Der Sucher von Katja Brandis

Buchvorstellungund Rezension

Der Sucher von Katja Brandis

Originalausgabe erschienen 2007, 300 Seiten.ISBN 3950218580.

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In Kürze:

Sucher werden. Jemand, der durch seine besonderen Fähigkeiten Dinge, Menschen und manchmal auch Träume finden kann, die verlorengegangen sind. Das ist der sehnlichste Wunsch von Tjeri aus der Wasser-Gilde. Nach dem Motto „;Frechheit siegt“; erobert er sich eine Lehre beim Großen Udiko, dem berüchtigsten Sucher Dareshs. Nach seiner ungewöhnlichen Ausbildung tritt er in den Dienst seiner Gilde, um für sie schwierige Aufgaben in ganz Daresh zu lösen. Sein erster großer Auftrag: Unter strenger Geheimhaltung soll er für den Rat eine unscheinbare silberne Schale finden, die schon lange verschollen ist. Tjeri ahnt nicht, dass der Rat ihm etwas verschweigt: Die Schale birgt ein tödliches Geheimnis und ist der Schlüssel zur Macht in Daresh …Zur gleichen Zeit lebt und arbeitet eine Katzenfrau namens Mi´raela, genannt Staubflocke, als Sklavin in der Felsenburg, dem Regierungszentrum Dareshs. Sie erlebt mit, dass die alte Regentin kränkelt und die Intrigen um ihre Nachfolge voll in Gang kommen. Mi´raela weiß nicht, dass ihre einzige Hoffnung auf Freiheit ein junger Mann der Wasser-Gilde ist, den die Halbmenschen Jederfreund nennen: Tjeri ke Vanamee.

Das meint Phantastik-Couch.de: „;Eintauchen in den Sog der Erzählung“;77

Fantasy-Rezension von Eva Bergschneider

Daresh forever – diese Fantasy-Welt scheint der deutschen Autorin Katja Brandis unendlich viele Geschichten einzugeben, die sie gern ihren Lesern weiter erzählt. Und die Fans haben bestimmt noch lange nicht genug. Nach eigenen Angaben hatte die Autorin in „Ruf des Smaragdgartens“ einfach zu wenig Gelegenheit, näher auf die Figur des verschmitzten Suchers Tjeri ke Vanamee einzugehen, der auch in „Feuerblüte“ nur eine Nebenrolle spielt. Und hier ist sie nun; die Geschichte des Agenten der Wassergilde.

Aus Udikos Luftkuppel ins Abenteuer

Tjeri ke Vanamee bewirbt sich mit sturer Hartnäckigkeit um eine Lehrstelle beim besten Sucher Dareshs. Der Große Udiko wird Tjeris Meister und väterlicher Freund, sein Lehrplan ist ebenso ungewöhnlich, wie effizient.  Nach dem Bestehen der Meisterprüfung wird Tjeri mit seinen Kollegen Merwyn und Joelle auf die Reise in das ferne Nerada, geschickt.

Tjeris Verhältnis zu Merwyn bleibt unterkühlt, während er zu Joelle, der er bereits während seiner Lehrzeit begegnet war, eine innige Freundschaft aufbaut. Keiner seiner Begleiter weiß, das der junge Sucher bereits einen Auftrag vom Rat bekommen hat, Tjeri soll eine geheimnisvolle Silberschale finden. Aus Zuneigung zu Joelle nimmt er dennoch eine weitere Suche an. Das Mädchen bittet ihn, ihre Schwester Ynea ausfindig zu machen, die von Angehörigen der Luftgilde entführt wurde.

Mi’ raela,  – Katzenfrau und Sklavin

Mi’ raela, begegnet in den Katakomben dem „Menschenwelpen“ Jini. Obwohl die anderen Halbmenschen diese Unbekannte, die ihr Gedächtnis verloren hat, misstrauisch beobachten,  hilft ihr die Katzenfrau. Auch die Regentin Dareshs findet Gefallen an dem Mädchen und bildet sie zur Nachfolgerin aus. Dabei stößt sie auf erbitterten Widerstand, denn ihr Berater Cyprio hat seine Tochter Hetta für die Position vorgesehen. Die Halbmenschen erkennen schließlich, dass sie durch Jini eine Chance auf ein besseres Leben hinter den Mauern der Felsenburg haben.

Alte Bekannte – neue Gesichter

Die Hauptfigur Tjeri stellt sich als humorvoller und cleverer Wassermensch vor, der eher zufällig seine Berufung zum Sucher entdeckt und eine ungewöhnliche Lehrzeit erlebt. Seinen Teil der Geschichte erzählt Tjeri rückblickend in Ich-Form, was schnell zu einer Identifizierung mit diesem sympathischen Burschen führt. Kleine Vorgriffe auf das zukünftige Geschehen lassen den Leser  intensiv mit fiebern.

Tjeris Persönlichkeit zeichnet sich nicht nur durch Mut und eine für seine Gilde ungewöhnliche Abenteuerlust aus, sondern auch durch ein unbefangenes Verhältnis zu den Halbmenschen. Vielleicht hat Katja Brandis die Anmerkungen des Phantastik-Couch Rezensenten von „Feuerblüte – im Reich der Wolkentrinker“ beherzigt, denn die Tiermenschen kommen in „Der Sucher“ ganz und gar nicht zu kurz. Ihre faszinierenden Eigenarten werden genauso detailliert beschrieben, wie die der verschiedenen Gilden. Mi’ raela ist die Hauptakteurin eines zunächst von Tjeris Erlebnissen  getrennten Handlungsverlaufs. Sie wird als couragierte Katzendame eingeführt, die sich mit dem verunsicherten Menschenmädchen anfreundet und so ihre Grenzen ein Stück weit überwindet.

Tjeris Abenteuer wechseln sich mit den Kapiteln ab, die Mi’ raela Erlebnisse  aus ihrer Sicht erzählen. Die Geschichte wirkt dadurch sehr abwechslungsreich, die ständig veränderte Perspektive und eine packende Handlung sorgen für Spannung. Die Autorin hat besonderen Wert auf die Gestaltung vielschichtiger Beziehungen zwischen den Charakteren gelegt, die den Leser ebenso fesseln, wie die aufregenden Abenteuer.

Warum nicht noch etwas mehr?

In der Entwicklung der Handlungsstränge lässt die Autorin einige Möglichkeiten ungenutzt. Warum wurde Tjeris Berufung zum Sucher oder seine erste Traumsuche nicht weiter ausgebaut?. Etwas mehr Geschichte und weniger Zufall hätten dem Roman „Der Sucher“ mehr Tiefe verliehen. Es wirkt fast so, als traue sich die Autorin an ein vielschichtigeres Epos noch nicht heran. Dabei erzählt Katja Brandis in einer modernen und schlichten Sprache so mitreißend, dass man gern 100-200 Seiten mehr genießen würde. Mit warmherzigen Worten schafft es die Autorin, den Leser unmittelbar zu berühren. Brandis eingängige Beschreibung von Land und Leuten geben auch demjenigen, der zum ersten mal mit der Daresh-Welt in Berührung kommt, ein Gefühl der Vertrautheit. Der Autorin ist es gelungen, Daresh von den anderen Welten der High-Fantasy abzugrenzen. Die Menschen dort sind von der Charakteristik ihrer Provinz geprägt, die Daresh-Magie übt jeder Gilde auf ihre vorherbestimmte Weise aus. Katja Brandis faszinierende Fantasy-Welt hat hoffentlich noch viele, gern auch etwas komplexere Geschichten zu erzählen. Daresh ist reif für ein großes Fantasy-Epos.

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