Das Licht im Abgrund von John M. Skipp & Craig Spector

Buchvorstellungund Rezension

Das Licht im Abgrund von John M. Skipp & Craig Spector

Originalausgabe erschienen 1986unter dem Titel „The Light at the End“,deutsche Ausgabe erstmals 1989, 315 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Thomas Ziegler.

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In Kürze:

Ein uralter Vampir gründet in New York City einen neuen ‚Stamm', der die Stadt aus den U-Bahn-Tunneln zu terrorisieren beginnt, bis sich ihm eine kleine, eher verzweifelte als kampfstarke Gruppe in den Weg stellt ... – Viele Jahre nach dem Ende des „Splatterpunks“ erregt dieser Roman in Sachen Gewalt & Sex kein Aufsehen mehr, weshalb sich das Interesse auf die actionstarke Vampir-Story konzentriert, die sich besser halten konnte.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Vampir-Pack aus dem Untergrund“75

Horror-Rezension von Michael Drewniok

Aus einer Augenblickslaune heraus „erschafft“ ein achthundertjähriger Vampir in New York City einen neuen Blutsauger, bevor er sich nach Europa einschifft. Der neurotische Möchtegern-Künstler Rudy Pasko bleibt zurück und muss sich selbstständig in sein Vampir-Dasein einfinden, was nicht ohne Zwischenfälle bleibt: Rudy – schon zu Lebzeiten kein Muster an Selbstdisziplin – kann seinen Blutdurst nur schwer kontrollieren und neigt dazu, seine Opfer buchstäblich in Stücke zu reißen.

Für einen modernen Vampir ist New York – die Stadt, die niemals schläft – ein idealer Aufenthaltsort. Dem gefährlichen Sonnenlicht kann Rudy unter der Erde entgehen. Die U-Bahn ist Versteck und Jagdrevier gleichzeitig. Schon bald geht die Angst um, denn immer wieder fallen Fahrgäste einem unheimlichen Killer zum Opfer, bevor sie kurz darauf selbst umzugehen beginnen.

Die Polizei ist überfordert und schließt übernatürliches Wirken selbstverständlich aus, was die Ermittlungen in eine Sackgasse führt. Andere Bürger sind fantasiestärker. Nach und nach findet eine kleine Gruppe ahnungsvoller Außenseiter und Nerds zusammen, unter denen der Fahrradkurier Joseph Hunter eine Sonderstellung einnimmt: Der verbitterte, zur Selbstjustiz neigende und bärenstarke Mann will den Killer jagen und töten.

Rudy beginnt zu lernen. Er will sich Sklaven schaffen und zieht dafür seinen besten Freund Stephen und seine Ex-Freundin Josalyn in die engere Wahl. Diese suchen und finden den Anschluss zu Josephs Vampirjägern, die sich zum Sturm auf die U-Bahn rüsten. Doch Entschlossenheit ersetzt weder Kampfkraft noch Kenntnisse. Selbst der unerfahrene Rudy ist ein gefährlicher Gegner, zumal im Hintergrund der Uralt-Vampir lauert, der sich telepathisch über den aktuellen Stand der Jagd informiert und gespannt darauf ist, wer – oder ob überhaupt jemand – den Showdown überleben wird …

Alte Schrecken in modernen Zeiten

1986 gelang dem Autoren David J. Schow das seltene Kunststück, einen Begriff zu prägen, der für ein eigenes Kunstgenre stand: „Splatterpunk“ verband die aktuelle Bewegung der gegen das gesellschaftliche Establishment wütenden „Punks“ mit einer Form des (literarischen) Schreckens, der dem körperlichen Horror den Vorzug vor dem atmosphärischen Grauen der Altvorderen gab. Die Anhänger dieses Genres überboten sich in den nächsten Jahren im Bemühen, das Zermetzeln menschlicher Körper sowie deren sexuelle Schändung so offensiv wie möglich zu betreiben.

