Die Feuer der Inquisition von Kage Baker

Buchvorstellungund Rezension

Die Feuer der Inquisition von Kage Baker

Originalausgabe erschienen 1997unter dem Titel „In the Garden of Iden“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 496 Seiten.ISBN 3-453-52350-4.Übersetzung ins Deutsche von Elvira Bittner.

»Die Feuer der Inquisition« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

In Kürze:

Im 24. Jahrhundert gelingt es Wissenschaftlern, einen uralten Menschheitstraum zu verwirklichen: die Möglichkeit, durch die Zeit zu reisen. Und damit die Möglichkeit, den Verlauf der Geschichte zu ändern. Doch in welchem Ausmaß soll man das tun? Ein Team aus jungen Männern und Frauen wird zusammengestellt und in die verschiedensten Epochen der Menschheitsgeschichte geschickt. Dies sind ihre Abenteuer …Eine faszinierende Mischung aus Zeitreise-Geschichte, historischem Roman und romantischem Abenteuer – für Leserinnen und Leser weit über die Science Fiction hinaus.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Unsterbliche Zeitreisende im England der Glaubenskriege“;60

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Der Traum der Menschheit hat sich erfüllt. Dank technischer Erfindungen ist es möglich, das Altern zu stoppen. Die Crux bei der Geschichte: das Verfahren ist sehr teuer, und wirkt nur bei kleinen Kindern. Nur eine spezielle Kopfform, eine noch formbare Psyche und ein heranwachsender Körper garantieren, dass das Alter für immer seine Schrecken verliert.

Im 24. Jahrhundert hat der Mega-Konzern Dr. Zeus seine alles beherrschende Stellung nicht nur der Tatsache zu verdanken, dass man das Altern stoppen kann, auch die tatsächliche Möglichkeit von Zeitreisen birgt ernormen Profit. Die Vergangenheit lässt sich zwar nicht ändern, doch zum Plündern ist sie allemal gut genug. Zwar kann man die Bibliothek von Alexandria nicht einfach in Container verpacken und in Zukunft senden, fiel sie doch bekanntermaßen den Flammen zum Opfer, doch findige Agenten der Company kopieren in jahrelanger Kleinarbeit die verloren geglaubten Werke, sichern Proben längst ausgestorbener Flora und Fauna und verschollene Kunstwerke, die dann für viel Geld weiterverkauft werden.

Ihre Agenten rekrutiert die Company aus allen Zeitaltern und Zivilisationen der Menschheitsgeschichte. Jung müssen sie sein, allein in der Welt, so dass niemandem ihr Verschwinden auffällt. Mendoza ist solch ein Kind. Ihre Mutter verkauft sie 1534 für ein paar Silberstücke an eine reiche Dame, dann schlägt die heilige Inquisition unbarmherzig zu. Nicht nur die reiche Dame, eine vermeintliche Jüdin, wird der höchstnotpeinlichen Befragung unterworfen, auch Mendoza erhält einen guten Einblick in die Hölle der Hexenjäger und Folterer.

Als Joseph, der Schreiber in Diensten der päpstlichen Inquisition, sie rekrutiert, beginnt eine Zeit der Operationen und des Lernens für sie. Fast 15 Jahre später ist sie bereit für ihren ersten Feldeinsatz als Botanikerin. Zusammen mit Joseph und einer weiteren Agentin wird sie als spanisches Edelfräulein ins von Religionskriegen zerrissene England Heinrichs VIII. entsandt. In einem botanischen Garten in Kent soll sie, weitab vom englischen Hof und damit in relativer Sicherheit, genetische Proben nehmen und katalogisieren.

Romeo und Julia in Kent

Im Haus von Sir Walter Iden trifft sie auf dessen Sekretär und Buchhalter, den jungen, wohlgewachsenen Nicholas, einen streng gläubigen Lutheraner. Dieser soll die vermeintliche Katholikin bei ihren Bemühungen, die Pflanzen zu katalogisieren, unterstützen.

