Die Alchemie der Unsterblichkeit von Kerstin Pflieger

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011, 352 Seiten.ISBN 3-442-47483-3.

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In Kürze:

Den jungen Gelehrten Icherios Ceihn packt die Angst. Niemals zuvor ist er durch diese finsteren Lande gefahren, noch nie hat er ein Irrlicht gesehen. Es ist das Jahr 1771 und Icherios auf dem Weg in den tiefsten Schwarzwald, um eine brutale Mordserie aufzuklären. Im Dorf erwartet ihn schon eine seltsame Ansammlung aus Vampiren, Werwölfen und Menschen, die alles andere als friedfertig ist. Und ein Mord folgt auf den nächsten …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Viel schöner ist das Leben zu leben, anstatt nur von ihm zu lesen“88

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Wir schreiben das Jahr 1771. Eine Hungersnot ohnegleichen sucht Baden heim, in Karlsruhe verhungern die Armen auf offener Straße. Auch der junge Gelehrte Icherios Ceihn, Abkömmling aus gutem Hause, der sich vom Elternhaus losgesagt ganz der Wissenschaft verschrieben hat, darbt. Um ein Stipendiat als Mediziner zu erhalten, hat er sich den Rosenkreuzern und ihrer „Kanzelley zur Inspektion übernatürlicher Begebenheiten“ angeschlossen.

Sein erster eigenständiger Auftrag führt ihn auf den Pfaden eines Serienmörders in den tiefsten Schwarzwald. Schon die Fahrt mit der Pferdekutsche erweist sich dabei als Abenteuer. Gemieden von der abergläubischen Bevölkerung erreicht er das mitten im Dunklen Territorium gelegene Dornfelde. Was die Bauern, Vagabunden und Fahrensleut nur furchtsam im Schein der Lagerfeuer einander zuraunen, dass hier Werwölfe, Geister und Vampire ihr Unheil treiben, das erweist sich als wahr. Auch wenn unser dem Laudanum verfallene Icherios zunächst fast schon verzweifelt alles Übernatürliche negiert, krampfhaft versucht, sich wissenschaftliche Erklärungen für die Geschehnisse und Wesen einfallen zu lassen, muss er am Ende doch akzeptieren, dass sich ihm eine neue, bis dato undenkbare Welt erschließt.

Die Suche nach dem Täter der Morde erweist sich dabei als nicht minder schwierig, als die besondere Situation und die Opfer als das zu akzeptieren, was sie sind. Die einander misstrauisch, ja ablehnend und mit wachsender Feinschaft beäugenden Spezies, Zeugen, die Informationen und Beweismittel zurückhalten, Geheimnisse und Anfeindungen führen unseren Ermittler in herzoglichen Gnaden nur zu häufig auf falsche Fährten. Wird es ihm gelingen, den Mörder zu stellen bevor dieser sein alchemistisches Ritual beendet hat, und wird die explosive Stimmung im Dorf in einem Kampf der Spezies gegeneinander enden, ja wird unser intelligenter, wenn auch ein wenig gehemmter Studiosus den Ränken der lasziven Vampirfürstin verfallen – die Lektüre wird ihnen diese und weitere Fragen beantworten.

Beeindruckendes Debut aus deutschen Landen

Immer wieder einmal entdecken die Verlage neue, junge Autoren, die dem allgemeinen Kanon der phantastischen Veröffentlichungen ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken können. Dies war bei Richard Schwartz ebenso der Fall wie bei Christoph Marzi oder Gesa Schwartz, und nun schickt sich eine neue Stimme an, das lesehungrige Volk mit ihrer ganz eigenen Mär zu beglücken.

Was Kerstin Pflieger mit ihrer ersten Romanveröffentlichung präsentiert, das ist beeindruckend. Mit scheinbar leichter Hand nimmt sie sich des eigentlich ausgelutschten Themas der Vampire und Werwölfe an, setzt diese in eine gerade für einen Roman ungewöhnliche Zeit und Gegend und überrascht mit kauzigen Figuren, verbindet diese, handwerklich überraschend versiert mit einer atmosphärisch dichten Beschreibung des Dorfes und legt dazu noch die Suche nach dem Who Did It obendrauf.

