Der Amboss der Welten von Kage Baker

Buchvorstellungund Rezension

Der Amboss der Welten von Kage Baker

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „The Anvil of the World“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 400 Seiten.ISBN 3867620822.Übersetzung ins Deutsche von Bettina Ain.

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In Kürze:

Kage Baker, jüngst verstorbene Autorin des Steampunk-Romans Die Frauen von Nell Gwynne’s, widmet sich in diesem Schelmenroman um den pensionierten Assassinen Schmied, der nur versucht, nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten, aber ständig knietief in Problemen watet, der humoristischen Fantasy.
Schmied heuert als Karawanenmeister an und soll ein Gros Glasschmetterlinge sowie diverse exzentrische Mitreisende sicher von Troon in die Hafenstadt Salesh geleiten. Die prominentesten seiner Passagiere sind der dekadente Fürst Ermenwyr und seine Amme Balnshik, die beide nicht so recht sterblich sind. Schmied überlebt die Reise und kauft schließlich ein heruntergekommenes Ferienhotel in Salesh-am-Meer, das er mit Hilfe seiner begabten früheren Karawanenköchin, die ebenfalls Schmied heißt, in eine Goldgrube verwandelt. Leider geht am Vorabend des Festes, des profitträchtigsten Tages im Jahr, alles schief. Fürst Ermenwyr taucht auf der Flucht vor einem verfeindeten Hexer inkognito auf, dann erscheint die Gesundheitspolizei just in dem Moment, als ein Klatschreporter, der dafür bekannt ist, seine Opfer zu erpressen, tot aufgefunden wird. Er wurde in einem von Schmieds besten Zimmern möglicherweise mittels Magie ermordet.
Wie üblich kombiniert Baker geschickt witzige Dialoge, gute Charakterzeichnung und ein Auge für stimmige Details. Besonders denkwürdig sind ihre wahrlich schräge Karawane und Frau Schmieds unvergleichlich beschriebene kulinarische Meisterleistungen. Bakers Ausflug in die Fantasy macht Spaß und sollte allen Trash-Fantasy-Feinden auf der Zunge zergehen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Moralisches Gedankengut mit einem Augenzwinkern“79

Fantasy-Rezension von Heike Salzmann

„...[er] schmiedet auf dem Amboss der Welten seinen grausamen Schlüssel der Aufhebung, tief in den Knochen verbarg er ihn, bis der Tag des Jüngsten Gerichts ihn ans Licht bringen würde...“

Schmied, ein begabter, in die Jahre gekommener Assassine, flieht vor einer Blutfehde zu einem entfernten Vetter nach Troon. Als dieser ihm eine Stelle als Karawanenführer anbietet, ergreift Schmied diese günstige Gelegenheit für einen Neuanfang.

Sein erster Auftrag führt ihn nach Saleh-an-der-See. Diese Fahrt auf einer scheinbar einfachen Karawanenroute entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer mehr als abenteuerlichen und gefährlichen Reise. So ist Schmieds Können nicht nur als Führer, sondern auch als erfahrener Kämpfer gefragt. Während die illustre Reisegesellschaft sich mehrerer Anschlägen erwehren muss, stellt sich die Frage, wem der Gruppe diese wohl gelten mögen. Vielleicht Parradan Schmied, einem Boten mit geheimnisvollem Auftrag, oder dem verwöhnten und dekadenten Fürsten Ermenwyr, welcher aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit nach Salesh reist?

In Salesh angekommen muss Schmied sich zunächst für die Zerstörung seiner wertvollen Fracht verantworten. Nach der so eher erfolglosen Karawanenführung versucht er nunmehr gemeinsam mit der Karawanenköchin (welche ebenfalls Schmied heißt) ein heruntergekommenes Hotel wieder instand zu setzten und in Betrieb zu nehmen. Auf Basis der grandiosen Kochkünste der ehemaligen Karawanenköchin avanciert das Hotel zu einer angesehenen Adresse unter den gut zahlenden Bürgern der Stadt.