Kennen wir das nicht, zwei junge Menschen in einem Garten voller blühender Pflanzen? Es kommt, wie es kommen muss, eine heftige Romanze entwickelt sich. Dann aber weisen die Zeichen der Zeit in eine andere Richtung, die Gegenreformation schlägt zu, und jedem, der sich nicht zur päpstlichen Kirche bekennt, droht der Scheiterhaufen. Statt nach Deutschland zu fliehen, will der standhafte Lutheraner für seine Überzeugung einstehen, komme was wolle. Und allen technischen Errungenschaften und Machtmitteln zum Trotz droht Mendoza ihre wahre Liebe im Feuer des Scheiterhaufens zu verlieren …

Der dritte Versuch

Bereits vor einigen Jahren erschien dieser erste Roman einer ganzen Serie mit Zeitreiseabenteuern im Heyne Verlag. Unter dem Titel „Im Land der Unsterblichkeit“ erschien das Werk 2001 und 2003 mit einem wenig Interesse weckenden Titelbild in der allgemeinen Reihe des Heyne Verlages (01/13249 + 01/13757). Mag sein, dass die doch über weite Teile des Buches sehr romantische Handlung dazu Anlass gab, das Buch außerhalb der SF-Edition zu platzieren, versprach man sich wohl in der allgemeinen Reihe einen größeren Zuspruch gerade auch von Seiten der weiblichen Leserschaft. Trotz all der unbestrittenen Stärken des Werkes aber blieb das Buch weitgehend unbeachtet.

Aller guten Dinge sind drei, mit einer überarbeiteten Übersetzung und einem sehr gelungenen Titelbild aus dem Atelier Nele Schütz Design sucht man erneut das Interesse des Lesers zu wecken.

Lebendige Vergangenheit – verschenkte Möglichkeiten

Die Grundsituation ist interessant. Man stelle sich vor, der körperliche Alterungsprozess kann aufgehalten, ja zum Stillstand gebracht werden. Doch gilt dies nur für Menschen, die in einem sehr frühen Stadium ihres Lebens massiv operativ umgestaltet werden. Die Alten mit den großen Bankkonten, die sich diese Behandlung am ehesten leisten könnten, für sie bleiben nur Brotkrumen übrig. Nicht etwa Elternliebe, – wir erfahren bislang zumindest von keinem Fall, in dem ein reicher Mensch seinen Abkömmlingen das Geschenk des ewigen Lebens gemacht hätte – sondern schlichte Profitsucht veranlasst einen Konzern, das Verfahren anzuwenden. Über die moralischen Bedenken und über die psychischen Auswirkungen wird zumindest in diesem Buch wenig – wenn überhaupt – nachgedacht. Statt dessen entführt uns die Autorin in eine sehr lebendig und detailreich geschilderte Vergangenheit. Genau hier, in der Darstellung der Menschen und ihrer Welt liegen denn auch die Stärken des Textes.

Ähnlich, wenn auch in den Einzelheiten nicht ganz so überzeugend wie Connie Willis, die in „Die Farben der Zeit“ und insbesondere in ihrem Meisterwerk „Die Jahre des schwarzen Todes“ originelle und auch in Kleinigkeiten absolut stimmige Zeit- und Personenstudien in einem packenden Umfeld vorgelegt hat, stellt Baker neben ihrer faszinierenden Grundsituation der Company dabei das Leben und Denken der Menschen in der beschriebenen Zeit in den Mittelpunkt ihres Buches.

Um so mehr zu bedauern, dass sie zumindest in diesem ersten Teil ihrer Serie das innewohnende Potential verschenkt hat. Über weite Strecken nimmt die Romanze zwischen unseren tragischen Liebenden, die zusammen nicht kommen dürfen, zu viel Raum ein. Dies geht auf Kosten der Atmosphäre, die zeitweilig zu schwülstig daherkommt.

Demgegenüber steht als Pfund, mit dem Baker wuchert, ihre rotzfreche Art zu erzählen. Mit Schwung, aufmüpfig-frech kommt uns der Text im ersten Drittel entgegen, stilistisch gefällig und sorgfältig übersetzt ist er zudem. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin mir mehr über die Hintergründe – wer steckt hinter Dr. Zeus, nach welchen Kriterien werden die Ziele, die es zu retten gilt, ausgewählt, wie wirkt die Gabe oder der Fluch, nicht zu altern auf die Agenten der Company, die immer wieder mit ansehen müssen, wie Freunde sterben – erzählt hätte. Topics, die vielleicht in den nächsten Bänden gestreift werden.

Ihre Meinung zu »Kage Baker: Die Feuer der Inquisition«

Bernhard Hutterer zu »Kage Baker: Die Feuer der Inquisition«27.05.2008
Bei mir hat sogar die alte Heyne-Paperback-Ausgabe mit dem albernen Titel "Im Land der Unsterblichkeit" dazu geführt, dass ich mir die ganze Serie im Original besorgt habe. Und ich habe es nicht bereut...
Hoffentlich wird die ganze Serie Zug um Zug übersetzt, ich kann sie allen Science-Fiction- und Fantasy-Freunden nur wärmstens empfehlen !
Ihr Kommentar zu Die Feuer der Inquisition

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.