In der von Vorurteilen, Hass und Misstrauen geprägten Dorfgemeinschaft wird unser Protagonist angefeindet, ist sich selbst und seiner Sache unsicher. Ein immer wieder angesprochenes dunkles Geheimnis aus seiner Vergangenheit belastet den zunächst ganz seiner Ratio vertrauenden Mann zusätzlich. Im Verlag seiner Ermittlungen muss er so manche lieb gewonnenen Überzeugung abschwören, sich selbst, sein scheinbar festzementiertes Wissen hinterfragen und neu bewerten. Dazu kommt, dass er in der engen Gemeinschaft als Fremder von außen keine wirkliche Unterstützung erhält. Die zunächst vage bleibenden, später an Bedrohung noch zunehmenden Ereignisse im ihm unvertrauten Terrain mit Irrlichtern, Ghoulen und einem untoten Bären sorgen für weitere, atemberaubende Spannung. Zwar ist die Auflösung der Morde bereits relativ früh zu erahnen, kommt unser Anti-Held und mit diesem der Leser jedoch durch weitere, schmerzhafte Verluste und Opfer bis ins Finale nicht zum Atemholen. Stilistisch sehr ansprechend, inhaltlich packend und atmosphärisch dicht unterhält der Roman auf der ganzen Linie, und weckt Appetit auf die in Vorbereitung befindlichen weiteren Bände.

Ihre Meinung zu »Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit«

Fantissimo zu »Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit«03.06.2013
Ich fand das Buch klasse! Es hat alles was ich von einem Fantasy Horror Buch erwarte - nicht zuletzt Spannung. Wie in der oben stehenden Rezension bereits erwähnt gelingt der Autorin auf gekonnte und keineswegs abgeschusterte Weise dieVerschmelzung zwischen Realität und science-Fiction. Die Charaktere sind liebenswürdig und man kann sich leicht mit dem Protagonisten indentifizieren. Eines der besten Debüts die ich je gelesen habe :)
tassieteufel zu »Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit«15.03.2012
Icherios Ceihn, ein junger Gelehrter aus Karlsruhe, der sich mit Ermittlungen für die Stadtwache über Wasser hält und immer noch hofft, einen Studienplatz für Medizin zu bekommen, erhält einen seltsamen Auftrag von seinem Gönner Raban von Helmstatt, er soll eine Reihe unheimlicher Mordfälle in Dornfelde im Schwarzwald aufklären, doch schon die Reise ins Dunkle Territorium ist mehr als gefährlich und was Icherios in Dornfelde selbst erwartet, stellt sein gesamtes Weltbild auf den Kopf.
Schon als ich den Klappentext las, erinnerte mich das irgendwie an den Film Sleepy Hollow, die Ermittler heißen ähnlich, im Buch Icherios Ceihn, im Film Ichabod Crane, beide werden in eine entlegene Gegend entsandt um eine unheimliche Mordserie aufzudecken. Während im Film aber die Handlung zielstrebig verfolgt wird u. auf ein fulminates Ende zusteuert, verzettelt sich das Buch doch ziemlich. Dabei fängt alles sehr spannend an. Die düstere, aufgeheizte Stimmung in Karlsruhe, Icherios seltsame Begegnung in der Kanzlei und sein Auftrag, dann seine Reise in das dunkle Territorium, bis dahin war ich wirklich von der Story begeistert, aber dann sackte der Spannungsbogen deutlich ab. Icherios Ermittlungen erschienen mir oft unlogisch, manche Handlungsstränge waren überflüssig, weil sie in Nichts führten, andere waren zu sehr in die Länge gezogen u. wieder andere,die eigentlich vielversprechend erschienen, wurden gar nicht verfolgt. Die größte Schwäche des Buches war aber für mich, das die Autorin die Story zu sehr überfrachtet hat. Vampire, Worge, Werwölfe, Irrlichter, Ghoule, Widergänger, eine Hexe, alchemistische Experimente, da wäre weniger mehr gewesen, so kam bei mir irgendwie das Gefühl auf, als müsse unbedingt jedes magische Wesen in die Geschichte hinein und das wäre gar nicht nötig gewesen und macht die Geschichte letztendlich auch etwas unglaubwürdig. Dabei hat mir die Idee der Autorin, Vampire Werwölfe u. Menschen in einem abgelegenen Gebiet zusammen leben zu lassen, sehr gut gefallen. Anstatt alle möglichen Wesen im Geschehen zu installieren, hätten die Beziehungen dieser drei Personengruppen weiter ausgebaut werden können, so blieb vieles sehr oberfächlich. Sehr positiv habe ich allerdings empfunden, das Werwölfe und Vampire nicht als die weichgespülten Schönlinge dargestellt wurden, wie man sie zur Zeit in jedem dritten Buch findet, hier wurden verschiedene Seiten aufgezeigt und machten die Figuren somit auch glaubwürdig.
Auch bei der Charakterzeichnung der Figuren hätte ich mir etwas mehr Tiefgang gewünscht, vor allem auch bei Icherios ist hier noch viel Spielraum nach oben, doch er ist eine durchaus interessante Figur die Potential hat und ich bin neugierig auf den 2. Fall des Ermittlers.
Zwei Sachen, die allerdings nichts mit dem Inhalt zu tun haben, sollten aber nicht unerwähnt bleiben, da ist zum einen das sehr nett gestaltete Cover, ein echter Hingucker, zum anderen das sehr schlechte Lektorat, das Buch wimmelt von Schreibfehlern, machmal fehlen Buchstaben oder gar ganze Wörter, sowas sollte bei einem Verlag wie Goldmann nicht passieren!