So könnte das Leben angenehm und friedlich verlaufen, wären da nicht die wiederkehrenden Besuche des Fürsten Ermenwyr. So kommt es immer wieder zu Turbulenzen und Verwicklungen, welche Schmied jedoch mit Bravour zu meistern weiß. Als es jedoch zu Spannungen zwischen den 'Kindern der Sonne’ und den mit der Natur im Einklang lebenden 'Yendris’ kommt, kann sich auch Schmied diesem weitreichenden Konflikt nicht entziehen. Mitgerissen im Strudel der Ereignisse muss Schmied sich seinem Schicksal stellen. Wird er zum Spielball höherer Instanzen? Kann er sich gegen ein Los behaupten, das scheinbar seine Bestimmung ist?

Politische Fragestellungen und philosophische Aspekte

Kage Baker legt mit „Der Amboss der Welten“ einen Fantasyroman einer ganz neuen Art vor. In diesem Roman liegt der Schwerpunkt weder auf einer spannenden Handlung, noch auf der Weiterentwicklung der einzelnen Protagonisten. Scheinen diese doch überwiegend schon ausgereift und charakterlich gefestigt zu sein. Die Handlung kommt leicht und teilweise beschaulich daher.

Überaus flüssig geschrieben nimmt die Geschichte den Leser mit und unterhält kurzweilig bis zum Ende. Die bisweilen bizarr anmutenden Protagonisten kommen einem rasch näher und wirken schnell wie alte Vertraute, deren Dialoge und Kontroversen man gerne mit einem Augenzwinkern und Lachen begleitet. Vor allem die zahlreichen Dialoge zwischen dem eher ruhigen und pragmatischen Schmied und dem dekadenten und neurotischen Fürst Ermenwyr sind hier erwähnenswert.

Die Zuordnung zum Fantasygenre findet durch die hier erschaffene Welt und die auftretenden Wesen wie Dämonen ihre Berechtigung. Und so mag man die Geschichte einfach als gelungene Fantasy-Unterhaltung betrachten, die eigentliche Qualität des Romans offenbart sich jedoch in anderer Hinsicht. Baker bringt in dieser scheinbar so leichten und lustigen Erzählung nicht nur politische Fragestellungen, sondern auch philosophische Aspekte unter. Hier wird der Leser auf einfühlsame und humorvolle Weise mit Fragen nach ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung konfrontiert.

So wird dem Leser ein von außen gerichteter Blick auf das zerstörerische Handeln der 'Kinder der Sonne’ geboten, welche ohne jegliches moralische Gewissen ihre Umwelt ausbeuten und ihre Refugien ausweiten. Diesen gegenüber stehen die 'Yendris', ein Volk, dass in völliger Übereinstimmung und Harmonie mit seiner Umwelt lebt. Die durch das Zusammentreffen dieser unterschiedlichen Völker auftretenden Konflikte liefern einen maßgeblichen, tragenden Teil der Geschichte.

Demgegenüber stehen die Bedürfnisse des Einzelnen, hervorragend gespiegelt durch die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten. Vordergründig sind hierbei der pragmatische Schmied mit seinem eigentlich bescheidenen Wunsch nach Ruhe und der mit einem kindlichen Willen nach Spaß, Luxus und Unterhaltung strebende Fürst Ermenwyr. Aus ganz unterschiedlichen Gründen eint beide ein gemeinsames Ziel. Sie streben danach sich den Konflikten zu entziehen, müssen sich jedoch ihrem Schicksal stellen.

Fazit: ein äußerst vergnüglicher Fantasyroman, mit interessanten bisweilen bizarr anmutenden Charakteren, deren Interaktionen, gespickt mit wortgewandten und gewitzten Dialogen, mehr als nur lesenswert sind. Baker gelingt es, in diese humorvolle und spannende Geschichte moralisches Gedankengut mit einem Augenzwinkern einzubringen. Eine Geschichte, die ohne erhobenen Zeigefinger zum Nachdenken anregt, sondern im Gegenteil mit viel Verständnis für die allzu menschlichen Schwächen der Protagonisten.

(Heike Salzmann, September 2012)

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