Der Erfolg war ebenso groß wie das erhoffte Aufsehen, und er fraß wie üblich sein Kind mit der für die Mode der Gegenwart bekannten Geschwindigkeit. Schon Mitte der 1990er Jahre war der eigentliche Splatterpunk ausrangiert; ein Schicksal, das er mit dem „Steampunk“ der Science Fiction teilte. Er hatte sich selbst durch eine nur begrenzt mögliche Steigerung des Brachialen ad absurdum geführt und war vom (Horror-) Mainstream vereinnahmt, ausgebeint und seiner brauchbaren Elemente beraubt worden: das Schicksal jeder Revolution.

Die Brutalhorror-Autoren der Gegenwart lächeln höflich, wenn an ihre Wegbereiter erinnert wird, die sie in Sachen Gewalt & Rabiat-Sex inzwischen weit in den Schatten stellen. Doch der Splatterpunk hatte durchaus seine Meriten. Er war wichtiger Treibriemen einer Entwicklung, die den Horror endgültig und endlich in die Gegenwart katapultierte. Die bewährten Schrecken der Vergangenheit wurden dabei keineswegs aufgegeben. Vampire, Werwölfe oder künstliche Monster trieben weiterhin ihr Unwesen. Doch sie agierten nicht länger in künstlichen, der Zeit enthobenen Oasen.

Der Vampir legte den mit rotem Samt gesteppten Umhang ab. Er besann sich einerseits seiner Ursprünge, die nicht länger Bela Lugosi oder Christopher Lee elegant und verführerisch verkörperten, sondern wurde zum Überlebenden einer uralten Art, die sich neben und unter den Menschen behauptet hatte, ohne sich diesem jemals angepasst zu haben. Diese Vampire waren rücksichtslos, brutal, schmutzig und niederträchtig, konzentriert auf ihre Existenz, die in der urbanen Gesellschaft gänzlich neue Nischen fand.

Horror ohne Faszination

Die moderne Stadt ist eine Megalopolis – überbevölkert, anonym und nur an der Oberfläche organisiert. New York City ist ein ideales Beispiel: Jede/r ist sich selbst der oder die nächste, Rücksicht ein Luxus, den man sich nicht gestattet, Bedürftigkeit eine Schwäche, die erbarmungslos ausgenutzt wird. Jede große Stadt hat ihre Peripherie der Ausgegrenzten, Ausgestoßenen und Überflüssigen. Statt sich zu solidarisieren, setzen auch diese Gruppen das böse Spiel fort und sich selbst matt. Solange sie sich unauffällig verhalten und sich nur selbst zerfleischen, werden sie bestenfalls ignoriert und sich selbst überlassen.

Das macht Außenseiter zur idealen Beute. In einem seltenen Moment der Reflexion vergleicht der Uralt-Vampir Vergangenheit und Zukunft. Er kommt zu dem Schluss, dass es ihm, dem Blutsauger, selbst in den finstersten Epochen des Mittelalters nie so gut ergangen ist wie heute. Seine Menschenbeute ist so zahlreich geworden, dass er in Mordexzessen schwelgen kann, ohne Gefahr zu laufen, entlarvt zu werden. Ein schlauer Vampir geht in der Masse unter bzw. auf. Der alte Blutsauger beherrscht dieses Spiel seit Jahrhunderten. Er ist ein Meister darin – und er spielt gern.

Nicht einmal auf Seinesgleichen nimmt er Rücksicht. Er setzt Rudy Pasko ohne Vorbereitung in eine Welt, die diesen schon als Mensch überfordert hat, und wartet genüsslich im Hintergrund ab, wie und ob sich seine Schöpfung buchstäblich durchbeißt. Rudy bringt der Untod keine Vorteile. Anfänglich nehmen ihn nicht einmal seine potenziellen Opfer ernst. Zudem kann Rudy nicht loslassen: Er will sich für zu Lebzeiten erlittene Demütigungen rächen, ist aber im Tod weder intelligenter noch planmäßiger geworden. Also richtet er Blutbäder an und wird nur deshalb nicht erwischt, weil er sich an Stadtstreichern, Huren und anderen Grenzgängern gütlich tut, deren Ableben nur routinemäßig untersucht wird.

