Getrickst von Kevin Hearne

Buchvorstellungund Rezension

Getrickst von Kevin Hearne

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Tricked“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 384 Seiten.ISBN 3-608-96134-8.Übersetzung ins Deutsche von Friedrich Mader.

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In Kürze:

Atticus O’Sullivan steht auf der Abschussliste sämtlicher Donnergötter. Um ihrer Rache zu entkommen, lässt sich der Druide auf einen Deal mit Coyote ein, dem Trickstergott der Navajo. Als Gegenleistung erwartet dieser auch bloß einen klitzekleinen Gefallen – Ehrenwort.

Coyote hilft Atticus, den eigenen Tod vorzutäuschen und danach unter zutauchen. Es dauert nicht lange, bis Atticus begreift, dass der trickreiche Gott ihn übers Ohr gehauen hat. Statt mit seiner Auszubildenden Granuaile und seinem Hund Oberon die neugewonnene Freiheit genießen zu können, ist er nun dazu verdammt, blutrünstige Gestaltwandler in Colorado zu bekämpfen. Falls Atticus je wieder lebend aus dieser Sache herauskommt, schwört er, sich nie wieder austricksen zu lassen. Aber von überall droht Verrat – auch aus den eigenen Reihen.

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mit den Asen hat er es ja noch aufgenommen – jetzt aber sind die Skinwalker auf seiner Fährte“83

Fantasy-Rezension von Carsten Kuhr

Haben Sie schon einmal etwas wirklich Dummes getan? So etwas absolut Blödes, was dann natürlich nach Hinten losging? Und jetzt stehen sie im Regen? Kennen Sie, ist ja so schlimm dann auch wieder nicht, wird schon wieder werden? Na, dann kann ich nur sagen, selig sind die Geiste armen.

Ich reihe mich da durchaus in die Riege derer ein, die ihr Leben in den Sand gesetzt haben. Allerdings hatte ich ein klein wenig mehr Erfahrung, und hätte es eigentlich besser wissen müssen.

Gestatten, dass ich mich vorstelle Atticus O´Sullivan, Ire, und letzter auf Erden wandelnder Druide. Böse Stimmen schimpfen mich als Göttertöter – und liegen da nicht allzu weit daneben. Ich habe es mir, in meinem mittlerweile Jahrhunderte andauernden Leben zur gängigen Übung gemacht, meine Versprechen einzuhalten. Das hat dafür gesorgt, dass mein Leben, nun nennen wir es einmal so, noch etwas interessanter wurde.

Zusammen mit einigen Verbündeten, denen ich in geistiger Vollumnachtung mein Wort gegeben hatte, haben wir die Asen in Asgard besucht, dabei Thor getötet und aus Odin einen wandelnden Deppen gemacht. Dass dies nordischen Götter das nicht wirklich prickelnd fanden und Tyr sowie eine ganze Reihe Donnergötter auf meine Fährte setzten zwang mich dazu, Hilfe zu suchen.
Und wenn man dann, wie ich, so richtig drin sitzt in der Sch.., Misere, dann sind die Hilfsangebote eher spärlich gesät.

Nur Coyote, der unsterbliche Gott der Navajo lässt sich auf einen Deal ein. Er stirbt an meiner Stelle, dafür helfe ich ihm dabei, im Indianerreservat ein Solar- und Windkraftwerk zu errichten. Eigentlich sollte ich es ja wissen, dass ich immer wenn der Trickser im Spiel ist, den Kürzeren ziehe, doch zunächst schien er, angesichts der Bedrohung, das kleinere Übel zu sein. Nur, dass er mir gleich zwei Skinwalker und damit noch nicht genug auch die Todesgöttin HEL auf den Hals hetzt hätte nun wirklich nicht sein müssen, zumal mich auch noch Verrat bedroht. Eigentlich will ich ja nur in Ruhe und Frieden mein möglichst ereignisloses Leben leben, mein Lehrmädchen ausbilden, und mit meinem Hund Gassi gehen, doch irgendwie haben das Schicksal, die Götter und meine Feinde immer irgendwie etwas Anderes für mich in Petto …

Alles eine Nummer kleiner, dafür aber auch spritziger als im Vorgängerband

Kevin Hearnes Saga um den Eisernen Druiden geht in seine vierte Runde. Die Urban Fantasy Serie bietet sich auf den ersten Blick austauschbar an. Es gibt Gestaltwandler, Vampire, Zauberer und Hexen, einen etwas ungeschickt agierenden, na ja trottelig trifft es besser, Helden und auf Erden wandelnde Götter und Dämonen. Was die Reihe dann aus dem bunten Urban Fantasy Mix heraushebt, das ist zum Einen das minutiös recherchierte Wissen um Sagengestalten, Götterpantheone und Naturgeister sowie der unverwechselbar selbstironische Stil unseres Erzählers. Beides trägt zum großen Unterhaltungswert des Zyklus´ bei.

Nachdem es der Autor im letzten, dem dritten Band der Reihe doch etwas allzu gut mit der Action gehalten hat, bemüht Hearne sich vorliegend erfolgreich seinen Plot wieder auf etwas glaubwürdigere Füße zu stellen. Alles präsentiert sich eine Nummer kleiner, dafür aber nicht minder gefährlich, undurchsichtig oder tödlich.

Nach wie vor sind – fast – alle hinter unserem Protagonisten her, der sich ein ums andere Mal, fast wie der olle Münchhausen, an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zieht. Natürlich baut Atticus dabei auf einem sehr reichhaltigen Schatz von Erfahrungen auf, kann immer wieder Wissen, Beschwörungen und dienstbare Freunde hervorzaubern, wenn die Lage allzu aussichtslos wird. Nebenher erfährt der Leser aber auch viel Wissenswertes über das Leben und die Kultur der amerikanischen Ureinwohner, über deren Naturreligion und Sagenwelt. In diesem Gerüst aus unterschiedlichsten übernatürlichen Wesen muss sich unser Druide seiner Haut erwehren, muss für die Sicherheit seiner Freunde sorgen und so nebenbei auch noch das Böse aufhalten. Man sieht also, dass auf den Leser einmal mehr eine wahre Achterbahnfahrt aus packenden Auseinandersetzungen und Geheimnissen wartet.

Dass der Autor trotz all diese Gefahrensituationen ohne zu viel Kampf und Blut auskommt, dass die Gewalt immer nur Mittel zum Zweck und nie wirklich Fokus der Handlung ist, hebt die Serie und den Roman weiter aus dem sonst Üblichen heraus. So ist diese Reihe, neben Jim Butchers „Harry Dresden“ (dt. Feder & Schwert) und Ben Aaronovitchs Titel (dt. DTV) für alle Fans der Urban Fantasy eine Empfehlung wert, auch wenn sie – noch zumindest – mit den beiden Erstgenannten nicht ganz mithalten kann.

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