Vilm. Der Regenplanet von Karsten Kruschel

Buchvorstellungund Rezension

Vilm. Der Regenplanet von Karsten Kruschel

Originalausgabe erschienen 2009, 220 Seiten.ISBN 3938065362.

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In Kürze:

Eigentlich hatten sich die Siedler an Bord der VILM VAN DER OOSTERBRIJK das ganz anders vorgestellt. Doch anstatt sie wohlbehalten zu einer entfernten Kolonialwelt zu bringen, war der Weltenkreuzer auf einen namenlosen Planeten gekracht, auf dem es nur eines im Überfluss zu geben schien: Regen. Die wenigen Überlebenden improvisieren zwischen Schrott und Schlamm eine Zivilisation, der nicht nur Kaffee fehlt. Der Regenplanet scheint nur auf sie gewartet zu haben – allerdings nicht, um sich erobern zu lassen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Der Bilderbogen einer faszinierenden Welt“85

Science-Fiction-Rezension von Holger Schmidt

18 Jahre hat Karsten Kruschels Roman „Vilm“ bereits auf dem Buckel. Eine langer Weg für ein Debutwerk, das eine Weiterentwicklung verschiedener Kurzgeschichten darstellt. Aus drucktechnischen Gründen wurde der Roman vom Verlag in die beiden Bände „Der Regenplanet“ und „Die Eingeborenen“ aufgeteilt.

Heute regnet es nur einmal

Seit Jahrhunderten reisen die Menschen zwischen den Sternen. Zahlreiche ferne Welten haben sie besiedelt. Als eines der vielen Sternenschiffe transportiert der Weltenkreuzer Vilm van der Oosterbrijk Reisende und Siedler zu neuen Welten. An Bord des riesigen Schiffes hat sich längst eine Zweiklassengesellschaft etabliert; während die Passagiere die komplizierten Maschinen der Sternenschiffe nicht bedienen können, können sich die sogenannten Zentralier in die Systeme des Schiffes einklinken. Die elitären Zentralier wirken auf die restlichen Reisenden fremd und verschworen. Doch auch sie sind hilflos, als eines Tages das Schiff, wie von einer fremden Macht beeinflusst, verrückt spielt und auf dem erst besten Planeten bruchlandet.

Für die bedrohlich fremde Welt ist schnell ein Name gefunden: Vilm, der Regenplanet. Denn den gibt es hier in Dutzenden verschiedenster Varianten. Flora und Fauna des Planeten haben sich diesen Bedingungen angepasst, die unvorbereiteten Menschen treffen die unwirtlichen Umstände jedoch hart. Anfangs glauben die Überlebenden noch an eine schnelle Rettung. Aber auch nach Monaten taucht kein Rettungstrupp auf. Die Zentralierin Eliza, der Arzt Mechin und andere Überlebende, sie alle werden für immer nichts als Eindringlinge und Außenseiter auf Vilm sein. Als eine mysteriöse Krankheit die Jüngsten der Gestrandeten befällt, ahnt Mechin Schlimmstes. Tatsächlich scheint das extraterrestrische Ökosystem die Menschenkinder langsam zu verändern.

Nur ein „Planet der Woche“?

Im ersten Drittel des Buches fühlt man sich noch schnell zu Hause: Ein fremder Planet, der für Schiffbrüchige zu einer tödlichen Falle wird und diese Stück für Stück umbringt. Alles schon einmal dagewesen, meint man. Denn schließlich kennt man Storys dieser Art aus SF-Serien zur Genüge. Denkste! Spätestens ab dem Kapitel „Die Geschichte von Mechin und Tom“ zieht Kruschel alle Register seines schriftstellerischen Könnens und rüttelt den nichtsahnenden Leser wach. Aus dem vermuteten Katastrophenthriller wird eine mitreißende Geschichte.

Kehrt der Autor anfangs noch in den Kapiteln zu einzelnen Protagonisten zurück, so beginnt er im weiteren Verlauf des Buches immer neue Personen einzuführen. Episodenhaft werden einzelne Geschichten erzählt. Gekonnt schließt der Autor die Handlungsfäden vorerst ab und lässt deren Figuren im späteren Verlauf nur am Rande auftauchen. Nebenbei erfährt der Leser dann, was aus den Personen wurde. Hier werden Erinnerungen an Andreas Eschbachs erstklassiges Debut „Die Haarteppichknüpfer“ wach. Und damit man als Leser die fremde Welt Vilm noch lange im Gedächtnis behält, hat sich Kruschel ein einzigartiges Ökosystem einfallen lassen. Die Veränderungen, die die Siedler mit der Zeit durchmachen, sind sehr einfühlsam beschrieben. In den teilweise dramatischen Kapiteln wimmelt es von eingängigen Bildern. Mitgerissen verfolgt man als Leser die ausweglose Situation der Gestrandeten und nimmt an deren Schicksal teil.

Operation gelungen – Patient verändert

Zu meckern gibt es an diesem Buch ausgesprochen wenig. Der Anfang erscheint noch wenig originell, das ändert sich jedoch grundlegend. Wenn Kruschel aus der Perspektive von Kindern erzählt, wirkt deren Sprache und Denken manchmal ein wenig zu intellektuell für die Begriffswelt von Kindern. Abgefedert wird dies aber wieder durch eine Vielzahl gelungener neuer Begriffe und Wortschöpfungen für die Tiere und Pflanzen des Planeten oder auch den immer währenden Regen in seinen mannigfaltigen Erscheinungsformen. Und zu guter Letzt bleiben noch einige Fragen offen. So zum Beispiel die Frage, was es mit dem „Epsilonischen Raumschiff“ auf sich hat, das mehrfach erwähnt wird. Beste Voraussetzungen für einen interessanten zweiten Roman, der bereits in den Regalen der Buchhandlung ihres Vertrauens zu finden sein dürfte.

Ein kompakter Roman mit einem ganz besonderen Geschmack. Voller neuer Bilder und Eindrücke, die es erst einmal zu verdauen gilt. Ein vorzügliches Debut. Nur gut, dass letzten Endes ein Verlag für dieses Buch gefunden werden konnte!

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