Jäger ohne Plan

Auf der anderen Seite steht ihm kein Van Helsing mehr gegenüber. Rudys Gegner stehen nur marginal über den Namenlosen der Großstadt. Zentrum der „Vampirjäger“ wird ein Kurierdienst, der Versager und gescheiterte Existenzen ausbeutet, und trotzdem kaum Gewinn abwirft. Keine der Hauptfiguren kann berufliche Erfolge vorweisen oder ist privat glücklich. Zwischenmenschliche Kälte und Grausamkeiten vergällen ihnen das Leben, bevor Vampire es ihnen nehmen. Vor allem Joseph Hunter ist eine tickende Zeitbombe. Gäbe es die Bedrohung aus dem Untergrund nicht, würde er auf seinem Mitmenschen losgehen, deren Treiben ihn in permanente Wut versetzt. Selbst seine Mitstreiter fürchten sich vor ihm.

Von der sorgfältigen Planung, die einst Graf Draculas Widersacher an den Tag legten, sind diese Vampirjäger unendlich weit entfernt. Ihr „Wissen“ über Blutsauger entlehnen sie Filmen oder Comics, denn ein Buch nehmen diese der klassischen Kultur entfremdeten Kinder (oder Gefangene der Moderne) nicht mehr in die Hände, und zum Zeitpunkt dieser Geschichte existiert noch kein Internet. Immerhin ist es in diesem Umfeld problemlos möglich, Kreuze aus rostfreiem Stahl zu besorgen.

Folgerichtig gibt es die ersten Opfer zu beklagen, bevor der eigentliche Feldzug beginnt. Zwar weiß Rudy über seine wahren Kräfte wenig, doch auf der anderen Seite haben seine Kontrahenten keine Ahnung von effektiven Schutzmaßnahmen. Man kämpft im Grunde ohne Deckung. Pardon wird weder erwartet noch gegeben. So gipfelt das Geschehen nicht im heldenhaften Gefecht Gut gegen Böse, sondern in einem widerwärtigen Gemetzel, bis endlich das titelgebende „Licht am Ende“ (des U-Bahn-Tunnels, nicht des Abgrunds = Untergrundes, denn dort ist und bleibt es natürlich dunkel) für eine – allerdings radikale – Reinigung sorgt.

Die meisten Figuren der Handlung werden diesen Moment allerdings nicht mehr erleben. Der Bodycount ist hoch, und der Tod kommt immer schmutzig. Während die allzu offen an den Tag gelegte Weltverdrossenheit der Protagonisten im Mittelteil ranzig geworden ist, machen Skipp & Spector im letzten Drittel viel Boden wieder wett: Das Tempo zieht an, für weiteres Nachdenken über verschüttete Milch bleibt keine Zeit mehr. Es wird buchstäblich gehandelt – ein uraltes aber bewährtes Element, das bei korrekter Handhabung sein Ziel nicht verfehlt.

Ihre Meinung zu »John M. Skipp & Craig Spector: Das Licht im Abgrund«

Frank zu »John M. Skipp & Craig Spector: Das Licht im Abgrund«20.07.2009
Nachdem mir dieser Roman mehrfach empfohlen wurde, bin ich irgendwann dann tatsächlich mal bei Ebay fündig geworden.
Erzählt wird die Geschichte eines Loosers (Rudy), der von "einem uralten, bösen Wesen" (wird nicht groß weiter erklärt) zu einem Vampir gemacht wird.
Nun streift dieser ausgestattet mit seinen neuen Fähigkeiten durch die Nacht New Yorks, und zieht eine Spur des Blutes nach sich.
Lediglich eine kleine Gruppe Menschen (Freund, Ex-Freundin und einige andere) weiß um die Gefahr und versucht das Böse aufzuhalten.
Klingt simpel? Ist es auch.
Die Thematik der Vampire, der Hintergrund des "uralten Wesens" , die Charakterisierung der Protagonisten - all dies bleibt skizzenhaft. Hier geht es im wesentlichen um den Splatter und Actiongehalt. Da von beidem genug enthalten ist, wird man zumindest ganz gut unterhalten. Ich befürchte allerdings, dass ich den Roman in einigen Tagen schon vollständig vergessen haben werde.
Geeignet für ein paar Stunden Lesespass, aber recht substanzlos. 60%.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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