Fazit: nach einem ziemlich starken Einstieg, sackt das Buch dann deutlich ab, was die Spannung angeht, die Handlung zerfasert sich teilweise und ist mit zuvielen magischen Wesen überfrachtet, Insgesamt läßt sich das Buch aber flüssig lesen und ist für einen Erstling gar nicht schlecht.
manekineko zu »Kerstin Pflieger: Die Alchemie der Unsterblichkeit«07.08.2011
Mir hat die Kombination aus Fantasy und Thriller sehr gut gefallen. (Kommt mir in letzter Zeit irgendwie häufiger unter.) Hier stand eindeutig die Thriller-Handlung im Vordergrund. Der blutrünstige Mörder - bei dessen Werk der Leser manchmal sogar zusehen muss - geht in Dornfelde um und gefährdet nicht nur die Bewohner der Siedlung, sondern auch das zerbrechliche Gleichgewicht, das zwischen Fabelwesen und Menschen herrscht. Es lastet viel Verantwortung auf dem jungen Icherios, der von Kerstin Pflieger sehr realistisch gezeichnet ist. Er findet sich im Verlauf des Buches immer mehr damit ab, dass es so etwas wie Vampire und Werwölfe gibt, d.h. er entwickelt sich weiter. Auch seine Schwächen sind sehr glaubhaft und machen ihn für mich sympathischer, als wäre er der absolute Held, der den Mörder durchschaut und schnappt, sobald er den Fuß über die Grenze von Dornfelde gesetzt hat. Bei Icherios bleibt beim Leser immer ein wenig die Befürchtung, dass er sich am Ende selbst ans Messer bringt. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Etwas Schwierigkeiten hatte ich bei den Namen und Titeln. Wer war doch gleich der Fürst und war der nun Vampir oder war das doch der Bürgermeister? Und wie hieß der nochmal? Das hat sicher etwas mit meiner Schwäche zu tun, mir Namen zu merken. Denn zumindest die Hauptagierenden konnte ich mir ab spätestens der Hälfte des Buches durchaus merken und ich konnte zuordnen, wen ich als Mörder am ehesten verdächtigen würde. Am Ende war es ein Anderer, aber das ist ja nur umso besser.


Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Endlich traut sich eine Autorin gegen die Glitzerwelle an zu gehen und Vampire und Werwölfe wieder klassisch und düster darzustellen!
Manchmal war es ein bisschen zu brutal für mich, sodass ich die Mordszenen übersprungen habe, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Ich wollte in jedem Fall wissen, wer hinter den Morden steckt und ob es nun wirklich ein Mensch, ein Werwolf oder ein Vampir gewesen ist.
Den nächsten Teil werde ich sicher auch lesen. Und wenn es auch hauptsächlich deshalb ist, weil ich wissen möchte, was aus der armen Ratte wird! ;)
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