Paloma von Kristine Kathryn Rusch

Buchvorstellungund Rezension

Paloma von Kristine Kathryn Rusch

Originalausgabe erschienen 2006unter dem Titel „Paloma“,deutsche Ausgabe erstmals 2008, 420 Seiten.ISBN 3-404-23325-5.

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In Kürze:

Miles Flint kehrt nach langer Abwesenheit wieder auf den Mond zurück. Sogleich erhält er einen panischen Anruf von seiner früheren Mentorin Paloma. Er eilt zu ihrem Apartment, doch es ist bereits zu spät: Paloma wurde brutal ermordet. Wie sich herausstellt, hat sie ihm den Großteil ihres Vermögens hinterlassen, und unversehens wird Flint zu einem Mordverdächtigen in dem Fall. Doch Paloma hat ihm nicht nur Geld hinterlassen, sondern auch noch einen Auftrag: Flint soll einige fragwürdige Geschäfte in Palomas Vergangenheit durchleuchten. Ein Spiel auf Leben und Tod nimmt seinen Lauf …

Das meint Phantastik-Couch.de: „Mord auf dem Mond – der fünfte Fall des Miles Flint“70

Science-Fiction-Rezension von Carsten Kuhr

Miles Flint ist Loakalisierungsspezialist. Er hilft dabei, untergetauchte Menschen, die sich vor den sie verfolgenden Gesetzen der Aliens in Sicherheit gebracht haben, wiederzufinden. Als ehemaliger Cop hat er Beziehungen und den berühmten Riecher, so dass er gut in seinem Job ist. Bei seiner Tätigkeit gerät er immer wieder mit den Mächtigen Lunas und ihrem Beamtenapparat, dem er selbst einmal angehört hat, aneinander. Nach seinem letzten Fall dürstet ihn nach Einsamkeit. Er muss und will mit sich selbst ins Reine kommen und begibt sich auf seiner Privatjacht ins All.

Monatelang war Miles Flint nicht mehr auf dem Mond. Eine Zeitlang sah es gar so aus, als ob er seiner Heimat in den Kuppeln endgültig Lebewohl gesagt hätte, doch dann trieb ihn Heimweh wieder zurück nach Luna. Als Lokalisierungsspezialist hat er sich dort einen Ruf erworben, sein Reichtum und seine wenigen Bekannten – als Lokalisierungsspezialist tut man gut daran, keine Familie oder Freunde zu haben, über die man unter Druck gesetzt werden kann – leben dort.

Doch kaum hat er das total verstaubte Büro betreten, empfangen seine Links einen Notruf. Paloma, die Frau, die ihm alles in seinem Job beigebracht hat, die Frau, von der er Ratschläge und Hilfe erhalten hat, und der er ihr florierendes Unternehmen abgekauft hat, ruft panisch um Hilfe. An ihrer Wohnung angekommen, ist diese bereits von der Polizei abgeschottet. Nur seine Kontakte – wozu war man einmal Bulle – erlauben es ihm, den Tatort in Augenschein zu nehmen. Paloma ist nicht einfach nur tot, sie wurde nicht nur ermordet, sie wurde regelrecht geschlachtet.

Als Haupterbe gerät er in der Folgezeit nicht nur ins Visier der Ermittlungsbeamten, sondern muss sich auch mit den leiblichen Söhnen der Verstorbenen herumschlagen. Nicht nur Geld, Immobilien und zwei Rauschiffe umfasst das Erbe, auch höchst brisante Akten der renommiertesten Anwaltsfirma des Mondes hat Paloma sichergestellt – Material, das Honoratioren an den Pranger stellen könnte, und die dominierende Anwaltsfirma trotz all ihrer Kontakte in höchste Kreise zu vernichten imstande wäre. Und das wollen die Anzugträger auf jeden Fall vermeiden – da sind ihnen alle Mittel recht. So wird Miles auf der Suche nach dem Mörder selbst zum gejagten Wild …

Grisham goes Luna

Die Anzahl der Genre-übergreifenden Romane ist gering. SF-Krimis gibt es kaum, gute noch viel weniger. Insofern stößt die Reihe um Miles Flint in eine echte Marktlücke vor. Auch dieses Mal steht wieder ein spannend aufgezogenes Verbrechen im Mittelpunkt des Romans. Dabei geht es weniger darum, den Täter zu entlarven, das Motiv für die Tat und wichtiger noch, die anschliessende Auseinandersetzung der Davids – Miles und seine Rechtsanwältin – gegen den Goliath – die Politiker wie Richter beeinflussende Anwaltsdynastie – steht ganz im Zentrum des Geschehens.

Angereichert wird dieser Wirtschaftskrimi durch die glaubwürdig ausgestaltete Portraitierung der polizeilichen Ermittlungsarbeit und der wachsende Zuneigung zwischen dem mit dem Fall betrauten Beamten und Flints alter Partnerin. Das liest sich alles ein wenig wie ein Grisham, spannend, voller Wendungen und Offenbarungen mit dem Credo, die Reichen und Mächtigen können sich alles erlauben und kommen mit allem durch. Freunde entsprechender Werke werden hier gut bedient.

Was mich nach wie vor stört, ist, dass Rusch aus ihrem Science Fiction-Umfeld zu wenig macht. Natürlich spielt die Handlung unter den Kuppeln auf dem Mond, es gibt Aliens etc. aber beides läuft eher im Hintergrund mit, übernimmt kaum einmal eine wirklich tragende Rolle im Geschehen. Mit ein paar wenigen abändernden Pinselstrichen könnte die Handlung genauso gut in Miami oder San Francisco unserer Jetztzeit spielen. Hier verschenkt die Autorin Potential, was angesichts des ersten Romans der Serie, in der sie diese Ansätze versiert einfließen ließ, nur zu bedauern ist.

Insgesamt ein guter, streckenweise etwas zu langatmiger Roman der seine Leser mit altbekannten Themata in einer ungewöhnlichen Umgebung in seinen Bann zu ziehen weiß.

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