Lockruf der Toten von Kelley Armstrong

Buchvorstellungund Rezension

Lockruf der Toten von Kelley Armstrong

Originalausgabe erschienen 2007unter dem Titel „No Humans Involved“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 560 Seiten.ISBN 3-426-50395-6.Übersetzung ins Deutsche von Christine Gaspard.

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In Kürze:

Jaime Vegas, die berühmte Nekromantin, soll fürs Fernsehen den Geist Marilyn Monroes beschwören. Doch am entscheidenden Tag ist es nicht die Filmdiva, die Jaimes Ruf folgt. Im Garten des Hauses, wo die Dreharbeiten stattfinden, trifft sie zu ihrem Entsetzen auf Geister von Kindern, die in einer Zwischenwelt gefangen sind und um Erlösung flehen …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Die Nekromantin, Hollywood und tote Kinder – eine brisante Mischung“77

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Jaime Vegas kann mit den Toten sprechen. Mehr noch, als Nekromantin ist die in der Lage, den Seelen, denen die Parzen den Kontakt erlauben oder die noch nicht in die Nachwelt übergetreten sind, ihren Willen aufzuzwingen. Seit frühster Kindheit hat ihre ehrgeizige Mutter sie dazu gedrillt, vor Publikum aufzutreten und ihre Show abzuziehen. Dass sie im Gegensatz zu ihren Konkurrenten tatsächlich über die Gabe verfügt, verheimlicht sie dabei geschickt.

Nun, mit über dreißig nimmt sie einen letzten Anlauf, ihrer Karriere noch einmal einen Schub zu verleihen. Zwar tritt sie schon regelmäßig in Fernsehshows auf, doch eine eigene, nur auf sie zugeschnittene Show wäre die Krönung ihrer Laufbahn, bevor die Zeit ihr Gesicht und Busen für den Bildschirm unattraktiv altern lässt. Um bei den Studiobossen Hollywoods zu punkten, erklärt sie sich bereit, zusammen mit zwei anderen Medien in einer TV-Produktion zu versuchen, den nach wie vor mysteriösen Tod Marilyn Monroes aufzuklären.

In der extra angemieteten Villa, in der erste Szenen aufgenommen werden, stößt sie auf etwas, das ihr in all den Jahren, in denen sie nun mit Geistern in Kontakt kommt, noch nie untergekommen ist. Fragmentierte Überbleibsel von Seelen, die mit etwas in Verbindung zu stehen scheinen, das es eigentlich gar nicht geben darf – menschliche Magie. Dass es sich bei den Überbleibseln um ermordete Kinder handelt, sorgt für zusätzliche Motivation, den Tätern auf die Spur zu kommen. Unterstützt von Jeremy, dem Alpha eines Werwolfrudels, der in der toughen Erfolgsfrau ganz merkwürdige Gefühle auslöst, macht Jaime sich auf das Mysterium zu erforschen – und gerät dabei in die Fänge der skrupellosen Hexer …

Die weitgehend unbeachtete Pionierin geht ihren eigenen Weg konsequent weiter

Über die Jahre hat die Kanadierin Kelley Armstrong, die als eine der Ersten das schrieb, was heutzutage unter dem Signet Urban Fantasy aus den internationalen Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken ist, ihre übernatürliche Welt immer dezidierter ausgebaut.Was mit Hexen begann, später mit Werwölfen, Dämonen und Vampiren fortgesetzt wurde, das hat inzwischen eine ganz eigene Dynamik entwickelt.

Während sich andere Autoren nur zu oft wiederholen, Anleihen bei ihren erfolgreichen ersten Bänden nehmen und auf diese Art ihre Fans und Leser langweilen, so vermeidet Armstrong dies ebenso geschickt wie versiert. Immer wieder stellt sie neue Protagonisten ins Zentrum der Handlung, wechselt dabei die Handlungsorte, lässt aber auch liebgewonnene Figuren in Nebenrollen wieder auftreten. Aus einer anderen, indirekten Perspektive beleuchtet rundet sich so das Bild, das wir von diesen bekommen haben, weiter ab, werden die Charaktere noch plastischer und damit glaubwürdiger.

Allerdings tut sich der Verlag mit dem Waschzettel keinen Gefallen. Unter der Überschrift „Spannung, Witz und mehr als ein Hauch Erotik“ versucht man sich an die erfolgreichen Reihen vornehmlich aus dem Egmont-Lyx Verlag anzuhängen. Wer nach dieser Aussage geht, der wird zwangsläufig enttäuscht sein. Der Erotikfaktor ist – wohltuend – dezent, nur eine wirkliche Bettszene erwartet den Rezipient, das war es dann aber auch schon mit dem plakativen Sex.

Statt dessen aber hält der Roman etwas viel Besseres, als eine oftmals plumpe, reizlose Schilderung des Aktes für den Käufer bereit: eine überaus spannende, abwechslungsreich aufgezogene Handlung von einer Autorin, die ihr Metier beherrscht und stringent zu erzählen weiß. Geschickt verbindet sie dabei die Suche nach der Auflösung der Morde mit der überzeugenden Zeichnung der Charaktere des Film- und Fernsehbusiness und ihren phantastischen Eigenkreationen. Das hat Pep, liest sich gut und fügt sich erweiternd in das bereits bekannte Bild.

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