr nihilistische Atmosphäre, sehr gut ausgearbeitete Charaktere und ein nicht geringer Blutgehalt (dabei nie plakativ geschildert...)

aber für mich das i - Tüpfelchen ist der "Hauch" übernatürliches der hier von Lansdale eingeflochten wurde...

kann Frank nur beipflichten, ist ein absolutes Highlight und eines der besten Bücher aus der "Heyne-Hardcore" Reihe!

ich vergebe fast perfekte 95°.
Frank zu »Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge«16.02.2009
Oh,Oh.
Da das Buch doppelt vertreten ist (KC + PC) schiebe ich meine bereits auf der KC vorhandene Bewertung auch mal zur PC.

Das Buch der Saison.
"Der Gott der Klinge" ist in erster Linie die Wiederveröfentlichung des schon früher (aber hier komplett überarbeiteten) Romanes "Nightrunners", der hier den Hauptteil des Buches stellt. Garniert von weiteren 6 Storys die alle mehr oder weniger Bezug zu dieser Geschichte nehmen.
Inhaltlich hat mein Vorschreiber "Mase" (auf der KC) eigentlich alles genannt, allerdings würde ich Lansdale nicht mit Laymon vergleichen wollen. Die düstere Atmosphäre und die realistisch beschriebene Gewalt erinnerten mich in einigen Bereichen eher an Schriftsteller wie John Connolly. Lansdale hat hier einen knüppelharten Psychothriller abgeliefert, der für mich (trotz seines "Alters") auch heute noch nahezu konkurrenzlos ist.
Besonderes Lob verdient der Autor für die Einflechtung vieler interessanter Charaktere in die Geschichte die - bei einem anderen Verlauf der Story - wahrscheinlich selbst für einen Roman gereicht hätten.
Highlight des Jahres (2008) . Ob neu oder nicht.
100%.
Schrodo zu »Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge«16.02.2009
Mein erstes Buch von Herr Lansdale. Es müsste mich schon sehr wundern wenn da noch viele nachfolgen würden. Der liebe Joe schreibt eine Orgie der Gewalt die noch abgedrehter erscheint, als ein Tarantino Film. Die Handlung ist einfach, einige durchgedrehte Jugendliche halten sich für die Ausgeburten der Hölle und morden mehr oder weniger alles was ihnen vor das Messer kommt. Alle Protagonisten sind gut beschrieben und der blutrote Faden immer vorhanden. Die Gewaltszenen sind nicht zu ausführlich gezeichnet, aber mir fehlte manchmal einfach das Warum im Hintergrund. Sonderlich spannend ist das Buch nicht, da die Handlung ziemlich durchschaubar ist. Einzig das Ende war einigermaßen überraschend.
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